Rezensionsübersicht

108 Rezensionen
Liebesrausch Charlotte von Feyerabend
Liebesrausch (Buch)
5 von 5 Sterne

Liebe und Schaffen wie im Rausch

Die Amerikanerin Anaïs Nin zog 1924 mit ihrem Ehemann, dem Bankangestellten Hugh Parker Guiler, nach Paris. Finanziell gut aufgestellt, unterstützte das Ehepaar avantgardistische Künstler und lernte so auch Henry Miller kennen. Anaïs und Henry stürzten sich in eine rauschhafte Liebesaffäre und trieben sich gegenseitig in ihrer literarischen Kunst an. Doch das wilde Leben im Paris der 30er Jahre fordert auch einen Preis: Anaïs ist zerrissen zwischen ihren Bedürfnissen und Gefühlen, die sie ihren Tagebüchern anvertraut, die einmal zu den Klassikern der Literatur gezählt werden…..

Die deutsche Autorin Charlotte von Feyerabend hat – zusätzlich zu ihrem Schaffen innerhalb DELIAs (Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautorinnen und -autoren) – wichtige Romanbiografien über starke Frauen veröffentlicht (Beate Uhse, Selma Lagerlöff, Caroline Märklin) und legt nun ihre Biografie über die skandalumwitterte Schriftstellerin Anaïs Nin vor, die insbesondere für ihr ausschweifendes Leben im Paris der 30er Jahre bekannt ist, und ihre Beziehung zu dem amerikanischen Schriftsteller Henry Miller, dessen damals entstandenes Buch „Im Wendekreis des Krebses“ lange Jahre indiziert war.

Nachdem Charlotte von Feyerabend auf einem Pariser Flohmarkt alte Ausgaben der Tagebücher Nins in die Hände gefallen worden, war klar, dass sie über die Frau schreiben muss – und hat absolut akribisch recherchiert. Herausgekommen ist eine gut lesbare Geschichte, die jedoch inhaltlich nicht ganz leicht verdaubar ist, wie ich finde, in vielerlei Hinsicht.

Erzählt wird „Liebesrausch“ aus den unterschiedlichen Perspektiven von Anaïs Nin in der Ich-Perspektive erzählt und Henry Millers durch einen personalem Erzähler, unterbrochen von Tagebucheinträgen der Schriftstellerin. Die Sprache ist teilweise sehr derb in der sexuellen Verbalerotik, aber durchaus auch immer wieder anspruchsvoll. Das mag nicht jedem gefallen, gehörte jedoch unabdingbar zu den beschriebenen Personen und folgt aus ihren Originaltexten.

Auf den ersten Blick geht es um eine alles verzehrende Liebesbeziehung zwischen zwei Künstlern in ihrer kreativen Schaffensphase, die sich gegenseitig zu immer größeren Höhen anspornen und dadurch Welt-Literatur erschaffen; doch haben beide auch weitere Affären und Anaïs’ Verhältnis zu June ist durch einen Spiegel ihrer selbst gekennzeichnet, in der sie eine eigene Welt durch ihre Sprache erschaffen wollen. Trotz aller Intellektualität wird – bereits schon im Elternhaus - eine eigene Wahrheit hervorgebracht.

Ein Kernthema von Anaïs ist – bewusst und unbewusst - die Selbstbestimmung von ihr als Frau, resultierend aus der Tatsache, dass jeder Mann, dem sie begegnet, sie besitzen will. Aus dem Gedanken, dass Frauen anders sind, sehnt Anaïs sich dann auch nach dem Gleichgeschlechtlichen. Doch nicht nur die sexuelle Selbstbestimmung (zu der Zeit vor 100 Jahren noch ein absolut abwegiger Gedanke), sondern auch der Wunsch, sich ausleben zu können, prägt ihr Handeln, mit dem sie auch ihrer Zeit weit voraus ist.

Charly von Feyerabend gelingt es außerordentlich bildhaft, den mehrdimensionalen Charakter und die innere Zerrissenheit der Anaïs Nin darzustellen; dass diese Hauptfigur mir dennoch fremd blieb, liegt aber gewiss nicht an den Ausführungen, sondern einer völlig anderen Lebenswelt und anderen Werten.

Spannend ist im Zusammenhang mit der Psyche der skandalträchtigen Schriftstellerin auch die objektive und subjektive Psychoanalyse. Doch auch hier bestätigt sich das Männerbild von Anaïs Nin: Ihr Analytiker gibt Hinweise, hält diese aber auch selbst nicht ein und überschreitet so ebenfalls Grenzen. Und die wiederkehrenden eigenen Grenzüberschreitungen bleiben ein Thema für Anaïs, bis hin zum Inzest – nicht leicht zu ertragen für mich beim Lesen.

Anaïs Nin ist und bleibt der Mittelpunkt dieser starken Romanbiografie. Die außerdem auftretenden Männer befriedigen dabei lediglich ihre Bedürfnisse: ihr Ehemann Hugo den nach Sicherheit, Henry literarisch, dieser und weitere Männer ihren Sexualtrieb und der Psychoanalytiker den Intellekt. Und immer wieder geht es darum, Grenzen zu überschreiten.

Im gesamten Verlauf der Biografie fiebert man mit, bis Anaïs schließlich zu sich selbst findet.

Abgerundet wird das Buch durch Karten von Paris, zusätzliche Informationen der Autorin, als „Épilogue“ tituliert mit Informationen über die Wegbegleiter von Anais Nin, wichtigen Anmerkungen der Autorin zu einzelnen Textstellen, Rezepten und einem umfassenden Literaturverzeichnis.

Wer mehr über die inzwischen fast vergessene skandalumwitterte Literatin Anaïs Nin erfahren möchte und über die wilde Künstlerszene im Paris der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, ist mit der Romanbiografie absolut richtig beraten. Ich möchte allerdings eine Triggerwarnung aussprechen, da die Grenzüberschreitungen und die sexuellen Handlungen bis hin zum Verkehr Anaïs’ mit ihrem Vater nicht für jeden geeignet sind.

Wunderbar herausgearbeitet ist Anaïs’ Liebe zur Sprache, ihr Streben nach dem Perfekten, der Veröffentlichung, ihr Arbeiten im Wahn: Liebe und Rausch!
Ich vergebe fünf Sterne für dieses anspruchsvolle Werk, in dem ich mir bislang fast unbekannte Personen näher kennenlernen durfte und jetzt auch Lust bekommen habe den Klassiker von Henry Miller zu lesen.
Die Gemüsebäckerei Lina Wallentinson
Die Gemüsebäckerei (Buch)
3 von 5 Sterne

Mehr Gemüse auf besondere Art

Gemüsefans wissen es schon längst, man kann Gemüse nicht nur kochen, sondern auch prima damit backen! Manche der hier vorgestellten Rezepte erfordern allerdings schon ein wenig Mut. Nicht jede Kombination kann man sich ohne weiteres vorstellen. Da seien nur mal die grünen Kokosspitzen mit Limette genannt, in die zu den Kokosraspeln tatsächlich Feldsalat kommt! Dagegen ist die Möhrenbiskuitrolle mit Zitronencreme schon besser vorstellbar und übrigens auch echt köstlich! Im Theorieteil am Anfang des Buches geht die Autorin zwar auf die Gemüsesorten ein, aber nicht auf die Mehlsorten. Das finde ich etwas schwierig. Bei den Temperaturangaben steht die Backart nicht dabei. Ich habe gelernt, dass dann immer O/U zu verwenden ist.

Die meisten Zutaten sind alltäglich, doch bei ein paar bin ich dann doch ins Stolpern geraten. So findet sich beim Kartoffelbrot im Bräter beispielsweise die Angabe Weizenmehl spezial. Das sagt mir nichts! Ich brauche genaue Typenbezeichnungen! Womit wir wieder bei meiner obigen Bemerkung wären, dass darauf im Theorieteil mehr eingegangen hätte werden müssen. Andere Beispiele sind gemahlene Pommeranze oder Grahammehl. Da muss ich im Handel echt suchen!

Der Aufbau der Rezepte ist klar und übersichtlich. Nach dem Titel des Rezeptes folgt ein kleiner Text dazu. Danach werden die Zutaten für die ebenfalls angegebene Menge Gebäckstücke aufgezählt und in der Spalte daneben die Zubereitungsschritte erklärt und beschrieben. Nährwertangaben findet man nicht. Dafür hat, zu meiner großen Freude, jedes Rezept auch ein Foto. Auch finde ich es klasse, dass nach dem Rezeptverzeichnis ein Register nach Gemüsesorte angefügt wurde.

Manche Gebäckstücke werden arg klein. Da sollte man lieber weniger Stücke und dafür größere machen. Und man muss gerade bei den Broten und Brötchen ein wenig Geschick mitbringen, denn diese Teige sind sehr klebrig und daher etwas schwer zu formen. Die Kuchen sind ebenfalls für kleine Formen gedacht. Hier muss man etwas aufpassen. Man merkt hier schnell, dass in Schweden andere Mehlsorten genutzt werden und die Portionen kleiner sind.

Leider finde ich die Rezepte nicht wirklich alltagstauglich. Hin und wieder mal eins dieser Rezepte, ob deftig oder süß, finde ich okay, aber jeden Tag möchte ich das dann doch nicht, so gern ich Gemüse esse. Für Anfänger könnte das Buch in meinen Augen zu viele Stolperfallen aufweisen, da manchmal in der Zubereitung Zutaten anders sind, als auf er Zutatenliste angegeben. Auf Feiern eins dieser Gerichte mitzubringen, löst auf alle Fälle Staunen aus. Insgesamt möchte ich das Buch mit drei Sternen bewerten und empfehle es allen, die schon länger backen und das Außergewöhnliche lieben. Nach einer korrigierten Neuauflage gäbe es mindestens einen Stern mehr von mir.
(c) cms
Die Insel meiner Schwester Sara B. Elfgren
Die Insel meiner Schwester (Buch)
4 von 5 Sterne

Gelungenes Debüt in der Erwachsenenliteratur!

Ich habe vor Jahren die Engelfors-Trilogie von Sara B. Elfgren gelesen und fand sie toll; auch Norra Latin hatte mir gut gefallen. Als Jugendbuchautorin konnte sie mich stets überzeugen; daher war ich nun sehr gespannt auf ihr Debüt in der Erwachsenenliteratur.
"Die Insel meiner Schwester" spielt auf der schwedischen Insel Tallholmen.
Mirjam und Nia sind Halbschwestern; sie lernten sich erst im Alter von 14 Jahren kennen, hatten eine Weile Kontakt, der sich jedoch wieder verlief. Sie haben lange nichts mehr voneinander gehört und Mirjam war schon lange nicht mehr auf der Insel.
Nun wird Nia aber 40 und lädt sie zum Feiern auf die Insel ein.
Mirjams Freund hat sich gerade von ihr getrennt. Und Nia ist gefangen in einer absolut toxischen Beziehung und schafft es einfach nicht, sich zu trennen - nicht zuletzt, weil ihr Mann damit droht, sie dann umzubringen ...
Mirjam nimmt die Einladung an und reist nach Tallholmen. Nias Mann ist auch da ... und in der ersten Nacht zieht ein dunkler und gefährlicher Sturm sowohl auf der Insel als auch im Inneren aller Beteiligten auf ...
Werden alle diese Nacht überleben? Und wie wird ihr Leben danach aussehen, wie wird es danach in ihrem Inneren aussehen?
******
"Die Insel meiner Schwester" ist gut geschrieben und lässt sich auch so lesen.
Die ersten 100-130 Seiten konnten mich nicht so recht fesseln und begeistern, die Geschichte plätscherte etwas vor sich hin.
Einmal auf der Insel angekommen, änderte sich jedoch alles.
Die Figuren, die Geschichte, die Handlung waren plötzlich so fesselnd und spannend, auch und gerade auch in psychologischer Hinsicht, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte, sondern unbedingt weiterlesen musste und wollte, um zu erfahren, wie das alles weitergeht und endet.
Durch geschickte, unerwartete und unglaubliche Wendungen schafft Sara B. Elfgren es, die Spannung in jeder Hinsicht ins Unermessliche zu steigern.
Die toxische Beziehung zwischen Nia und ihrem Mann steht klar im Mittelpunkt.
Es ist eine atmosphärische, spannende Geschichte, eine, die gut unterhält, aber auch sehr nachdenklich stimmt und sprachlos macht.
Nach dem eher durchwachsenen Beginn konnte "Die Insel meiner Schwester" mich sehr positiv überraschen und komplett überzeugen.
Wer Familiendramen, psychologisch interessante und spannende Romane schätzt und Geheimnisse, Gefahr und den Schauplatz Schärenlandschaft mag, dem sei "Die Insel meiner Schwester" empfohlen.
Insgesamt ist Sara B. Elfgrens Debüt in der Erwachsenenliteratur gelungen.
Weltenwechsel Marion Kraft
Weltenwechsel (Buch)
5 von 5 Sterne

Zwischen Ausgrenzung und Selbstfindung

Dieses Buch erzählt von Julia, einem Mädchen, das am Rand der Gesellschaft aufwächst. Als Tochter einer weißen Mutter und eines amerikanischen farbigen GI erlebt sie früh, was es heißt, aufzufallen und nicht dazuzugehören. Ausgrenzung, Armut und die Nachwirkungen des Krieges prägen ihren Alltag.
Ein besonderer Ort in Julias Kindheit ist das sogenannte bunte Haus. Dort lebt sie eine Zeit lang mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammen und erfährt so etwas wie Schutz und Zugehörigkeit. Diese Phase fühlt sich beim Lesen wie ein kurzer, kostbarer Halt an. Umso stärker wirkt es, wenn sich das Leben erneut wendet und Julia gezwungen ist, ihren Weg unter veränderten Bedingungen fortzusetzen.
Der Roman verknüpft Julias Geschichte mit der ihrer Familie und spannt dabei einen Bogen über drei Generationen von Frauen. Es geht um die Weitergabe von Erfahrungen, um Verletzungen, die nicht ausgesprochen werden, und um die Frage, wie Herkunft ein Leben formt. Die westdeutsche Nachkriegszeit ist dabei stets präsent. Viele der geschilderten Situationen wirken heute noch nachvollziehbar.
Marion Kraft schreibt klar und aufmerksam. Die Sprache ist einfach und genau. Nähe stellt sich leise ein, ebenso Unruhe und Mitgefühl. Besonders eindrucksvoll ist Julias Entwicklung hin zu einer jungen Frau, die ihren Platz sucht und beginnt, sich selbst ernst zu nehmen. Dieser Weg wirkt glaubwürdig und nachvollziehbar.
Was diesen Roman auszeichnet, ist seine Haltung. Er erzählt von Identität, Fremdsein und Selbstbehauptung. Die Geschichte vertraut darauf, dass das Erlebte für sich spricht.
Ein kraftvoller Debütroman der Autorin, der stark berührt und tief bewegt.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung für Leserinnen und Leser, die tiefgehende Romane mögen.
Starfish Lisa Fipps
Starfish (Buch)
5 von 5 Sterne

Ein tolles Buch

„Starfish“ ist ein Kinderbuch, genauer gesagt eine Gedichtsammlung von Lisa Fipps, geeignet für Leser ab 11 Jahren. Das 272-seitige Buch erzählt die Geschichte der elfjährigen Ellie und ihren Weg zur Selbstakzeptanz, nachdem sie in der Schule gemobbt und gedemütigt wurde.

Ellie ist elf Jahre alt und nicht schlank. Wegen ihres Gewichts wird sie täglich von ihren Mitschülern gedemütigt und verspottet. Auch zu Hause ist das Leben schwierig: Ellies Geschwister geben ihr Spitznamen, und ihre Mutter, anstatt sie zu trösten und zu unterstützen, zwingt sie zum Abnehmen und denkt sogar über eine Operation nach. Ellie ist ständig frustriert und schränkt sich mit strengen Regeln selbst ein. Schließlich lernt Ellie mit der Hilfe ihrer besten Freundin, ihres Vaters und einer Therapeutin, sich selbst anzunehmen. Langsam gewinnt sie an Selbstvertrauen, beginnt sich zu wehren und verteidigt sich mutig.

Dieses Buch ist wirklich wunderbar! Das Buch behandelt tiefgründige Themen wie Bodyshaming, Mobbing und Selbstakzeptanz. Lisa Fipps schreibt sehr emotional, und die in poetischer Form erzählte Geschichte schildert Ellies Gefühle eindrücklich. So können die Leser Ellies innere Einsamkeit und ihren Schmerz besser verstehen und sich leichter in sie hineinversetzen. Ich hoffe, dieses Buch findet bald Einzug in Schulklassen und Bibliotheken.
Alle glücklich Kira Mohn
Alle glücklich (Buch)
4 von 5 Sterne

Einfühlsam geschriebene Geschichte um den Schein des familiären Alltags

Nach außen hin bestätigen sie das idyllische Bild vom Familienglück, Mutter Nina kümmert sich neben ihrem Teilzeitjob liebevoll um ihren Mann und die Kinder, Vater Alexander verdient als Oberarzt genug, damit sie den Alltag ohne finanzielle Sorgen genießen können. Tochter Emilia besucht das Gymnasium, Sohn Ben studiert, also alles perfekt, oder? Doch hinter dieser beschaulichen Fassade ist keines der Familienmitglieder wirklich zufrieden, nach und nach bröckelt die Illusion der heilen Welt.

Wie es in so vielen Familien geschieht, war es Nina, die einst um der Kinder Willen ihr Medizinstudium aufgegeben hat und sich nun in ihrer Rolle gefangen fühlt. Obwohl sie ganz offensichtlich alles am Laufen hält, neben ihrem Teilzeitjob den Ehemann und die Kinder umsorgt, gibt ihr der erfolgreiche Herr Doktor das Gefühl, weniger zu leisten als er selbst, da er doch den größten Anteil am Familieneinkommen erwirtschaftet. Allerdings ist Alexander ebenfalls innerlich unzufrieden, er ist sicher, einer von den Guten zu sein und wünscht sich mehr Wertschätzung, immerhin arbeitet er hart, damit alle gut leben können.

Mit ihren sechzehn Jahren sieht sich Emilia bereits erwachsen und empfindet die mütterliche Sorge als Einengung, der sie zu entfliehen versucht, ohne dabei zu bemerken, dass sie sich statt ihren eigenen Weg zu gehen lediglich an die Vorstellung ihres Freundes Julian anpasst. Der introvertierte Ben scheint einfach nur seine Ruhe zu wollen, zumindest im heimischen Umfeld, ganz offensichtlich ist er vom familiären Alltag genervt. Auch er ist nicht mit sich selbst im Reinen, gern würde er in eine eigene Wohnung ziehen und den Mut aufbringen, eine Kommilitonin anzusprechen, für die er heimlich schwärmt.

"Alle glücklich" von Kira Mohn ist eine Geschichte, die einfühlsam beleuchtet, welche unerkannten Probleme hinter der Fassade einer scheinbar so glücklichen Familie vor sich hin brodeln. Mich hat die Beschreibung des Familienalltags schnell in seinen Bann gezogen, die Autorin schreibt so lebensnah, dass ich mich in der einen oder anderen Kleinigkeit durchaus wieder gefunden habe. Die Perspektiven wechseln mit jedem Kapitel zwischen den vier Familienmitgliedern, wodurch ich den Eindruck bekam, sie alle gut zu kennen zu lernen, auch wenn mir nicht alle gleichermaßen sympathisch waren.

Die gesamte Familienkonstellation spiegelt die alltäglichen Sorgen und Probleme vieler Menschen wider, die Autorin beweist hier eine gute Beobachtungsgabe, indem sie ihre Leser tief in die unterschwelligen familiären Konflikte hinein führt. Damit hat sich mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, zwischenzeitlich mochte ich den E-Reader kaum aus der Hand legen. Das Ende hätte für meinen Geschmack gern etwas ausführlicher beschrieben sein dürfen, dennoch bin ich nicht unzufrieden, wenn auch ein wenig nachdenklich zurück geblieben. Für diese direkt aus dem Leben gegriffene Lektüre spreche ich gern eine Leseempfehlung aus.

Fazit: Mich hat diese lebensnahe Geschichte sofort in ihren Bann gezogen und bis zum (zugegebenermaßen recht knapp gehaltenem) Ende nicht wieder los gelassen, auch im Nachhinein kreisen meine Gedanken noch darum. Dieses einfühlsame Leseerlebnis empfehle ich gern weiter.
Woman Down Colleen Hoover
Woman Down (Buch)
4 von 5 Sterne

3,5 Sterne für eine überarbeitete Kurzgeschichte

Achtung! Bei dem Roman handelt es sich um eine Überarbeitung einer damals von ihr bereits veröffentlichten Kurzgeschichte namens „Saint“.
Ich habe vorher diese nicht gelesen und kann daher nicht sagen, ob neue Wendungen hinzugekommen sind.

Die Geschichte klang spannend und vielversprechend.
Zum einen wird das Buch als Thriller zum anderen als Roman kategorisiert. Ich für meinen Teil würde es zu einem Roman mit Spannungselementen und einigen spicy Szenen einordnen. Das ist auch bei mir der Kritikpunkt gewesen. Ich bin mit der Haltung rangegangen, dass es mehr Thriller - Elemente hat.
Teilweise waren mir einige Szenen zu lang und wenig spannungsgeladen. Mehrere Seiten zu lesen wie toll Saint ist und dass sie ihn ständig um sich haben will, fand ich eher öde.
Von den Seiten aber mal abgesehen, handelt es sich um eine wirklich wendungsreiche Geschichte. Die Autorin hat es geschafft, dass mir eine anfangs sympathische Figur zunehmend unsympathischer wurde und sehr scheinheilig wirkte. 
Die Art wie die Autorin schreibt, gefiel mir. Sie weiß wie sie eine Geschichte gut verpacken kann. Gerade der Anfang hat mir gut gefallen. Ich war sofort in der Geschichte drinnen. Als der langgezogene Mittelteil vorbei war, war ich auch wieder von der Geschichte gefesselt und wollte endlich wissen was hier eigentlich los ist. Und die Auflösung konnte überzeugen.

Wegen des langen langatmigen und für mich langweiligen Mittelteil, vergebe ich 3,5 Sterne. Das Buch konnte mich unterhalten. Aber ob es wirklich etwas für Leser ist, die die Kurzgeschichte schon gelesen haben, bezweifle ich, da nicht viele Wendungen in der Geschichte sind und diesbezüglich auch nichts „neu“ wirkte.
Wieso? Weshalb? Warum? Band 60 - Alles über Wasser Andrea Erne
Wieso? Weshalb? Warum? Band 60 - Alles über Wasser (Buch)
5 von 5 Sterne

Alles über Wasser

„Wieso? Weshalb? Warum?“ ist die bekannte Sachbuch-Reihe aus dem Ravensburger Verlag für Kinder ab 4 Jahren.
Diese beliebten Bilderbücher mit Klappen sind wirklich sehr informativ und es wird erstes Sachwissen vermittelt. Die Kinder öffnen auch begeistert die Klappen, um zu schauen was sich dahinter befindet. Die Texte sind nicht zu lang und gut verständlich.
In „Alles über Wasser“ erhalten die Kinder jede Menge Informationen über das Wasser. Die verschiedenen Bereiche wo es benötigt wird. Antworten auf viele Fragen rund ums Wasser. Wo gibt es überall Wasser? Woher kommt das Wasser, der Regen, der Schnee? Hier gibt es jede Menge Infos rund um das Wasser und die Verwendungsmöglichkeiten und es gibt sogar Tipps zum Wassersparen. Hinter den Klappen gibt es wieder viel zu entdecken und das macht den Kindern viel Spaß.
Die Texte sind für Kinder gut verständlich und auch die detaillierten Illustrationen dazu sind sehr gelungen. Hier bekommen die Kinder erstes Sachwissen vermittelt. Auch das Cover passt wieder sehr gut zu dieser Reihe.
„Wieso Weshalb Warum – Alles über Wasser“ ist auch wieder ein sehr informatives und spannendes Buch aus der beliebten Bücherreihe für Kinder.

Mathilde und Marie Torsten Woywod
Mathilde und Marie (Buch)
4 von 5 Sterne

Eine ruhige und unaufgeregte Geschichte

‚Mathilde und Marie‘ spielt im belgischen Dorf Redu, das zwar nur knapp 400 Einwohner, dafür aber rund 20 Antiquariate und Buchhandlungen hat. Die Personen und die Handlung der Geschichte sind fiktiv, das Dorf selbst gibt es jedoch wirklich. Man merkt, dass der Autor Torsten Woywod mit diesem Buch dem Ort, dem Lesen und den Buchhändlern ein Denkmal setzen möchte.

Mir hat die Atmosphäre des Buches sehr gefallen. Ich konnte mir Redu gut bildlich vorstellen: der Ort, die Menschen, alles ist auf eine heimelige, urige, naturbelassene und entschleunigte Weise beschrieben.
In diesen Ort verschlägt es Marie, eine junge Frau Mitte zwanzig, die nach einem Schicksalsschlag überstürzt aus Paris geflohen ist. Im Zug wird sie von der Buchhändlerin Jonina „aufgelesen“ und nach Redu eingeladen.

Auch Maries Entwicklung hat mir gut gefallen. Im Laufe der Tage, die zu Wochen und schließlich zu Monaten werden, entwickelt sich die orientierungs- und perspektivlose Studentin zu einer selbstbewussten Frau, die zu sich selbst findet. Dabei nimmt sie großen Einfluss auf das Dorf, seine Einwohner und insbesondere auf die verschlossene Mathilde.
Diese Entwicklung ist schon ein bisschen kitschig, vor allem die Freundschaft zwischen Marie und Mathilde, die sich recht schnell vertieft. Trotzdem hat es Freude gemacht, die beiden Frauen auf ihrem Weg zu begleiten.

Die Geschichte ist ruhig und unaufgeregt. Zwar gibt es das eine oder andere Vorkommnis, jedoch keine krassen Plot Twists oder dramatischen Wendungen. Manche Leser mögen das als langweilig oder langatmig empfinden. Mir hat ein solch ruhiges Buch zur Abwechslung jedoch sehr gut getan.

Gefremdelt habe ich aber mit dem Schreibstil des Autors, denn auch wenn es ihm gelingt, die Atmosphäre des Ortes und der Natur gut einzufangen, klingen die Dialoge der Figuren leider sehr gestelzt und wenig authentisch. Beim Lesen habe ich mir oft gedacht: „So redet doch keiner.“ Das fand ich schade, denn es ist mir wirklich negativ aufgefallen.
Die Insel meiner Schwester Sara B. Elfgren
Die Insel meiner Schwester (Buch)
3 von 5 Sterne

Ein psychologischer Roman mit viel Potenzial

Mirjam und Nia sind Schwestern, die erst mit 14 Jahren voneinander erfahren. Sie verstehen sich auf Anhieb super und haben ein inniges Verhältnis. Jedenfalls solange, bis Konrad in Nias Leben tritt und die Beiden heiraten. Der Kontakt der Schwestern bricht ab, bis Nia Mirjam zu ihrem 40. Geburtstag auf die Schäreninsel einlädt, wo die Geschwister in ihrer Kindheit den Sommer verbracht haben. Da Mirjam gerade eine schmerzhafte Trennung ihres langjährigen Partners durchmacht, nimmt sie die Einladung an und macht sich auf den Weg. Begleitet von einem mulmigen Gefühl, dass ihr anzukündigen scheint, was sie dort erwartet.
Wie viel kann ein Mensch ertragen und was ist man tatsächlich bereit, für einen Menschen zu
geben, der einem so viel bedeutet?

Dieser Roman geht unheimlich tief, ist voll mit Rückblicken aus dem Leben der Hauptprotagonistin und spricht viele ernste Themen an. Erzählt wird die Story aus der Sicht von Mirjam, doch Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich so abrupt ab, dass es das Lesen sehr störte und einen Draht zu den Charakteren konnte ich auch nicht aufbauen. Alles in allem, war diese Geschichte so gar nicht nach meinem Geschmack, auch wenn der Schreibstil modern und bildlich war. Dennoch möchte ich sie jedem empfehlen, der Geschichten mit psychologischen Hintergründen mag. Für mich hat es hier leider nur für drei Sterne gereicht, aber Geschmäcker sind zum Glück verschieden.
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