Ziemlich cool, aber manchmal etwas too much
In einer Welt voller neuer Götter war es Velvets Traum, in eine Hexenzirkel aufgenommen und dort ausgebildet zu werden. Doch dann lernt sie Kash kennen und das Schicksal nimmt einen völlig anderen Verlauf. Jetzt ist Vel Dämonenreiterin mit unglaublichen Kräften, die von der Liebe Abstand hält. Visionen warnen sie vor unmittelbaren Gefahren durch Dämonen. Doch dann sieht sie die Welt in Flammen und Götter die sterben. Nachforschungen lassen vermuten, dass die Götter durch ein geheimnisvolles Virus ausgelöscht werden. Ein Gegenmittel kann es nur geben, wenn Vel das Blut aller 7 Göttersöhne auftreiben kann. Einen von ihnen kennt sie und er könnte ihr helfen. Doch leider ist es Kash und sie hatte sich geschworen, ihm nie mehr zu nahe zu kommen.
Ich mag es, wenn Protagonist*innen mit schier unlösbaren Aufgaben konfrontiert werden und über ihren Schatten springen müssen. Zudem ist das Buch optisch wirklich gelungen, auch wenn das Cover erstmal nichts mit der dämonischen Geschichte zu tun hat. Der Anfang ist ziemlich actionreich, brutal und schleimig. Man merkt gleich, dass Vel keine zimperliche Frau ist. Mit Dämonen und Widersachern macht sie kurzen Prozess. Doch dafür muss sie einen ständigen Hunger bändigen. Das gibt der Geschichte eine krasse Dynamik. Bindungen geht Velvet nicht mehr ein, da sie in der Vergangenheit enttäuscht wurde und ihre Zukunftspläne vergessen musste. Was wirklich in der Vergangenheit geschehen ist, erschließt sich erst nach und nach. Es gibt zwischen den Kapiteln immer wieder Rückblicke in die Zeit, als Vel und Kash sich trafen. Überhaupt wechselt die Perspektive zwischen beiden hin und her. Das macht das Lesen spannend und man möchte unbedingt wissen, was passiert ist und gleichzeitig entwickelt sich nach dem Wiedersehen eine ganz eigene Anziehung zwischen den eigentlich verfeindeten Protagonist*innen. Einen blauäugigen Azubi hat die erfahrene Drachenreiterin auch noch an der Backe. Der ist wirklich allerliebst und ein guter Gegenpart zu der doch sehr rüden Vel.
Sprachlich ist das Buch in weiten Teilen doch ziemlich derb geschrieben, was nicht nur daran liegt, dass Vel Dämonen und andere Verfolger töten muss. In ihr selbst herrscht Aufruhr und auch ihre Vergangenheit lässt sie nicht allzu positiv denken. Besonders am Anfang, wenn man noch nicht so viel darüber weiß, kann das doch ziemlich irritierend sein für Leser*innen, die eine normale Romantasy erwarten. Auch geht es sprachlich recht oft unter die Gürtellinie und vieles wird sexualisiert. Es geht manchmal gefühlt nur darum und das kann manchmal nerven, weil es schnell plump rüberkommt. Die Sexszenen sind auch sehr explizit, also nix für Zartbesaitete. Dabei ist die Grundidee der Geschichte und die Stärke der Protagonistin echt toll. Das kann ich von ihrem Ex Kash nicht immer behaupten. Der ist manchmal eine echte Red Flag, was man in Kauf nimmt, weil der Plot mitreißend ist. Leider war das Ende des eigentlich tollen ersten Bandes dann für mich eine Enttäuschung, da mir das Ganze Konstrukt plötzlich sinnlos erschien. Wie es danach mit Velvet weitergeht interessiert mich trotzdem, weshalb ich den zweiten Band trotz einiger Kritikpunkte an Band eins lesen werde. 4 Sterne