Rezensionsübersicht

140 Rezensionen
Halber Stein Iris Wolff
Halber Stein (Buch)
5 von 5 Sterne

Heimat ist der Ort, an dem die Erinnerungen aufgehoben sind

Ich liebe die leise Erzählweise der Autorin Iris Wolff. Nach „Die Unschärfe der Welt“ und "Lichtungen" wartete ich schon gespannt auf ihren Debütroman.
Das Cover hat mir sofort gefallen und schließt sich an die Reihe der vorher gelesenen Bücher an: etwas altertümlich , mit lieblichen Blumen und blassblauer Schrift . Das finde ich sehr passend zur Thematik der bewegten Geschichte einer jungen Frau.
Auch dieser Roman hat mich wieder stark berührt. „Halber Stein“ ist ihr Debütroman , also vorher geschrieben. Das machte mich auf die sprachliche Umsetzung neugierig, denn das traumsichere Sprachgefühl der anderen Werke war es , dass mich zu einem „Fan“ ihrer Bücher machte..
Die ersten Seiten der Leseprobe hatten meinen Erwartungen entsprochen und auch beim weiteren Lesen wurde ich nicht enttäuscht.
Der Roman spielt erneut in Rumänien; Siebenbürgen. Erinnerungen an die Kindheit und die eigene Herkunft und das Gefühl von Heimat bestimmen das Werk.
Wer Iris Wolff kennt , weiß , dass sie keine Bücher für mal so Zwischendurch schreibt. Hier handelt es sich um eine Autorin , die mit leisen Geschichten berührt. Sie brilliert mit einer poetischen , unaufgeregten Sprache.


Schleifen Elias Hirschl
Schleifen (Buch)
5 von 5 Sterne

Ungewöhnlich

Ich habe die Vorgängerromane des Autors Elias Hirschl nicht gelesen , aber davon viel Gutes gehört.
Das Cover erschien mir zunächst wenig aussagekräftig, der Titel ebenso.
Kurz zum Inhalt:
Franziska Denk leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, dass sie mitbekommt, ereilt sie sofort. In dem Mathematiker Otto Mandl findet Franziska einen Seelenpartner und sie lernt sich mit Wörtern aus toten Sprachen zu immunisieren. Die beiden sind absolut sprach besessen und forschen nach der perfekten Sprache.
Aber natürlich kann diese Inhaltsangabe in keinster Weise widergeben , was wirklich in diesem Roman passiert. Es hat auch ein paar Seiten gedauert , ehe ich mich entschieden habe , weiter zu lesen. Die Geschichte ist schon ganz schön schräg, aber das Durchhalten hat sich auf jeden Fall gelohnt. Man muss sich beim Lesen schon richtig konzentrieren , denn das Buch dreht sich um sprachphilosophische Fragen.
Es ist faszinierend, wie der junge Autor Sprache, Philosophie und Naturwissenschaften miteinander verbindet . Sprache ist bei ihm viel mehr als nur ein Mittel zur Kommunikation, es ist Experiment, Machtmittel und Sucht und so viel mehr , als wir zunächst glauben. Und das schafft er alles in einer leichten , schon fast spielerischen Schreibweise.
Hirschl schreibt einen klugen Roman, dessen Inhalt man sich zunächst erarbeiten muss , der aber zunehmend Spaß macht und nachwirkt.
Ostfriesenerbe Klaus-Peter Wolf
Ostfriesenerbe (Buch)
5 von 5 Sterne

20. Jubiläum

Radio Nordseewelle meldet den Fund zweier Frauenleichen - und Norden dreht durch! Da die Leichen im Teemuseum und im Krimimuseum gefunden wurden, ist schnell ein Name für den Mörder gefunden: Der Museumsmörder. Beide Frauen waren Erben eines beträchtlichen Vermögens. Jedoch hatte das letzte Mordopfer den Zugang zum Schatz an Ann Kathrin Klaasen übergeben, die nun selbst in Lebensgefahr schwebt!

Mit "Ostfriesenerbe" feiert Klaus-Peter Wolf nun das 20. Jubiläum dieser herausragenden Serie. Die Qualität hat im Laufe der Jahre überhaupt nicht gelitten! Es ist spannend wie eh und je. Die Charaktere der Norder Dienststelle sind mir mittlerweile so vertraut, daß ich mich jedesmal freue, wieder an ihrer Seite ermitteln zu dürfen. Privates und Kriminalfall sind hier sehr ausgewogen und das Private macht die Charaktere sehr sympathisch. Sie werden lebendig, wirken glaubwürdig und gehören zu dieser Serie wie Marzipan von Café ten Café. Auch das Cafe und sein Besitzer spielen hier wieder eine Rolle, genau wie andere real existierende Örtlichkeiten in Norden. Dies macht für mich den Reiz dieser Serie aus - sie spielt nicht an einem Fantasieort, sondern dort, wo ich mich ebenfalls sehr gut auskenne. Der Wiedererkennungswert ist immer sehr hoch. Einziger Wermutstropfen war für mich diesmal die Begegnung mit Dr. Sommerfeld, den ich bereits in seiner eigenen Serie sehr unsympathisch finde. Zum Glück war es nur ein kurzes Gastspiel von ihm! Auch wenn dieses Buch über eine ordentliche Seitenanzahl verfügt, hatte ich es im Nu ausgelesen, was natürlich an der Spannung lag, aber auch an dem eingängigen Schreibstil von Klaus-Peter Wolf! Ich kann nur noch sagen: Herr Wolf, auf die nächsten zehn Bände! Damit auch das 30. Jubiläum gefeiert werden kann! Ich wäre jedenfalls sehr gern dabei!
Cassandra Morgan, Band 1 - Der goldene Schlüssel Skye McKenna
Cassandra Morgan, Band 1 - Der goldene Schlüssel (Buch)
5 von 5 Sterne

Sehr gelungener Auftaktband der Reihe

„Cassandra Morgen – Der goldene Schlüssel“ ist der erste Band einer Kinderbuchreihe um Hexen, Magie und fantastische Wesen aus dem Land Faerie.
Wie wunderschön ist bitte dieses Buch? Es wirkt ja schon selbst wie ein Hexenbuch. Das Cover sieht richtig toll aus mit den magischen Wesen, Tieren, Cassandra und der Kater Montague. Dazu noch ein passender Farbschnitt, da schaut ein Kobold zwischen den Blättern hervor. Wirklich ein wunderschönes Buch. Das zieht die Blicke sofort auf sich.
Die Geschichte beginnt im Internat Fowell House, wo Cassandras Mutter sie vor sieben Jahren zurückgelassen hatte. Cassandra Morgan stammt aus einer Hexenfamilie. Nach ihrem Umzug zu ihrer Tante Miranda nach Hartwood Hall ändert sich ihr Leben jedoch schlagartig. Dort blüht sie richtig auf. Ihre Tante ist eine mächtige Hexe, die England vor den fantastischen Wesen aus dem Land Faerie schützt und es gibt Regeln. Der gefährliche Wald ist die Grenze dort zum magischen Reich. Natürlich kann Cassandra nicht auf ihre Tante hören und begibt sie sich auf eine gefährliche und abenteuerliche Mission und ist auf der Suche nach ihrer Mutter Rose.
Was für eine magische Geschichte für Kinder ab 10 Jahren. Einmal angefangen zu lesen, taucht man sofort ein in Cassandras magische Welt. Angefangen mit dem Internat und schließlich das Abenteuer in Hagley. Begleitet wird sie von dem Kater Montague, der mir auch sehr gefallen hat. Die Handlung fand ich durchgehend spannend und unterhaltsam. Eine magische und sehr fantasievolle Geschichte um Cassandra Morgan.
Ich finde diesen Auftaktband sehr gelungen und auch durchgehend spannend für Kinder. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung dafür.

Grenzfall - Ihr Grab in den Fluten Anna Schneider
Grenzfall - Ihr Grab in den Fluten (Buch)
5 von 5 Sterne

fesselnd und super spannend

"Grenzfall - ihr Grab in den Fluten" ist der sechste Fall für Alexa Jahn und ihren Vater Bernhard Krammer, das grenzüberschreitende Team.

Alexa erlebt zum ersten Mal einen Katastrophenalarm, anhaltende Unwetter mit heftigen Regenfällen haben zu epischen Überschwemmungen geführt. Flüsse treten über das Ufer, ganze Landstriche sind unter Wasser. Menschen müssen von Dächern gerettet werden, viele werden vermisst. Und für manche kommt jede Hilfe zu spät. Die Helfer geben alles, um möglichst viele Menschen zu retten. Alexa findet einen Vermissten, doch er ist nicht durch die Unwetter gestorben, jemand hat ihn ermordet.

In Österreich ist die Wetterlage ähnlich schlimm, Bernhard Krammer sucht verzweifelt nach einer Gruppe Jugendlicher, die auf einem Ausflug auf eine Hütte verschollen sind.

Was für ein spannender Fall! Durch den Prolog und einen Brief fängt die Geschichte schon spannend an und setzt sich genauso spannend fort.

Die Lage ist bedrohlich, chaotisch, diese Atmosphäre ist perfekt eingefangen. Man realisiert, welche Kraft das Wasser hat und wie hilflos man dieser Naturgewalt ausgeliefert ist. Verschiedene Schauplätze und Handlungsstränge sorgen für einen ganz eigenen Drive, so dass ich das Buch gar nicht pausieren wollte.

Ich habe mich gefreut die schon bekannten Charaktere zu treffen und die Ermittlungen hüben wie drüben zu verfolgen. Das Privatleben spielt bei diesem Fall keine Rolle, so dass ich gespannt bin, welche Entwicklungen uns im nächsten Teil erwarten.

Fazit: Ich fand die Handlung komplex, tragisch, und absolut fesselnd. Dazu noch das sensible Thema. Auch wenn jetzt die ganz großen Überraschungen gefehlt haben, war das Buch für mich ein Pageturner. Jetzt schon ein Highlight 2026.
Der Boss - Ist er ein Monster oder ein Genie? Iliana Xander
Der Boss - Ist er ein Monster oder ein Genie? (Buch)
3 von 5 Sterne

der Boss

Ich war von "Love, Mom" absolut begeistert, weswegen ich auf das neue Buch von Iliana Xander sehr gespannt war. Leider reicht es nicht an das vorige heran, obwohl das Thema vielversprechend ist.

Worum geht es? Natalie Olsens beste Freundin Cara wird leblos aufgefunden, sie liegt im Koma. Am Abend zuvor waren die beiden feiern und Cara ist irgendwann mit ihrer Eroberung verschwunden. Natalie setzt alles daran aufzuklären, was mit ihrer Freundin passiert ist. Als sie den Mann auf dem Cover einer Illustrierten entdeckt nutzt sie die Chance und nimmt eine Stelle bei dem Millionär an.

Die Geschichte hat wirklich Potential, ist gut geschrieben, aber leider bin ich mit Natalie so gar nicht warm geworden. Wie unvorsichtig und naiv sie an die Sache herangeht ist unglaublich und nicht nachvollziehbar, kaum vorstellbar dass eine junge Frau tatsächlich so handelt.

Ich habe Spannung und Wendungen erwartet, aber die Story zieht sich und Spannung kommt wenig auf. Im Gegenteil, die Handlung ist vorhersehbar ohne größere Überraschungen.

Fazit: Kann man lesen, bleibt aber im Mittelfeld mit wenig Spannung.
Heißluftfritteuse GOLD Lecker Abnehmen Antje Watermann
Heißluftfritteuse GOLD Lecker Abnehmen (Buch)
5 von 5 Sterne

Nicht nur beim Abnehmen lecker!

Dass man mit der Heißluftfritteuse fettreduziert und damit kalorienarm kochen kann, ist klar. Dieses Buch geht aber einen Schritt weiter und liefert im ersten Teil vorab sehr gute Informationen zum Thema Abnehmen, gesunde Ernährung, dem LowCarb-Prinzip und der Trennkost nach Hay. Darauf basieren dann die vorgestellten Rezepte. Sie sind modern und wirklich lecker. Unterteilt sind sie in die Kapitel Frühstück; Snacks & Vorspeisen; Suppen; Hauptspeisen mit Fleisch; Hauptspeisen mit Fisch; Vegetarische Küche; Beilagen; Süßes & Gebäck; Trennkost. So findet man schnell das passende Rezept. Ein Register ist nicht angefügt.

Der Aufbau des Buches ist wie bei den anderen Büchern der Serie Heißluftfritteuse GOLD. Jedes Kapitel startet mit einer Liste der Rezepte, die darin zu finden sind. Diese sind übersichtlich gestaltet. Nach dem Titel des Gerichts folgen die Anzahl der Portionen und die Zubereitungszeit. Danach sind die benötigten Utensilien, die Zutaten und die Nährwerte aufgelistet. Daneben finden sich die sauber gegliederten Zubereitungsschritte, die gut verständlich erklärt werden. Gelegentlich findet sich noch ein Tipp. Die Textseiten sind immer rechts, links findet sich bei wirklich jedem Rezept ein aussagekräftiges Foto. Mir ist das immer extrem wichtig, denn ohne zu wissen, wie mein Endergebnis aussehen soll, mag ich nicht loslegen zu kochen und zu backen.

Die Rezepte sind auch für Anfänger machbar. Manche benötigen etwas mehr Zeit, aber viele sind wirklich sehr schnell zubereitet. Die Zutaten sind den Gerichten angepasst, das bedeutet, dass viel mit Mandelmehl, Kokosmehl, Flohsamenschalenmehl, Johannisbrotkernmehl, Sojamehl, Xylit, Birkenzucker und ähnlichen Zutaten gearbeitet wird, die man vermutlich nicht standardmäßig im Vorrat hat. Wer seine Ernährung dauerhaft umstellen möchte, wird sie sich sicher gern besorgen.

Ich finde, auch wenn man kein Abnehmprogramm starten möchte, findet man hier ansprechende Rezepte. Das kann dann auf Dauer die Ernährung positiv verändern. Schade finde ich aber, dass Produkte wie Mayonnaise und Gemüsebrühwürfel bzw. Gemüsebrühpulver bei manchen Rezepten verwendet werden. Genau diese sollte man vermeiden, wie auch im einleitenden Teil zu lesen ist. Ich für meinen Teil mache Gemüsepaste selbst, die für Brühe und als Würze bei mir eingesetzt wird.

Insgesamt wiegen meine beiden Kritikpunkte aber nicht schwer genug, um einen Stern abzuziehen. Die Rezepte sind so angelegt, dass man sich auch mal an eine gesundere Variante der Pizza und Aufläufe, die lecker, aber doch gesund sind, wagt. Viele der Rezepte lassen gar nicht erkennen, dass sie der Gewichtsreduktion und gesunder Ernährung zugehören. Es schmeckt einfach lecker! Das ist große Klasse und wird bei mir mit den vollen fünf Sternen belohnt.
(c) cms
Niemands Töchter Judith Hoersch
Niemands Töchter (Buch)
4 von 5 Sterne

Tragisch-schöne Familiengeschichte mit Happy End

Die Autorin ist mir bereits aus dem Fernsehen bekannt, etwa aus der Serie „Lena Lorenz“ in der sie die Hebamme verkörpert, oder in ihren Rollen in Krimis wie „Taunuskrimi“ und „Tatort Kiel“. Mit dem vorliegenden Roman knüpft sie an ihre bereits in der Kindheit entdeckte Leidenschaft für das Schreiben an, das sie sich wohl bei ihrem Vater abgeschaut haben dürfte, einem Musikjournalisten. Das eine oder andere selbst erlebte Detail aus ihrem Leben lässt sie in die Geschichte einfließen – die Bäckerei der Eltern bzw. Großeltern der Protagonistinnen, das Hobby Reiten, ihre Wahlheimat Berlin.
Allerdings ist die Geschichte komplett fiktiv ohne jegliche autobiografische Züge. Es ist die Geschichte zweier Frauen, von denen die eine von jeher eine ihr unerklärliche Fremdheit in ihrer aus Mutter und Großeltern bestehenden Familie gefühlt hat und die andere ihre Mutter als Kind verloren hat und diese Leerstelle ihr Leben bis in ihr Erwachsenenalter hinein prägt. Beider Wege kreuzen sich bei einem Psychotherapeuten und sowohl die beiden Frauen als auch der Therapeut erkennen, dass zwischen ihnen eine Verbindung besteht. Viel mehr sei zu dem Inhalt der Geschichte nicht gesagt, damit der Reiz des Lesens bestehen bleibt.
Nur so viel: Schicksal und viele Zufälle tragen dazu bei, dass es die beiden Frauen gibt und sie einander finden. Für meine Begriffe ist Einiges zu sehr konstruiert und würde im wahren Leben wohl so nicht stattfinden. Die Folge ist, dass nicht alles lebensnah wirkt. Das tut dem Roman aber keinen Abbruch, denn es handelt sich um Unterhaltungslektüre, die deshalb anders als oft im wahren Leben ein Happy End haben darf.
Was den formalen Aufbau der Geschichte anbelangt, hatte ich anfangs Bedenken, ob sie nicht zu verwirrend dargestellt ist. Denn erzählt wird nicht chronologisch, sondern abwechselnd in recht kurzen Kapiteln zwischen der Vergangenheit ab 1981 und der Gegenwart 2020, noch dazu aus wechselnden Erzählerperspektiven. Doch der rote Faden findet sich schnell.
Ein versöhnlicher Roman, der LeserInnen mit Interesse an Familiengeschichten zu empfehlen ist.
Alle glücklich Kira Mohn
Alle glücklich (Buch)
4 von 5 Sterne

Eine vermeintlich glückliche Familie

Die Autorin ist aufgrund ihrer Ausbildung – u.a. Studium der Psychologie und der Pädagogik – prädestiniert, einen Roman über eine Familie zu schreiben. Das ist ihr vorliegend gut gelungen. Sie skizziert eine vermeintlich glückliche deutsche Durchschnittsfamilie: Vater, Mutter und zwei halbwüchsige Kinder; der Vater der Haupternährer, die Mutter die Kümmerin im Alltagsleben mit einem Teilzeitjob, der Sohn Student und die Tochter Gymnasiastin. Das gemeinsame Abendessen ist heilig. Doch hinter diesem scheinbar glücklichen Familienleben offenbart sich recht schnell, dass jedes einzelne Familienmitglied Probleme mit sich herumträgt, die es alleine ausficht, ohne mit den anderen darüber zu sprechen; alle leben eigentlich nur nebeneinander her. Es wechseln sich kurze Kapitel ab, die jeweils in gleichbleibender Reihenfolge aus der Perspektive eines Familienmitglieds erzählt werden. So erfährt der Lesende oft, wie sich dieselbe Situation aus dem Blickwinkel der anderen darstellt. Es ist auch eine gehörige Portion Spannung im Spiel, die zum raschen Weiterlesen animiert. Denn die Ereignisse spitzen sich schnell zu und werden zum Selbstläufer.
Das Buch gibt Anlass zum Nachdenken, ob die eigene Familie möglicherweise nicht der fiktiven ähnelt und wie vielleicht gegengesteuert werden kann.
Die Liebe, später Gisa Klönne
Die Liebe, später (Buch)
4 von 5 Sterne

Melancholischer Liebesroman

Dieser Roman beleuchtet die Altehe eines inzwischen in seinen Sechzigern befindlichen Ehepaares. Mehr als zwanzig Jahre lang war es eine in ruhigen Bahnen verlaufende Ehe, vielleicht auch deshalb, weil die beiden eine Wochenendehe führten. Eine schwere Herzoperation bei ihr mit dem drohenden beruflichen Aus und seine Frühverrentung lässt die Ehe aber ins Trudeln geraten. Sie scheut die permanente Nähe, nach der er sich sehnt. Sie beginnt ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, in der es einige Punkte gibt, die sie nie vollendet hat bzw. an denen sie Zeit ihres Lebens zu knabbern hatte. Dabei verschweigt sie ihrem Mann wiederum so manches. Auch er hat ihr gegenüber nicht alles aus seiner Vergangenheit preisgegeben. Nach und nach erfahren wir Leser mehr Einzelheiten aus ihrer beider Leben. Die Entwicklungen lassen uns hoffen und bangen, ob sich das Ende der Ehe noch abwenden lässt und beide wieder zueinanderfinden.
Die Geschichte ist in leisem, nachdenklichem Ton erzählt. Abwechslungsreich und zum Grundton genau passend sind regelmäßig eingestreute Auflistungen, die jeweils eine Aufzählung von fünf Dingen enthalten und zum Nachdenken anregen, z.B. „Fünf Dinge, die Angst machen“, „Fünf Erkennungsmerkmale der großen Liebe“ oder „Fünf Dinge, die beide von ihren Eltern behalten haben“. Erwähnenswert ist auch ein eingearbeiteter weiterer Handlungsstrang, in dem sie mit dem ihr von Berufswegen anhaftenden journalistischen Spürsinn einem entfernteren Freund bei dem Aufspüren seiner scheinbar grundlos untergetauchten Frau behilflich ist. Hier bringt sie so viel Energie ein, dass sich die Frage stellt, ob sie das die Probleme ihrer eigenen Ehe beiseiteschieben lässt. Nicht zuletzt hat mir gefallen, dass sich die Protagonistin in meinem Alter befindet, was mich in sie gut hineinversetzen ließ.
Für Leser, die anspruchsvolle Liebesromane mögen.
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