Rezensionsübersicht

103 Rezensionen
Szenario Florence Gaub
Szenario (Buch)
4 von 5 Sterne

Von März 2030 bis Januar 2033 reichend ...

... werden in Gaubs Buch (mit 101 Abschnitten) 11 Zeitebenen aufgeführt, durch die man sich mit einer Entscheidung zwischen meist zwei Optionen am jeweiligen Abschnittsende springend lesen kann. Mit Zuschreibungen wie "Sie fliegen nach" oder "Sie erstellen" erzeugt die Autorin einen wie ihresgleichen "handelnden" Leser.

Einerseits enden manche Entscheidungswege bereits nach wenigen Schritten. Andererseits sind die prognostizierten, teils global bedeutsamen Ereignisse freilich nicht oder kaum von Aktivitäten eines einzelnen Wissenschaftlers/Beraters abhängig, so dass man den Hintergrund jeder Zeitebene viele Male ähnlich beschrieben wieder lesen muss, wenn man sämtliche Wege durchs Buch verfolgen möchte.
Letzteres ist nicht zu empfehlen. Manche Kapitel enthalten im Schlussteil eine kurze Zusammenfassung, die man zuerst lesen könnte, um abzuwägen, ob es sich wirklich lohnen würde, seine Aufmerksamkeit dem gesamten Abschnitt zu schenken. Die von Gaub entwickelten, fraglos sehr interessanten Szenarien und je nach Gesprächspartner unterschiedlichen Perspektiven darauf und die Verweise auf Ursachen, die teils in Jahrzehnten politischer Fehlleistungen (besonders deutscher) liegen, wären in einem Buch von nur 200 Seiten Umfang vielleicht besser aufgehoben gewesen, vor allem erinnerbarer.

Die erste Auflage enthält etliche Ungereimtheiten hinsichtlich "Verzweigung" (beispielsweise ist Kapitel 88 über keinen der möglichen Entscheidungswege passierbar), die jedoch kaum stören.
Meiner Meinung nach kann aber eine Empfindlichkeit gegenüber Narzissmus das Lesevergnügen trüben. An vielen Stellen werden die Arbeitsergebnisse des "handelnden" Lesers als "brillant" oder "Meisterwerk" bezeichnet, damit eben ein großer Entscheidungsraum für die nächste Zeitebene plausibel wird.
Wobei "plausibel" vielleicht etwas zu hoch gegriffen ist und einige wenige Stellen des Buchs geradezu naiv wirken, etwa die Erwähnung einer dann deutlich über 70-jährigen Strack-Zimmermann als dt. Verteidigungsministerin. Die Abstände zwischen zwei benachbarten Zeitebenen liegen in allen Fällen ziemlich zwangsläufig im Bereich von Monaten, was manchmal zu knapp erscheint, wenn in der Zwischenzeit Studien oder Bücher von hunderten Seiten entstanden sein sollen oder was oft zu lang erscheint, wenn eine beschriebene Reaktion auf Ereignisse aus der vorigen Zeitebene eigentlich nur innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen angemessen wäre. Mich hat dieser kleine Makel aber nicht weiter gestört.

Dagegen finde ich erstaunlich, dass im Buch so manches politisch instabile Gebiet, vor allem an den Grenzen Russlands, überhaupt keine Erwähnung findet. Beispielsweise in Belarus dürften doch Anfang des nächsten Jahrzehnts andere Figuren den Ton angeben als heute, womit zwar keine welthistorische Ereignisse verbunden sein müssen aber doch könnten.
Lovely Rita Frank Goosen
Lovely Rita (Buch)
5 von 5 Sterne

Eine wunderbare Hommage an Kneipe, Stammgäste und ein Lebensgefühl

EIGENTLICH handelt "Lovely Rita" ja von den letzten beiden Öffnungstagen einer so richtig alten „Kneipe“… in den 70ern mal von Udo Jürgens besungen und nostalgisch verklärt, getreu der Textzeile „da wo das Leben noch lebenswert ist“. In Wahrheit aber das Buch noch so viel mehr: Zum Beispiel eine liebevolle Betrachtung des Menschentyps „Tresensitzer“. Gerne in Gruppen auftretend, sitzt er Abend um Abend in seiner Lieblingskneipe am Tresen, schwärmt heimlich für die Bedienung hinter der Theke, philosophiert über Gott und die Welt, konsumiert dabei das eine oder andere frisch gezapfte Bier und verzapft dabei gerne mal selbst Unsinn in mündlicher Form. Dann gibt es da noch die Frau Wirtin, die in diesem Fall Rita Urbaniak heißt, die die Kneipe in den 70ern per Erbschaft übernommen hat und eigentlich höchstens ein paar Monate selbst betreiben wollte … wobei daraus dann ein paar Jahrzehnte wurden und die endgültige Schließung dann doch aus Altersgründen notwendig wurde. Und es gibt den Ich-Erzähler, der – Journalist, Bochumer und Kneipengänger in Personalunion – den Auftrag bekommt, über diese nun endgültig schließende Kneipe einen Artikel zu schreiben. Investigativ begibt er sich also am vorletzten Tag ins „Haus Himmelreich“, um sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Nach der eingeforderten Thekenrunde geht es dann auch schon direkt los. Wir lernen „der Lange“, den Käpt’n und Willi Trommer kennen, die eigentlich mit der Theke verwachsen zu sein scheinen. Dieter ist ein ehemaliger Automatenaufsteller, längst in Rente. Gisela steht ebenfalls schon Jahrzehnte hinter der Theke und zapft mit Präzision und so schön, dass man von jeder Pilstulpe ein Bild schießen könnte. Es gibt Chris, die Schwester von Rita, die in den 70ern in die Freiheit aufbrechen wollte, dafür aber ihre Tochter bei Rita lassen musste. Es ist ein Mikrokosmos aus TYPEN, jeder für sich ein Unikat, jeder mit seiner Geschichte. Liebenswert in Szene gesetzt in einem Buch aus kurzen Kapiteln, die von Gott und der Welt handeln. Das ist auf jeder Seite wunderbar leicht, manchmal kitschig, aber nie langweilig. Es ist eine Betrachtung von dem was war und dem wie es heute ist. Die Zeiten ändern sich, wir werden alle älter und die Distanz auf die wir zurückblicken können, jeden Tag länger. Selten ist diese Betrachtung so schön wie in diesem Buch. Ich wurde mal wieder außergewöhnlich gut unterhalten und vergebe sehr gerne die vollen fünf von fünf Punkte.
Wellengrab Stefan Ahnhem
Wellengrab (Buch)
5 von 5 Sterne

Absolut spannend

Der siebte Fall für Fabian Risk ist mein erster, mein letzter wird er bestimmt nicht sein, denn ich bin total abgetaucht in finstere Machenschaften, die mir total suspekt sind und die Ängste in mir hervorrufen.
Alles beginnt mit einem Stromausfall, der die gesamte Küste Schwedens betrifft. Zu dieser Zeit befinden sich Fabian Risk und seine Tochter Matilda auf ihrem Segelboot.
Zurück in Helsingborg haben Fabian Risk und seine Kollegen rätselhafte Fälle auf den Tisch bekommen. Die Frage drängt sich auf, ob diese in Zusammenhang mit dem großflächigen Blackout stehen wie etwa ein Banküberfall, auch scheinen Kinder zu verschwinden, was dann doch wieder dementiert wird. Als dann Fabians Tochter verschwindet, spitzt sich die Lage zu.
„Wellengrab“ - das über 16 Stunden und 51 Minuten dauernde Hörbuch wird von David Nathan gesprochen. Seine dunkle, warme Stimmlage passt sich perfekt dem Geschehen an. Er gibt jeder einzelnen Person seine charakteristischen Merkmale, was das Hören trotz der düsteren, sehr beklemmenden Story sehr angenehm macht.
Der Autor versteht es, seine Leser und/oder auch seine Hörer bis zum Schluss in Atem zu halten. Die vielschichtige Story ist fesselnd, zudem äußerst mysteriös. Ein Mädchen verschwindet, die Eltern schweigen, ich verdächtige aber den Vater und frage mich schon, wie die Mutter tickt, warum sie sich so seltsam verhält. Das ist nur einer der Fälle, die durchweg Fragen aufwerfen, die erst dem Ende zu Sinn ergeben. Auch Fabians Kollegin ist privat involviert. Wie genau, bleibt lange im Ungewissen. Spuren führen in ein feudales Anwesen, in eine Schule, es geht um Datendiebstahl, um Cyberangriffe und um noch sehr viel mehr.
Einmal drin in der Story gibt es kein Halten mehr. Was verbindet diese Einzelschicksale miteinander? Egal, wohin man sieht, überall lauern Gefahren, selbst ein Schlaganfall sorgt für Verdachtsmomente. Die vielen losen Fäden fügen sich zusammen, ja. Auch wenn es lange dauern mag und man starke Nerven braucht - selbst dem Ende zu geht es brutal zur Sache – so hat man zum Schluss den Überblick. „Wellengrab“ ist ein hochspannender Thriller, der nach mehr verlangt.
Grenzfall - Ihr Grab in den Fluten Anna Schneider
Grenzfall - Ihr Grab in den Fluten (Buch)
5 von 5 Sterne

Spannendes Teamwork

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten ist auch diesmal wieder ein echtes Highlight der Reihe. Das Cover hat hohen Wiedererkennungswert und passt perfekt zur Stimmung des Buches. Besonders gelungen ist erneut die Teamarbeit zwischen Bernhard Krammer und seiner Tochter Alexa, diesseits und jenseits der Grenze. Diesmal spielt sich vieles in Alexas Zuständigkeitsbereich ab, ein Jahrhundertunwetter mit Toten und Vermissten hält alle in Atem, dazwischen erschüttern mehrere Tötungsdelikte die Region. Huber und Alexa arbeiten über ihre Belastungsgrenze hinaus, was man beim Lesen deutlich spüren kann. Krammer ist eigentlich auf der Suche nach einer Clique Jugendlicher auf Bergtour, doch auch dort spielen sich dramatische Szenen ab. Die verschiedenen Handlungsstränge greifen spannend ineinander und sorgen durchgehend für Tempo. Wie gewohnt ist alles fesselnd geschrieben, der lockere Schreibstil macht das Buch leicht lesbar. Zudem erkennt man die Gegend aus Urlauben wieder, was der Geschichte zusätzlich Atmosphäre verleiht. Einziger Kritikpunkt sind einige offene Fragen rund um den Stalker, hier hätte ich mir mehr Klarheit gewünscht. Trotzdem ist es wie jedes Jahr ein gutes Buch von Anna Schneider und für Fans der Reihe ein Muss.
Tage auf dem Land Jane Gardam
Tage auf dem Land (Buch)
3 von 5 Sterne

Zwischen Hochbegabung und Herzchaos

Tage auf dem Land hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Die Hauptfigur Marigold ist hochintelligent, spleenig, voller Minderwertigkeitskomplexe und zugleich erstaunlich weltfremd. Als Halbwaise wächst sie im Internat ihres Vaters auf, was ihrer Figur eine besondere, leicht verschobene Perspektive gibt. Besonders gelungen fand ich ihre Bindung zur Hausmutter Paula, diese Beziehung wirkt warm, glaubwürdig und gibt der Geschichte Halt.
Marigold lernt intensiv auf ihre A Level Prüfung hin, verliebt sich und wird von ihrem Schwarm zu einem Wochenende eingeladen, das im Desaster endet. Allerdings habe ich den eigentlichen Sinn dieser Einladung nicht wirklich verstanden, vieles wirkt konstruiert und bleibt für mich unklar.
Was folgt, ist eine Reihe von Beziehungsdramen, die vermutlich leicht und humorvoll gemeint sind, auf mich aber eher unglaubwürdig wirkten. Marigold trifft teilweise unreife und merkwürdige Entscheidungen, die zwar zu ihrem Charakter passen mögen, mich beim Lesen jedoch eher irritiert haben.
Erst mit der bestandenen Prüfung scheint sie innerlich zu wachsen und ein Stück erwachsener zu werden. Insgesamt ein Roman mit interessanter Hauptfigur und guten Ansätzen, der mich aber in der Umsetzung nicht ganz überzeugen konnte.
Spielverderberin Marie Menke
Spielverderberin (Buch)
4 von 5 Sterne

Dreiecksfreundschaft

Dieser Roman, das Debüt der erst 28jährigen Autorin, dürfte eher eine junge Leserschaft ansprechen. Wenngleich ich zu dieser Lesergruppe nicht mehr gehöre, hat er aber auch mir im Wesentlichen gut gefallen. Protagonistin ist die junge Sophie, die im steten Kapitelwechsel aus der Zeit in ihrem letzten Schuljahr vor dem Abitur in ihrem Heimatdorf und aus der Gegenwart vier Jahre später erzählt, als sie Studentin in Köln ist. Von Beginn an liegt eine unbehagliche Atmosphäre über allem und lässt sich erkennen, dass Sophie mit schweren Schuldgefühlen kämpft. Irgendetwas Schlimmes muss in der Vergangenheit vorgefallen sein. Es kristallisiert sich zwar schnell heraus, dass ein Zusammenhang mit den Schulfreundinnen Lotte und Romy bestehen muss. Doch bleibt die Auflösung bis ziemlich zum Schluss offen, so dass der Leser gekonnt bei der Stange gehalten wird. Zwei Hauptthemen sind Freundschaft und der Unterschied zwischen Dorf- und Stadtleben. Was Ersteres anbelangt, ist man geneigt, die Freundschaft zwischen den jungen Frauen als toxisch oder obsessiv zu bewerten. Der zweite Punkt arbeitet gelungen heraus, dass sich eher Dorf- zu Dorfmenschen und Stadt- zu Stadtmenschen gesellen. Das Sozialleben in der Stadt und auf dem Dorf gestaltet sich sehr unterschiedlich. Allerdings hätte Sophie nicht unbedingt mit derartigen Minderwertigkeitskomplexen ausgestattet werde müssen, die sie aufgrund ihrer dörflichen Herkunft hat (Ihr Freund nennt es „Obsession mit der Stadt“). Abgerundet wird der Roman durch ein einleitendes Interview mit der Autorin, das m.E. eher am Ende hätte platziert werden sollen, weil es Inhaltliches vorwegnimmt.


Die Erben der Animox 1. Die Beute des Fuchses Aimée Carter
Die Erben der Animox 1. Die Beute des Fuchses (Buch)
4 von 5 Sterne

Auftakt einer spannenden Reihe

Ein Jahr nach der finalen Schlacht der ersten Animox-Bände ist Simon Thorn 13 Jahre alt und leidet noch immer unter den Erinnerungen an den Kampf. Aus Angst, jemanden zu verletzen, schreckt er davor zurück, seine Fähigkeiten einzusetzen. Doch dann braucht ein Mädchen aus Europa dringend seine Hilfe: Ihre Schwester wurde von einer Rebellengruppe entführt. Und sie bleibt nicht die einzige… (Klappentext)

Wieder ein sehr spannendes Buch als Nachfolgereihe zu den Animox-Bänden. Es ist fantasiereich, fesselnd, aktionsreich und vor allem auch magisch. Der Schreibstil ist faszinierend, gut lesbar, altersgerecht und die Seiten fliegen nur so dahin. Einmal angefangen zu lesen, will man nur noch erfahren, was noch alles geschieht, wie es sich weiterentwickelt und vor allem wie es endet. Man wird nicht enttäuscht. Man tauch ein in eine völlig andere Welt und wird eins mit ihr. Die verschiedenen Charaktere, egal ob sympathisch oder nicht, sind real vorstellbar und entwickeln sich auch entsprechend weiter. Die Handlung ist gut aufgebaut, nachvollziehbar und vor allem auch gut vorstellbar. Ein tolles Buch und ich freue mich jetzt auf den Nachfolgeband
Love and be loved Cleo Wade
Love and be loved (Buch)
3 von 5 Sterne

Nicht ganz nach meinem Geschmack

Mögen deine Träume deine ständigen Begleiter sein. Mögest du Licht finden und es bei jeder Gelegenheit leuchten lassen. Möge dein Zuhause immer mehr als ein Ort sein. Was wünschen wir uns und unseren Liebsten mehr vom Leben als genau das? Cleo Wade schenkt mit ihrem berührenden Bilderbuch eine poetische Liebeserklärung an das Leben und seine Möglichkeiten. Seite für Seite entfaltet sich ein Hoffnungsversprechen – für Kinder wie für Erwachsene: dass wir unseren Weg mit Mut, Freude und Liebe gehen dürfen, begleitet von zarten Illustrationen der Autorin selbst. Ein kostbares Buch voller Wärme und Zuversicht, das daran erinnert, was wir uns alle für unser Leben wünschen – lieben und geliebt werden. (Klappentext)

Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut. Doch leider entsprach es nicht ganz meinen Erwartungen. Die Texte regen zwar zum Nachdenken an und vermitteln wichtige Botschaften, sind aber aus meiner Sicht schwer zu lesen. Alles ist in Großbuchstaben geschrieben und manche Buchstaben, die geschlossene Flächen haben, sind dazu noch ausgemalt. Das alles hat meinen Lesefluss etwas gestört und gehemmt. Die Illustrationen sind mir etwas zu „kindlich, naiv“. Der Gesamteindruck hat mich auch nicht angesprochen. Leider. Doch das ist meine Meinung und sollte niemanden abhalten, das Buch selbst zu lesen und sich ein eigenes Urteil bilden.
Jenseits der Wintersonne Veronica Skotnes
Jenseits der Wintersonne (Buch)
5 von 5 Sterne

Beeindruckend und faszinierend

In ihrem Buch "Jenseits der Wintersonne", das im Delius Klasing Verlag erschienen ist, erzählt die Autorin Veronica Skotnes von ihrer ein Jahr dauernden Reise entlang der äußersten Inseln der Finnmarkküste.

Veronica wohnt seit drei Jahren auf einem Segelboot. Das Boot hat zwei Masten und vier große Segel, es wurde 1982 gebaut und ist 16 Jahre älter als sie. Drei Jahre lang segelte sie damit ganz allein in den Gewässern vor der Finnmark. Nun ist es Herbst, und sie wird sich aufmachen zu den Gegenden an der äußersten Küste am Nordpolarmeer.
Es wird ein Reiseabenteuer, das sie an ihre Grenzen bringen wird, immer wieder gerät sie wetterbedingt beim Segeln in gefährliche und bedrohliche Situationen. An Land hat sie viele interessante Begegnungen, sie lernt die gastfreundlichen Bewohner der Inseln kennen, die ihr von ihrer Insel und deren Geschichte erzählen, von Sagen und Mythen. Manchmal bleibt sie länger an einem Ort und lernt die Bewohner dabei noch besser kennen. Die Fischer erzählen von ihren Problemen, es geht neben der schlechten Infrastruktur auch um die fehlende Trinkwasserversorgung, die Vermüllung des Meeres durch Plastik und den zunehmenden Angeltourismus.

Die Autorin beschreibt nicht nur eindrucksvoll die Schönheit der Natur, sie lässt den Leser auch tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt blicken. Sie erzählt von ihrer Hoffnung, dem Familienfluch zu entrinnen, indem sie Abstand sucht von ihrer Familie, die auf den Lofoten lebt. Die selbstgewählte Einsamkeit auf See gibt ihr eine gewisse Sicherheit, sie gelangt aber auch zu der Erkenntnis, dass im Segeln auf dem offenen Meer nicht die von ihr ersehnte Freiheit liegt, da der Wind und das Wetter bestimmen, wann es wohin geht.

Ich habe das Buch, das eine Mischung aus Reisebericht und ganz persönlicher Reflexion ist, sehr gern gelesen. Es war spannend und hochinteressant, Veronica auf ihrer Reise zu begleiten. Ich habe mit ihr gebangt und gezittert, wenn sie mit ihrem Boot in gefährliche Situationen geriet, und ich habe mich mit ihr gefreut, wenn ihr die Inselbewohner freundlich und offen begegneten.
Besonders hervorheben möchte ich die wunderschöne und hochwertige Gestaltung des Buches. Das Covermotiv findet sich auch auf dem Einband wieder, im Innern finden wir 18 kunstvolle Illustrationen, die die Geschichten ergänzen.

Absolute Leseempfehlung für dieses beeindruckende Buch, das so viel mehr ist als nur ein Reisebericht!
1 bis 10 von 103 Rezensionen