Sehr berührend
Mir sind beim Lesen schon ein paar Tränchen in die Augen geschossen. Auch wenn der Versstil dafür sorgt, dass sie etwas abgehackter rüberkommen, sind die Gedanken, die Ellie hat, sehr tief und man möchte sie fast immerzu einfach nur in den Arm nehmen. Dabei will sie gar kein Mitleid, sie will einfach nur als ganz normaler Mensch wahrgenommen werden, denn nur, weil man dick ist, ist man nicht schlechter oder weniger wert als andere Menschen.
Besonders berührt hat mich, dass Ellie noch nicht mal zu Hause ein Refugium hat, denn die Geschwister ärgern sie und sogar die Mutter hat Sprüche parat, da schlackern einem die Ohren. Am liebsten hätte ich sie durch das Buch gezerrt und ihr ein paar Takte erzählt, denn das grenzt an seelischer Grausamkeit!
Mir sind noch ein paar Gedanken gekommen, die vielleicht genauso unpassend sind, denn ich würde das Buch einem Kind automatisch mit den Worten schenken, dass ich es natürlich nicht für zu dick halte. Das alleine ist ja schon wieder Bodyshaming, aber ich will ja nun nicht, dass es überlegt, WARUM ich es ihm schenke. Es ist aber auch ein tolles Buch für jedes Kind, damit man lernt, sich in andere hineinzuversetzen und vielleicht nicht die Gruppendynamiken mitmacht, die so oft in Schule oder Freizeit vorherrschen. Wenn dadurch vielleicht ein Kind für ein anderes in die Bresche springt, ist damit schon viel geholfen.
Ein durchaus gewöhnungsbedürftiger Schreibstil, der nicht immer ganz einfach ist, an manchen Stellen die 11jährige Zielgruppe überfordern könnte (blaue Periode von Picasso dürfte beispielsweise nicht so geläufig sein, aber dann lernt man ja auch dazu) und wirklich tief ins Herz geht. Gerade wenn ein Kind akut betroffen ist, könnte es enorm triggern, aber letzten Endes auch Mut machen. Ich würde raten, dass Eltern das Buch selbst erstmal lesen und dann entscheiden, ob sie es mit den Kindern aufarbeiten möchten. Mir hat es sehr gut gefallen und mich enorm berührt.