Rezensionsübersicht

94 Rezensionen
Ein Pakt aus Asche und Blut Sabine Riedel
Ein Pakt aus Asche und Blut (Buch)
5 von 5 Sterne

Ein spannender & mystischer historischer Roman

„Ein Pakt aus Asche und Blut“ ist ein spannender und mystischer Roman der Autorin Sabine Riedel.

Die Handlung beginnt in der Gegenwart. Der Feuerwehrmann Mark hat einem Einsatz bei einem heftigen Waldbrand in Ratingen, bei dem er spürt, dass eine fremde Macht auf ihn übergreift.
Im Anschluss gibt es einen Zeitsprung in die Vergangenheit und es folgen Ereignisse, die bereits mehr als 500 Jahre zurückliegen. Zu dieser Zeit kämpft die Heilerin Helene um das Leben ihrer Schwester Anna, die der Ketzerei bezichtigt wird. Um sie zu retten, lässt sie sich auf einen teuflischen Pakt ein, der die Jahrhunderte überdauert.

Der Handlungsort ist zum größten Teil in Ratingen, womit das Buch für mich ein direktes Heimspiel war. Ich bin in Ratingen aufgewachsen, kenne den Wald und die Umgebung. Von daher habe ich die Erwähnungen und Ortsbeschreibungen geliebt und mir war klar, dass auch die Autorin sich hier gut auskennen muss.
Durch den permanenten Wechsel zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit lesen sich die Ereignisse spannend und ich war gespannt wie sich die beiden Zeitebenen miteinander verknüpfen lassen.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, jeder hat seine eigene Geschichte, lebt und handelt in seinem eigenem Tempo. Auch die düstere Atmosphäre, die sich durch die Handlung zieht, kam direkt bei mir an.
Schön ist auch die optische Gestaltung des Buches, da durch diese, die Kapitel der Vergangenheit von denen in der Gegenwart abgehoben wurden.

Ich habe das Buch ausgesprochen gerne gelesen, kann es allerdings keinem Genre zuordnen. Es ist spannend, historisch, mystisch und fantastisch zugleich. Wer solch einen Genremix mag, dem wird das Buch bestimmt gefallen und wer in Ratingen wohnt, kann eine neue Seite seiner Heimat kennenlernen.
Down Cemetery Road Mick Herron
Down Cemetery Road (Buch)
5 von 5 Sterne

skurril witzig british

Wer sich anhand des stimmungsvollen Oxford-Fotos auf dem Cover auf einen typisch englischen Kriminalroman in gemächlichem Tempo eingestellt hat, wird sich wundern.
Zwar beginnt alles noch recht ruhig mit Einblicken in das Leben von Sarah Tucker, einer beruflich erfolglosen, ergo erzwungenermaßen Nurhausfrau, die ihren Frust mit energischen Putzorgien bekämpft. Doch während eines Geschäftsessens ihres Mannes, das sie provokant mit ihren exaltierten Freunden als zusätzliche Gäste unterminiert hat, explodiert ein Wohnhaus in der Nachbarschaft.
In ihrer Perspektivlosigkeit fokussiert sich Sarah auf die Suche nach einem Kind, das seit dieser Nacht verschwunden ist, und schon bald findet sie sich Zielobjekt des Geheimdienstes wieder.
Leider wird die Handlung auch zu diesem Zeitpunkt unübersichtlich, denn es gibt einfach zu viele Akteure. Gerade bei einem Hörbuch, übrigens sehr schön vorgetragen von Cathrin Störmer, kann man nur schwer hin- und herblättern, wenn man die Orientierung verloren hat. Trotzdem werde ich nicht einen einzigen Bewertungsstern abziehen, denn ich bin von Mick Herrons Erzählkunst restlos begeistert. Er hat einen trockenen Humor, gewürzt mit einer scharfen Beobachtungsgabe. Seine Charakterisierungen sind oft so treffend böse, dabei skurril und witzig, dass die Handlung fast schon nebensächlich scheint. Für mich ist dieses Buch eine total positive Überraschung.
Minnesota Jo Nesbø
Minnesota (Buch)
5 von 5 Sterne

Großartig!

Harry Hole, Jo Nesbøs erfolgreicher Ermittler, pausiert gerade. Und so schickt Nesbø einen Typen nach vorne, der mit genügend Ecken und Kanten ausgestattet ist – Bob Oz. Es ist ein Stand-alone-Krimi, auch wenn ich bald merke, dass ich gerne mehr von Oz lesen würde. Wie der Titel schon verrät, spielt sich das Ganze im amerikanischen Bundesstaat Minnesota ab, genauer gesagt in Minneapolis, das aktuell wieder in den Schlagzeilen ist, nachdem eine dreifache Mutter von einem Agenten der US-Einwanderungsbehörde ICE erschossen wurde. Diese und ähnliche Schreckensszenarien verleiden mir die USA, unter dem derzeitigen Präsidenten sowieso.
Nun, die Story spielt im Oktober 2016, beginnt allerdings mit der Ankunft eines norwegischen Schriftstellers im September 2022, der – wie er beim Zoll angibt – zu Recherchezwecken anreist. „Ich habe vor, mich in den Kopf eines Mörders zu versetzen…“ denkt er, ohne es laut auszusprechen. „True Crime ist gerade angesagt, die Leute bekommen anscheinend von blutigen Morden nicht genug, insbesondere, wenn den Taten etwas Unerklärliches und Unerwartetes anhaftet… sodass es Raum für luftige Verschwörungstheorien gibt.“ Vor sechs Jahren haben Kameras den angeblichen Mörder erfasst, auf dessen Spur er sich begibt. Diese Rahmen-Story bleibt dezent im Hintergrund, das Hauptmerkmal liegt wie gesagt auf den Geschehnissen im Oktober 2016.
Die Polizei jagt den Killer Tomas Gomez, der ihnen immer den entscheidenden Schritt voraus ist. Die USA und deren gesellschaftliche Konflikte werden dargestellt, das Recht auf Waffen und das viel diskutierte Waffengesetz mitsamt der starken Waffenlobby sind Thema, wie auch Rassismus und die damit einhergehend Migrationspolitik inklusive Polizeiwillkür.
Bob Oz ist gebrochen, er hat seine kleine Tochter verloren, seine Ehe hat diesen Schicksalsschlag nicht überlebt. Seine Trauer mündet in einem hochgradigen Wutproblem, er leidet an Depressionen und hat außerdem noch eine ganze Reihe anderer Probleme. Er ist exzentrisch, trägt aus guten Gründen keine Waffe, ist eher ein Einzelgänger und doch erkennt seine Kollegin Kay Myers sein Potential, anders als so manch anderer. Zunächst war mir Bob Oz eher suspekt, bald aber konnte ich ihn nur zu gut verstehen. Er schaut genau hin, jagt einen Killer, der sehr schlau agiert, der auf seinem Rachefeldzug gegen Drogenbosse und Waffenhändler immer wieder entkommt. Spätestens als ein Anschlag auf den Bürgermeister im Raum steht, erkennt Oz ein Muster…
Nach dem Lesen dieses absolut großartigen Kriminalromans ist mir wiederum bewusst, warum ich Jo Nesbø so sehr schätze. Oz & Co haben alles, was es braucht, um ins Geschehen abzutauchen und es braucht nur einige Namen wie etwa George Floyd oder Trump, die geschickt eingebettet werden, um den Bezug zur amerikanischen Wirklichkeit zu erkennen. Dabei überlässt es Nesbø seinen Lesern, weiterzudenken. Es ist ihm ein spannender Krimi gelungen, der keine actionreichen Szenen braucht, um dem ganzen Szenario, den verschiedenen Sichtweisen und den Perspektivwechseln atemlos zu folgen. Er bietet erstklassige Unterhaltung vom Feinsten, die verschobenen gesellschaftlichen Werte der heutigen USA inklusive der fragwürdigen Moral werden infrage gestellt, ohne belehrend zu sein. Absolut lesenswert!
Zwischen den Welten Annie Betram
Zwischen den Welten (Buch)
3 von 5 Sterne

Beeindruckende Fotos aber schlechtes Lektorat - schade bei der Qualität

Buchinhalt:

In beeindruckenden Bildern nimmt die Kunstfotografin Bertram den Leser mit zu sogenannten Lost Places, verfallenen Herrenhäusern, Palazzi, Villen, aufgegebenen Kliniken und Kirchen bis hin zu Industrieruinen, deren morbider Charme eingefangen wird und deren architektonische Details sie gekonnt in Szene setzt. Wer mag dort wohl einst gelebt haben? Was ging in den Menschen vor, die Patienten waren in den alten Psychiatrien? Natürlich ist ein gewisses Maß an Grusel erwünscht und beim Betrachten konkurrieren vergangene Schönheit und schauriges Element vor dem inneren Auge des Lesers.


Persönlicher Eindruck:

Dies ist nicht mein erstes Buch, das sich mit sogenannten „Lost Places“ beschäftigt. Umso mehr hat mich die hochwertige Aufmachung des Bildbandes beeindruckt, dem sich der Leser wahrlich nicht entziehen kann. Die Kunstfotografin Betram (ich habe leider nirgends einen Hinweis gefunden, ob nun autodidakt oder tatsächlich vom Fach) versteht, was sie tut. Auf den Bildern fängt sie die morbide Schönheit alter Villen und Herrenhäuser, verlassener Kirchen und Kliniken ein und gibt einen vagen Hinweis darauf, wie die Gebäude ursprünglich ausgesehen und in welcher Pracht sie teilweise erstrahlt sein müssen.

Die Fotos sind hochwertig und professionell, keine Frage. Leider kann ich das vom Lektorat / Korrektorat nicht behaupten. Obwohl eine Frau Theobald als Lektorin genannt wurde, strotzt das Buch in den erläuternden Texten vor Schreibfehlern, grammatikalischen Fehlern und falsch geschriebenen Jahreszahlen. „Der Kampf des Erzengel Gabriels“ statt „Der Kampf des Erzengels Gabriel“, „Baalsaal“ (mehrfach!) statt „Ballsaal“, konsequent „1930ger Jahre“ statt „1930er Jahre“, von zahlreichen einfachen Tippfehlern ganz zu schweigen. Und auch wenn nach neuer Rechtschreibung von 1998 der Buchstabe ß an vielen Stellen zu einem Doppel-s wurde, gilt das noch lange nicht für überall. Letztendlich findet man den „Deppen-Apostroph (man verzeihe mir den Ausdruck) dann im Nachwort auch noch zwei Mal.

Vor dem Veröffentlichen eines wirklich qualitativ so hochwertigen Werkes sollte einfach eine professionelle Endkontrolle erfolgen, das war hier offensichtlich nicht der Fall.

Von der äußeren Aufmachung und der Qualität der Materialien ist der Bildband top und spielt ganz vorne mit, doch besagte Mängel trüben die Freude all derer, denen es mit spektakulären Fotos alleine nicht getan ist und die sich von Begleittexten einen Mehrwert erwarten.

Insgesamt ist Italien bei dem Potpourri an verlassenen Orten am meisten vertreten, andere Orte in Europa oder besonders Deutschland eher spärlich.

Mein Fazit: wer sich für Lost Places interessiert und auch über die Ländergrenzen Deutschlands hinaus verlassene Orte kennenlernen möchte und sehen möchte, wie die Natur sich teilweise den menschengemachten Raum zurück erobert, liegt hier sicher nicht falsch, sollte aber bei einem Kaufpreis von 20 € bereit sein, über gewisse Mängel hinweg zu sehen.
Rostiges Grab Anders De La Motte
Rostiges Grab (Buch)
5 von 5 Sterne

Leo lässt sich nicht unterkriegen

Leo Asker habe ich noch als bemerkenswerte Ermittlerin in Erinnerung, die großes Geschick darin hat, das Bestmögliche aus ihrem Team, das zugegebenermaßen mehr als skurril ist, herauszukitzeln. Ihre Truppe setzt sich aus hochbegabten Einzelkämpfern zusammen, die in anderen Teams wegen ihrer mangelnden Sozialkompetenz gescheitert sind, doch Leo hat es geschafft, sie zu einer Einheit zusammenzuschweißen.
Auch Leos Karriere ist ins Stocken geraten. Diese Cold Case Einheit soll ihr wieder auf die Sprünge helfen. Ihr langjähriger dienstlicher Widersacher schustert ihr einen Fall zu, an dem sie eigentlich nur scheitern kann. Er ist mystisch und dabei brandgefährlich. Es geht um einen jahrzehntealten Mord, der stark an eine Moorleiche erinnert, die auf demselben Areal gefunden wurde. Es ist eine alte Torffabrik, abgelegen in tiefstem Wald und im Besitz einer Familie, die nach ihren eigenen brutalen Gesetzen lebt.
Leo tritt mal wieder gern einflussreichen Menschen auf die Füße, umschifft die Steine, die ihr in den Weg gelegt werden und schafft einen sauberen Ermittlungserfolg.
Der Leser trifft alte Bekannte wieder, sodass er sich sofort wieder in die Szene einleben kann. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, um Spannung aufzubauen, um dann wieder auf eine andere Erzählperspektive umzuschwenken.
Ich habe mich wieder gut unterhalten gefühlt, nicht zuletzt, weil ich Leos schnörkellose Art so gern mag. Ihr ist Gerechtigkeit letztendlich doch wichtiger als Karriere. Jetzt freue ich mich auf einen weiteren Cold Case, falls Leo nicht doch befördert wird.
Elf ist eine gerade Zahl Martin Beyer
Elf ist eine gerade Zahl (Buch)
4 von 5 Sterne

Emotional

Bei Paula wird ein Krebsrückfall diagnostiziert und sie muß sich einer schweren Lungenoperation mit anschließendem Aufenthalt auf der Intensivstation unterziehen. Begleitet wird sie von der alleinerziehenden Mutter Katja, Grundschullehrerin. Um Paula abzulenken beginnt sie ihr eine Geschichte zu erzählen von einem Mädchen und einem Fuchs. Eingebettet in die realen Ereignisse, dem Warten auf die Operation, dem schmerzhaften Erwachen zieht Pola in der Fabelwelt mit einem Fuchs durch die Gegend und trifft dort auf die Schattenwelt.

Diese Mischung ist ungewöhnlich und habe ich so nicht erwartet. Der Schreibstil mit den kurzen knappen Sätzen wirkt beinahe hektisch. So hektisch und emotional angespannt wie Katja sich fühlt zwischen dem eigenen Überleben und den langen Stunden bei der pubertierenden Tochter im Krankenhaus. Ein gewagter Spagat mit so weit auseinander liegenden Geschichten der emotional fast etwas überfrachtet wirkt.
Blackspell Celine Leonora
Blackspell (Buch)
5 von 5 Sterne

Bin hin und weg

Eden Blackspell muss sich mit dem Vermächtnis ihres toten Vaters auseinandersetzen und kehrt zurück nach Thunder Hall, einer beachtlichen abgelegenen Villa in der Nähe eines Sees. Eigentlich will sie nur zur Testamentseröffnung und dann zurück in ihr Leben um das Pflegeheim ihrer Mutter bezahlen zu können. Doch eine Klausel hat es in sich, Eden erbt Thunder Hall nach der Renovierung, die bereits bezahlt ist, sowie ein beachtliches Vermögen nur, wenn sie ein Jahr an der nahegelegenen Wyndhouse Akademie studiert. Eigentlich hat Eden die Schule abgebrochen um sich um die Mutter zu kümmern, aber das jetzt kann sie nicht ablehnen.
Sie hat keine Ahnung worauf sie sich dabei einlässt und bereits in ihrer ersten Nacht wird es brenzlig.
Nur langsam begreift sie den Sinn dieser Akademie obwohl sie selbst wohl keine besonderen Fähigkeiten zu entwickeln scheint.

Dieses Buch nimmt einem sofort in den Bann, es ist mehr als ein Young Adult Phantasy sondern man fiebert richtig mit ob es Eden gelingt Gut und Böse auseinanderzuhalten. Die kurzen Kapiteln aus Sicht der 18 jährigen Eden und der lebendige Schreibstil lassen einem nur so durch die Seiten fliegen. Wann kommt endlich Band 2 heraus? Den muss ich unbedingt haben.

Dazu noch das prächtige Cover mit Farbschnitt machen das Buch zu einem Hingucker in der Buchhandlung.
Jetzt gerade ist alles gut Stephan Schäfer
Jetzt gerade ist alles gut (Buch)
5 von 5 Sterne

Und plötzlich ist alles anders

So hatte man sich die Fahrt in den Urlaub nicht vorgestellt. Der namenlose Familienvater wird beim Verladen des Gepäcks ganz plötzlich aus dem aktiven Leben gerissen. Ein vor Tagen zugezogener kleiner Schnitt am Finger hat sich zu einer lebensgefährlichen Sepsis entwickelt. Nur Stunden später liegt er auf dem OP Tisch und entgeht nur knapp einer Amputation.
Danach ist nichts mehr so wie es früher war und er nimmt mehr die leisen Töne des Lebens wahr und sammelt schöne Momente die das Leben ausmachen.

Das Hörbuch, gesprochen von Götz Otto, ist ein ruhiges Buch mit leisen Tönen und lässt einem für ein paar Stunden den hektischen Alltag vergessen um sich selbst an schöne Momente zu erinnern oder selbst für einen schönen Moment zu sorgen. Warum alles auf morgen verschieben wenn es dafür zu spät sein könnte? Das Leben genießen wie es gerade ist.
Botanic Hearts Melanie Sweeney
Botanic Hearts (Buch)
3 von 5 Sterne

Blumige Bücher

Tansy, eine alleinerziehende Mutter und leidenschaftliche Bibliotheksleiterin, steht vor den Trümmern ihrer Existenz: Sowohl ihr Haus als auch ihre geliebte Bibliothek wurden schwer beschädigt. Während sie mit ihrer kleinen Tochter Briar versucht, ihr Privatleben zu ordnen, muss sie für ihren Beruf eine unkonventionelle Lösung akzeptieren: Die Bibliothek wird für vier Monate in ein Gebäude auf dem Gelände des Botanischen Gartens verlegt. Das findet der Gärtner Jack alles andere als erfreulich, da er mit den Reparaturen und der Erweiterung des Botanischen Gartens genug um die Ohren hat. Der mürrische Pflanzenexperte sieht die plötzliche Invasion von Büchern und lärmenden Bibliotheksbesuchern in seinem geordneten grünen Reich kritisch.

Mich hat dieses wunderschöne Cover und das Setting im Botanischen Garten sofort angesprochen. Die Idee zwei Welten auf einander prallen zu lassen, fand ich äußerst reizvoll. Die beiden Protagonisten sind sehr gegensätzlich und doch ähnlich. Es war schön zu sehen wie sich annähern. Doch war mir das erste Zusammentreffen im Hurrikan zu schnell abgehandelt. Gerne hätte dort mehr auf die Gefühle und die äußeren Gegebenheiten eingegangen werden können. Dafür waren die nächsten hundert Seiten in die Länge gezogen.

So richtigen Zugang zu den Protagonisten habe ich nicht gefunden. Jack war mir mit seinen Ängsten sehr unnahbar. Er hat zwar Herz gezeigt und ich verstehe die Hintergründe aber sein Charakter war irgendwie nicht rund. Etwas hat gefehlt. Tansy hingegen war so überdimensioniert und allgegenwärtig, das sie die Geschichte sehr dominiert hat. Ihr Handeln war manchmal etwas fragwürdig. Ab der Hälfte des Buches hatte mich die Autorin verloren. Ab da habe ich das Buch immer weder weglegen müssen. Es fühlte sich nicht richtig an. Das Ende hat mich versöhnt nur war der Weg dorthin etwas steinig für mich.

Fazit:

Ein wunderbares Setting und eine schöne Grundidee, doch hatte ich mit der Umsetzung meine Probleme. Kein Highlight, aber dennoch lesenswert, durch das schöne Setting und die Beschreibungen des Botanischen Gartens.
Die weiße Nacht Anne Stern
Die weiße Nacht (Buch)
5 von 5 Sterne

Interessanter Nachkriegskrimi

Die weisse Nacht war mein erstes Buch von Anne Stern, das ich gelesen habe. Und mir gefällt ihr Schreibstil sehr gut. Sie beschreibt sehr anschaulich die Szenerie im zerstörten Nachkriegsberlin, wo die Überlebenden nicht nur mit den Folgen des Krieges zu kämpfen haben, sondern auch mit dem klirrenden Winter und dem einhergehenden Hunger. Lou entdeckt beim Fotografieren eine Leiche und der neu ernannte Kriminalbeamte König beginnt zu ermitteln.
Es ist leise Spannung vorhanden, aber das Interessante hat hier tatsächlich sehr viel der Einblick in das harte Leben der Personen nach dem Krieg ausgemacht. Man kann sich sehr gut in die Lage hineinversetzen. Alles Brennbare ist verheizt, der Schwarzmarkt boomt und mit den unterschiedlichen Besatzungsmächten kommen weitere Probleme hinzu.

Der Schluß oder die Auflösung des Kriminalfalles hätte ich mir etwas anders, mit noch mehr Spannung, gewünscht. Aber insgesamt habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Es war sehr interessant und ich kann es weiter empfehlen für Krimifans, die nicht auf aufreibende Spannung aus sind, sondern auch Interesse an dem historischen Schauplatz haben.
1 bis 10 von 94 Rezensionen