Empathisches Bilderbuch übers Trösten
Der kleine Roboter ist traurig, weil er eine Schraube verloren hat. Die Tiere würden ihn gern trösten, doch sie wissen nicht wie, denn Roboter nimmt man nicht in den Arm oder erzählt ihnen Witze oder doch?
Das Cover des Buches sagt schon viel darüber aus, worum es geht. Man sieht hier den kleinen Roboter, der die Hauptfigur in der Geschichte ist und leider seine Lieblingsschraube verloren hat. Nun ist er ganz traurig. Alle Tiere helfen ihm gern beim Suchen, doch trösten können sie ihn nicht, denn sie glauben, Roboter mögen oder brauchen all die Dinge und Gesten, die sie selbst trösten nicht. Nur der Biber hat eine Idee. Sie erfreut den kleinen Roboter und er öffnet sich soweit, dass er sagen kann, was ihn tröstet. Mir gefällt wie hier mit den Annahmen der Tiere gespielt wird. Da der Roboter nicht tierisch/menschlich ist, gehen alle davon aus, dass er nicht umarmt, nicht singt oder schwimmt. So versuchen sie gar nicht, ihn zu trösten. Doch es stellt sich heraus, dass er diese Dinge genauso braucht, wie alle anderen. Diese einfache aber wichtige Botschaft, können Kinder leicht auf sich und ihre Lebenswelt übertragen. Jeder braucht auf seine Weise Trost und wird gern getröstet.
Der gut lesbare Text des Bilderbuchs ist recht einfach gehalten, so können auch schon Kinder ab 3 der Erzählung folgen. Im ersten Teil sind die ersten Sätze alle ähnlich aufgebaut. Immer wird vergeblich nach der Schraube gesucht. Auf Erwachsene wirkt das vermutlich etwas befremdlich, ist aber für die kleinen Zuhörer birgt das nach kurzer Zeit schon eine gewisse Vertrautheit, in der man leichter ins Gespräch kommt und sich auf das wesentliche konzentrieren kann. Das Highlight sind die Illustrationen im Buch. Ihnen fehlt das quietschbunte mancher Bilderbücher, sie sind eher zart und atmosphärisch. Manche sind Szenen mit Hintergrund, bei anderen liegt der Fokus ausschließlich auf den Figuren und ihren Handlungen. Beeindruckend ist das Spiel mit dem Licht, sei es in den Blättern der Weiden, als Reflexion auf dem Fluss oder in Form einer Glühbirne, die ein Marmeladenglas beleuchtet. Es zieht den Betrachter in die Szenen hinein. Kinder werden sich auf jeden Fall mit dem kleinen Roboter identifizieren können, weil vermutlich jedes schon einmal etwas verloren hat. Ein tolles, empathisches Buch, das zeigt, wie wichtig es ist, zuzuhören, andere zu trösten und getröstet zu werden. 5 Sterne