Rezensionsübersicht

166 Rezensionen
Gärtnern mit dem Hochbeet Folko Kullmann
Gärtnern mit dem Hochbeet (Buch)
5 von 5 Sterne

Für prächtige Hochbeete im eigenen Garten

Dieses Buch quillt geradezu über vor Ideen und Liebe zu Hochbeeten! Die Kapitel Hochbeete im Garten; Planen und Bauen; Pflanzen und Pflegen stecken voller wichtiger und hilfreicher Informationen. Aber auch die Übersicht der Krankheiten und Schädlinge mitsamt Tipps zur Abhilfe ist hoch interessant. Zum Abschluss gibt es noch die Übersicht Mischkultur, die gute und schlechte Nachbarn zu den Pflanzenarten aufzeigt.

Die vielen prächtigen Fotos veranschaulichen deutlich, was man mit Hochbeeten erreichen kann. Nicht nur die Pflanzen darin, sondern die Materialien und Formen der verschiedenen Hochbeete sind umwerfend. Es gibt einige Fotostrecken für den Aufbau von diversen Hochbeeten aus den unterschiedlichsten Materialien. Ob bepflanzt mit Gemüse, Obst, Kräuter, Gräser oder Blumen, die gezeigten Hochbeete überzeugen, dass man selbst auch mindestens eines, besser mehrere, haben muss! Für alle Begebenheiten und Lichtverhältnisse gibt es hier Tipps und Informationen. Alle Materialien werden vorgestellt und für jeden Geldbeutel findet sich eine Möglichkeit, ein Hochbeet anzulegen.

Obwohl ich schon länger Hochbeete bepflanze, habe ich in diesem Buch massenweise neue Ideen, Anregungen und Informationen für mich gefunden. In das Hochbeet aus Gabionen mit Ziegeln habe ich mich regelrecht schockverliebt. Leider werde ich das aus Mangel an Material nicht nachbauen können. Dennoch werden es bei mir mit jedem Jahr mehr Hochbeete, so genial finde ich sie.

Die Informationen für Bepflanzungen und zu einzelnen Pflanzen sowie deren Bedürfnisse machen die Hoffnung auf noch größere Erträge, als ich bisher hatte, enorm groß. Schön strukturierte Informationen zu allen Fragen rund um das Hochbeet gepaart mit vielen Bildern ist genau die Art Hilfe, die mir in Gartendingen am liebsten ist. Die Liste für die Mischkultur mit guten und schlechten Nachbarn finde ich sehr informativ. Zudem fühlt man sich mit den Texten nicht klein und dumm, nicht belehrt. Und obwohl man den Wunsch hat, ganz viel in Hochbeeten anzubauen, entsteht kein Druck, gleich zum Selbstversorger werden zu müssen.

Kommt gut rüber, dass ich das Buch mag, oder? Wieder einmal hat ein GU-Ratgeber meine Erwartungen bestens erfüllt! Fünf Sterne.

(c) cms
Hazel sagt Nein Jessica Berger Gross
Hazel sagt Nein (Buch)
4 von 5 Sterne

Ein Moment, der alles verändert

Familie Blum -das sind Vater Gus, Mutter Claire sowie die beiden Kinder Hazel und Wolf- zieht von New York nach Riverburg in Maine. Gus hat dort eine Professur bekommen. Hazel befindet sich in ihrem letzten Jahr vor dem College.
Die Familie hofft auf ein ruhiges und schönes Leben am neuen Wohnort, doch daraus soll nichts werden: Direkt am ersten Schultag lässt der Direktor Hazel in sein Büro rufen. Sie kann sich das nicht erklären, da sie sich nichts hat zu Schulden kommen lassen - und ist noch viel fassungsloser, als sie dann im Büro ist und der Direktor ihr sagt, warum er sie zu sich rufen ließ: Jedes Schuljahr sucht er sich eine Schülerin aus, mit der er Sex haben will - und dieses Jahr hat er sich Hazel ausgesucht. Für den Fall, dass sie sich weigert, droht er ihr Konsequenzen für ihre Zukunft an.
Bisher hat noch keine Schülerin Nein gesagt, alle haben aus Angst um ihre Zukunft mitgemacht und es über sich ergehen lassen - doch Hazel ist anders. Hazel will es nicht. Hazel tut es nicht. Hazel sagt sofort Nein. Und vertraut sich ihren Eltern an. Und natürlich ist fortan nichts mehr so, wie es mal war für Hazel, für ihre Familie, an ihrer Schule und in Riverburg ...
******
Der Klappentext klang interessant und gut, die Leseprobe gefiel mir; und so wollte ich diesen Roman unbedingt lesen. Die Erwartungen waren hoch.
Positiv ist Jessica Berger Gross´ Schreib- und Erzählstil. Er hat mir gut gefallen, die Geschichte lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen, und Angela Koonen hat das Ganze (wie übrigens bspw. auch schon Colleen Cambridge´s Phyllida-Bright-Krimireihe) sehr gut übersetzt.
Absoluter Mittelpunkt der Geschichte ist natürlich Hazel, doch auch die übrigen Familienmitglieder stehen im Mittelpunkt. Am liebsten mochte ich ihren kleinen Bruder Wolf; er ist wirklich wundervoll.
Die Geschichte fing stark an, ließ dann aber leider auch stark nach. Und damit sind wir leider auch bei einer Reihe von Kritikpunkten.
Die Geschichte wirkte auf mich immer wieder sehr konstruiert und unglaubwürdig. So kann ich mir bspw. beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Direktor sich vor Hazel schon mehrere Opfer gesucht und gefunden haben soll, dass alle das mitgemacht haben sollen, dass kein Mädchen etwas gesagt und sich gewehrt haben soll, dass es nicht mal ernsthafte Gerüchte gegeben haben soll, dass es noch keine Konsequenzen für ihn gegeben haben soll.
Claire und Gus haben mich als Figuren an sich und auch als Eltern nicht überzeugt (Stichwort Gras, um eine Sache von vielen zu nennen). Sie bleiben auch sehr blass und distanziert - ganz im Gegensatz zu Wolf, den man sofort ins Herz schließt.
Der Roman entwickelte sich ganz anders als gedacht und erwartet. Die Sache, um die es eigentlich gehen sollte, stand für mich irgendwann nicht mehr genug im Mittelpunkt. So lag der Fokus bspw. viel zu wenig auf dem Direktor und seinem Leben, nachdem sein Verhalten öffentlich wurde, und den anderen Opfern. Darüber liest man fast nichts. Die Autorin schien irgendwie den roten Faden verloren zu haben. Plötzlich ging es um ein Buch, Interviews, sogar ein VOGUE-Fotoshooting ... es wurde alles zu märchenhaft, rosarot, happy. Nicht nur für Hazel, sondern auch für die übrigen Familienmitglieder lief in der Folge einfach alles viel zu glatt. Das wirkte sehr konstruiert, unglaubwürdig - und es passte für mich einfach hinten und vorne nicht zum Rest, zum Thema, zum eigentlichen und vermeintlichen Schwerpunkt der Geschichte. So viele Probleme, so ein schweres, ernstes Thema - und plötzlich führen alle ein Traumleben?
Es scheint, als wollte die Autorin allzu viele Themen in diesen Roman packen. Dadurch konnten nicht alle in der nötigen und wünschenswerten Tiefe behandelt werden, werden oft nur oberflächlichlich angekratzt und verlaufen dann im Sande - was für den Leser unbefriedigend ist. Weniger wäre hier also mehr gewesen.
Auch das Verhalten der Frau des Direktors war für mich schwer nachvollziehbar und unglaubwürdig. Ebenso die Sache mit Hazel und Noah - irgendwie konstruiert, wenig nachvollziehbar, wenig glaubwürdig.
Die Geschichte entwickelte sich wie gesagt ganz anders als erwartet, und das leider im negativen Sinne.
Gut fand ich hingegen bspw. die Tatsache, dass Hazel zu Erkenntnissen kommt, dass sie lernt, wächst, reift, erwachsener wird - wenngleich ich noch nicht weiß, inwieweit das zu der Hazel zu Beginn passt, inwieweit das glaubwürdig oder auch unglaubwürdig ist. Und obwohl das den allzu rosaroten Eindruck etwas ausgleicht, bleibt es doch am Ende ein allzu konstruiertes happy end, ist alles zu schnell zu einfach, zu schön, geraten das eigentliche Thema und die eigentlichen Probleme viel zu sehr in den Hintergrund.
Schließlich haben mir auch die Botschaften, die dieses Buch vermittelt, sehr gut gefallen.
Insgesamt konnte mich Jessica Berger Gross´ Debüt leider nicht ganz überzeugen - dennoch ist es eine Autorin, auf deren weitere Romane ich gespannt bin.
A Taste of Cornwall: Ein Löffel Glück Katharina Herzog
A Taste of Cornwall: Ein Löffel Glück (Buch)
5 von 5 Sterne

Manchmal trügt der schöne Schein

Annabelle Scotts Stern am Modehimmel ist im Sinkflug. Deshalb bewirbt sie sich um den Job als Co-Moderatorin bei der Kochshow "Dining Delights". Dumm ist nur, daß sie so gar nicht kochen kann. Außerdem sollen die Dreharbeiten zur Show im kleinen Ort Port Haven an der Küste Cornwalls stattfinden - Annabelles Heimatort, den sie vor 20 Jahren fluchtartig verlassen hat. Sie müßte sich somit ihrer Vergangenheit stellen und alle Bekannte wiedersehen. Vor allen Dingen das Aufeinandertreffen mit ihrer Mutter bereitet Annabelle Bauchschmerzen. Und dann ist da auch noch der Fischer und Alpakazüchter Flynn, der Annabelle mehr als nur einen Schuh gestohlen hat!

Der zweite Teil der kleinen Serie "A taste of Cornwall" heißt "Ein Löffel Glück". Katharina Herzog kehrt in ihrem Roman zurück in den kleinen Ort Port Haven an der Küste Cornwalls. Diesmal geht es um das Model Annabelle. In ihrem Leben ist nichts mehr so perfekt, wie die Hochglanzfotos von ihr dem Betrachter vorgaukeln. Die Autorin räumt mit dem Glauben an das paradiesische Leben der Promis kräftig auf. Der ständige Druck im Rampenlicht zu stehen macht manchen zu schaffen. Echte Freunde findet man da wohl kaum. Das beweist Annabelles Geschichte, die Katharina Herzog sowohl mit Humor, aber auch eindringlich erzählt. Die Beschreibung der Landschaft Cornwalls beruhigt schon beim Lesen. Das verwundert es nicht, daß die Menschen, die dort leben, so entspannt und sympathisch sind. Das Buch erweckt fast so etwas wie Neid auf die Leute in Port Haven. Für die Leser bleibt nur, sich dorthin zu träumen!
Minnesota Jo Nesbø
Minnesota (Buch)
4 von 5 Sterne

True Crime

Der neue Roman "Minnesota" des Autors Jo Nesbø ist im Januar 2026 im Ullstein Verlag erschienen und wurde von Günther Frauenlob aus dem Norwegischen übersetzt. Das Hörbuch wurde im Hörbuch Hamburg Verlag produziert und von David Nathan gelesen.
Holger Rudi ist nach Minneapolis geflogen, um in einem Kriminalfall aus dem Jahr 2016 zu recherchieren. Die Stadt ist ihm nicht unbekannt, denn er war dort oft zu Besuch bei Verwandten. Als er durch die Stadt fährt um die Schauplätze der Verbrechen aufzusuchen, muss er feststellen, dass sich allerdings vieles verändert hat.
Im Oktober 2016 wird auf einen Mann ein Mordanschlag verübt und weitere Männer getötet. Im Verdacht steht Thomas Gomez, genant Lobo. Doch der Mann ist wie ein Geist, er taucht immer wieder auf Überwachungsbildern auf und verschwindet dann spurlos.
Bob Oz ermittelt in diesem Fall. Allerdings wurde Bob nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung suspendiert. Sein Leben ist nach dem Tod seiner Tochter aus den Fugen geraten und er hat sich nicht unter Kontrolle.
Mit Bob Oz hat Jo Nesbø einen neuen Ermittler geschaffen und das Geschehen in die USA verlegt. Bob hat, wie viele Menschen in Minnesota, norwegische Wurzeln. Wir lernen Bob als einen Mann mit Ecken und Kanten, mit einem besonderen Geschmack und mit unkonventionellen Methoden kennen.
In diesem Roman tappt der Leser lange Zeit im Dunkeln, erst nach und nach setzen sich die Puzzleteile zusammen. David Nathan wurde als Sprecher für das Hörbuch besetzt. Mit seiner Stimme und seinem Ausdruck bringt er die einzelnen Charaktere gekonnt rüber.
Emilia Blumenherz, Band 1 - Das geheime Pflanzeninternat Usch Luhn
Emilia Blumenherz, Band 1 - Das geheime Pflanzeninternat (Buch)
5 von 5 Sterne

Pflanzenflüsterin Emilia

Von ihren Eltern in ein geheimes Internat geschickt, soll Emilia als Pflanzenwächterin eine ganz besondere Pflanze beschützen, die Ziel von gemeinen Pflanzendieben ist. Was sie in dieser speziellen Schule so alles kennenlernt und erlebt, hätte sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Doch die Aufgaben als Wächterin ihres Pflanzenschützlings sind wahrlich nicht einfach und ungefährlich. Das merkt Emilia, als tatsächlich die besondere Pflanze gestohlen wird und sie nicht mehr so recht weiß, wem sie vertrauen kann…

Mit dem verspielten Cover und der wunderschönen Gestaltung des Vorsatzpapiers stimmt Illustratorin Flor Persichini schon von Anfang an auf die zauberhafte, magische und blumige Stimmung des Buches ein. Auch im Buchinneren finden wir zahlreiche atmosphärische schwarz-weiß-Bilder.

Dass Emilia kein alltägliches Leben führt, wird sofort klar, als sie von ihrer verborgenen Insel auf das geheime Pflanzeninternat geschickt wird und dort zum ersten Mal eine echte Gemeinschaft unter Gleichaltrigen und einen gemeinsamen Schulunterricht erlebt. Der Kontrast zu ihrem bisherigen Leben könnte nicht größer sein und umso glaubhafter sind ihre Emotionen, mit denen Autorin Usch Luhn sie ausgestattet hat. Man nimmt ihr zu 100 Prozent ab, dass sie Heimweh hat, Sehnsucht nach den Eltern, Zweifel an ihrer Aufgabe und Eifersucht auf die Mitschülerin. Zudem beweist sie aber großen Mut, Stärke und Ausdauer, kann sich auf Neues einlassen und Freundschaften knüpfen. Mir gefällt, dass Emilia Zeit gegeben wird, sich zu entwickeln und sie nicht von Anfang an die geborene Pflanzenwächterin ist, ja, sie sieht sich sogar eher den Tieren verbunden und hat große Zweifel, ob sie für die gestellte Aufgabe die Richtige ist. Das macht sie nahbar und echt.

Die Autorin sprudelt nur so von neuen Ideen und obwohl es bereits eine Menge Buchreihen über besondere Internate, außergewöhnliche Tiere und etliche Akademien und Gilden gibt, ist es Usch Luhn gelungen, eine eigene neue und völlig andere Welt zu erschaffen, die nur so von phantasievollen Einfällen wimmelt.

Die Story ist vom Umfang, Aufbau und Thema sowie Ausdruck genau richtig für die Zielgruppe ab etwa 10 Jahren. Es kommen zwar etliche Fremdwörter und lateinische Pflanzennamen vor, die aber am Ende des Buches in einem Glossar noch extra erläutert werden. Grundsätzlich kommen einige Fremdwörter wie Kleinod vor, die den Lesenden vielleicht nicht bekannt sein werden. Ich mag es aber, wenn man Neues dazu lernen kann, denn die schwierigen Begriffe werden weitgehend sofort erklärt.

Ein lustiger, fast schelmischer Kontrast kommt durch Emilias besonderen Freund zustande, der sich ganz altertümlich ausdrückt. Das verleiht der Szene Charme und sorgt für humorvolle Leichtigkeit in einer ansonsten eher spannenden Handlung. Es ist interessant, wie dieser Stil dem Buch eine zusätzliche Note von Wärme und Wiedererkennung verleiht.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Buch eine wundervolle Mischung aus Mut, Selbstzweifel, Freundschaft und Spannung ist und damit perfekt geeignet für Lesende ab 10 Jahren, die gerne in fremde Welten abtauchen, Neues lernen und sich dabei emotional berühren lassen. Man merkt, wie viel Herz, Fantasie und Feingefühl in jeder Seite stecken. Ein wirklich gelungenes Werk von Usch Luhn.
Shiver (Die Wölfe von Mercy Falls, Band 1) Maggie Stiefvater
Shiver (Die Wölfe von Mercy Falls, Band 1) (Buch)
4 von 5 Sterne

Ruhig erzählte Fantasygeschichte um eine bittersüße Liebe

Seit Grace als Kind von Wölfen verletzt wurde, fühlt sie sich ihnen auf seltsame Weise verbunden. Ganz besonders hat es ihr ein Wolf mit gelben Augen angetan, der jeden Winter hinter ihrem Haus auftaucht und auf sie zu warten scheint. Als eines Tages Sam auf ihrer Veranda auftaucht, dessen Augen genau so aussehen, wie die ihres Wolfs, fühlt Grace sofort die selbe emotionale Verbindung, aus der sich eine zarte Liebe entwickelt. Doch es ist bereits Herbst und wenn die Kälte beginnt, wandelt sich Sam in seine Wolfsgestalt. Dabei ist ihm bewusst, dass die Zeit als Mensch für ihn begrenzt ist, irgendwann wird er für immer ein Wolf bleiben, wahrscheinlich erlebt er mit Grace bereits seine letzten Tage in menschlicher Gestalt.

"Shiver (Die Wölfe von Mercy Falls, Band 1)" von Maggie Stiefvater ist eine ruhig erzählte Fantasygeschichte über die bittersüße Liebe zwischen zwei Teenagern, denen bewusst ist, dass ihnen nur wenig gemeinsame Zeit bleibt. Mich hat der Roman bereits nach wenigen Zeilen tief in Graces Welt hinein gezogen, sie selbst, die Figuren in ihrem Umfeld und auch den Hintergrund fand ich authentisch und umfassend dargestellt, so dass ich emotional immer an der Seite von Grace und Sam war. Die Handlung lief dabei beinahe wie ein Film vor meinem geistigen Auge ab, die sanften Gefühle zwischen den Protagonisten waren jederzeit deutlich zu spüren.

Der gemächliche Schreibstil passte zur herbstlichen Stimmung der Geschichte, ruhig und unaufgeregt führt die Autorin ihre Leser in Sams Leben im Wolfsrudel und Graces Alltag mit ihren zwar freundlichen, aber regelrecht bis zur Vernachlässigung unaufmerksamen Eltern ein. Das Leseerlebnis wird insgesamt eher von leisen Tönen geprägt und fühlte sich für mich bis auf wenige Spannungsmomente beinahe wie ein erholsamer Spaziergang durch einen stillen Wald an. Um das wirklich zu genießen benötigt es Geduld, die ich nicht an jeder Stelle aufbringen konnte, doch die winzigen Längen wurden bald von der emotionalen Tiefe überdeckt.

Meine anfängliche Verwunderung über die Temperaturangaben bei jedem Kapitelanfang wurde bald von der Erkenntnis ausgeglichen, wie bedeutend die Kälte für Sams Wolfswandlung war, schon bald habe ich mit ihm und Grace gebangt, dass es noch länger warm bleiben möge. Obwohl es noch zwei Fortsetzungen um die Liebe von Sam und Grace gibt, hat sich das Ende für mich rund angefühlt, meiner Meinung nach kann dieses Buch auch gut als Einzelband gelesen werden. Für diesen ruhig erzählten Jugendroman voller Fantasie und tiefgreifender Gefühle spreche ich gern eine Leseempfehlung aus.

Fazit: Die Kraft dieser Geschichte liegt in der Ruhe, die die zarte Liebe zwischen Sam und Grace hervorhebt, die wenige Zeit, die ihnen bleibt, betont die bittersüßen Gefühle. Diesen stillen und doch so intensiv empfundenen Roman empfehle ich gern weiter.
Royal Houses - Haus der Drachen K. A. Linde
Royal Houses - Haus der Drachen (Buch)
4 von 5 Sterne

Fantasievoller Reihenauftakt mit ein paar Schwächen in der Logik

Seit Kerrigan als Kind von ihrem Vater im Haus der Drachen abgegeben wurde, lebt sie hier als Schülerin, nach dem Ende der Ausbildung soll sie von einem der Hohen Häuser der Fae adoptiert werden. Da ihre Mutter menschlich war, wird sie von den reinblütigen Fae oft mit Verachtung angesehen, ihr Status als Halbfae verringert ihre Chancen in der Hohen Gesellschaft, die in diesem Reich regiert. Als beim Drachenturnier überraschend ein Prinz des Hauses der Schatten auftaucht, dem Kerrigan während des Turniers als Assistentin zugeteilt wird, ist das erst der Beginn einer Reihe von Ereignissen, die Kerrigans Zukunft in eine ganz unvorhergesehene Richtung lenken werden.

"Royal Houses – Haus der Drachen" von K.A.Linde ist der Auftaktband einer fesselnden Fantasy-Serie, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Kerrigan, die neben ihrer Ausbildung als Drachenschülerin heimlich als Kämpferin in den "Wastes" (einem Untergrund-Etablissement) antritt, war mir auf Anhieb sympathisch. Gleich zu Beginn musste sie nicht nur einen Kampf gegen einen wesentlich größeren Gegner bestreiten, auf dem Heimweg wurde sie auch direkt mit dem alltäglichen Rassismus konfrontiert, der Menschen und Halbfae in dieser Welt entgegen gebracht wird. Sowohl die Protagonistin als auch sämtliche andere Figuren waren umfassend und authentisch beschrieben, so dass ich immer ein klares Bild vor Augen hatte und emotional tief in die Geschichte eingetaucht bin.

Den Schreibstil fand ich leicht und eingängig, ich war immer wieder überrascht, wie kurz sich die jeweiligen Leseabschnitte für mich angefühlt haben. Und dennoch komme ich nicht umhin, den einen oder anderen Kritikpunkt anzumerken, inhaltlich gab es meiner Meinung nach mehrere gar nicht mal so kleine Logiklücken, die ich hier nicht aufzählen kann ohne zu spoilern. Der Klappentext ist in meinen Augen unglücklich formuliert, der Teaser passt tatsächlich nicht richtig zum Inhalt des Buches, dort werden Entwicklungen angedeutet, die so nicht wirklich statt gefunden haben - worauf ich beim Lesen allerdings die ganze Zeit gewartet habe, weshalb sich dann schon irgendwann ein Gefühl von Enttäuschung bei mir eingeschlichen hat.

Die Handlung ist vielschichtig, dabei schien besonders der Strang um Cyrene, die fünf Jahre zuvor das Drachenturnier gewonnen hatte, recht zusammenhanglos eingefügt zu sein. In ihrem Nachwort schreibt die Autorin, dass Kerrigan ursprünglich als Nebenfigur in ihrer Ascension-Reihe aufgetaucht ist. Da ich diese Bücher nicht kenne, vermag ich nicht zu beurteilen, ob K.A. Linde davon ausgegangen ist, dass die Leserschaft den Weltenaufbau der Royal Houses Umgebung bereits von dort kennen sollte - wenn nicht, hätte sie den Hintergrund für meinen Geschmack gern etwas ausführlicher aufbauen dürfen. Auch manch anderer Faden baumelte am Ende noch ziemlich lose herum, ich hoffe, dass ich da in den Folgebänden noch Antworten erhalten werde.

Fazit: Der fantasievolle Weltenaufbau und die spannende Handlung haben mich insgesamt gut unterhalten, dennoch gab es einige Lücken in der Logik und auch beim politischen Geschehen ist mir immer noch nicht klar, welche historischen Gegebenheiten der Realität entsprechen und was davon Propaganda der teilweise deutlich rassistisch eingestellten Fae-Elite ist. Ich bin neugierig genug auf die Folgebände und hoffe sehr, dass mir dort alle offenen Fragen beantwortet werden.
Hazel sagt Nein Jessica Berger Gross
Hazel sagt Nein (Buch)
4 von 5 Sterne

Wenn ein "Nein" eine Lawine auslöst...!

"Hazel sagt Nein" von Jessica Berger Gross ist als Hardcover mit 384 Seiten bei Lübbe erschienen.

Die Familie Blum zieht vom quirligen New York ins beschauliche Riverburg, Vater Gus kann eine Professur antreten und alles scheint harmonisch. Am ersten Schultag aber wird Hazel zum Direktor gerufen - dieser legt plump die Hand auf ihren Oberschenkel und erklärt ihr recht unverblümt, er suche sich jedes Jahr eine Schülerin aus, mit der er Sex habe, und diesmal sei seine Wahl auf sie gefallen. Hazel sagt Nein, und dieses eine Wort hat ungeahnte Konsequenzen...

Idee zum Plot: klasse! Ansprechend, interessant und emotional.

Thematik: wichtig und alles Andere als leichte Kost.

Unterhaltungswert: sehr hoch.
Trotz der schweren, teils bedrückenden Thematik hat
Jessica Berger Gross es geschafft, eine authentische und zumeist hoffnungsvolle, positive Atmosphäre zu erzeugen, die natürlich von Ängsten, Selbstzweifeln etc. durchzogen ist - was das Ganze jedoch nur glaubhafter macht, denn so ist es ja auch im wahren Leben.
Andere Aspekte der Handlung waren in meinen Augen widerum etwas unglaubwürdig bzw. fast schon Hollywood-like dargestellt - ein wenig überzogen. Das kann ich aber nicht näher erläutern, ohne zu spoilern...;) Der Schreibstil jedenfalls ist zugleich ein- und leichtgängig, eine Kombination, die bestens funktioniert.

Die Charaktere: Hazel hat mir sehr gefallen, und ihr kleiner Bruder Wolf erst recht, er war für mich die tragische Figur und der Held des Romans zugleich. Die Eltern Gus und Claire hingegen fand ich eher so la la, insbesondere von der Mutter hätte ich andere Verhaltensweisen und vor Allem Gedankengänge erwartet, nach den Geschehnissen. Aber sie ist sehr ichbezogen und ist in erster Linie auf einem Selbstfindungstrip in der neuen Heimat.

Klasse fand ich, dass die Story aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird und jedes der Familienmitglieder uns Einblick in ihre bzw. seine Gefühls- und Gedankenwelt gibt.

Umsetzung: Grundsätzlich wirklich gut, dennoch hapert es teilweise ein wenig. Es wurden einige Themen angerissen, die dann nur spärlich weiter verfolgt wurden. Das hätte gar nicht sein müssen, denn "nur" das Thema Mißbrauch wäre hier genug gewesen.
Außerdem schwächelt der Mittelteil ein wenig, da sich hier alles in eine bestimmte Richtung zu neigen scheint, die zu "heile Welt"-mäßig herüberkommt.

Die Auflösung hat mir dann wieder ausgesprochen gut gefallen und ich finde, das Buch ist enorm wichtig und kann nicht nur jungen Mädchen dabei helfen, Nein zu sagen, in schlimmen Situationen an Selbstbewusstsein zu gewinnen und sich gewahr zu werden, dass es anschließend trotzdem positiv und nach vorn schauend weitergehen kann. Man (bzw. Frau!) muss sich definitiv nicht alles gefallen lassen, egal, von wem.

Beeindruckend und zugleich erschreckend, welche Reaktionen und Konsequenzen ein Nein zu einer Autoritätsperson lawinenartig auslöst!

Insgesamt ein absolut lohnenswerter Roman, der beschäftigt und nachhallt.
Kings of Cypress Pointe - Tangled Lies Rachel Jonas und Nikki Thorne
Kings of Cypress Pointe - Tangled Lies (Buch)
5 von 5 Sterne

Mein neuer Lieblingsband

Lexi gerät immer wieder in Schwierigkeiten, doch mit dieser Entwicklung hat auch sie nicht gerechnet. Plötzlich findet sie sich in einer Fake-Beziehung mit Sterling wieder, einen der bekannten Golden-Drillinge. Doch je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, desto näher kommen sie sich und ahnen dabei gar nicht, dass gerade das gefährlich werden könnte.


"Kings of Cypress Pointe - Tangled Lies" ist der zweite Band der Spin-Off-Trilogie zur Kings-off-Cypress-Pointe-Reihe von Rachel Jonas und nunmehr mein Favorit der Bücher rund um die Golden Boys. Das Trope Fake-Dating ist natürlich sehr präsent und die Emotionen im Buch sind für den Lesenden absolut greifbar. Lexi wurde trotz ihres jungen Alters nicht nur einmal das Herz gebrochen und Sterling trägt einen entscheidenden Anteil daran. Die Rückblicke in die Vergangenheit der beiden Protagonisten mag ich wirklich sehr und vor allem der eifersüchtige Sterling ist ein echtes Highlight. Trotz dessen, dass Sterling und auch Lexi für die Kenner der Reihe keine Unbekannten sind, kommt so manches interessantes Detail ans Licht und man lernt ganz neue Seiten an ihnen kennen. Natürlich darf auch diesmal Pandora nicht fehlen, der einfach nichts in der Stadt zu entgehen scheint und so kocht auch diesmal kräftig die Gerüchteküche.

Die Autorin schafft es in diesem Band sehr gut, ernste Themen in die Handlung einzubauen, auf die ich nicht näher eingehen möchte, um Spoiler zu vermeiden. Alles fügt sich dabei zu einem großen Puzzle zusammen und man versteht so manche Verhaltensweise dadurch umso besser.

Neben den beiden Protagonisten habe ich beim Lesen vor allem Benny, den Stiefvater von Lexi, ins Herz geschlossen. Er hat das Herz wirklich am rechten Fleck und so einen Dad können wir uns alle nur wünschen. Außerdem ist die restliche Golden Crew ebenfalls wieder mit dabei und es gibt hier und da ein paar Hinweise auf den letzten Band der Reihe, welcher sich um Ricky drehen wird.

Für alle Fans der Reihe ist "Tangled Lies" einfach ein Must-Read und ich selbst kann es kaum erwarten, dass der letzte Band erscheinen wird.
Illusion - A Lie Worth Believing Janine Ukena
Illusion - A Lie Worth Believing (Buch)
5 von 5 Sterne

Eine wunderschöne, magische Geschichte

Stella hat als junges Mädchen ihre Familie verloren und ist im Heim und bei Pflegefamilien aufgewachsen. Doch dabei hat sie sich nicht unterkriegen lassen und verfolgt ihre große Leidenschaft - den Gesang. Sie singt in einer Bar und eines abends erhält sie von Levin, einen charmanten und attraktiven Mann ein Angebot, dass sie nicht ausschlagen kann, da es nicht nur die Erfüllung ihres großen Traumes bedeutet, sondern auch das Ende ihrer finanziellen Schwierigkeiten. Nur weiß sie da noch nicht, was ihr alles widerfahren wird.

"Illusion: A Lie Worth Believing" ist ein Buch, welches mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Janine Ukena gelingt es durch ihren flüssigen, beschreibenden Schreibstil, den Lesenden in die magische Welt von Las Vegas zu entführen. Schnell verschwimmt alles und man weiß nicht, was die Wahrheit ist und was eine Lüge. Es wird spannend und das Ende macht mich umso neugieriger auf die Fortsetzung der Reihe, welche im Mai erscheinen wird.

Das Buch wird größtenteils aus den Perspektiven der beiden Protagonisten, Stella und Levin beschrieben. Stella sehnt sich seit ihrem Verlust in der Kindheit nach eine Zuhause und glaubt, genau dieses nun gefunden zu haben. Aber je weiter sie hinter die Kulissen blickt, umso mehr gerät sie ins Stolpern, ob sie wirklich die richtige Entscheidung getroffen hat. Sie entwickelt immer mehr Gefühle für Levin, aber auch bei ihm kann sie nicht sicher sein, ob er nicht nur ein Spiel mit ihr spielt. Levin ist für mich ein interessanter Charakter, der im Herzen ein guter Mensch ist, sich jedoch teilweise an sehr fragwürdigen Methoden bedient und es wird deutlich, was für Folgen der heutige, technische Fortschritt haben kann. Es entsteht dadurch eine perfekte Mischung und auch diverse Suspense-Einflüsse sorgen dafür, dass es nicht langweilig wird.

Wer Emotionen gemischt mit der magischen Welt von Las Vegas erleben möchte, der sollte hier auf jeden Fall zugreifen. Die aufkeimende Beziehung zwischen den Protagonisten prägt diesen ersten Band, ohne dabei auf spicy Szenen zurückzugreifen. Etwas ganz besonderes ist für mich das Buch an sich, mit dem wunderschönen Cover, der tollen Innengestaltung und einem perfekt ergänzenden Farbschnitt - ein echter Hingucker!
1 bis 10 von 166 Rezensionen