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208 Rezensionen

Immergrün Ruth Olshan
Immergrün (Buch)
4 von 5 Sterne

Verlorene Heimat

In ihrem Roman "Immergrün", der im Pfaueninsel Verlag erschienen ist, erzählt die Regisseurin und Autorin Ruth Olshan die Geschichte ihrer Familie.

Einige Jahre nach dem Tod ihrer Mutter Vida begibt sich die Ich-Erzählerin Ruth mit ihrem Auto auf die lange Reise nach Litauen, um dort die Urnen der Mutter und der Großmutter beizusetzen. Es ist ihr wichtig, den Wunsch der Verstorbenen zu erfüllen und ihnen damit ihre Liebe zu beweisen. Endlich in Litauen angekommen, wird es für sie zur Herausforderung, den Ort des Familiengrabs ausfindig zu machen.

Auf einer zweiten Erzählebene schildert Ruth die Vergangenheit ihrer Eltern und erinnert sich an ihre eigene Kindheit und das Zusammenleben mit den Eltern in Israel und Westberlin.

Vida wird 1939 in Litauen als Tochter eines Opernsängers geboren, der als KZ-Überlebender gezeichnet ist von seinen Verletzungen und sich das Leben nimmt, als seine Tochter 12 Jahre alt ist. Das Mädchen hat das Talent des Vaters geerbt und nimmt heimlich Gesangsunterricht, ehe es am Konservatorium Gesang und Chordirigieren studiert. Vida singt im Chor und lernt in Moskau nach einem Konzert den jüdischen Regisseur Israel aus der Ukraine kennen und lieben. Ein Jahr nach der Geburt ihrer Tochter Ruth emigriert die kleine Familie 1970 nach Israel, von dort aus geht es vier Jahre später nach Deutschland. In Westberlin lebt die Familie von Sozialhilfe, das Geld ist knapp, es kommt zu Spannungen und lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Vida und Israel. Während die kleine Ruth sich in Berlin schnell einlebt, bald nur noch Deutsch spricht und gern zur Schule geht, tun ihre Eltern sich schwer in der neuen Umgebung. Vida träumt davon, wieder als Sängerin aufzutreten und lässt sich erst auf Druck des Arbeitsamtes zur Altenpflegerin umschulen.



Die Geschichte ist in klarer Sprache ohne Pathos erzählt und liest sich sehr flüssig, die Kapitel über Ruths Reise nach Litauen und ihre Erinnerungen wechseln sich ab. Die Familiengeschichte hat mich gefesselt, sie hat mich berührt und erschüttert. Ruth erhebt keine Vorwürfe, keine Schuldzuweisungen. Manches ist fast nüchtern erzählt, und doch sind ihre Ausführungen sehr bewegend. Ich fand es sehr traurig, dass Vida immer mehr in ihrer Depression und in ihren Psychosen versank, während Ruth verzweifelt versuchte, den Alltag zu bewältigen. Sie übernahm die Verantwortung für ihre Mutter und war damit vollkommen überfordert. Ständig versuchte sie, Ordnung in das häusliche Chaos zu bringen und den Behörden ein intaktes Familienleben vorzuspielen.

Leider endet die Handlung im Jahr 1995 nach einem Besuch von Vida und Ruth bei der Großmutter und lässt mich mit vielen Fragen zurück. Vielleicht mag die Autorin in einer Fortsetzung erzählen, wie es mit Vida und Ruth weitergegangen ist. Wenn man bei YouTube den Namen Vida Vaitkuté eingibt, kann man sich mehrere Lieder von Ruths Mutter anhören - eine schöne Ergänzung zum Roman, wie ich finde.

Leseempfehlung für Ruth Olshans sehr persönliche Geschichte, in der es neben ihrer schwierigen Kindheit und Jugend auch um Entwurzelung, Sprachbarrieren und Neuanfang geht.
Alma Federica Manzon
Alma (Buch)
3 von 5 Sterne

Anstrengende Lektüre

"Alma" ist zwar bereits der fünfte Roman der italienischen Autorin und Verlegerin Federica Manzon, aber ihr erstes Buch, das aufgrund seines großen Erfolgs im Jahr 2024 nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt.  

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 53-jährige Journalistin Alma, die nach Jahrzehnten der Abwesenheit in ihre Heimatstadt Triest zurückgekehrt ist, um das Erbe ihres verstorbenen Vaters von Vili, ihrer Jugendliebe, in Empfang zu nehmen. Während der drei Tage, die sie in der Stadt verbringt, erinnert sie sich an die ereignisreichen Jahre ihrer Kindheit und Jugend. 

Almas Mutter hatte die Universität kurz vor dem Abschluss verlassen, um gegen den Willen ihrer italienischen Eltern Almas Vater, einen Slawen, zu heiraten. Anfangs lebt die kleine Familie im Haus der Großeltern, wo Alma wunderbare Jahre verlebt. Sie fühlt sich wohl bei den Großeltern, sie sind wichtige Bezugspersonen für sie, ehe die Eltern mit ihr fortziehen in das Haus auf dem Karst. Almas Vater ist als Redenschreiber für Marschall Tito tätig und verschwindet oft ohne Erklärungen nach Jugoslawien. Die Mutter weiß nie, wann er zurückkehren wird. Eines Tages bringt er aus Belgrad den 10-jährigen Vili mit, der von nun an bei der Familie leben wird. Alma hasst den Jungen und ist eifersüchtig auf ihn ... 

Die Geschichte ist zwar in sehr schöner Sprache erzählt, trotzdem empfand ich die Lektüre durch die spezielle Erzählweise als sehr anstrengend. Aus dem Klappentext ist nicht ersichtlich, dass es sich um ein Buch mit politischem Schwerpunkt handelt. Es beschreibt neben dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens und dem schrecklichen Krieg Almas Kindheit und Jugend sowie die komplizierte Beziehung zwischen ihr und Vili. Die Handlung vermochte mich nicht zu fesseln, sie springt hin und her, Ort und Zeit sind oft erst spät ersichtlich. Diese Zeitsprünge machten es mir manchmal schwer, die politischen Zusammenhänge zu verstehen. Ich empfand die Lektüre als herausfordernd und fand durch die distanzierte Darstellung der Protagonisten keinen Zugang zu ihnen. Insgesamt hat mich "Alma" enttäuscht, zumal ich nicht damit gerechnet habe, dass die politischen Geschehnisse derart viel Raum einnehmen würden.

Ich empfehle das Buch allen Lesern, die sich für die politische Situation Jugoslawiens im 20. Jahrhundert interessieren.
Wegen der schönen Sprache runde ich meine 2,5 Sterne auf 3 Sterne auf.

 
Fünf Fremde Romy Fölck
Fünf Fremde (Buch)
5 von 5 Sterne

Was damals geschah

Der Prolog blickt ins Jahr 1995. In einem Schullandheim auf Neuwerk haben sie wundervolle Tage verlebt bis zu jener Nacht, als zwei Kinder verschwunden sind. Charlotte, die damals als Lehrerin dabei war, macht sich noch heute Vorwürfe. Sie ist noch länger geblieben, hat jeden Winkel nach Janosch und Isa abgesucht, allerdings vergebens.
„Fünf Fremde“ erzählt von damals, von diesen verhängnisvollen Augusttagen im Jahre 1995 und von heute, als fünf Passagiere an einem Oktobertag 2025 auf der Fähre über die stürmische Nordsee zur Insel Neuwerk unterwegs sind.
Von der etwa drei Quadratkilometer großen Insel Neuwerk, die 15 km nordwestlich von Cuxhaven und 120 km südöstlich von Hamburg liegt, habe ich zuvor noch nie gehört. Romy Fölck beschreibt die Eigenheiten dieser Insel, das umliegende Watt, die erhöhte Turmwurt und auch den Neuwerker Turm (um nur einiges zu nennen) mitsamt den sehr überschaubaren Einwohnern eindrucksvoll. Zunächst nimmt sie mich mit auf die Fähre und stellt die für unsere Geschichte relevanten Personen vor. Ist es Zufall, dass auch Annika Lundt, die Hamburger Kriminalbeamtin, hier ist? Sie kümmert sich um ihre hier lebende Mutter Hedda, die sie immer wieder an einer ganz bestimmten Stelle einsammelt - irgendetwas zieht die zunehmend demente Frau hierhin.
Was passiert hier? Der Sturm wird zunehmend stärker, keiner sollte sich draußen aufhalten und doch scheint da etwas zu lauern – oder sind es „nur“ Geräusche, die der Sturm verursacht? Allerdings sprechen einige unerklärliche Vorkommnisse dagegen. Seltsame Dinge geschehen, es wird direkt unheimlich. Diese beklemmende, ja bedrohliche Atmosphäre ist eindringlich beschrieben, man spürt dieses Düstere hautnah.
Die beiden Zeitebenen werden wechselseitig erzählt. Neben den beiden Vermissten Janosch und Isa sind es Finn, Mats und Bea, die ich nicht alle mit den heutigen Passagieren in Einklang bringe. Bleibt noch Annika, die hier aufgewachsen ist und schon lange in Hamburg lebt und arbeitet. Und da ist noch die Wildtierauffangstation, die neu besetzt werden sollte. Die Übergabe gestaltet sich jedoch ganz anders, als es sein sollte.
Lange tappe ich im Dunkeln, kann mir so einiges nicht erklären. Bis dann doch das ganze Ausmaß dessen, was damals geschah, nach oben drängt. Unerbittlich. Und ja, alles wird bis zum bitteren Ende aufgeklärt. Hier, in der Aufklärung, liegt für mich schon ein Wermutstropfen, denn diesen Schluss, der dreißig Jahre zurückgeht, finde ich nicht schlüssig. Zu abstrakt, zu gewollt, zu konstruiert. Nichtsdestotrotz bleibe ich bei meiner sehr guten Bewertung, der Thriller hat es allemal verdient.
Unser Haus mit Rutsche Safia Al Bagdadi
Unser Haus mit Rutsche (Buch)
5 von 5 Sterne

Sehr zu empfehlen

Layla erzählt die Geschichte ihrer Familie - ihres irakischen Vaters, der französischen Mutter, dem kleinen Bruder und ihrem Leben in Saarbrücken. In der zweiten Zeitebene, spricht Layla als Erwachsene in der Gegenwart. Und ich fand es fesselnd, berührend und traurig und konnte das Buch kaum ablegen. Mein einziger Kritikpunkt: ich hätte mir gewünscht, dass der Roman noch länger geht - vielleicht gibt es irgendwann einen 2. Teil?
Der Autorin gelingt es die Situation, das Aufwachsen, den Ausbruch des Krieges aus der Perspektive der heranwachsenden Layla anschaulich zu beschreiben und ich habe sehr mitgefühlt. Eine vielleicht eher ungewöhnliche Familie, mit verschiedenen Charakteren, die sich nicht immer grün sind, aber man spürt einen Zusammenhalt und die Liebe in der Kernfamilie. Auch wenn der Krieg weit weg im Irak stattfindet, sind die Auswirkungen auch in Saarbrücken deutlich zu spüren.
Giftiger Grund Thomas Knüwer
Giftiger Grund (Buch)
5 von 5 Sterne

Das Geheimnis des Waschstraßen-Mädchens

Meine Meinung:
Eine alte, verlassene Tankstelle. In einem Gewerbegebiet, das niemals auch nur ein einziges Unternehmen angezogen hat. Vor sieben Jahren Schauplatz eines Raubüberfalls, nun hinter Bauzäunen sich selbst und der Natur überlassen. Ein „Lost Place“, der Scheitern, Einsamkeit, Verbitterung und Hoffnungslosigkeit ausstrahlt. Dazu drei junge Menschen, mehr oder weniger von der Gesellschaft allein gelassen und vollkommen auf sich selbst gestellt. Auch sie sind einsam - drei Schicksale, die bewegen.

Ein sehr atmosphärisches und zu Beginn sehr geheimnisvolles Setting, das sich Autor Thomas Knüwer da erdacht hat. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das geheimnisvolle kleine Mädchen, das sich immer wieder mitten in der Nacht in die verlassene Tankstelle schleicht und sich dort ihren eigenen, kleinen Safe-Space geschaffen hat. Auch wenn die Geschichte zu Beginn aus der Sicht der Urbexerin Charu und des frisch gebackenen „Ex-Knackis“ Joran erzählt wird, so ist es doch das Rätsel um das kleine Mädchen und ihr mysteriöses Schicksal, das den wahren Sog dieser Geschichte ausmacht. Entsprechend gebannt bin ich den sich stetig abwechselnden, kurzen Kapiteln gefolgt um endlich zu erfahren, was es mit dem Tankstellen-Mädchen auf sich hat. Doch auch Charu und Joran bringen ihre ganz eigenen Probleme mit, aus der Vergangenheit genauso wie aus der Gegenwart, was gleichfalls spannend zu lesen ist.

Es ist eine spannend zu lesende, fesselnde und auch bewegende Geschichte, die Thomas Knüwer hier erzählt. Auf dem Cover prangt präsent die Klassifizierung als „Kriminalroman“, doch ein „klassischer Krimi“ ist es definitiv nicht. Er gibt hier keine Ermittler, keine Spurensuche, ja bis auf eine kurze Ausnahme noch nicht mal Polizisten - und mehr mag ich hier nicht verraten. Für mein Empfinden ist es eher ein Roman mit einem zentralen Todesfall und mit klaren Einflüssen von Drama und Coming of Age.

Dafür gibt es hier bewegende Schicksale, abgründige Menschen und Verkettungen unglücklicher Zufälle und schlechter Entscheidungen. Drei Underdogs stolpern durch eine Geschichte, die immer wieder gegen sie zu laufen scheint. Und immer wieder dreht sich alles um die alte Tankstelle. Am Ende wird die Geschichte auch hier gelöst werden. Und dann, wenn man denkt, alles ist gut, hält Thomas Knüwer doch noch eine gemeine Überraschung für uns Lesende und eine seiner Figuren bereit…

Zur Hörbuchproduktion: Ich liebe es, wenn Hörbücher von verschiedenen Personen gesprochen werden. Diesem Buch hat der Verlag gleich fünf verschiedene Sprecher*innen spendiert und das kommt im Hörbuch voll und ganz zur Geltung. Hierdurch wird jeder Hauptcharakter einzigartig und unverkennbar und damit auch nahbarer. Eine sehr gelungene Hörbuchproduktion!

FAZIT:
Ein tolles Setting, außergewöhnliche Charaktere und eine fesselnde Story, aber kein klassischer Krimi.
Alma Federica Manzon
Alma (Buch)
3 von 5 Sterne

Interessant, verwirrend, geheimnisvoll, anstrengend

Der sehr verschachtelte, etwas umständliche Schreibstil hat mir den Einstieg etwas schwer gemacht. Inhaltlich fand ich den Aufbau interessant. Der Wechsel zwischen der Gegenwart mit dem geheimnisvollen Erbe als Schlusspunkt und Almas Kindheits- und Lebenserinnerungen war gelungen. Auch Triests Geschichte und Stellung zwischen Ost und West sowie die Jugoslawienkriege sind ein sehr eindringliches und anspruchsvolles Motiv. Nicht so gut gefallen hat mir, dass sehr viel mysteriös und unklar bleibt, obwohl es sich teilweise um nebensächliche Details handelt. Man hätte manches von Anfang an klarer erzählen können, da wäre einem als Leser das Verständnis einfacher gefallen. Die unsteten Charaktere blieben mir fremd, die Orte und Städte fand ich deutlich besser dargestellt. Der Rückblick auf die Jugoslawienkriege hat aktuellen Bezug und wird mit all seinen verwirrenden Hintergründen gut beschrieben. Tito sagt wahrscheinlich auch nur den Älteren etwas, deshalb wären erklärende Fußnoten ab und zu hilfreich gewesen. Das Rätsel um das geheimnisvolle Erbe wird am Ende aufgelöst, trotzdem hat mich der Roman streckenweise ratlos zurückgelassen, was für den Spannungsbogen unnötig war. Deshalb gibt es von mir nur drei Sterne.
Die Witwe M. W. Craven
Die Witwe (Buch)
5 von 5 Sterne

Geradlinige Ermittlungen, abwechslungsreicher Plot

Für mich war es erst das zweite Buch aus dieser Reihe, deshalb kann ich bestätigen, dass man es problemlos lesen kann, ohne die anderen Bände zu kennen. Die etwas skurrilen, aber sehr kompetenten Ermittler werden vielleicht vom Autor etwas zu sehr verehrt. Das tut aber dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Mir hat sehr gut gefallen, dass die Ermittlungen so geradlinig und nachvollziehbar sind. Als Leser ist man immer auf dem Stand der Ermittler, was ich sehr angenehm fand. Das Buch ist spannend, aber eben nicht, weil dem Leser künstlich etwas verschwiegen wird, sondern weil der Plot durchdacht ist und sehr gut aufgebaut ist. Die Handlung entwickelt sich stetig weiter, ich fand es nie langweilig, obwohl es auch Kompetenzgerangel verschiedener Behörden und einige Details zum Britischen Militär gab. Besonders gut hat mir die Vielschichtigkeit der Handlung gefallen und auch die Charaktere und Dialoge fand ich glaubhaft und nachvollziehbar. Der Schreibstil ist klar, spritzig, direkt, daher volle fünf Sterne von mir.
Die fremde Frau Guillaume Musso
Die fremde Frau (Buch)
4 von 5 Sterne

Innovative Idee, Umsetzung ausbaufähig, 3,5 Sterne

Die Geschichte wird aus den Perspektiven von drei Frauen erzählt und findet in verschiedenen Zeitebenen statt. Die einzelnen Episoden sind gut nachzuvollziehen und die Menge an Wechseln ist ausgewogen. Den Beginn fand ich interessant, aber ab der Hälfte wurde es etwas lahm. Die vielen privaten Details zu den Ermittlern und anderen Beteiligten waren in der Sache nicht nötig und haben die eigentliche Story unnötig verzögert. Die Grundidee fand ich innovativ, das war wirklich mal was anderes, allerdings war dann die Art der Auflösung ziemlich unspektakulär und die kleine überraschende Entwicklung am Ende fand ich nicht glaubwürdig. Der Schreibstil ist angenehm, zu Beginn wird er durch Zeitungsberichte aufgelockert, das war ein guter Ansatz, der leider nicht durchgehend fortgeführt wurde. Da das Buch nicht lang ist, kommt man über die etwas langatmigen Passagen gut hinweg, deshalb bekommt das Buch dank des guten Grundmotivs von mir 3,5 Sterne.
Fünf Fremde Romy Fölck
Fünf Fremde (Buch)
3 von 5 Sterne

Guter Schreibstil, aber Handlung extrem konstruiert

Thriller mit einem abgelegenen Setting, begrenzter Personenanzahl und einem alten Geheimnis sind gerade in Mode und dieser hebt sich zu Beginn angenehm von der Masse ab, da er das bekannte Schema durchbricht. Die Titel gebenden fünf Fremden sind nicht von Anfang an klar, sondern werden im Laufe der Handlung erst aufgedeckt. Es gibt Rückblenden und Handlungsstränge außerhalb der Insel und es ist nicht absehbar, wie sich die Handlung entwickeln wird. Das hat allerdings auch dazu geführt, dass die Menge an Perspektivwechseln das Ganze anfangs etwas unübersichtlich machte. Die Charaktere fand ich größtenteils gut gezeichnet, sie sind fundiert, aber nicht alle glaubwürdig, vor allem bei der Auflösung war für mich so manches Verhalten nicht nachvollziehbar. Das Buch hatte ab der Mitte einige Längen, da es streckenweise langatmig und an unwichtigen Stellen zu detailliert war. Mit der Bedrohung durch den Orkan wird die Handlung leider beliebig und ich fand es sehr konstruiert und unglaubwürdig, wie die Personen im Sturm über die Insel irrten und sich abwechselnd in Gefahr begaben. Die Auflösung konnte mich auch nicht überzeugen, sie wirkte sehr forciert und trotz des guten Schreibstils kann ich nicht mehr als drei Sterne vergeben.
Herr Hütchen sagt Gute Nacht - Neue Einschlaf-Geschichten aus dem Wald Katrin Pokahr
Herr Hütchen sagt Gute Nacht - Neue Einschlaf-Geschichten aus dem Wald (Buch)
5 von 5 Sterne

Tolle Einschlaf-Geschichten zauberhaft illustriert

Uns hat sehr gut gefallen, dass zu Beginn Herr Hütchen, sein Weckkäfer und seine Nachtwächteraufgabe kurz vorgestellt wurden, da wir das erste Buch noch nicht kennen. Die Buchidee, die Waldtiere von Herrn Hütchen ins Bett bringen zu lassen, ist zauberhaft. Jede Geschichte hat eine schöne Spannungskurve und eine kleine Moral oder ein Lernelement. Die Körperreise und das Nußballspiel haben uns besonders gut gefallen, ebenso wie Unerwartetes und Überraschendes, zum Beispiel wenn kleine Tiere die Großen trösten, weil sie Angst haben.
Die Zeichnungen sind wunderschön und die Farbwelten fand ich sehr passend für das Abendfeeling. Allerdings ist die schwarze Schrift auf dunklerem Hintergrund nicht immer gut zu lesen, vor allem nicht bei gedämpftem Licht im Schlafzimmer. Die Hintergründe hätten ein paar Nuancen heller sein dürfen. Es gibt bunte Seiten und Seiten mit Text schwarz auf weiß und kleinen Illustrationen, vielleicht könnte man das anders anordnen. Das ist nur eine kleine Verbesserungsmöglichkeit. Wir vergeben volle fünf Sterne für die tollen Einschlaf-Geschichten.
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