Rezensionsübersicht

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Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

139 Rezensionen

Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.
Andere nennen es Urlaub Franka Bloom
Andere nennen es Urlaub (Buch)
5 von 5 Sterne

Chaotische Familie = chaotischer Urlaub

Worum es geht:
Die 50 jährige Schauspielerin Netti schlägt sich und ihren Sohn mit div. Nebenjobs durchs Leben. Nebenbei kümmert sie sich noch um ihren Vater Bruno, der den Tod seiner Frau noch nicht ganz verkraftet hat. Netti ist urlaubsreif, leider fehlt ihr das nötige Kleingeld dafür. Da bekommt sie das Angebot, kostenlos nach Italien zu reisen. Und bevor sie sich versieht, sitzt sie zusammen mit ihrem Vater und einem ihr unbekannten Italiener auf der Reise nach Triest.

Mein Fazit:
Die Story ist locker und leicht, sie lässt sich flüssig lesen. Eine sehr schöne Story über Familie und einem Hauch von Dolce Vita. Ich habe beim Lesen sehr viel geschmunzelt. Die Story ist hervorragend zum Abschalten geeignet. Eine tolle Lektüre, die bei mir gleich Urlaubsgefühle wachgerufen hat. Das Buch war auf jeden Fall genau das, was ich auch erwartet hatte. Ich hatte ein paar sehr schöne Lesestunden, denn Franka Bloom konnte mich mal wieder mit ihrem erfrischenden und fröhlichen Schreibstil überzeugen. Obwohl sich die Familienmitglieder gegenseitig gerne auf die Nerven gehen, gibt es hier doch einen sehr herzlichen Umgang miteinander. Das hat mir sehr gut gefallen.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und ich vergebe gerne volle 5 Sterne.
Das White Octopus Hotel Alexandra Bell
Das White Octopus Hotel (Buch)
4 von 5 Sterne

Ein atmosphärischer Zeitreise-Roman mit emotionaler Tiefe

Der Roman ‚Das White Octopus Hotel‘ hat mir auf so vielen Ebenen gefallen. Da ist zum einen das Zeitreise-Thema… ich liebe Zeitreisegeschichte. Auch das Setting im luxuriösen Grand Hotel mit seinen geheimen Räumen und magischen Gegenständen war zauberhaft und hat der Geschichte eine tolle Atmosphäre verliehen.

Und dann sind da natürlich noch die beiden Protagonisten Eve und Max, deren Schicksale sich im Laufe der Zeit mehrfach miteinander verflechten und die mich sehr berührt haben. Eve kämpft ihr ganzes Leben mit einer Tragödie aus ihrer frühen Kindheit, für die sie sich die Schuld gibt. Max hat im Krieg Grauenhaftes erlebt und ist als einziger Überlebender seiner Einheit zurückgeblieben. Trauer, Schuld und Scham ziehen sich durch die Geschichte und geben der Handlung einen ernsten Ton.

Wir erleben aber auch viel Magie und zauberhafte Momente. Die Handlung war spannend und, wie es sich bei Zeitreisegeschichten gehört, mysteriös mit „Knoten-im-Kopf“ Potential. Es hat mir viel Freude gemacht, Eve und Max zu begleiten, das Rätsel um das White Octopus Hotel und der geheimnisvollen Familie Roth zu lösen.

Am Ende ging es mir allerdings fast ein bisschen zu schnell. Die „Auflösung“ und ihre Folgen passierten in den letzten Kapiteln und wirkten leider etwas gehetzt. Hier hätte ich mir ein paar Seiten mehr gewünscht.
Was fehlt dir, kleiner Roboter? Przemys¿aw Wechterowicz
Was fehlt dir, kleiner Roboter? (Buch)
5 von 5 Sterne

Empathisches Bilderbuch übers Trösten

Der kleine Roboter ist traurig, weil er eine Schraube verloren hat. Die Tiere würden ihn gern trösten, doch sie wissen nicht wie, denn Roboter nimmt man nicht in den Arm oder erzählt ihnen Witze oder doch?

Das Cover des Buches sagt schon viel darüber aus, worum es geht. Man sieht hier den kleinen Roboter, der die Hauptfigur in der Geschichte ist und leider seine Lieblingsschraube verloren hat. Nun ist er ganz traurig. Alle Tiere helfen ihm gern beim Suchen, doch trösten können sie ihn nicht, denn sie glauben, Roboter mögen oder brauchen all die Dinge und Gesten, die sie selbst trösten nicht. Nur der Biber hat eine Idee. Sie erfreut den kleinen Roboter und er öffnet sich soweit, dass er sagen kann, was ihn tröstet. Mir gefällt wie hier mit den Annahmen der Tiere gespielt wird. Da der Roboter nicht tierisch/menschlich ist, gehen alle davon aus, dass er nicht umarmt, nicht singt oder schwimmt. So versuchen sie gar nicht, ihn zu trösten. Doch es stellt sich heraus, dass er diese Dinge genauso braucht, wie alle anderen. Diese einfache aber wichtige Botschaft, können Kinder leicht auf sich und ihre Lebenswelt übertragen. Jeder braucht auf seine Weise Trost und wird gern getröstet.

Der gut lesbare Text des Bilderbuchs ist recht einfach gehalten, so können auch schon Kinder ab 3 der Erzählung folgen. Im ersten Teil sind die ersten Sätze alle ähnlich aufgebaut. Immer wird vergeblich nach der Schraube gesucht. Auf Erwachsene wirkt das vermutlich etwas befremdlich, ist aber für die kleinen Zuhörer birgt das nach kurzer Zeit schon eine gewisse Vertrautheit, in der man leichter ins Gespräch kommt und sich auf das wesentliche konzentrieren kann. Das Highlight sind die Illustrationen im Buch. Ihnen fehlt das quietschbunte mancher Bilderbücher, sie sind eher zart und atmosphärisch. Manche sind Szenen mit Hintergrund, bei anderen liegt der Fokus ausschließlich auf den Figuren und ihren Handlungen. Beeindruckend ist das Spiel mit dem Licht, sei es in den Blättern der Weiden, als Reflexion auf dem Fluss oder in Form einer Glühbirne, die ein Marmeladenglas beleuchtet. Es zieht den Betrachter in die Szenen hinein. Kinder werden sich auf jeden Fall mit dem kleinen Roboter identifizieren können, weil vermutlich jedes schon einmal etwas verloren hat. Ein tolles, empathisches Buch, das zeigt, wie wichtig es ist, zuzuhören, andere zu trösten und getröstet zu werden. 5 Sterne
Zum ersten Mal Gesina Demes
Zum ersten Mal (Buch)
5 von 5 Sterne

Ehrlich, nahbar und überraschend enttabuisierend

Zum ersten Mal – Vom Erwachsenwerden, Frausein und allen Gefühlen dazwischen von Gesina Demes und Annika Prigge ist ein Buch, das sich auf sehr persönliche und zugleich universelle Weise mit dem Erwachsenwerden auseinandersetzt. Die beiden Autorinnen greifen zahlreiche Themen auf, die viele junge Frauen beschäftigen – von Liebe und Sexualität über Unsicherheiten bis hin zu gesellschaftlichen Erwartungen und den eigenen Gefühlen.

Das Buch ist in verschiedene Themenbereiche gegliedert. Innerhalb der Kapitel blicken die Autorinnen zunächst auf eigene Erfahrungen aus ihrer Jugend zurück und reflektieren diese anschließend mit dem Wissen und der Perspektive, die sie heute haben. Diese Mischung aus persönlicher Erinnerung und späterer Einordnung macht die Texte besonders zugänglich und authentisch. Beim Lesen entsteht oft das Gefühl, zwei Freundinnen zuzuhören, die offen über Dinge sprechen, über die sonst erstaunlich selten gesprochen wird.
Besonders stark ist das Buch darin, vermeintliche Tabuthemen anzusprechen und damit einen Raum zu schaffen, in dem man sich wiederfinden kann. Viele Situationen, Gedanken oder Gefühle wirken plötzlich weniger isolierend, weil deutlich wird, dass andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Dabei geht es den Autorinnen nicht darum, perfekte Antworten zu liefern oder einen festen Weg vorzugeben. Vielmehr ermutigen sie dazu, den eigenen Weg zu finden und anzuerkennen, dass Unsicherheiten, Fragen und auch Rückschläge ganz selbstverständlich zum Erwachsenwerden dazugehören.
Der Ton des Buches ist offen, persönlich und oft unterhaltsam, sodass sich die einzelnen Kapitel gut zwischendurch lesen lassen. Immer wieder regt der Text dazu an, über eigene Erfahrungen nachzudenken und gesellschaftliche Erwartungen zu hinterfragen.

Gerade weil die Autorinnen kein außergewöhnliches Leben präsentieren, sondern von ganz alltäglichen Erfahrungen erzählen, fällt es leicht, Parallelen zum eigenen Leben zu entdecken.
Insgesamt ist Zum ersten Mal ein einfühlsames, ehrliches Buch über das Frausein und das Erwachsenwerden – eines, das vielen Leserinnen vermutlich mehr als einmal das beruhigende Gefühl geben wird: Mit diesen Gedanken und Gefühlen ist man nicht allein.
Die Tote von Nazaré Miguel Silva
Die Tote von Nazaré (Buch)
3 von 5 Sterne

Bleibt etwas blass

Hauptkommissarin Maren Berger kann sich an nichts mehr erinnern. Die letzten Monate vor der verheerenden Tat, wie ausgelöscht. Sie braucht Abstand von allem, ihrem Umfeld, der gewohnten Umgebung. Sie flieht regelrecht nach Portugal, raus aus dem Hamsterrad, auf der Suche nach ihrer Erinnerung, auf der Suche nach sich selbst. Dabei ahnt Maren noch nicht, dass ihr die Widrigkeiten in die vermeintliche Idylle folgen, und sie schon bald vor weiteren Fragen ohne Antworten steht.

Die grobe Vorgeschichte, weshalb die Kommissarin aus Köln nun nach Portugal gereist ist, lässt sich der Zusammenfassung schnell entnehmen. Doch sogleich stellt man sich als Leser die Frage, ob das wirklich alles ist, oder ob man hier bereits auf eine falsche Fährte gelockt werden soll. Irgendwie wirkt alles ein bisschen glatt, ein bisschen zu konstruiert. Als sollte man konkret in eine bestimmte gedankliche Richtung gelenkt werden. Vielleicht ist man aber auch einfach nur zu misstrauisch.

Im Laufe des Geschehens dehnt sich die Handlung nach allen Seiten immer weiter aus. Es werden Aspekte hinzugefügt, Figuren eingeführt, Theorien entwickelt und wieder verworfen. Kurzum, die Erzählung bleibt im Fluss. Auf Grund des eingängigen Schreibstils ist es ein leichtes, ihr zu folgen und immer weiter am Ball zu bleiben. Dennoch vermisst man eine gewisse Kreativität. Obwohl Versuche unternommen werden, dies anders erscheinen zu lassen, verläuft doch alles ziemlich geradlinig und strukturiert.

Entsprechend selten gelingt es dem Autor, den geneigten Krimileser in eine Sackgasse zu locken. Trotzdem lässt man sich ein auf dieses Abenteuer, das wohl den Beginn eines neuen Ermittler-Duos einläutet. Auch die Protagonisten dürfen gerne noch an Tiefe gewinnen, sie bleiben zunächst ein bisschen blass. Vermutlich ist dies aber der Charakteristik eines Auftaktbandes geschuldet. Ein durchaus solider Krimi mit Potenzial. Dem nächsten Band sollte man in jedem Fall eine faire Chance geben.
Einsames Watt Nina Ohlandt
Einsames Watt (Buch)
4 von 5 Sterne

Zwei Mordopfer und ein Cold Case Fall

"Einsam stirbt der Mensch; ebenso einsam fühlt er sich auch in seinem inneren Leben." (Leo Tolstoi)
Ein verlassenes Schiff wird kurz vor Amrum entdeckt, aber von der Crew fehlt jede Spur. Fischer entdecken kurz darauf die Leiche von Paula Lemmer in der Nordsee. Zunächst ist die Todesursache unklar. Ihre Wunde am Hinterkopf könnte von einem Schlag stammen, aber ebenso gut von einem Unfall in der letzten Sturmnacht. Für diesen Fall wird John Benthien nach Amrum geschickt, wo alte Erinnerungen wieder aufleben. Er hatte vor mehr als zwei Jahrzehnten bereits einmal zusammen mit seinem Kollegen und Mentor Cornelis Litmanen einen Fall aufklären müssen. Maren Frahm wurde damals getötet, erging es Paula ebenso? Litmanen ist seitdem verschwunden. Als Benthien mit der Fähre abfuhr und er allein auf der Insel zurückblieb, wusste danach niemand, was mit ihm geschah. Was ist mit Litmanen passiert, hatten sie damals den falschen Mörder und er kam ihm auf die Schliche? Haben sie den Fall damals zu früh aufgegeben? Für John wird dieser Fall zu einer persönlichen Spurensuche. ---

Meine Meinung:
Der mittlerweile zwölfte Band dieser Krimi-Reihe um John Benthien hat erneut ein Cover, das passend zu dem inhaltlichen Kriminalfall ist. Diesmal stehen jedoch nicht nur zwei Fälle zur Diskussion, wie wir es von dieser Reihe gewohnt sind. Ebenfalls kommt der Cold-Case Fall von Cornelis Litmanen hinzu, der für Benthien von entscheidender Bedeutung ist. Bis heute macht er sich nämlich Vorwürfe, weshalb er seinen Mentor damals allein auf der Insel zurückgelassen hat. Für alle war der Mord von Maren Frahms jedoch gelöst, da inzwischen ein Täter ermittelt und festgenommen wurde. Nur Litmanen war sich nicht sicher, ob dieser tatsächlich Maren Frahm getötet hat. Sein Verschwinden danach war für alle ein Schock. Benthien ist überzeugt, er auf den Täter gestoßen ist. Benthien und Fitzen kümmern sich um den Tod von Paula Lemmer, während Lilly Velasco und Juri ebenfalls nach Amrum müssen. Der bisherige Serientäter und Mörder von Maren Frahm hat plötzlich Zweifel, sie getötet zu haben. Er möchte jedoch seine Erinnerungen am Tatort noch einmal auffrischen. Ausgrabungen auf Amrum fanden damals wie heute statt. Paula Lemmer war Teil eines dieser Teams. Steht ihr Tod im Zusammenhang mit diesen Ausgrabungen? Wie in bisher jedem Buch dieser Reihe haben wir es mit unterschiedlichen Handlungen zu tun. Nur dieses Mal kommt eben noch der Vermisstenfall von Litmanen hinzu. Ich fand diesen Krimi diesmal etwas zu verwirrend und unstrukturiert. Man musste sehr aufpassen, damit man überhaupt noch wusste, um wen es gerade ging. Auch fand ich, dass diese Fälle zu oft durch private Angelegenheiten der Ermittler unterbrochen wurden. Natürlich war das schon immer so, aber dieses Mal fand ich es etwas zu geballt. Obwohl die Ereignisse rund um die Ausgrabungen interessant und sicherlich gut recherchiert wurden, waren sie manchmal auch recht anstrengend. Es überraschte mich nicht, dass Lilly erneut Gefühle für John entwickelt. Das Ende überraschte nicht nur in diesem konkreten Fall, sondern auch in Bezug auf die Zukunftspläne von Sannas Schwester. Ob sie dieser Herausforderung gewachsen ist, wird sich herausstellen. Ich fände es jedenfalls in Ordnung, wenn der nächste Fall wieder etwas spannender und nicht so kompliziert wäre. Deshalb gibt es dieses Mal leider nur 3 1/2 Sterne.
Botanic Hearts Melanie Sweeney
Botanic Hearts (Buch)
4 von 5 Sterne

Bücherliebe trifft Romanze

Worum geht’s?
Dass ihre Bibliothek nach einem Hurricane in den Botanischen Garten verlegt werden muss, passt Bibliotheksleiterin Tansy so gar nicht. Auch wenn die Umgebung wunderschön und friedlich ist, lässt sie Jack, der angehende Leiter des Gartens immer wieder spüren, dass er weder Tansy, noch ihre Bücher an seinem Arbeitsplatz haben möchte – auch, wenn die Funken zwischen den beiden schon von ihrer ersten Begegnung an förmlich zu sprühen scheinen.


Meine Meinung:
Ich liebe sowohl Bücher, als auch Pflanzen, von daher stand für mich schon bei der Ankündigung des Buches fest, dass es auf jeden Fall auf meine Leseliste wandern wird. Das Setting dieser Geschichte fand ich dabei auch wirklich sehr nett umgesetzt, von den Figuren bin ich aber ehrlicherweise nicht ganz so überzeugt, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte.

Den Schreibstil der Autorin mochte ich wirklich gerne, ich bin insgesamt recht schnell durch die Geschichte gekommen und hatte trotz der ein oder anderen Länge im Text nie das Bedürfnis, das Buch ganz aus der Hand zu legen.

Tansy und Jack waren dann allerdings eine Kombination, die es mir stellenweise ein wenig schwer gemacht haben, mich wirklich für die Geschichte der beiden zu begeistert. Auf dem Papier war insbesondere Tansy eigentlich eine totale Sympathieträgerin, die praktisch im Alleingang Kind und Karriere stemmt und dabei durchsetzungsstark und sehr direkt ist. Jack dagegen macht aus seinem Bedürfnis nach Ruhe und Struktur keinen Hehl, was ich als Charaktereigenschaft eigentlich sehr schätze, hier aber Teil des Problems zwischen den beiden war.

Die Liebesgeschichte an sich hat mir in Hinblick auf Tempo und Entwicklungsschritte sehr gut gefallen, lediglich der Konflikt zwischen den beiden Protagonisten kam mir streckenweise einfach etwas zu verfahren und unnötig aufgebauscht vor. Wenn man sich von Beginn an ruppig und fast schon grob begegnet, trägt das meiner Meinung nach eher nicht zum Aufbau einer liebevollen Beziehung bei, auch wenn diese Art sicherlich irgendwo zum Trope Grumpy x Sunshine dazugehört.

Zu meiner Erleichterung war der Rest der Geschichte in Bezug auf die Beziehung der beiden deutlich mehr nach meinem Geschmack strukturiert, was meinen anfänglichen Eindruck der beiden immerhin nicht verfestigt hat und das Buch insgesamt zu einem wirklich angenehmen Leseerlebnis gemacht hat.


Fazit:
Auch wenn ich die Art von Tansy und Jack nicht von Beginn an besonders mitreißend fand, habe ich ihre Geschichte insgesamt sehr gerne gelesen. Der Schreibstil der Autorin war dabei tatsächlich ein sehr angenehmes Highlight für mich, weshalb ich auch in Zukunft definitiv Ausschau nach neuen Büchern von ihr halten werde.

Dafür gibt es vier Bücherstapel von mir.
Salto Kurt Prödel
Salto (Buch)
3 von 5 Sterne

Schwermütig und bedrückend


„Wenn man traurig ist, braucht man manchmal jemanden, der einfach nur nickt.“

Der Roman "Salto" von Kurt Prödel (ich schätze, er ist fünfunddreißig) erzählt von Marko Meyer, der nach dem Abitur eigentlich Medizin studieren möchte - dessen gute Noten dafür dann aber überraschend nicht ausreichen. Sein Vater versucht, ihm durch die Finanzierung eines Medizinstudiums in Ungarn eine neue Perspektive zu bieten.
Während viele seiner Mitschüler klare Pläne haben, gerät Marko zunehmend unter Druck, eine Entscheidung für seine Zukunft zu treffen. Auch seine Freundin Claire ist fest entschlossen, die Kleinstadt hinter sich zu lassen. Marko hingegen verliert sich zunehmend zwischen Zukunftsängsten und Alltagsroutine und versucht verzweifelt herauszufinden, wer er eigentlich sein möchte.

Vom Schreibstil her liest sich das Buch angenehm schnell: Die Sprache ist schlicht und nah an den Gedanken der Figuren, fast wie ein innerer Monolog. Stellenweise hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, um emotional stärker in die Geschichte eintauchen zu können.

Alle Hauptprotagonisten sind durchweg interessant angelegt. Besonders überzeugt hat mich dabei Markos Vater Frank: Er wirkt einerseits distanziert und oft schwer greifbar, gleichzeitig aber auf eine leise Weise sensibel. Auch Marko selbst und Claire wirken glaubwürdig, sodass man sich gut in ihre Situation hineinversetzen kann.

Im Verlauf der Handlung hat mich die Geschichte dann zunehmend weniger gepackt. Irgendetwas fehlt – und insgesamt bleibt der Roman hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Hinzu kommt die ungeheuer schwere, melancholische, stellenweise fast schon trostlose und deprimierende Grundstimmung. Diese zieht sich durch große Teile des Buches und kann den Leser regelrecht mit nach unten ziehen – zurück bleibt ein Gefühl von Schwermut und Hoffnungslosigkeit. Das passt zwar zum Thema, wirkt aber ziemlich bedrückend und macht das Buch alles andere als zu einer leichten Lektüre.
Da ist es mir sogar schwergefallen, wirklich Freude am Lesen zu entwickeln.

Letztendlich ist „Salto“ für mich ein
Roman mit guten Ansätzen, der aber konsequent auf Melancholie setzt – und mich dabei leider mehr runtergezogen als berührt hat. Es ist ein anspruchsvolles Buch, das mich aber deutlich weniger begeistert hat als "Klapper".

Augen zu.
Eine Sekunde warten.
...
Was ist in meinem Alter sonst noch üblich? Wencke Mühleisen
Was ist in meinem Alter sonst noch üblich? (Buch)
4 von 5 Sterne

Ehe am Abgrund

Erika hatte in jungen Jahren eine außereheliche Affäre, die ihr Mann Jan entdeckte. Schon damals stand die Ehe auf der Kippe. Wie tief dieser Fehltritt jedoch nachwirkt, zeigt sich erst Jahrzehnte später, als Jan selbst ein sexuelles Verhältnis zu einer jüngeren Frau gesteht. Jan und Erika sind inzwischen über sechzig. Ihre Ehe ist seit vielen Jahren sexlos, weil Jan jedes Interesse verloren hat, im Gegensatz zu Erika, die nicht weiß, wohin mit ihrem Begehren.

Nach Jans Geständnis gerät Erikas Welt aus den Fugen. Sie steigert sich in ihre Wut hinein, wird zur gehässigen Furie, verliert jedes Maß. Nicht nur Jan beginnt, um ihre seelische Stabilität zu fürchten. Erika verliert sich in Hasstiraden und Rachefantasien, spinnt frei erfundene Szenarien weiter, bis Jan nur noch aus Angst vor einem möglichen Selbstmord bei ihr bleibt.

Erika ist eine Figur, die mir Angst macht. Ihre ausufernde Emotionalität, ihre hemmungslose Verbitterung, all das ist für mich kaum greifbar und doch erschreckend nachvollziehbar geschildert.

Die Autorin spricht Klartext. Sie scheut weder drastische Ausdrücke noch schonungslose Beschreibungen. Das tut beim Lesen weh, wirkt aber konsequent und ehrlich.

Der saloppe Titel und das fröhlich bunte Cover wecken zunächst eine ganz andere Erwartung. Man rechnet mit Leichtigkeit, vielleicht mit einem augenzwinkernden Blick auf das Älterwerden. Stattdessen bekommt man eine beklemmende, intensive Studie über verletzten Stolz, unerfülltes Begehren und eine Gedankenspirale, aus der es scheinbar kein Entkommen gibt.

Ich hätte dieses Buch vermutlich nicht gelesen, wenn ich gewusst hätte, wie sehr sich alles um diese eine Tatsache von Jans Seitensprung dreht. Doch gerade diese radikale Fokussierung macht den Reiz aus. Die Geschichte reißt einen mit in Erikas Abgrund und lässt einen nicht unberührt zurück.
Elbland Claudia Rikl
Elbland (Buch)
4 von 5 Sterne

Wurzeln aus Böhmen

Der Prolog zeigt eine Szene, in der eine Familie in den Urlaub fährt. In die Gegend, in der die Mutter geboren wurde. Die Protagonistin des Romans ist ihre Tochter, die damals noch eine junge Studentin war.
Dann geht die Handlung in die Gegenwart. Die Mutter ist gerade gestorben.
Die Handlung springt ziemlich viel in den Zeit und enthüllt so Geschehnisse, die zum Zerfall der Familie führte. Es geht sogar bis ins Jahr 1945 zurück.

Die Eltern trennten sich, die jüngste Tochter haut nach den Abi in den Westen ab und Nina kümmerte sich lange um die kranke Mutter.
Schwierig wird auch die Beziehung zwischen den Geschwistern, obwohl sie als Kinder so eng waren.
Die Autorin arbeit die Spannungen zwischen den Figuren sauber raus.

Claudia Rikl hat auch Kriminalromane geschrieben, aber Elbland ist mehr Familiendrama. Das Buch überzeugt durch seine geschickte Handlungskomposition und der Sensibilität, mit der die Autorin ihre Figuren behandelt.
1 bis 10 von 139 Rezensionen