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Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

146 Rezensionen

Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.
Mit beiden Händen den Himmel stützen Lilli Tollkien
Mit beiden Händen den Himmel stützen (Buch)
5 von 5 Sterne

Den eigenen Weg finden

Der Roman "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist der erste Roman von Lilli Tollkien und erscheint im Aufbau Verlag (ET 11. März 2026). Das Cover und vor allem der Titel erscheinen in einem ganz anderen Licht, nachdem man den Roman gelesen hat. Sie passen so gut zu diesem Roman und wurden mit sehr viel Bedacht ausgewählt.
Lale ist eineinhalb Jahre alt, als ihrer Mutter das Sorgerecht entzogen wird. Die Mutter ist drogenabhängig und ihr Vater sitzt eine Gefängnisstrafe ab. Ihre Großmutter kümmert sich bereits um ihre ältere Schwester und kann sich nicht auch noch um Lale kümmern. Mit fünf Jahren erhält ein Freund ihres Vaters die Pflegschaft und Lale kommt in eine Wohngemeinschaft, die nur aus Männern besteht. Was Lale in dieser Wohngemeinschaft erlebt, oder besser gesagt erleben muss, ist unglaublich und erschreckend und teilweise schwer nachvollziehbar. Vor allem, dass der eigene Vater vieles ignoriert und die Sachbearbeiter des Jugendamts nichts bemerken. Lale ist auf der Suche nach Geborgenheit, Halt und Liebe, aber sie steht immer wieder am Abgrund und droht abzustürzen. Schließlich findet sie ihren Weg aus dieser scheinbar aussichtslosen Situation.
Der Roman geht unter die Haut und machte mich immer wieder fassungslos. Vor allen nachdem ich im Impressum gelesen hatte, dass der Roman auf realen Ereignissen beruht. Lilli Tollkien beschreibt die Geschichte so bildlich und gefühlvoll. Ich kann den Roman nur empfehlen und bin auf weitere Romane von Lilli Tollkien gespannt.
Unkopierbar Marc Spranger
Unkopierbar (Buch)
5 von 5 Sterne

Das Echo der Seele


Es ist, als hätte man ein vergessenes Artefakt in den Ruinen einer rein logischen Zivilisation gefunden. Spranger schreibt nicht nur über Kunst; er erinnert uns an die Frequenz des Menschlichen, die in unserer hochgetakteten Welt fast verstummt wäre.

Während wir uns daran gewöhnt haben, dass Algorithmen die Antworten liefern, führt uns dieses Werk zurück in den „heiligen Garten“ der Geisteswissenschaften. Der Autor beweist mit fast schon schlafwandlerischer Sicherheit, dass Innovation nicht in den Schaltkreisen der Maschinen beginnt, sondern in jenem unerklärlichen Funken, den wir Kreativität nennen.

Besonders berührend ist seine Sicht auf die Geschichte: Er zeichnet die Entwicklung der Gesellschaft nicht als eine Kette von Erfindungen, sondern dass ein Land ohne Kultur wie ein Körper ohne Atem ist, funktionierend, aber nicht lebendig.

Zwar bleibt das Buch uns die banale Antwort schuldig, wie man diesen Zauber der Kreativität in die grauen Tabellen der Konzernwelt presst, ohne ihn zu ersticken – doch vielleicht ist genau das der Punkt: Das Menschliche lässt sich nicht „managen“, man kann es nur befreien. Eine Lektüre wie ein Sonnenaufgang nach einer langen, kalten Nacht der Rationalität.
Zugwind Iryna Fingerova
Zugwind (Buch)
5 von 5 Sterne

Ein Buch, das mich lange beschäftigte

Nein, es war nicht der Krieg, der Mira Zehmann nach Deutschland führte. Schon etliche Jahre vorher fassten sie und ihr Mann den Entschluss, der Ukraine den Rücken zu kehren. Dann kam der Einmarsch der Russen. Wie gut, dass Mira sich auskennt, so dachten viele ihrer Landsleute. Sie erwarten von ihr, dass sie zuhört und Verständnis für die Lage der Überfallenen zeigt. Doch, wie kann sie damit umgehen? Und ja, sie fühlt sich schuldig, weil sie vor Jahren ihre Heimat verließ und in den sicheren Westen zog.

So viele Menschen kommen in dem Buch Zugwind zu Wort. Die Autorin gibt jedem eine Stimme und zeigt gleichzeitig, wie zerrissen die Ärztin ist. Weil sie sich das Schicksal der Vertriebenen anhört. Dazu gehören Menschen, die traumatisiert sind und bei jedem lauten Geräusch zusammenzucken. Oder jene, die sich nach ihrer Heimat verzehren und nicht realisieren können, was dort geschieht.

Ein Buch, das nachhallt. Die Schicksale der „Patienten“ sind so emotional geschrieben, dass ich mitfühlen konnte. Das lag auch an dem sehr guten Vortrag der Sprecherin Lisa Hrdina. Keine Frage, für mich das perfekte Buch für alle, die sich erdreisten, sich über Geflüchtete aus der Ukraine ein Urteil zu erlauben.
Tante Emmas Münze Andrea Mader
Tante Emmas Münze (Buch)
5 von 5 Sterne

Erfrischend neu erzählt

Das ist mir noch nie passiert, dass ich zuerst ein Buch komplett durchblättere, bevor ich den Text lese. Aber die Zeichnungen sind so wunderschön, dass ich sofort ein Sommergefühl in der Kindheit in meinem Bauch hatte. Auf jeder Seite gibt es so unheimlich viel zu entdecken. Bei jedem Ansehen entdeckt man noch wieder etwas Neues.
Aber auch der Text kann auf ganzer Linie überzeugen. Er erzählt die Geschichte von Tante Emma, die einen kleinen Schatz hat: zehn Münzen. Jeden Tag betrachtet Tante Emma ihre Münzen und zählt sie. Eines Tages fehlt eine Münze. Tante Emma stellt ihr ganzes Haus auf dem Kopf. Sogar auf dem Dachboden und im Garten sucht sie. Als sie die Münze endlich wiedergefunden hat, gibt sie für alle Freunde ein großes Fest.
Bibelkenner wissen, dass es sich bei dieser Geschichte um das Gleichnis der verlorenen Münzen aus Lukas 15 handelt. Im Anhang wird den Kindern noch kindgerecht erzählt, was es mit diesem Gleichnis auf sich hat und was es bedeutet. Auch für Erwachsene gibt es eine kurze Deutung.
Dies Bilderbuch ist mit eines der schönsten christlichen Bücher, das mir in den letzten Jahren in die Hände gefallen ist. Eine ganz großes Leseempfehlung!
Der Stoff, aus dem die Dinge sind Jonathan Drori
Der Stoff, aus dem die Dinge sind (Buch)
5 von 5 Sterne

Mit anderen Augen

Seitdem ich das Buch „Der Stoff aus dem die Dinge sind“ gelesen habe, betrachte ich die Pflanzenwelt mit ganz anderen Augen. In dem tollen Buch werden 30 verschiedene Pflanzen portraitiert. Jeder Pflanze ist eine Doppelseite gewidmet. Auf der linken Seite gibt es viele Informationen über die Pflanze. Unter anderem über den Anbau, die Verwertung und über den geschichtlichen Hintergrund. Auf der rechten Seite findet sich ein Pflanzensteckbrief. Auf jeder Seite gibt es gleich mehrere plakative, wunderschöne Zeichnungen, die sich jeweils auf das Wichtigste beschränken und dennoch gibt es auf ihnen so unheimlich viel zu entdecken. Besonders gut hat mir die Auswahl der Pflanzen gefallen. Es werden Pflanzen besprochen, die man sehr gut zu kennen meint, z.B. die Kartoffel, die Buche oder die Tomate. Aber auch Pflanzen, von denen ich noch nie etwas gehört habe, wie z.B. die Guttapercha. Und auch bei den mir schon bekannten Pflanzen habe ich immer noch etwas dazugelernt. Oder wusstest du, dass Vanille mit der Hand bestäubt werden muss?
Das Buchformat ist etwas größer als DIN A4 und lässt sich dadurch sehr gut zusammen mit dem Kind betrachten. Auch die Haptik des Buches ist einmalig. Auf dem Cover sind die Schrift und einige Dinge ein wenig hervorgehoben. Das Papier ist etwas dicker gewählt und besonders stabil, auch in kleinen Kinderhänden.
Das Vorwort macht Appetit auf das Buch und lädt dazu ein, zu überlegen, warum Pflanzen für uns überlebenswichtig sind und was alles aus Pflanzen gemacht wird. Mit dem Buch kann man regelrecht auf Abenteuerreise gehen. Im Anhang gibt es ein kleines Glossar, das schwierige Begriffe erklärt.
Endlich ein Buch, das auch mein zwanzigsten Betrachten noch Spaß macht. Unbedingt empfehlenswert!
Die Känguru-Rebellion Marc-Uwe Kling
Die Känguru-Rebellion (Buch)
5 von 5 Sterne

Ich habe Zwerchfellmuskelkater!

Wie soll man dieses Hörbuch rezensieren, ohne zu spoilern? Ein Gag jagt den nächsten, ohne dass es langweilig oder abgedroschen wird. Die Wortwitze sind wie immer umwerfend und genial, die Dialoge unfassbar gut. So humorvoll sie sind, findet sich doch immer erstaunlich viel Realität darin. Selbst die absurden Gedankengänge folgen einer gewissen Logik und lassen neben dem Lachen auch echt staunen.

Außer Marc-Uwe und dem Känguru gibt es natürlich noch weitere Figuren. Sie alle sind herrlich schräg und doch so normal! Im Zusammenspiel potenziert sich das dann noch mehr. Aktuelles Zeitgeschehen wird ebenso abgehandelt, wie Zwischenmenschliches. Selbst bei Themen, bei denen ich nicht ganz konform mit ihm gehe, hatte ich viel zu lachen. Kling hat ein echt gutes Auge für solche Dinge und kann meisterlich mit der Sprache spielen, ohne sie zu verhunzen.

Dies ist eine Live-Lesung, was bedeutet, dass man das Publikum lachen hört. Mich stört das nicht, denn ich lache quasi automatisch an den selben Stellen. Man hat fast das Gefühl, Teil des Publikums im Saal zu sein. Das gefällt mir!

Dies gibt keine Lange Rede, man muss das Hörbuch einfach hören. Wer nicht total verknöchert ist, wird es lieben! Hier ist keine Sekunde vergeudet, man lacht sich allen angestauten Ärger einfach von der Seele und hat am Ende Zwerchfellmuskelkater. Aber das lohnt sich total! Es ist kein Klamauk, sondern großartige Kleinkunst. Respekt für die genialen Einfälle, die Marc-Uwe Kling wie aus dem Ärmel zu schütteln scheint. Ich liebe es! Fünf Sterne!

(c) cms
Das kalte Moor Liza Marklund
Das kalte Moor (Buch)
5 von 5 Sterne

Eine bedeutsame Warnung

Das kalte Moor von Marklund ist der zweite Band einer Trilogie und für mich wieder eine klare fünf Sterne Leseempfehlung. Schon das Cover hat mich neugierig gemacht, es wirkt geheimnisvoll und passt sehr gut zur düsteren Atmosphäre der Geschichte.

In diesem Band wird es deutlich persönlicher als im ersten Teil, vor allem für Polizeichef Wiking. Gleich zu Beginn erhält er eine niederschmetternde Krebsdiagnose, mit der er erst einmal umgehen muss. Trotzdem versucht er weiterzuarbeiten und sich nicht von der Krankheit bestimmen zu lassen. Parallel dazu tauchen neue rätselhafte Entwicklungen auf, die ihn sowohl beruflich als auch privat betreffen.

Besonders spannend ist die Situation um seinen Sohn Markus. Dieser wird anonym, aber sehr eindringlich davor gewarnt, eine bevorstehende Beförderung anzunehmen. Die Botschaft wirkt so persönlich und gezielt, dass schnell der Verdacht entsteht, sie könne nur von einer Person stammen, die eigentlich gar nicht mehr existieren dürfte, nämlich von Wikings Ehefrau und Markus Mutter, die seit über zwanzig Jahren vermisst wird. Allein dieser Gedanke bringt viele alte Fragen wieder an die Oberfläche.

Während Wiking versucht herauszufinden, wer hinter der Warnung steckt, arbeitet er gleichzeitig an einem anderen Fall. Ein mysteriöser Waffendiebstahl sorgt für Unruhe und könnte weitreichendere Folgen haben, als zunächst angenommen. Wie man es von ihm kennt, kombiniert Wiking wieder ruhig, logisch und sehr präzise. Schritt für Schritt setzt er die einzelnen Puzzleteile zusammen.

Dabei wird er immer wieder mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Dinge, die lange ungeklärt geblieben sind, tauchen erneut auf und werfen ein neues Licht auf frühere Ereignisse. Nach und nach lösen sich einige der offenen Fragen, während gleichzeitig neue Zweifel entstehen.

Der Roman ist durchgehend sehr spannend geschrieben. Marklund erzählt wie immer in einem klaren, schnörkellosen Stil, der sich sehr flüssig lesen lässt und trotzdem eine starke Spannung aufbaut. Gerade diese ruhige, präzise Erzählweise passt hervorragend zu der eher düsteren und nachdenklichen Geschichte.

Das Ende ist diesmal vergleichsweise ruhig, wirkt aber wie ein bewusst gesetzter Übergang. Es deutet bereits an, dass im letzten Band der Trilogie noch einige wichtige Dinge ans Licht kommen werden. Für mich auf jeden Fall ein sehr gelungener zweiter Teil, der die Geschichte stark weiterentwickelt und neugierig auf das Finale macht.
Schwebende Lasten Annett Gröschner
Schwebende Lasten (Buch)
3 von 5 Sterne

Das turbulente Leben einer Frau im 20. JH

Gröschner portraitiert in ihrem Roman die Lebensgeschichte einer Frau, welche in ihrem Leben viel erlebt hat. Der Roman erzählt von Hanna, die immer weitermacht, egal ob gerade politischer Aufstand ist, oder ihr eigenes Leben am zerbrechen ist.



Leider fand ich zu viele Passagen zu langatmig und ich tat mich schwer, das Buch zu Ende zu bringen. Obwohl das Buch thematisch unglaublich wichtige geschichtliche Ereignisse umfasst und viele Lebensrealitäten abbildet, konnte es mich von der Handlung, so wie sie erzählt wurde, nicht überzeugen.

Die Figuren blieben mir fremd und distanziert. Es war mir nicht möglich, mich in die Lage von Hanna hineinzuversetzen, da sich das Erzählte insgesamt wie ein Bericht anfühlte und weniger wie eine Geschichte. Dadurch wich zusätzlich meine Konzentration oft weg, was das Weiterlesen zu einem Kampf machte.

Für mich daher leider keine Leseempfehlung.
Das White Octopus Hotel Alexandra Bell
Das White Octopus Hotel (Buch)
5 von 5 Sterne

Magisch

Dieses Buch hat mich gefesselt und irgendwann nicht mehr losgelassen. Es beginnt mit Eve, die eigentlich keine anderen Menschen mag und sich von niemandem verstanden fühlt. Dass sie ein Tattoo hat, dass sich selbstständig bewegt und über ihren Körper wandert hilft dabei nicht gerade, normal auf andere zu wirken. Sie hat eine tragische Geschichte hinter sich, als sie noch ein Kind war starb ihre Schwester bei einem Unfall. Eve gibt sich selbst die Schuld daran.
Eines Tages bekommt sie Besuch von einem alten Mann, der – wie ihr Lieblingskomponist – Max heißt. Max stirbt direkt nach dem Besuch, bittet sie aber ins White Octopus Hotel zurück zu kehren. Das seltsame ist, dass Eve Max weder kennt noch jemals in diesem Hotel war. Eine kurze Recherche ergibt, dass es das Hotel zwar wirklich gab, es aber schon vor ihrer Geburt geschlossen wurde.
Aber ist das immer wiederkehrende Motiv des Oktopus nur ein Zufall? Eve hört Gerüchte über magische Gegenstände aus dem Hotel und sucht schließlich die Ruine auf. Von da an wird es Stück für Stück immer verwirrender, denn in diesem Hotel sind Zeitreisen möglich. Man kann also in einer Vergangenheit, an die man sich nicht erinnert, Dinge ändern, die in der Zukunft passieren. Da Menschen altern, aber in der Zeit zurück reisen können sind die Personen dabei irritierenderweise in der Vergangenheit manchmal älter als in der Gegenwart.
Parallel erfahren wir mehr über Max, dessen Jugend ebenfalls von einem harten Schicksal geprägt war. Er musste im Krieg kämpfen und hat viele Freunde im Schützengraben verloren. Auch er gibt sich an einigen Ereignissen die Schuld. Nicht zuletzt daran, dass er überlebt hat.
Es ist also nicht nur ein magisches Fantasy-Buch, sondern auch stellenweise eine traurige und erdrückende Geschichte. Insgesamt aber eine perfekte Mischung, die Autorin Alexandra Bell hat so plastisch und phantasievoll geschrieben, dass es einfach nur Spaß macht, Eve ins White Octopus Hotel zu begleiten.
Die Reise ans Ende der Geschichte Kristof Magnusson
Die Reise ans Ende der Geschichte (Buch)
4 von 5 Sterne

Ein Spionageroman, der schmunzeln lässt

Kristof Magnusson hat mit seiner „…Reise ans Ende der Geschichte“ einen Spionageroman vorgelegt, der trotz der Vorkommnisse zuweilen schmunzeln lässt.
Schon der Prolog wirft mich geradewegs hinein in das Agentenmilieu. Ein vergifteter Cocktail ist es, der zunächst dieses Klischee bedient, da eine unbekannte, eine faszinierende Welt sich mir genau so darbietet, wie ich sie mir vorstelle. Jakob Dreiser, ein international gefeierter Dichter und Dieter Germeshausen, seines Zeichens Doppelagent, haben hier ihren ersten Auftritt. Mit dabei sind noch so etliche geheimnisvolle Personen und Persönlichkeiten, unter anderem Francesca Aquatone, die sich mir als Italienischlehrerin präsentiert.
Wir sind dann in Rom im Garten der Botschaft der Russischen Föderation. Hier sind sie dabei, „das Ende vom Ende der Welt“ zu feiern. Dass sie hiermit entschieden zu früh dran sind bzw. dass es diesen Weltfrieden so nicht geben wird, ist mittlerweile eine nicht zu leugnende Tatsache. Noch aber sind wir in den 1990er Jahren und wie es den Anschein hat, will Germeshausen den Dichter anwerben, um aus ihm, Jakob Dreiser, einen Spion zu machen.
Für die beiden geht es direkt nach Kasachstan, in die Vereinten Hubschrauberbetriebe Sergei Danilowitsch Luganski in Almaty, weiter soll es dann gen Kolumbien gehen, auch fliegen sie nach Sankt Petersburg, um so einige Stationen ihrer abenteuerlichen Reise zu benennen. Und selbstredend sind sie so manch Gefahr ausgesetzt. Wobei mir der junge Jakob Dreiser schon etwas naiv und unbedarft vorkommt, er scheut vor nichts und niemanden zurück. Im Gegenteil, er ist ein Draufgänger, ein Machertyp, der nicht einen Hubschrauber kauft, wie von Germeshausen anvisiert, nein. Sechs Stück sind es, die er mal so nebenbei ordert.
Der Roman hat einen durchaus ernsten Hintergrund, dem der Autor mit einer gehörigen Prise Humor seine Schwere nimmt, trotzdem weiß man um seine Botschaft. Es ist die Zeit, als der Kalte Krieg vorbei schien, es herrscht Aufbruchstimmung. Die Geschichte lebt von der Lust am Abenteuer, so mach Situation ist mit einem Augenzwinkern zu betrachten, zuweilen wird es herrlich skurril, gelegentlich ist manch Szenerie überzeichnet wie auch einzelne Figuren und deren Handlungsweise.
Ein Abenteuerroman, der zum Denken anregt. Beim Lesen hatte ich die heutigen Krisenherde vor Augen und auch wenn damals der Eiserne Vorhang mit der Fall der Mauer weg war, so ist er mittlerweile höher und undurchdringlicher denn je. Eine Wirklichkeit, an der man nicht vorbeikommt und doch ist „Die Reise ans Ende der Geschichte“ mit einer Leichtigkeit ausgestattet, die gut unterhält, die ich gerne gelesen habe.
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