Rezensionsübersicht

118 Rezensionen
Die Liebe, später Gisa Klönne
Die Liebe, später (Buch)
4 von 5 Sterne

Frei, Freisein, Freiheit

Anselm und Kora, beide Anfang 60, sind seit über zwanzig Jahren ein Paar. Nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung, gefolgt von einer Herzoperation erholt sich Kora nur langsam. Sie spürt, dass sie nicht einfach da weitermachen kann, wo sie vor der Operation aufgehört hat. Das ist auch deshalb nicht möglich, weil Anselm in Rente gegangen ist und die Radiostation, für die Kora all die Jahre gearbeitet hat, sie drängt, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Kora kann sich zunächst nicht entscheiden, stellt ihr ganzes Leben in Frage. Sie liebt Anselm nach wie vor, war immer glücklich in dieser Ehe, die all die Jahre eine Wochenendbeziehung war, weil Anselm zwischen Berlin und ihrem Haus in Köln pendelte, will aber plötzlich frei sein, was immer das in ihrem Fall heißen mag. Kora geht zurück in ihre Vergangenheit und trifft Freunde aus der Kindheit und Jugend. Da gibt es viele Dinge, die sie verdrängt hat und nun durch eine neuerliche Begegnung zum Abschluss bringen will. Das sind Geheimnisse, von denen Anselm nichts weiß, aber auch er hat ihr nie alles über sich gesagt. In dieser Beziehung gab es schon immer viel Distanz. Der Leser begleitet eine Ehekrise mit lange ungewissem Ausgang. Daneben beschäftigt sich Kora mit dem Problem ihres alten Bekannten Felix, der sie um Hilfe gebeten hat. Die Ehefrau von Felix ist plötzlich spurlos verschwunden, vielleicht bei einer Wanderung in den Alpen ums Leben gekommen, eventuell aber auch unterwegs in ein anderes, neues Leben.
Die überwiegend aus Koras Perspektive auf mehreren Zeitebenen erzählte Geschichte ist nicht frei von Längen, aber sehr interessant und lesenswert. Die Einsichten in die menschliche Existenz bringen den Leser zum Nachdenken, besonders die immer wieder eingestreuten 5-Punkte-Listen. Wir dürfen vor allem nicht vergessen, „dass nichts jemals so bleibt, wie es gerade ist. Der andere nicht. Man selbst nicht. Das Leben.“ (S. 187). Dessen müssen wir uns bewusst sein, wenn wir Zukunftspläne schmieden.
Vergiss mich Alex Schulman
Vergiss mich (MP3)
5 von 5 Sterne

Keine einfache Kost

Das Hörbuch hat mich ab dem ersten Satz gefesselt. Die Zeit beim Zuhören verging im Flug, ich hatte immer längere Abschnitte gehört als ich eigentlich geplant hatte. Der Sprecher macht das sehr gut, er spricht deutlich, betont angemessen und natürlich.
Inhaltlich ist das Buch nicht einfach, es handelt sich um die Alkoholkrankheit der Mutter und den Auswirkungen auf die Familie. Die Erzählzeit wechselt zwischen der Gegenwart, Rückblenden und Erinnerungen und das Ganze wirkt sehr organisch. Die Details des dysfunktionalen Familienlebens sind manchmal schwer zu verkraften, aber ich fand die Offenheit des Autors beeindruckend. Gerade die Reaktion der Kinder auf die Stimmungsschwankungen der Mutter in den Erinnerungen fand ich sehr gut beschrieben. Sie versuchen die Ursache bei sich zu finden, wollen das Geheimnis bewahren und die Intimsphäre der Familie schützen. Von Manipulation, Selbstmitleid, Egozentrik, Unberechenbarkeit, Scham, Ausgeliefertsein, usw. ist alles dabei und wird absolut glaubhaft und nachvollziehbar geschildert. Gerade die Zerrissenheit zwischen Liebe, Hilflosigkeit und Verzweiflung ist gut zu spüren. Trotz des persönlichen Themas hat es der Autor geschafft, dem Buch eine Spannungskurve zu geben und man erlebt mit, dass die nüchterne Mutter eine ganz andere Person ist. Insgesamt eine authentische und empfehlenswerte Lektüre bzw. Hörbuch.
Gromzell Dirk Bernemann
Gromzell (Buch)
5 von 5 Sterne

Ein schöner, bitterböser Heimatroman

Aus den verschiedenen Perspektiven seiner Bewohner und Bewohnerinnen schildert der Autor das Leben in einem Bergdorf namens Gromzell. Die Strukturen einer dörflichen Gemeinschaft werden mit Humor offengelegt und analysiert. Ausgehend vom Tod der ältesten Bewohnerin Marie werden die Charaktere treffend in einer Ausnahmesituation in der Enge des Dorfes beschrieben. Er demaskiert Aberglauben, Borniertheit und Beharrungswillen durch die bedrohlich wahrgenommene Veränderung aufgrund des Todesfalls. Dirk Bernemann gelingt es meisterhaft, Gromzell und seine Bevölkerung verdichtet aus Klischees, Vorurteilen, Glaube und Abhängigkeiten zu schildern. Das Ganze geschieht mit einer großen psychologischen Tiefe, ist nachvollziehbar, intelligent und aufgrund der guten Beobachtungs- und Analysegabe des Autors bitterböse und sehr unterhaltsam. Mich hat das Buch sehr gut unterhalten, die Charaktere fand ich glaubhaft und das auch manchmal absurde Verhalten in ihrer speziellen Gedanken- und Erlebniswelt nachvollziehbar.
Ausreden Florian Klenk
Ausreden (Buch)
5 von 5 Sterne

Kurz, aber tiefgehend und sehr besonders

Dieses kurze Buch ist schnell gelesen. Es besteht aus zwei Teilen, zu Beginn ein Monolog der Elfriede Blauensteiner, vom Autor zusammen gestellt aus Gutachterprotokollen, Gesprächen, usw. und im zweiten Teil ein Text des Autors, basierend auf Gesprächen, die er mit Verwandten der Täterin geführt hat. Da mir der Fall nicht bekannt war, hat der Monolog großen Eindruck auf mich gemacht. Der Buchtitel ist passend, es ist eine Mischung aus Bekenntnissen, Ausreden, Tatbeschreibungen, Beschönigungen, beeindruckend und verstörend. Gleichzeitig erzählt sie auch ungerührt von ihrer grausamen Kindheit, was Informationen zutage bringt, die den Blickwinkel erweitern und einen nachdenklich werden lassen. Durch den zweiten Text steigt man dann tiefer in die Taten und die Persönlichkeit der Elfriede Blauensteiner ein. Am Ende fand ich die Mischung dieser beiden Teile sehr gelungen. Der raue Monolog und die reflektierte Betrachtung bilden einen Gegensatz, der eindringlich ist. Dieses Buch hebt sich von der Masse der True Crime Literatur angenehm ab, besticht durch seine soziologische Betrachtung und lässt einen darüber nachdenken, wie das Leben in den Nachkriegszeiten war und wie die Gesellschaft Menschen formt. Ich fand auch den Blickwinkel der Familie auf den Medienzirkus Ende der 1990er Jahre beeindruckend, da sich darin eine gewisse Rohheit spiegelte.
This Story Might Save Your Life Tiffany Crum
This Story Might Save Your Life (Buch)
4 von 5 Sterne

Schwacher Anfang, wird zunehmend fesselnd

Schon allein die Geschichte, die den Anspruch erhebt, dein Leben retten zu können oder besser ausgedrückt „was dich nicht umbringt, lässt dich überleben“, macht neugierig aufs Buch, dazu das sehr ansprechende Äußere – da muss man einfach zugreifen. „This Story Might Save Your Life“, kurz TSMSYL, ist ein Comedy-Survival-Podcast, der sich jede Woche einem anderen Thema widmet.
Joy und Benny sind die beiden Protagonisten, die diesen Postcast betreiben. Einer ist Stichwortgeber, der andere kontert, das Ergebnis sind launige, witzige Folgen, die Reichweite ist mittlerweile enorm. Man muss schon locker sein, um den vorgegebenen, mitunter lebensgefährlichen Situationen auf witzig-spritzige Art beizukommen - ihre Fans lieben genau diesen Nervenkitzel. Die beiden kennen sich wirklich gut, sind beste Freunde, sie ticken ähnlich. Ein Paar sind sie jedoch nicht. Joy ist mit Xander verheiratet und Luna ist Bennys Ex-Frau. Einige andere spielen schon auch eine Rolle, sie kommen ins Geschehen, sobald es die Story zulässt. Als dann Joy und Xander verschwinden, ist nichts mehr so, wie es war.
Gespannt starte ich in diese Geschichte, die mich jedoch bald das Buch zur Seite legen lässt. Der extrem langatmige Anfang macht das Hineinfinden in die Story nicht gerade einfach, das Durchhalten hat sich aber dann doch gelohnt. Die wechselnden Kapitel werden aus Sicht von Joy und Benny erzählt, es sind einmal Rückblenden und dann ist es die Suche nach Joy und Xander. Und jetzt nimmt die Story so richtig Fahrt auf, von jedem einzelnen werden auch unschöne Dinge ans Licht gezerrt, keiner kommt ungeschoren davon. Letztendlich sehe ich klarer, es geht um perfide Manipulation, die lange gut versteckt werden kann. Ein Thriller, der sich langsam entwickelt, dem man trotz Startschwierigkeiten eine Chance geben sollte, es lohn sich allemal.
One Date to Gold Ivy Leagh
One Date to Gold (Buch)
5 von 5 Sterne

Toll

Das Buch war sehr unterhaltsam und emotional, und ich konnte es oft kaum aus der Hand legen. Der Schreibstil ist leicht, flüssig und humorvoll, sodass man schnell ins Geschehen eintaucht. Besonders gefallen hat mir das Olympia-Setting, die winterliche Stimmung wurde sehr gut beschrieben und haben das Buch zu einem besonderen Erlebnis gemacht.

Amie, eine erfolgreiche Snowboarderin, steht kurz vor den Olympischen Winterspielen und gerä unter Druck. Als sie auf den Eishockeyspieler Hunter trifft, gehen die beiden eine Fake-Dating-Vereinbarung ein, um ihre jeweiligen Probleme von der Öffentlichkeit fernzuhalten. Doch aus dem geplanten Spiel entwickelt sich mehr, als beide erwartet haben.

Die Beziehung zwischen Amie und Hunter fand ich sehr spannend. Die zwei waren sehr humorvoll und das Drama zwischen den beiden, hat dem Buch sehr gut getan. Die Protagonisten waren sehr interessant, da man ihre Entwicklung gut verfolgen konnte.
Verbrenn das Negativ Josh Winning
Verbrenn das Negativ (Buch)
3 von 5 Sterne

Tolle Idee, für mich leider nicht ganz überzeugende Umsetzung...

...darum habe ich auch recht lange zum Lesen gebraucht.

Die Idee zum Plot ist klasse: Das Remake eines Horrorfilms, eine Journalistin mit traumatischer Vergangenheit und persönlichem Geheimnis, ein Fluch und mysteriöse Vorkommnisse...das hat Potential!

Der Autor, Josh Winning, der hauptberuflich Filmjournalist ist, kennt sich zweifellos aus in der Filmbranche und auch sein Schreibstil hat mir gefallen.

Abwechslungsreich fand ich die immer wieder eingestreuten Interviews, Social Media Beiträge usw., allerdings wenig relevant für die Handlung.

Auch die Bezüge und Anspielungen zum Horrorfilm-Genre und einzelnen Werken waren permanent spürbar, und ich glaube dadurch kam die eigentliche Handlung, das Drama um Laura, irgendwie zu kurz. Außerdem fand ich sie selbst und ihre Handlungen oft nicht nachvollziehbar und ich musste einige Male mit dem Kopf schütteln.

Mich konnte das Buch nicht so recht packen und ich brauchte mehrere Anläufe, leider. Aber das ist ja glücklicherweise Geschmackssache und ichg bin sicher, "Verbrenn das Negativ" wird viele Fans gewinnen!
A Fire in the Sky - Feuerschwur-Chroniken, Band 1 Sophie Jordan
A Fire in the Sky - Feuerschwur-Chroniken, Band 1 (Buch)
4 von 5 Sterne

Gelungener Auftakt der Feuerschwur-Chroniken

„A Fire in the Sky“ ist der Auftakt einer neuen Fantasy-Reihe von Sophie Jordan, die mich schon mit der „Firelight-Trilogie“ und der Dystopie „Infernale“ begeistern konnte. Ich mag ihren Schreibstil, angenehm leicht zu lesen.
Spannende Romantasy von Anfang bis Ende. In dem Königreich Penterra hat man damals alle Drachen getötet, die man finden konnte. Hier lebt Tamsyn bei der Königsfamilie als Prügelmädchen der Prinzessinnen. Als der gefürchtete Lord Drythen, der barbarische Krieger, eine Prinzessin zur Frau fordert, gibt man ihm Tamsyn zur Frau.
Tamsyn hat mir auf Anhieb gefallen. Obwohl sie zusammen mit den Prinzessinnen aufwächst und ein Leben in Luxus genießt, ist sie jedoch keine wirkliche Prinzessin, sondern muss die Prügelstrafen einstecken für die Vergehen der Prinzessinnen. Doch ihre Verletzungen heilen unheimlich schnell. Tamsyn ist ein sehr starker Charakter und gefiel mir auf Anhieb. Und auch der Krieger Fell hat mir auf Anhieb gefallen, die gefürchtete Bestie der Grenzlande, und auch das erste Zusammentreffen der beiden. Die Erzählperspektive wechselt zwischen den Protagonisten, das gefällt mir ganz gut.
Die Handlung um Tamsyn in diesem Königreich hat mich von der erste Seite an gepackt und wollte mich nicht mehr loslassen, so dass ich das Buch fast in einem Rutsch gelesen habe. Ja, auch mit diesem Auftakt der Feuerschwur-Chroniken konnte mich die Autorin wieder begeistern. Es bleiben noch Fragen offen und Band 1 endet mit einem Cliffhanger. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Band und die weiteren Erlebnisse von Tamsyn und Fell.
Das Buch sieht übrigens sehr hübsch aus mit dem Drachen auf dem Cover und dem Farbschnitt.
Minnesota Jo Nesbø
Minnesota (Buch)
5 von 5 Sterne

Kalter Krimi für harte Nerven

Jo Nesbøs „Minnesota“ ist ein düsterer Roman, der weniger auf spektakuläre Wendungen als auf Atmosphäre, innere Konflikte und moralische Grauzonen setzt. Die Handlung ist in der kargen, winterlichen Landschaft des amerikanischen Mittleren Westens angesiedelt, die Nesbø mit wenigen, präzisen Strichen lebendig werden lässt. Schnee, Kälte und Weite sind hier nicht bloß Kulisse, sondern Spiegel einer inneren Leere, die viele Figuren prägt.
Im Zentrum steht ein Protagonist, der typisch für Nesbøs Werk ist: ein Mann mit gewalttätiger Vergangenheit, gefangen zwischen Schuld, Loyalität und dem Wunsch nach Erlösung. Nesbø interessiert sich weniger für das klassische „Wer war es?“ als für das „Warum?“ seiner Figuren. Gewalt erscheint nie glamourös, sondern als etwas Zermürbendes, das Spuren hinterlässt. Gerade diese Nüchternheit macht den Roman so eindringlich.
Bob jagt einen Heckenschützen, der gezielt Menschen ins Visier nimmt, die sich öffentlich für den privaten Waffenbesitz einsetzen. Doch der Täter scheint den Ermittlern stets voraus zu sein und manipuliert sie geschickt, sodass sie ihm immer hinterherlaufen.
Erzählt wird der Roman auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen und aus mehreren Perspektiven. Die zweite Zeitschleife trägt allerdings nur wenig zur Handlung bei und wirkt eher verzichtbar. Auch die wechselnden Ich-Erzählungen erfordern zunächst etwas Orientierung, sind jedoch überzeugend umgesetzt und ermöglichen einen intensiven Einblick in die Denkweisen und Motive der einzelnen Figuren.
Grenzfall - Ihr Grab in den Fluten Anna Schneider
Grenzfall - Ihr Grab in den Fluten (Buch)
4 von 5 Sterne

Abgrundtief guter Thriller

Endlich ist der neue Roman da, Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten ist der sechste Band der Reihe von Anna Schneider, dieser Thriller führt erneut in die raue, atmosphärisch dichte Grenzregion zwischen Deutschland und Österreich, auch diesmal gelingt es der Autorin, Spannung, Emotionen und regionale Verankerung zu einem stimmigen Gesamtbild zu verbinden.
Im Mittelpunkt stehen wieder beide, die mit einem besonders beklemmenden Fall konfrontiert werden. Ein Toter wird in den Fluten gefunden, und schnell wird klar, dass sich hinter dem scheinbaren Unglück ein komplexes Verbrechen verbirgt. Die Autorin versteht es sehr gut, die Ermittlungsarbeit realistisch darzustellen, ohne den Lesefluss durch technische Details zu bremsen. Stattdessen entwickelt sich die Handlung kontinuierlich, mit gezielten Wendungen, die die Spannung bis zum Ende hochhalten.
Besonders hervorzuheben ist die dichte Atmosphäre des Romans. Die Naturkulisse mit Wasser, Bergen und unberechenbaren Wetterverhältnissen ist nicht nur Schauplatz, sondern ein aktiver Bestandteil der Geschichte. Sie verstärkt die bedrohliche Stimmung und spiegelt zugleich die inneren Konflikte der Figuren wider. Die Charaktere wirken auch im sechsten Band glaubwürdig und vielschichtig; ihre persönliche Entwicklung schreitet spürbar voran, ohne dass der Krimiplot in den Hintergrund gerät.
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