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    Shilo1 Top 50 Rezensent

    Aktiv seit: 24. Juni 2020
    "Hilfreich"-Bewertungen: 35

    Bitte beachten Sie

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    795 Rezensionen

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    Frostblüten

    Holly-Jane Rahlens
    Frostblüten (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    09.10.2026

    Eine ungewöhnliche Freundschaft

    Lotte und Estera könnten unterschiedlicher kaum sein. Die eine ist ein deutsches Mädchen, das den Krieg und die Nachkriegszeit in Berlin erlebt hat. Die andere ist eine polnisch jüdische Überlebende, die fast ihre ganze Familie verloren hat. Trotzdem entsteht zwischen den beiden eine Freundschaft, mit der wohl keine von ihnen gerechnet hat.
    Die Begegnungen der beiden Mädchen haben mich beim Lesen oft beschäftigt. Beide tragen ihre eigene Vergangenheit mit sich herum und müssen mit Dingen zurechtkommen, die für so junge Menschen eigentlich kaum zu fassen sind. Lotte muss sich mit den Lügen auseinandersetzen, mit denen sie aufgewachsen ist. Estera hat dagegen ihre Eltern verloren und weiß nicht, was aus ihrer kleinen Schwester geworden ist.
    Auch das Leben im Berliner Hungerwinter 1946/1947 wird sehr anschaulich beschrieben. Die Kälte, der Hunger und die schwierigen Bedingungen im DP Camp waren für mich beim Lesen gut vorstellbar. Dabei geht es nicht nur um die großen Ereignisse dieser Zeit. Gerade die Gespräche und Begegnungen zwischen Lotte und Estera haben mir gezeigt, wie vorsichtig sich Vertrauen entwickeln kann.
    Die Geschichte hat mich nachdenklich gemacht. Trotzdem ist sie nicht nur von Verlust und schweren Erlebnissen geprägt. Beide Mädchen haben trotz allem den Wunsch, irgendwann wieder nach vorne zu schauen. Diese Hoffnung fand ich sehr schön, weil sie nicht übertrieben wirkt.
    Gut gefallen hat mir auch, dass die Freundschaft nicht einfach von Anfang an funktioniert. Beide müssen erst verstehen, was die andere erlebt hat. Gerade dadurch wirkte ihre Annäherung auf mich glaubwürdig.
    Die Beschreibungen vom Winter und vom Leben nach dem Krieg konnte ich mir gut vorstellen. Man merkt beim Lesen, wie schwer es die Menschen damals hatten.
    Trotz allem fand ich es schön zu sehen, dass Lotte und Estera nicht nur mit ihrer Vergangenheit beschäftigt sind. Beide wünschen sich, dass ihr Leben irgendwann wieder leichter wird.
    Die Geschichte von Lotte und Estera ist mir nach dem Lesen noch durch den Kopf gegangen. Vor allem Esteras Schicksal hat mich beschäftigt. Ich mochte, dass trotz allem, was die beiden erlebt haben, am Ende auch Hoffnung bleibt. Dafür gibt es von mir 5 Sterne.
    Der Buchclub der eigensinnigen Frauen

    Marie Bostwick
    Der Buchclub der eigensinnigen Frauen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    02.10.2026

    Mehr als nur ein Buchclub

    Margaret Ryan lebt 1963 mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in einer amerikanischen Vorstadt. Von außen sieht bei ihr alles nach dem perfekten Familienleben aus. Doch Margaret merkt immer mehr, dass ihr etwas fehlt. Mit der neuen Nachbarin Charlotte kommt schließlich auch die Idee für einen Buchclub. Was zunächst nach gemeinsamen Abenden mit Büchern und Cocktails klingt, wird für die Frauen schnell wichtiger.
    Ich mochte es, die Frauen bei ihren Treffen zu begleiten und nach und nach mehr über sie zu erfahren. Jede bringt ihre eigenen Sorgen und Wünsche mit. Hinter den schönen Häusern und dem ordentlichen Familienleben sieht es bei keiner ganz so perfekt aus, wie es zunächst wirkt. Gerade das fand ich interessant.
    Auch Margaret konnte ich beim Lesen gut verstehen. Sie fängt an, sich selbst zu fragen, ob das Leben, das sie führt, wirklich ihren eigenen Vorstellungen entspricht. Dabei geht es gar nicht um einen großen Ausbruch. Vielmehr sind es die kleinen Zweifel und Gedanken, die sich bei ihr mit der Zeit verändern. Das wirkte auf mich glaubwürdig.
    Die anderen Frauen sind ebenfalls sehr unterschiedlich. Durch die Gespräche im Buchclub erfährt man einiges über ihre Ehen, ihre Familien und das, was sie sich vom Leben eigentlich wünschen. Dadurch sind mir einige von ihnen im Laufe des Buches näher gekommen. Gleichzeitig gab es aber auch Stellen, an denen ich etwas weniger aufmerksam gelesen habe, weil sich die Handlung für mich ein wenig gezogen hat.
    Die 1960er Jahre spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Erwartungen an Frauen waren damals noch sehr festgelegt. Vieles von dem, was heute selbstverständlich erscheint, war für die Frauen in dieser Zeit keineswegs selbstverständlich. Das wurde gut vermittelt, ohne dass die Zeit nur als Hintergrund diente.
    Insgesamt habe ich die Frauen und ihre Treffen gern begleitet. Der Buchclub wird zu einem Ort, an dem sie über Dinge sprechen können, die sonst kaum ausgesprochen werden. Für mich war es eine Geschichte über Freundschaft und darüber, irgendwann zu merken, dass man auch eigene Wünsche haben darf. Nicht jede Passage konnte mich gleichermaßen mitnehmen, trotzdem habe ich das Buch gern gelesen und die Entwicklung der Frauen interessiert verfolgt. 4 Sterne.
    Zeiten des Lichts - Schicksalstage an der Elbe

    Wolf Serno
    Zeiten des Lichts - Schicksalstage an der Elbe (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    25.09.2026

    Zwischen Liebe und Verlust

    Ebba hat nach dem Verlust ihres Kindes schwer zu kämpfen. Gleichzeitig macht ihr die Krankheit ihres Mannes Arndt große Sorgen. Als sie unerwartet wieder schwanger wird, wird die Situation zwischen den beiden immer schwieriger. Ihre Ehe gerät in eine Krise und Ebba zieht sich schließlich nach Skagen zu ihrem Vater zurück. Von dort aus nimmt ihr Leben noch einmal eine andere Wendung.
    Beim Lesen konnte ich gut verstehen, wie sehr Ebba unter dem Verlust leidet und wie groß ihr Wunsch nach einem weiteren Kind ist. Gleichzeitig waren auch Arndts Sorgen für mich nachvollziehbar. Er hat Angst davor, seine Frau und ein mögliches Kind zurückzulassen. Beide tragen ihre eigenen Ängste mit sich herum und schaffen es dadurch kaum, offen miteinander umzugehen.
    Die Landschaft rund um Skagen und das Leben an der Küste konnte ich mir beim Lesen gut vorstellen. Dadurch bekam die Geschichte für mich auch ein passendes Bild von der damaligen Zeit. Auch die Figuren sind nicht einfach in gut und böse einzuteilen. Bei manchen Entscheidungen konnte ich mitfühlen, bei anderen musste ich erst einmal überlegen, was dahintersteckt.
    Wolf Serno erzählt ausführlich und nimmt sich viel Zeit für seine Figuren. An einigen Stellen war mir das Tempo allerdings etwas zu langsam. Vor allem bei den vielen Briefen hatte ich manchmal den Eindruck, dass bereits bekannte Ereignisse noch einmal aufgegriffen werden. Dadurch kam die Handlung für mich zwischendurch etwas ins Stocken.
    Trotzdem wollte ich wissen, wie es mit Ebba und Arndt weitergeht. Mich hat vor allem beschäftigt, ob die beiden nach allem, was zwischen ihnen passiert ist, wieder zueinanderfinden. Auch in Skagen bleibt es für Ebba nicht einfach, denn dort kommen neue Dinge auf sie zu.
    Ich habe Ebba und Arndt gerne durch diese schwere Zeit begleitet. Die historischen Hintergründe und das Leben in Skagen haben mir dabei einen guten Eindruck von der Zeit vermittelt. Auch die persönlichen Probleme der beiden haben mich beim Lesen immer wieder beschäftigt.
    Einige Abschnitte hätten für mich etwas kürzer ausfallen dürfen. Insgesamt habe ich die Geschichte aber gerne gelesen und vergebe 4 Sterne.
    Finding Hope - Das Licht unserer Tage

    Kristin Hannah
    Finding Hope - Das Licht unserer Tage (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    21.09.2026

    Nicht alles ist vorhersehbar

    Joy hat nach ihrer Scheidung genug von ihrem bisherigen Leben und zieht sich in die Wälder des Olympic Nationalparks zurück. Dort trifft sie auf den kleinen Bobby und seinen Vater Daniel. Zwischen den dreien entsteht nach und nach eine Verbindung, die für alle wichtig wird.
    Die verschneiten Wälder und die Kälte haben mir beim Lesen gut gefallen. Ich konnte mir Rain Valley und die Umgebung gut vorstellen. Gerade zu Joys Situation hat diese winterliche Landschaft für mich gut gepasst.
    Nach der Scheidung weiß Joy zunächst selbst nicht so recht, wohin ihr Weg führen soll. Sie braucht Abstand und versucht gleichzeitig, mit dem klarzukommen, was hinter ihr liegt. Ihre Gedanken konnte ich dabei an vielen Stellen gut nachvollziehen.
    Joy, Daniel und Bobby gehen jeweils mit ihrer Trauer auf ihre eigene Art um. Dabei geht es auch darum, anderen wieder zu vertrauen und jemanden an sich heranzulassen. Das hat mich beim Lesen immer wieder zum Nachdenken gebracht. Auch Bobby ist mir dabei im Gedächtnis geblieben. Trotz seiner Trauer bringt er seine eigene Art in die Geschichte ein. Die Beziehung zwischen ihm, Joy und Daniel entwickelt sich nach und nach, sodass ich wissen wollte, welchen Weg die drei gemeinsam gehen werden.
    Einige Stellen haben mich emotional erreicht, andere waren mir etwas zu gefühlvoll. Vor allem im weiteren Verlauf nimmt die Handlung eine Richtung, mit der ich so nicht gerechnet hatte. Diese Wendung hat für mich nicht ganz so gut funktioniert, da sie stellenweise etwas märchenhaft wirkt. Dadurch konnte ich mich nicht mehr ganz so gut auf die Geschichte einlassen wie zu Beginn.
    Auch beim Tempo gab es Unterschiede. Manche Abschnitte ließen sich schnell lesen, während andere für mich etwas länger brauchten. Jeder der drei bringt seine eigene Geschichte mit. Deshalb war ich gespannt, wie sich das Verhältnis zwischen ihnen weiterentwickelt und ob sie trotz ihrer unterschiedlichen Erfahrungen zueinanderfinden.
    Beim Lesen gab es für mich einige Stellen, die mir im Gedächtnis geblieben sind und über die ich noch etwas nachgedacht habe. Die Begegnungen zwischen Joy, Daniel und Bobby haben dabei eine wichtige Rolle gespielt. Auch die winterliche Umgebung hat gut zu den Ereignissen gepasst. Nicht jede Wendung war für mich nachvollziehbar, insgesamt habe ich den Roman aber gerne gelesen. Dafür vergebe ich 4 Sterne.
    Priesterin von Thera

    Iny Lorentz
    Priesterin von Thera (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    18.09.2026

    Wenn die Götter zürnen

    Die junge Priesterin Atala lebt auf Thera, bis ein schweres Erdbeben ihr bisheriges Leben verändert. Ausgerechnet ihre eigene Tante gibt ihr die Schuld an dem Unglück. Atala wird deshalb für drei Jahre in ein weit entferntes Land geschickt. Dort muss sie sich in einer völlig fremden Umgebung zurechtfinden und gerät bald in eine gefährliche Sache hinein. Beran, der jüngere Sohn des Stammesfürsten, wird dabei immer wichtiger für sie.
    Atalas Leben als Priesterin fand ich interessant, weil dadurch auch die Vorstellungen der Menschen dieser Zeit eine große Rolle spielen. Die Götter bestimmen ihren Alltag und viele Entscheidungen werden von den religiösen Regeln beeinflusst. Gleichzeitig ist Atala aber keine Frau, die einfach hinnimmt, was andere für sie bestimmen. Sie denkt mit und versucht, aus schwierigen Situationen wieder herauszukommen.
    Auch die fremde Welt, in die Atala durch ihre Verbannung kommt, wird ausführlich beschrieben. Beim Lesen musste ich mich erst einmal auf diese andere Lebensweise einlassen. Die Menschen leben nach ihren eigenen Regeln und auch Beran hat seine Pflichten und Vorstellungen. Zwischen ihm und Atala entwickelt sich die Beziehung nicht plötzlich, sondern wächst nach und nach. Durch die Gefahren, die sie gemeinsam erleben, lernen sie einander besser kennen. Diese Entwicklung konnte ich gut nachvollziehen.
    Immer wieder gibt es Situationen, in denen Atala ihr Wissen und ihren Mut braucht. Dadurch bleibt die Handlung abwechslungsreich. Gleichzeitig merkt man, dass sie selbst nicht genau weiß, was ihre Zukunft bringen wird. Besonders dieser Teil ihrer Geschichte hat mich immer wieder beschäftigt.
    Über allem liegt von Anfang an das Wissen um den Vulkanausbruch auf Thera. Je näher die Ereignisse diesem Punkt kommen, desto gespannter war ich darauf, wie es weitergeht. Die Katastrophe selbst wird eindringlich geschildert. Beim Lesen war die Vorstellung beklemmend, dass für die Menschen dort innerhalb kurzer Zeit nichts mehr so sein wird wie vorher. Besonders bedrückend fand ich den Gedanken, dass sie kaum eine Möglichkeit haben, dem Geschehen zu entkommen.
    Nicht jede Stelle konnte mich gleich stark fesseln. Zwischendurch gab es Abschnitte, bei denen mir die Handlung etwas zu langsam voranging. Das hat den Gesamteindruck aber nicht kaputt gemacht, denn gerade die Ereignisse rund um Atala und Beran haben mich immer wieder zurück in die Geschichte gezogen.
    Sehr gut gefallen hat mir auch die Verbindung zwischen dem persönlichen Schicksal der beiden und den großen Ereignissen dieser Zeit. Dadurch geht es nicht nur um eine Liebesgeschichte oder um eine historische Katastrophe. Es wird auch gezeigt, wie einzelne Menschen mit Veränderungen umgehen müssen, auf die sie keinen Einfluss haben.
    Insgesamt war es für mich eine interessante Reise in eine sehr weit zurückliegende Zeit. Atala ist eine Hauptfigur, deren Weg nicht immer einfach ist und bei der sich vieles erst nach und nach entwickelt. Dazu kommen die fremde Lebensweise, die Bedeutung der Götter und schließlich der gewaltige Vulkanausbruch. Einige Längen gab es für mich zwar, trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen und vergebe dafür 4 Sterne.
    Good for Nothing Girl

    Sefi Atta
    Good for Nothing Girl (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    16.09.2026

    Zwischen Hoffnung und Enttäuschung

    Gift ist 17 Jahre alt und möchte ihre Heimatstadt in Nigeria hinter sich lassen. Sie möchte studieren und endlich selbst bestimmen, wie ihr Leben aussehen soll. Deshalb nimmt sie die Möglichkeit an, als Au Pair Mädchen in die USA zu gehen. Sie verbindet damit viele Hoffnungen. Doch schon bald merkt sie, dass ihre Gastfamilie ihre Versprechen nicht so einhält, wie sie es erwartet hat.
    Beim Lesen konnte ich verstehen, warum Gift zunächst so hoffnungsvoll ist. Sie glaubt, dass sich durch die Reise vieles für sie ändern wird. Stattdessen kümmert sie sich fast rund um die Uhr um das Baby und muss immer mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen. Gleichzeitig wird ihre Einschreibung an der Universität ständig hinausgeschoben. Das hat mich beim Lesen teilweise wütend gemacht, weil Gift immer mehr leisten muss und kaum eine Möglichkeit hat, sich zu wehren.
    Gift ist eine interessante Hauptfigur. Sie weiß anfangs selbst nicht genau, wie sie mit ihrer Situation umgehen soll. Einerseits ist sie noch jung und wirkt manchmal etwas naiv. Andererseits hat sie einen starken eigenen Willen. Mit der Zeit wird immer deutlicher, dass sie nicht bereit ist, sich alles gefallen zu lassen. Diese Veränderung habe ich beim Lesen aufmerksam verfolgt.
    Auch die Unterschiede zwischen Nigeria und den USA spielen eine wichtige Rolle. Gift lernt eine völlig andere Umgebung kennen und muss dabei feststellen, dass ein Neuanfang nicht automatisch bedeutet, frei zu sein. Sie ist auf andere angewiesen und muss sich mit deren Vorstellungen auseinandersetzen. Der trockene Humor der Autorin hat einige dieser ernsten Situationen etwas aufgelockert.
    Ganz überzeugen konnte mich die Geschichte trotzdem nicht. Zwischendurch gab es für mich einige Längen. Manche Situationen zogen sich und wiederholten sich in ähnlicher Form. An diesen Stellen war ich nicht mehr ganz so aufmerksam und habe mich gefragt, wann es für Gift endlich weitergeht.
    Insgesamt habe ich Gift auf ihrem schwierigen Weg gerne begleitet. Besonders interessant fand ich, wie sie sich im Laufe der Geschichte verändert und immer mehr für sich selbst einsteht. Die Geschichte spricht wichtige Themen an und zeigt, wie schwer es sein kann, aus einer Situation herauszukommen, in der man auf andere angewiesen ist. Ganz gepackt hat sie mich allerdings nicht, deshalb sind es am Ende drei Sterne geworden.
    Das Lächeln der Kinder

    Julia Kröhn
    Das Lächeln der Kinder (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.09.2026

    Ein dunkles Kapitel kommt ans Licht

    Schon Lori und Milena haben mich beim Lesen sehr beschäftigt. Zwischen ihren Lebensgeschichten liegen viele Jahrzehnte, trotzdem gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Frauen, die sich erst nach und nach zeigt. Beide kümmern sich um Kinder, die durch Krieg und Gewalt viel verloren haben und von anderen Menschen vergessen wurden.
    Loris Geschichte spielt in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie setzt sich für Kinder ein, die von den Nationalsozialisten aus ihrer Heimat im Osten verschleppt wurden. Die Schicksale dieser Kinder haben mich sehr betroffen gemacht. Sie mussten Dinge erleben, die kein Kind erleben sollte. Lori versucht, ihnen zu helfen und ihnen wieder ein Stück Sicherheit zu geben. Dabei wird auch deutlich, wie viel Kraft dieser Einsatz von ihr verlangt.
    In der Gegenwart ist es Milena, die sich um einen ukrainischen Jungen kümmert. Er wurde während des Krieges nach Russland verschleppt. Gerade dieser Teil hat mich nicht losgelassen, denn wieder sind es Kinder, die mit den Folgen eines Krieges leben müssen. Beim Lesen wurde mir dadurch sehr deutlich, dass solche Schicksale nicht einfach der Vergangenheit angehören.
    Die beiden Zeitebenen haben für mich gut zusammengepasst. Nach und nach ergeben sich neue Zusammenhänge und ich wollte wissen, was Lori und Milena tatsächlich miteinander verbindet. Ich habe deshalb beim Lesen immer genauer auf die Hinweise geachtet. Erst nach und nach wird klar, was hinter der Verbindung der beiden Frauen steckt. Das hat meine Neugier bis zum Ende aufrechterhalten.
    Julia Kröhn erzählt hier von einem sehr schwierigen Kapitel der Geschichte und stellt ihm eine Geschichte aus der Gegenwart gegenüber. Dabei begegnen einem Menschen, die trotz allem versuchen, für andere da zu sein. Gerade bei den Kindern hat mich manches sehr traurig gemacht. Es gab aber auch Stellen, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sich trotz all des Erlebten noch etwas zum Guten wenden kann.
    Ich musste beim Lesen öfter darüber nachdenken, was solche Erlebnisse mit einem Menschen machen und wie sehr sie ein ganzes Leben prägen können. Besonders bei den Kindern war das für mich schwer auszuhalten. Was ihnen genommen wurde, kann man nicht einfach ungeschehen machen. Umso wichtiger war mir, dass die Wahrheit über das Geschehene nicht verborgen bleibt und die Betroffenen nicht vergessen werden.
    Am Ende bleibt bei mir vor allem die Geschichte von Lori und Milena und ihr Einsatz für Kinder zurück. Beide Frauen gehen ihren eigenen Weg und trotzdem verbindet sie viel mehr, als zunächst zu erkennen ist. Die Verbindung der beiden Zeitebenen hat mir dabei gut gefallen und auch das Geheimnis dahinter hat mich bis zum Schluss beschäftigt. Die Geschichte hat mich berührt und an einigen Stellen sehr nachdenklich gemacht. Lori, Milena und die Schicksale der Kinder sind mir auch nach dem Lesen noch im Kopf geblieben. Deshalb vergebe ich sehr gerne 5 Sterne.
    Hinaus in den Wind

    Trude Teige
    Hinaus in den Wind (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.09.2026

    Zwischen Familie und eigenen Wünschen

    Das Leben an der norwegischen Küste ist hart. Kristiane hat sich dort trotzdem ihren eigenen Platz erkämpft und übernimmt viel Verantwortung für ihre Familie. Man merkt aber auch, dass sie selbst nicht immer weiß, welcher Weg der richtige ist und dass sie einige Sorgen mit sich trägt.
    Die Beziehung zu ihren Kindern hat mich beim Lesen besonders beschäftigt. Kristiane wünscht sich, dass Anders die Familientradition fortführt und Schiffslotse wird. Doch Anders möchte sein eigenes Leben führen und fühlt sich zur Musik hingezogen. Für Kristiane ist das nicht leicht. Sie muss lernen, dass ihr Sohn andere Wünsche hat als sie. Dieser Teil der Geschichte hat mir gut gefallen, weil solche unterschiedlichen Vorstellungen innerhalb einer Familie sehr menschlich wirken.
    Auch die Geschichte um das tote Kind, das Kristiane am Strand findet, bringt viel Unruhe in die kleine Fischergemeinschaft. Natürlich stellt sich die Frage, was passiert ist und wer die Mutter des Kindes ist. Gleichzeitig zeigt die Geschichte, wie streng die Menschen damals über andere urteilten. Schuld und Schande hatten einen großen Stellenwert. Einige Reaktionen konnte man kaum nachvollziehen, aber sie passten zu der Zeit, in der die Geschichte spielt.
    Sehr schön fand ich die Beschreibungen der norwegischen Küste. Das Meer, der Wind und die raue Landschaft sind immer wieder Teil der Geschichte. Besonders wenn Kristiane zum Strand geht, bekommt die Handlung für mich eine ganz eigene Stimmung. Dort kann sie für kurze Zeit ihre Gedanken ordnen und Abstand von allem bekommen.
    Kristiane ist eine Frau, die sich nicht einfach mit allem abfindet. Sie hat ihre Vorstellungen und versucht, diese auch durchzusetzen. Gleichzeitig kann sie nicht immer so handeln, wie sie es gerne möchte. Ihre Familie und die Erwartungen der Menschen in ihrem Umfeld spielen dabei eine große Rolle. Sie weiß zwar, was sie möchte, muss aber auch mit den Folgen ihrer Entscheidungen leben. Dass sie dabei nicht immer alles richtig macht, hat sie für mich nur menschlicher gemacht.
    Trude Teige erzählt die Geschichte ruhig und verständlich. Neben den familiären Problemen gibt es immer wieder Stellen, an denen es spannend wird. Dazu kommen viele Einblicke in das Leben der Fischer und Seeleute. Auch die damalige Zeit wird gut vermittelt, ohne dass die Geschichte dadurch schwer zu lesen ist. An einigen Stellen hat mich die Handlung sehr berührt. Dabei blieb es aber immer angenehm zurückhaltend.
    Ein Gedanke ist mir beim Lesen besonders aufgefallen: Es ist nicht einfach, den eigenen Weg zu gehen, wenn die Familie und die Tradition etwas anderes erwarten. Gerade Anders muss sich damit auseinandersetzen, was er selbst möchte und was von ihm erwartet wird. Auch Kristiane muss lernen, mit seinen Entscheidungen umzugehen.
    Für mich war es eine schöne und bewegende Geschichte über Familie, Zusammenhalt und den Wunsch, das eigene Leben selbst zu bestimmen. Kristiane ist mir mit ihrer Stärke, aber auch mit ihren Zweifeln, sehr nahegekommen. Die raue norwegische Küste und das Leben der Menschen dort haben gut zu dieser Geschichte gepasst. Dafür gebe ich mit Überzeugung 5 Sterne.
    Der Parfümeur aus der Glockengasse, der ein Blumenmädchen liebte - Die Anfänge einer Duftdynastie

    Arabella Meran
    Der Parfümeur aus der Glockengasse, der ein Blumenmädchen liebte - Die Anfänge einer Duftdynastie (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    10.09.2026

    Wie aus einer Niederlage ein Welterfolg wurde

    Im Köln des Jahres 1873 spielt diese Geschichte. Ferdinand Mülhens übernimmt das Dufthaus in der Glockengasse und hat dabei nicht nur mit den Schwierigkeiten seines Geschäfts zu kämpfen. Auf einer Reise nach Wien begegnet er Ottilie, einer Blumenverkäuferin. Ihre offene und mutige Art bleibt ihm nicht gleichgültig. Aus dieser Begegnung entwickelt sich eine Beziehung, die durch ihre sehr unterschiedliche Herkunft immer wieder auf die Probe gestellt wird.
    Die Geschichte von Ferdinand und Ottilie hat mir gut gefallen. Ottilie passt in den Augen von Ferdinands Familie nicht zu ihm, weil sie nicht aus den gleichen Verhältnissen kommt. Für sie ist es deshalb nicht leicht, ihren Platz zu finden. Beim Lesen konnte man gut merken, dass es damals viele Regeln gab, an die sich die Menschen halten mussten. Ottilie lässt sich davon allerdings nicht völlig bestimmen. Sie weiß, was sie möchte, und versucht, ihren eigenen Weg zu gehen. Das machte sie für mich zu einer sympathischen Figur.
    Auch Ferdinand hat es nicht einfach. Neben den Problemen in seinem Geschäft muss er sich immer wieder mit seiner Familie und deren Erwartungen beschäftigen. Seine persönliche Geschichte bleibt dadurch eng mit der Entwicklung des Dufthauses verbunden. Das fand ich eine gute Verbindung, weil nicht nur die Liebesgeschichte im Mittelpunkt steht.
    Die historischen Hintergründe haben mir ebenfalls gefallen. Man erfährt einiges über das damalige Köln, und auch die Parfümerie spielt eine wichtige Rolle. Die Düfte und das Geschäft von Ferdinand tauchen immer wieder auf und passen dadurch gut zur Handlung. Dazu kommt das Siebengebirge, das sich deutlich vom Leben in Köln unterscheidet und für einige ruhigere Momente sorgt.
    Einige Stellen haben mich beim Lesen durchaus berührt. Besonders die Probleme, die Ferdinand und Ottilie wegen ihrer Beziehung haben, konnte ich gut nachvollziehen. Gegen die Familie und gegen das, was von ihnen erwartet wird, anzukommen, ist für beide nicht einfach. Gleichzeitig muss ehrlich gesagt werden, dass sich die Geschichte zwischendurch etwas gezogen hat. Manche Abschnitte waren mir einfach zu lang und ausführlich. Dadurch kam die Handlung an einigen Stellen nur langsam voran.
    Trotzdem hat die Geschichte für mich insgesamt gepasst. Die Liebesgeschichte zusammen mit den historischen Ereignissen und Ferdinands Arbeit als Parfümeur fand ich interessant. Vor allem Ottilie ist mir dabei im Gedächtnis geblieben. Auch wenn es für sie nicht einfach ist, lässt sie sich nicht alles gefallen. Sie geht ihren eigenen Weg, so gut es unter den damaligen Umständen möglich ist.
    Mir hat die Mischung aus der Liebesgeschichte und dem historischen Hintergrund gefallen. Auch Ferdinands Arbeit mit den Düften gibt der Geschichte ihren eigenen Rahmen. Dadurch geht es nicht nur um die Beziehung der beiden, sondern auch um seinen beruflichen Weg und das Dufthaus.
    Die Anfänge des Dufthauses fand ich besonders interessant. Bei einigen Passagen hätte ich mir allerdings gewünscht, dass sie etwas kürzer gehalten wären. Trotzdem habe ich Ferdinand und Ottilie gerne auf ihrem Weg begleitet.
    4 Sterne.
    Am Fluss der tausend Inseln

    Nadine Riedesel Freifrau zu Eisenbach
    Am Fluss der tausend Inseln (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    09.09.2026

    Eine Liebe über alle Grenzen

    Friederike ist erst fünfzehn Jahre alt, als sie Friedrich kennenlernt. Die beiden verlieben sich und heiraten. Doch schon bald müssen sie getrennt leben, denn Friedrich wird als Offizier nach Amerika geschickt.
    Friederikes Leben hat mich beim Lesen immer wieder beschäftigt. Sie ist noch sehr jung und muss trotzdem mit Situationen zurechtkommen, die ihr viel abverlangen. Besonders interessant fand ich, wie sie sich im Laufe der Geschichte verändert. Aus dem jungen Mädchen wird eine starke Frau, die ihre Entscheidungen selbst trifft und dabei nicht nur an sich denkt.
    Auch die Zeit, in der die Geschichte spielt, fand ich sehr interessant. Der Siebenjährige Krieg und die Ereignisse in den amerikanischen Kolonien bilden den Hintergrund. Dabei wird das historische Geschehen nicht einfach in den Vordergrund gestellt. Vielmehr geht es um die Menschen, die mit diesen Umständen leben mussten.
    Die Liebe zwischen Friederike und Friedrich zieht sich durch die ganze Geschichte. Dabei bleibt es nicht bei schönen gemeinsamen Zeiten. Ihre Ehe wird durch die Trennung und die Ereignisse des Krieges immer wieder auf die Probe gestellt.
    Friederike muss Entscheidungen treffen, die sicher nicht leicht für sie waren. Dass sie ihrem Mann nach Amerika folgt, fand ich besonders bemerkenswert. Sie lässt dafür ihr bisheriges Leben hinter sich und nimmt vieles auf sich. Gleichzeitig ist sie Mutter und hat damit auch Verantwortung für ihre Kinder. Nicht immer weiß sie, welcher Weg der richtige ist, aber sie stellt sich den Dingen.
    Gerade diese persönlichen Seiten haben mir beim Lesen gefallen. Friederikes Gedanken und ihre Sorgen waren gut nachzuvollziehen. An manchen Stellen konnte man sich vorstellen, wie schwer es für sie gewesen sein muss, so weit von ihrem Mann entfernt zu sein.
    Interessant fand ich auch, dass die Geschichte auf wahren Ereignissen beruht. Dadurch liest man manche Situationen noch einmal anders. Hinter der Geschichte stehen schließlich Menschen, die wirklich gelebt haben. Friederike und Friedrich mussten diese Jahre tatsächlich erleben und gemeinsam mit ihren Kindern durchstehen.
    Friederikes Leben war alles andere als einfach. Trotzdem hat sie sich nicht unterkriegen lassen. Genau das hat mir an ihrer Geschichte besonders gefallen.
    Eine Geschichte über Liebe, Familie und eine Frau, die ihren eigenen Weg geht. Friederikes Lebensweg hat mich berührt und wird mir sicher noch länger im Gedächtnis bleiben.
    Dafür gibt es von mir fünf Sterne.
    Das Mädchen, das aus Auschwitz floh

    Ellie Midwood
    Das Mädchen, das aus Auschwitz floh (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    08.09.2026

    Sehr bewegend

    Manche Geschichten lassen sich nicht einfach lesen. Sie fordern Aufmerksamkeit und gehen einem auch dann noch nach, wenn das Buch längst geschlossen ist. Genauso war es hier.
    Im Mittelpunkt steht Mala, eine junge Frau, die im Lager wegen ihrer Sprachkenntnisse als Lagerläuferin eingesetzt wird. Diese Aufgabe verschafft ihr kleine Freiräume, die sie nicht für sich selbst nutzt. Sie versucht, anderen zu helfen, bringt Nachrichten weiter, organisiert Lebensmittel oder Medikamente und schenkt Menschen immer wieder ein wenig Hoffnung. Später begegnet sie Edek. Zwischen beiden entwickelt sich eine Verbindung, aus der der Wunsch entsteht, gemeinsam einen Weg in die Freiheit zu finden.
    Beeindruckt hat mich vor allem, wie viel Menschlichkeit Mala selbst in einer so grausamen Zeit bewahrt. Es sind oft die kleinen Gesten, die lange im Gedächtnis bleiben. Ein freundliches Wort, eine mutige Entscheidung oder die Bereitschaft, das eigene Leben für andere aufs Spiel zu setzen. Gerade dadurch wirken viele Szenen besonders glaubwürdig und berührend.
    Die Geschichte lebt aber nicht nur von den schweren Momenten. Auch die leise Hoffnung bekommt ihren Platz. Die Verbindung zwischen Mala und Edek entwickelt sich langsam und wirkt nie aufgesetzt. Sie gibt der Handlung etwas Helles, ohne das Leid der Menschen in den Hintergrund zu rücken.
    Man spürt beim Lesen immer wieder, dass dieser Roman auf den Lebensgeschichten von Menschen beruht, die es wirklich gegeben hat. Gerade das macht viele Szenen noch eindringlicher. Die sorgfältige Recherche ist an vielen Stellen erkennbar und gibt der Geschichte zusätzliche Glaubwürdigkeit.
    Dieses Buch erzählt von Mut, Mitgefühl und der Kraft, selbst unter unmenschlichen Bedingungen die Hoffnung nicht ganz zu verlieren. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine, die noch lange beschäftigt. Von mir gibt es fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.
    Was die Felder hüten

    Sara Maurer
    Was die Felder hüten (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    04.09.2026

    Zwischen Bleiben und Aufbruch

    Everett und Mary könnten kaum unterschiedliche Vorstellungen von ihrem Leben haben. Während Everett die Schaffarm seiner Familie erhalten möchte und sich mit dem Land verbunden fühlt, träumt Mary von einem anderen Leben.
    Michigan und das Leben auf dem Land werden anschaulich beschrieben. Im Sommer ist es heiß, auf der Farm gibt es jeden Tag Arbeit und Everett kennt dieses Leben seit seiner Kindheit. Man versteht dadurch gut, warum er dort bleiben möchte. Mary dagegen möchte mehr vom Leben und hat andere Pläne.
    Die Liebe zwischen Everett und Mary steht dabei nicht allein im Mittelpunkt. Beide müssen sich irgendwann fragen, was ihnen wirklich wichtig ist und wie weit sie für den anderen gehen würden. Nach ihrer Entscheidung ist vieles nicht mehr so wie vorher und auch zwischen den beiden verändert sich einiges.
    Beim Lesen gab es immer wieder Stellen, bei denen über die Wünsche und Vorstellungen der beiden nachgedacht wurde. Nicht jede Entscheidung war leicht nachzuvollziehen, gerade weil Everett und Mary so unterschiedliche Vorstellungen von ihrer Zukunft haben. An manchen Stellen hätte die Geschichte für meinen Geschmack ruhig etwas mehr Spannung haben dürfen.
    Trotzdem hat mir die Geschichte insgesamt gefallen. Everett möchte auf seiner Farm bleiben, während Mary von einem anderen Leben träumt. Seine Familie und das Land, auf dem er aufgewachsen ist, sind ihm sehr wichtig. Dadurch wird es umso schwieriger für ihn, eine Entscheidung zu treffen, bei der auch seine Gefühle für Mary eine Rolle spielen.
    4 Sterne
    Wo die Liebe Wurzeln schlägt (Liebesroman)

    Josefine Weiss
    Wo die Liebe Wurzeln schlägt (Liebesroman) (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    03.09.2026

    Wenn das Herz wieder hoffen darf

    Vivien lebt nach dem Tod ihres Mannes sehr zurückgezogen und hält an der Vergangenheit fest. Erst ein Wasserschaden bringt sie dazu, ihr gewohntes Umfeld zu verlassen und in ihr Heimatdorf zurückzukehren. Dieser Schritt ist für sie nicht einfach, denn vieles erinnert sie dort an früher.
    Am Fluss findet sie den Wurzelgarten. Dass Menschen dort Briefe für Verstorbene hinterlassen, fand ich eine schöne Idee. Es ist ein Ort, an dem Vivien mit ihrer Trauer umgehen kann, ohne viele Worte dafür finden zu müssen.                                      Auch Marlon spielt dabei eine wichtige Rolle. Er begegnet Vivien mit viel Geduld und drängt sie zu nichts. Vivien braucht diese Zeit, denn sie hat sich lange davor geschützt, wieder jemanden an sich heranzulassen. Zwischen den beiden entsteht deshalb nicht sofort eine große Liebesgeschichte. Erst wächst Vertrauen, dann kommt die Nähe.
    Viviens Umgang mit ihrer Vergangenheit hat mich beim Lesen beschäftigt. Sie muss ihren Mann nicht vergessen, um wieder glücklich werden zu können. Dieser Gedanke gehört für mich zu den schönen Seiten der Geschichte. Ihre Trauer bleibt ein Teil ihres Lebens, aber sie darf trotzdem wieder nach vorne schauen.
    Vivien wird nicht von heute auf morgen zu einem anderen Menschen, sondern verändert sich langsam durch ihre Begegnungen und durch die Zeit im Heimatdorf. Auch ihre Gefühle für Marlon entwickeln sich in ihrem eigenen Tempo. 
    Die Geschichte verbindet Trauer und Liebe auf eine ruhige Weise. Es geht um einen Menschen, der nach einem schweren Verlust erst wieder lernen muss, Vertrauen zu fassen und das Leben anzunehmen. Besonders der Gedanke, dass Erinnerungen bleiben dürfen und trotzdem etwas Neues entstehen kann, hat mich durch die Geschichte begleitet.
    4 Sterne.
    Niederegger - Der Traum vom edlen Genuss

    Lena Johannson
    Niederegger - Der Traum vom edlen Genuss (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    01.09.2026

    Süße Träume, schwere Zeiten

    Die Geschichte über die Anfänge von Niederegger hat mir sehr gut gefallen. Die Mischung aus der Geschichte dieser Zeit, den persönlichen Schicksalen und dem Thema Marzipan fand ich gelungen. Das Buch war für mich dadurch interessant und gleichzeitig angenehm zu lesen.
    Johann arbeitet als Geselle in einer Lübecker Konditorei. Er möchte nicht sein ganzes Leben dort bleiben, sondern hat eigene Pläne. Seine Idee, selbst Marzipan herzustellen, bringt ihn seinem Ziel ein Stück näher. Anna steht an seiner Seite und auch ihre gemeinsame Geschichte nimmt einen guten Platz im Roman ein. Beide müssen einiges durchmachen und lassen sich trotzdem nicht so leicht von ihren Plänen abbringen.
    Auch das Leben in Lübeck um 1800 wird gut vermittelt. Die Arbeit in der Konditorei, der Handel und die Bedeutung der Mandeln passen gut zu dieser Zeit. Dabei lässt sich einiges über die damaligen Lebensbedingungen erfahren, ohne dass die Geschichte dadurch trocken wird.
    Die Entwicklung rund um die Entstehung von Niederegger fand ich sehr spannend. Man bekommt einen guten Eindruck davon, wie viel Arbeit und Mut nötig waren, bis aus einer Idee ein Unternehmen werden konnte. Dazu kommen echte Personen und Ereignisse aus der damaligen Zeit.
    Die Beschreibungen aus der Konditorei haben mir ebenfalls gefallen. Beim Lesen konnte man sich die vielen Köstlichkeiten und natürlich auch das Marzipan gut vorstellen. Da bekommt man schon Lust, selbst einmal wieder Marzipan zu essen.
    Mit Johann und Anna geht es nicht immer nur bergauf. Es gibt schöne Momente, aber auch Enttäuschungen und Entscheidungen, die Johann und Anna nicht leichtfallen. An manchen Stellen hat mich ihre Geschichte berührt. Vor allem, dass sie trotz der vielen Probleme nicht aufgeben, war teilweise sehr bewegend.
    Am Ende bleibt für mich eine unterhaltsame Geschichte mit vielen Einblicken in die damalige Zeit. Die Anfänge von Niederegger wurden dabei auf eine Art erzählt, die sich gut lesen lässt. Johann und Anna waren Figuren, deren Weg ich gern verfolgt habe. Und nach den vielen Marzipanbeschreibungen bekommt man fast automatisch Appetit auf ein Stück dieser süßen Verführung. Für mich sind das 5 Sterne.
    Buckeye

    Patrick Ryan
    Buckeye (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    31.08.2026

    Liebe, Schuld und alte Geheimnisse

    In Bonhomie, einer kleinen Stadt in Ohio, treffen die Lebenswege von Cal, Margaret, Becky und Felix aufeinander. Was 1945 mit einem Kuss beginnt, bleibt nicht ohne Folgen. Aus dieser Begegnung entwickelt sich eine Geschichte, die die beiden Familien lange miteinander verbindet.
    Beim Lesen geht es bald um mehr als um die Beziehung zwischen Cal und Margaret. Die beiden treffen eine Entscheidung, deren Folgen sie nicht einfach hinter sich lassen können. Auch die anderen Familienmitglieder haben ihre eigenen Wünsche, Sorgen und Geheimnisse.
    Die Figuren machen Fehler und treffen Entscheidungen, die nicht immer leicht zu verstehen sind. Gerade das machte sie für mich glaubwürdig. Niemand ist nur gut oder schlecht. Jeder versucht auf seine Weise, mit dem eigenen Leben klarzukommen.
    Interessant fand ich auch die Zeit, in der die Geschichte spielt. Das Leben in der kleinen Stadt nach dem Krieg wird anschaulich beschrieben. Gleichzeitig verändert sich Amerika und diese Veränderungen gehen auch an den Familien nicht vorbei. Später spielt der Vietnamkrieg eine Rolle und bringt neue Probleme mit sich.
    Die Handlung ist eher ruhig erzählt und nimmt sich viel Zeit für die einzelnen Personen. Manchmal war mir das etwas zu ausführlich. Trotzdem wollte man wissen, wie es mit den Familien weitergeht und was aus dem alten Geheimnis wird.
    Einige Stellen haben mich nachdenklich gemacht. Vor allem die Frage, was ein Geheimnis mit einer Familie machen kann, zieht sich durch die Geschichte. Auch Schuld und Vergebung kommen immer wieder zur Sprache.
    Zum Ende hin werden viele offene Dinge geklärt. Nach so vielen Jahren mit den Figuren bleibt ein etwas wehmütiges Gefühl zurück. Manche Entscheidungen können eben nicht mehr geändert werden.
    Ein Familienroman mit einer ruhigen Erzählweise, mehreren Generationen und einem Geheimnis, das lange nicht ausgesprochen wird. Vier Sterne.
    Laura Clark ist dann mal weg

    Helen Russell
    Laura Clark ist dann mal weg (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    31.08.2026

    Wenn Laura einfach nicht mehr mitmacht

    Laura Clark ist weg. Einfach weg. Und erst als sie nicht mehr da ist, fällt ihrem Umfeld auf, wie selbstverständlich sie sich um alles gekümmert hat.
    Genau dieser Gedanke hat mich beim Lesen immer wieder beschäftigt. Laura scheint die Frau zu sein, die sich um die Familie kümmert, im Büro alles auffängt und auch für andere noch ein offenes Ohr hat. Solange sie da ist, wird vieles einfach hingenommen. Erst als sie fehlt, wird sichtbar, wie viel an ihr hängen geblieben ist.
    Dabei ist die Geschichte nicht nur ernst. Es gibt einige Situationen, bei denen man schon schmunzeln muss. Besonders im Büro und auch bei Mark zu Hause läuft einiges aus dem Ruder. Die Suche nach Laura wird dadurch immer wieder aufgelockert, ohne dass das eigentliche Thema verloren geht.
    Auch Sian fand ich interessant. Sie sucht zwischen Wäschebergen nach Antworten und muss dabei wohl selbst erst verstehen, wie wenig sie eigentlich über das Leben ihrer Mutter weiß. Solche kleinen Momente haben mir besser gefallen als große dramatische Szenen.
    Überhaupt geht es gar nicht nur darum, wo Laura geblieben ist. Viel interessanter ist die Frage, warum eine Frau, die immer für alle da war, irgendwann einfach nicht mehr kann oder nicht mehr will. Das wirkt zunächst vielleicht etwas ungewöhnlich, aber je mehr man über Laura und ihr Leben erfährt, desto verständlicher wird ihr Wunsch, einmal nur an sich selbst zu denken.
    Beim Lesen gab es immer wieder Stellen zum Schmunzeln, aber auch solche, bei denen kurz der Gedanke kam: Wie oft macht man eigentlich etwas für andere, obwohl man selbst längst keine Lust oder Kraft mehr dazu hat?
    Die Geschichte hat mir gerade deshalb gefallen, weil sie dieses Thema nicht schwer macht. Sie erzählt mit Humor von einer Frau, die irgendwann ihre eigene Grenze erreicht hat. Und während alle anderen noch überlegen, wo Laura sein könnte, muss ihr Umfeld ganz nebenbei lernen, ohne sie klarzukommen.
    Ein unterhaltsames Buch mit einer einfachen, aber durchaus wichtigen Frage dahinter: Was passiert, wenn jemand, der sonst immer für alle da ist, plötzlich einmal sich selbst an die erste Stelle setzt?
    5 Sterne.
    Hummerjahre

    Beatrix Gerstberger
    Hummerjahre (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    30.08.2026

    Eine Rückkehr mit Folgen

    Die Geschichte auf Eagle Island hat mich wieder schnell in ihre Welt hineingezogen. Dabei geht es erneut um Menschen, deren Leben schon im ersten Band eine wichtige Rolle gespielt haben. Gleichzeitig bekommen einige Dinge aus der Vergangenheit noch einmal eine andere Bedeutung.
    Besonders Julie ist mir beim Lesen nahegegangen. Nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Freundin ist Julie zunächst sehr allein. Trotzdem versucht sie, wieder etwas mehr am Leben teilzunehmen und nicht nur auf das zu schauen, was sie verloren hat. Gerade diese Entwicklung fand ich sehr gelungen.
    Auch Mina und ihre Familie haben einiges aus der Vergangenheit mit sich herumzutragen. Auf Eagle Island kommen Dinge wieder zur Sprache, die lange zurückliegen. Dabei geht es um Liebe, Enttäuschungen und um die Frage, ob man irgendwann mit dem Vergangenen abschließen kann.
    Die Figuren wirken sehr menschlich. Niemand macht immer alles richtig und manche Entscheidungen waren beim Lesen nicht leicht nachzuvollziehen. Trotzdem konnte man verstehen, warum die Menschen so handeln. Gerade diese unterschiedlichen Seiten haben die Geschichte für mich glaubwürdig gemacht.
    Eagle Island selbst gehört für mich einfach zu dieser Geschichte dazu. Das Meer, die Hummerboote und das alte Ferienhaus geben dem Ganzen den passenden Rahmen. Manche Szenen waren traurig, andere haben wieder Hoffnung gegeben.
    Viele Dinge entwickeln sich eher langsam. Gespräche und Begegnungen sorgen dafür, dass sich nach und nach etwas verändert. Das hat für mich gut zur Geschichte gepasst.
    Hummerjahre ist für mich ein stimmiger Abschluss der Hummerfrauen-Reihe. Verlust, Erinnerungen und die Menschen, die einem im Leben wichtig sind, spielen eine große Rolle. Gerade Julies Umgang mit ihrer Vergangenheit hat mich beschäftigt und auch nach dem Lesen noch etwas begleitet.
    Am Ende bleibt eine Geschichte über Frauen, die trotz mancher schweren Erfahrungen ihren eigenen Weg suchen. Die Gefühle wirken dabei nicht überzogen, sondern passen zu den Figuren und ihren Erlebnissen. Dafür vergebe ich sehr gerne 5 Sterne.
    Goodbye, Honeysuckle

    Tayari Jones
    Goodbye, Honeysuckle (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    29.08.2026

    Berührend

    Vernice und Annie sind zwei junge Frauen, die schon früh mit einer großen Lücke in ihrem Leben leben müssen. Beide kennen ihre Mütter nicht. Trotzdem gehen sie ganz unterschiedliche Wege. Während Vernice zum Studium nach Atlanta geht, verschlägt es Annie nach Memphis. Ihre Freundschaft bleibt dabei bestehen und die Briefe zwischen ihnen sind ein schöner Teil der Geschichte.
    Besonders Annie hat mich beschäftigt. Sie arbeitet in einem Nachtclub und wartet gleichzeitig darauf, dass ihre Mutter eines Tages auftaucht. Diese Hoffnung lässt sie nicht los. Auch Vernice macht ihre eigenen Erfahrungen und beginnt, ihr Leben mehr und mehr selbst in die Hand zu nehmen. Beide Frauen entwickeln sich weiter, ohne dass ihre Freundschaft dabei verloren geht.
    Die Geschichte spielt in einer Zeit, in der Schwarze Frauen in Amerika mit vielen Einschränkungen leben mussten. Das wird nicht nur nebenbei erwähnt, sondern gehört ganz selbstverständlich zu ihrem Alltag. Dadurch wird verständlich, warum manche Entscheidungen für Vernice und Annie nicht so einfach sind.
    Die Briefe zwischen den beiden haben der Geschichte für mich etwas Besonderes gegeben. Sie zeigen, was sie voneinander wissen und was sie sich vielleicht nur gegenseitig erzählen können. Man merkt, dass diese Freundschaft für beide wichtig ist, auch wenn sie ihr Leben weit voneinander entfernt führen.
    Nicht alles hat mich gleich stark erreicht. Manches hätte für meinen Geschmack etwas schneller erzählt werden können. Trotzdem waren mir die beiden Frauen beim Lesen nicht gleichgültig. Gerade ihre unterschiedlichen Lebenswege und die Frage nach ihren Müttern haben mich immer wieder zur Geschichte zurückgeführt.
    Am Ende bleibt vor allem eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die Menschen, die uns fehlen. Sie zeigt, dass die Vergangenheit nicht einfach verschwindet, nur weil man sein eigenes Leben beginnt. Insgesamt war es für mich ein bewegender Roman, der mir trotz kleiner Längen gut gefallen hat und für den es von mir 4 Sterne gibt.
    Im Licht des neuen Tages

    Jarka Kubsova
    Im Licht des neuen Tages (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    27.08.2026

    Die Geschichte einer vergessenen Frau

    Die Handlung dieses Romans entwickelt sich in einem ruhigen Tempo und lässt den Figuren viel Raum. Elli Hajek zieht sich zum Schreiben in ein abgelegenes Haus im böhmischen Wald zurück. Dort beschäftigt sie sich immer mehr mit Viktorka, von der ihre tschechische Großmutter erzählt hat. Je mehr Elli über sie herausfindet, desto stärker wird auch ihre eigene Vergangenheit zum Thema.
    Je weiter Elli in Viktorkas Leben eintaucht, desto mehr Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Frauen werden sichtbar. Trotz der unterschiedlichen Zeiten verbindet die beiden mehr, als zunächst zu erkennen ist. Beide müssen ihren eigenen Weg finden und sich mit Dingen auseinandersetzen, die lange verdrängt oder von anderen beurteilt wurden. Dadurch bekommt die Handlung mehr Tiefe, ohne dass sie ständig im Vordergrund stehen muss.
    Der böhmische Wald wird sehr anschaulich beschrieben und bekommt dadurch seinen eigenen Platz im Roman. Farn, Wege und das Wasser konnte man sich beim Lesen gut vorstellen. Gleichzeitig hat dieser Ort etwas Geheimnisvolles, das gut zu Viktorkas Leben passt.
    Ellis persönliche Suche fand ich ebenfalls interessant. Eigentlich möchte sie in dem abgelegenen Haus an ihrem Buch arbeiten. Stattdessen kommt sie immer mehr ihrer eigenen Vergangenheit näher. Ihre Reise nach Tschechien wird dadurch zu mehr als einer Suche nach Viktorkas Wahrheit. Dabei geht es immer wieder um alte Erinnerungen, die eigene Herkunft und das, was man lange hinter sich lassen wollte.
    Die Handlung wird eher ruhig erzählt und ist stellenweise märchenhaft. Manches erschließt sich erst nach und nach. Das langsame Tempo hat für mich meistens gut gepasst, auch wenn es zwischendurch etwas zügiger hätte sein dürfen.
    Gut gelungen ist außerdem, dass Frauen und ihre Lebenswege eine wichtige Rolle spielen. Dabei zeigt sich auch, wie wenig Frauen früher selbst über ihr Leben bestimmen konnten und wie schnell andere über sie urteilten, wenn sie nicht den Vorstellungen ihrer Zeit entsprachen. Dadurch bekommt Viktorkas Leben eine größere Bedeutung und bleibt nicht nur ihre persönliche Geschichte.
    Am Ende bleibt vor allem ein ruhiger und nachdenklicher Eindruck zurück. Nicht jede Stelle hat mich gleich stark erreicht, aber die Verbindung von Elli und Viktorka, der böhmische Wald und die Fragen nach Herkunft und Freiheit haben mir gut gefallen. Ein Roman, für den man sich Zeit nehmen sollte und der noch ein wenig zum Nachdenken einlädt. 4 Sterne.
    Das Seebad am Nordseestrand

    Regine Kölpin
    Das Seebad am Nordseestrand (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    23.08.2026

    Zwischen Ebbe und Aufbruch

    Wangerooge im Jahr 1829 ist der Schauplatz dieser Geschichte. Im Mittelpunkt stehen Bernhardine Westing und Beeke Tammen. Beide Frauen leben unter ganz unterschiedlichen Bedingungen und gehen trotzdem ein Stück ihres Weges gemeinsam.
    Bernhardine weiß genau, was sie erreichen möchte. Sie will aus dem kleinen Seebad etwas Besonderes machen und nimmt dabei wenig Rücksicht darauf, ob alle Inselbewohner ihre Pläne gutheißen. Beeke kommt aus einer ganz anderen Welt. Ihre Arbeit in Bernhardines Küche eröffnet ihr neue Möglichkeiten und verändert nach und nach auch ihren Blick auf das eigene Leben.
    Beim Lesen habe ich die beiden Frauen gern begleitet. Gerade weil sie so verschieden sind, war es spannend zu sehen, wie sich ihr Verhältnis entwickelt. Nicht alles läuft glatt und manche Entscheidungen haben Folgen, mit denen beide umgehen müssen. Dadurch wirkte ihre Verbindung für mich nicht künstlich, sondern nachvollziehbar.
    Auch das Leben auf Wangerooge hat seinen Platz in der Geschichte. Vieles ist noch einfach und das Seebad muss sich erst entwickeln. Bernhardine hat dabei klare Vorstellungen und setzt diese auf ihre eigene Art durch. Das sorgt natürlich nicht überall für Begeisterung.
    Beeke hat mir als Figur besonders gefallen. Sie bleibt nicht die junge Frau, die am Anfang der Geschichte in Bernhardines Küche arbeitet. Mit ihren Aufgaben verändert sich auch ihr eigenes Leben. Es war schön zu verfolgen, wie sie selbstständiger wird und mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten gewinnt.
    Die Beschreibungen der Insel und des damaligen Lebens haben mir ein gutes Bild von dieser Zeit vermittelt. Man bekommt einiges vom Alltag der Menschen mit, ohne dass die Geschichte dadurch zu einem Geschichtsbuch wird. Einige Abschnitte waren für mich besonders schön zu lesen, an anderen Stellen hätte es ruhig etwas schneller weitergehen dürfen.
    Die Geschichte hat mir insgesamt gut gefallen. Vor allem Beeke, Bernhardine und das Verhältnis der beiden haben dafür gesorgt, dass ich gerne weitergelesen habe. Dazu kommt die interessante Zeit, in der sich Wangerooge langsam zu einem richtigen Seebad entwickelt.
    Ein schöner historischer Roman mit zwei unterschiedlichen Frauen, deren Wege sich auf besondere Weise verbinden. Von mir gibt es 4 Sterne.
    Septemberkinder 89

    Krisz Hardy
    Septemberkinder 89 (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    22.08.2026

    Zwei Rucksäcke, eine große Hoffnung und ein langer Weg

    Paul ist dreizehn Jahre alt, als er plötzlich für seine kleine Schwester Michaela da sein muss. Die Eltern sind weg und von einem Tag auf den anderen liegt eine Aufgabe vor ihm, die eigentlich viel zu groß für einen Jungen in seinem Alter ist. Gemeinsam mit der neunjährigen Michi macht er sich auf den Weg, immer in der Hoffnung, seine Familie wiederzufinden.
    Was während der Reise immer wieder auffällt, ist die Nähe zwischen den beiden Geschwistern. Paul versucht, Michi zu schützen und ihr Sicherheit zu geben, auch wenn er selbst oft nicht weiß, wie es weitergeht. Michi wiederum vertraut ihrem Bruder und hält zu ihm. Gerade diese Verbindung macht viele Situationen sehr nah.
    Die Flucht durch die Wälder der Tschechoslowakei ist für die beiden Kinder nicht einfach. Sie sind müde, haben Angst und wissen nicht, was sie erwartet. Trotzdem gehen sie weiter. Dabei zeigt sich, wie viel Kraft in kleinen Momenten liegen kann. Ein Mensch, der hilft, ein paar freundliche Worte oder das Gefühl, nicht ganz allein zu sein, bedeuten plötzlich sehr viel.
    Krisz Hardy nimmt die Leser mit in die letzten Wochen der DDR und erzählt diese Zeit aus der Sicht eines Kindes. Dadurch erlebt man die Ereignisse nicht aus der Entfernung, sondern bleibt nah bei Paul und Michi. Die Unsicherheit dieser Zeit wird spürbar, ohne dass die Geschichte mit geschichtlichen Erklärungen überladen wird.
    Mir ist vor allem Pauls Entwicklung im Gedächtnis geblieben. Er muss schnell Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen, die kein Kind treffen sollte. Trotzdem bleibt er ein Junge mit Ängsten und Zweifeln. Genau das macht seinen Weg glaubhaft.
    Die Begegnungen, die Paul und Michi unterwegs haben, geben der Geschichte immer wieder besondere Momente. Sie zeigen, dass es auch in schwierigen Zeiten Menschen gibt, die nicht wegsehen und helfen, wenn es darauf ankommt.
    Die Geschichte lebt von der Beziehung der beiden Geschwister. Es geht um Familie, um Hoffnung und um den Wunsch, wieder dort anzukommen, wo man hingehört. Gerade diese einfachen Gedanken machen das Buch so nah.
    Ein berührender Roman über zwei Kinder, die in einer schweren Zeit füreinander einstehen. Die Geschichte von Paul und Michi hat mich sehr bewegt und bekommt von mir vier Sterne.
    Irma tanzt

    Helene Bracht
    Irma tanzt (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    21.08.2026

    Ein Leben voller Spuren

    Dieses Buch hat mich auf eine ruhige Art beschäftigt. Im Mittelpunkt steht Irma, eine alte Frau, deren Leben von den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts geprägt wurde. Krieg, Gewalt und die engen Vorstellungen ihrer Zeit haben Spuren hinterlassen. Trotzdem hat Irma sich ihre Freude am Leben und ihre Sehnsucht bewahrt.
    Die Verbindung zwischen Irma und ihrer Tochter fand ich besonders interessant. Erst mit der Zeit wird deutlich, was die Mutter alles mit sich getragen hat. Für die Tochter ist es nicht immer einfach, auf das Leben ihrer Mutter zu schauen. Vieles lässt sich erst später einordnen. Dabei wird Irma immer mehr als Frau mit ihren eigenen Wünschen und Erfahrungen sichtbar und nicht nur als Mutter.
    Eine Szene ist mir besonders nahegegangen. Irma tanzt noch einmal und wirkt dabei für einen kurzen Moment ganz leicht. Dieser Augenblick sagt für mich mehr über diese Frau aus als viele Erklärungen. Trotz ihrer schweren Erfahrungen ist da noch diese Freude, die sie sich bewahrt hat.
    Die Geschichte ist nicht leicht, aber sie wird ohne große Worte erzählt. Einige Gedanken habe ich nach dem Lesen noch mitgenommen. Vor allem die Frage, wie wenig man manchmal über das Leben der eigenen Eltern weiß und wie spät manches erst verständlich wird.
    Nicht jede Passage hat mich gleichermaßen erreicht, deshalb sind es für mich vier Sterne. Trotzdem ist es ein Buch, das einen Menschen und sein Leben sehr persönlich betrachtet. Irma mit ihrer Lebensgeschichte wird mir sicher noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. 4 Sterne
    Die Leuchtturmschwester

    Lori Kilian
    Die Leuchtturmschwester (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    18.08.2026

    Unterhaltsam

    Die Geschichte führt auf die schottischen Hebriden und damit an einen Ort, der mir beim Lesen besonders gut gefallen hat. Das Leben dort ist einfach und oft rau, das Meer gehört zum Alltag und die abgelegenen Leuchttürme geben der Geschichte einen besonderen Rahmen.
    Eliza kommt nach Jahren zurück und arbeitet dort als Krankenschwester. Sie kümmert sich um die Familien der Leuchtturmwärter und hofft gleichzeitig, ihrer Schwester Màiri wieder näherzukommen. Dabei wird nach und nach deutlich, dass Eliza einiges aus ihrer Vergangenheit mit sich herumträgt. Gerade diese persönliche Seite hat die Geschichte für mich interessant gemacht.
    Auch Aidan ist kein unbeschwerter Mensch. Seine Erfahrungen aus dem Krieg haben Spuren hinterlassen und er lebt bewusst zurückgezogen. Zwischen ihm und Eliza entwickelt sich langsam eine Verbindung. Das hat mir besser gefallen als eine schnelle Liebesgeschichte, denn beide müssen erst wieder Vertrauen fassen.
    Die Handlung ist insgesamt ruhig erzählt. Das passt zwar gut zur abgeschiedenen Umgebung, trotzdem gab es für mich einige Stellen, an denen etwas mehr Spannung schön gewesen wäre. Dadurch kam die Geschichte nicht immer gleich gut voran.
    Trotzdem habe ich Eliza gern begleitet. Ihre Arbeit, die Beziehung zu ihrer Schwester und die Begegnung mit Aidan geben der Geschichte mehrere Seiten. Dazu kommt die besondere Landschaft Schottlands, die beim Lesen immer wieder präsent ist.
    Alles in allem war es eine schöne und angenehm zu lesende Geschichte, die mich gut unterhalten hat. Ein paar spannende Momente mehr hätten mir noch besser gefallen. Deshalb gibt es von mir vier Sterne.
    Die Walzerkönigin

    Sina Beerwald
    Die Walzerkönigin (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.08.2026

    Als aus Freundschaft Rivalität wurde

    Anna und Emilie sind zunächst befreundet. Doch Johann Strauss bringt vieles zwischen den beiden Frauen durcheinander. Aus der Freundschaft wird schließlich ein Streit, der sich durch die Geschichte zieht. Anna hat es dabei besonders schwer. Nach der Trennung von Johann steht sie mit sechs Kindern da und muss ihr Leben neu ordnen.
    Anna war für mich eine Figur, die ich gerne begleitet habe. Sie steckt den Kopf nicht in den Sand, sondern kümmert sich um ihre Kinder und sucht nach einer Möglichkeit, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Später setzt sie sich auch für den beruflichen Weg ihres Sohnes ein. Dabei macht sie nicht immer alles richtig, was sie für mich umso menschlicher wirken ließ.
    Bei Emilie fiel mir auf, dass auch sie ihre eigene Sicht auf die Dinge hat. Die beiden Frauen sind sich nicht gleichgültig, auch wenn ihre Freundschaft längst vorbei ist. Ihre Auseinandersetzungen waren für mich deshalb durchaus nachvollziehbar.
    Das Wien dieser Zeit wird ebenfalls gut eingefangen. Johann Strauss und seine Musik gehören dabei ganz selbstverständlich zur Handlung. Neben seinem Leben bekommt aber auch Anna viel Raum. Sie muss sich um ihre Kinder kümmern und gleichzeitig versuchen, sich etwas Eigenes aufzubauen. Auch der bekannte Walzer „An der schönen blauen Donau“ findet seinen Platz in der Geschichte.
    Besonders bei Anna und ihren Kindern gab es Momente, die mir nahegingen. Manchmal war ich traurig über das, was ihr widerfährt, an anderer Stelle habe ich mich über eine Entscheidung geärgert. Dadurch waren die Figuren für mich nicht einfach nur schwarz oder weiß.
    Nicht alles hat mich gleich stark erreicht. Ein paar Passagen hätten für meinen Geschmack kürzer sein dürfen. Trotzdem wollte ich wissen, wie sich die Lage zwischen Anna und Emilie weiterentwickelt und welchen Weg Anna am Ende einschlägt.
    Am Ende bleibt vor allem Anna bei mir. Sie muss einiges einstecken und findet trotzdem immer wieder die Kraft, weiterzumachen. Dazu kommen das alte Wien, die Musik und die Familie Strauss. Insgesamt war es für mich eine lesenswerte historische Geschichte, die 4 Sterne bekommt.
    Sommerblitz aus dem Süden

    Henning von Amrum
    Sommerblitz aus dem Süden (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    16.08.2026

    Ein Auftakt mit vielen Wegen

    Hans wächst mit der Jolle auf und entscheidet sich für die kaiserliche Marine. Damit geht er einen Weg, der auch mit der Geschichte seiner Familie zu tun hat. Seine Geschwister haben dagegen ganz andere Vorstellungen. Seine Schwester möchte als Studentin ihren eigenen Weg gehen, ein Bruder findet seinen Platz im internationalen Handel und Hans zieht es zur Marine. Gerade diese unterschiedlichen Wege fand ich interessant, weil dadurch jeder in der Familie seine eigene Geschichte bekommt.
    Dann begegnet Hans Lucia aus Bologna. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebe, die es nicht leicht hat. Sie leben weit voneinander entfernt und auch die Erwartungen ihrer Familien machen vieles schwieriger. Dazu kommen die politischen Spannungen dieser Jahre. Als Lucias Bruder Carlo als Offizier der italienischen Marine in die Ereignisse hineingezogen wird, bekommt auch Hans' Leben eine andere Richtung.
    Beim Lesen entsteht ein schönes Bild von Kiel zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Stadt wächst, die Marine wird immer wichtiger und überall ist dieser Aufbruch zu spüren. Gleichzeitig hält die Familie Kronowetter an ihren Vorstellungen fest. Beides passt gut zusammen und macht die Zeit glaubwürdig.
    Die Geschichte zwischen Hans und Lucia bringt dabei etwas Persönliches hinein. Ihre Herkunft aus Bologna und sein Leben in Kiel könnten kaum unterschiedlicher sein. Trotzdem fühlt sich ihre Verbindung nicht fehl am Platz an. Gerade weil immer wieder etwas dazwischenkommt, bleibt man bei den beiden und möchte wissen, ob ihre Liebe überhaupt eine Chance bekommt.
    Auch die politischen Ereignisse werden für die Figuren spürbar. Der Aufmarsch gegen das Osmanische Reich ist nicht nur ein historischer Hintergrund. Für Hans wird daraus eine persönliche Entscheidung, bei der es um mehr geht als um seine berufliche Zukunft.
    Überhaupt geht es viel darum, den eigenen Platz im Leben zu finden. Die jungen Menschen in der Familie haben ihre eigenen Wünsche und müssen sich trotzdem mit den Vorstellungen ihrer Eltern auseinandersetzen. Das war für mich ein schöner Teil der Geschichte, weil es zeigt, dass sich manche Fragen trotz der vielen Jahre dazwischen gar nicht so sehr verändert haben.
    Die Wechsel zwischen Kiel und der Emilia-Romagna bringen Abwechslung in die Geschichte. Gleichzeitig lernt man verschiedene Lebenswelten kennen und bekommt einen guten Eindruck davon, wie eng die Familien miteinander verbunden sind. Die Entfernung zwischen den Orten ist dabei immer wieder zu spüren.
    Beim Lesen hat mir besonders gefallen, wie die persönlichen Geschichten langsam mit den großen Veränderungen dieser Zeit zusammenwachsen. Es geht um Familie und Liebe, aber eben auch um Entscheidungen, die durch die politischen Entwicklungen plötzlich ganz anders aussehen können.
    Am Ende sind noch viele Wege offen. Gerade bei Hans und Lucia möchte man wissen, was aus ihrer Verbindung wird und welche Entscheidungen noch auf die Familie zukommen. Deshalb macht der erste Band neugierig auf die Fortsetzung.
    Der Auftakt verbindet eine Familiengeschichte mit Marine, Liebe und den politischen Veränderungen der Jahre 1910 bis 1912. Dabei stehen die Menschen und ihre Entscheidungen im Mittelpunkt. Die Geschichte hat viel Inhalt, bleibt aber gut lesbar und vermittelt nebenbei ein interessantes Bild dieser Zeit.
    5 Sterne.
    1 bis 25 von 795 Rezensionen
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