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    2. Alle Rezensionen von Denis Model bei jpc.de

    Denis Model

    Aktiv seit: 25. November 2023
    "Hilfreich"-Bewertungen: 516

    Bitte beachten Sie

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    148 Rezensionen

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    The Tortured Poets Department: The Anthology (Marbled Translucent Vinyl)

    Taylor Swift
    The Tortured Poets Department: The Anthology (Marbled Translucent Vinyl) (LP)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.10.2026
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    4 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Im neuen Club der lebenden Dichter: Hat jemand schon einmal so viel auf einer Album-Special-Edition angeboten?

    Wetten, dass die Nachfrage nach Schreibmaschinen gestiegen ist, wenn Taylor Swift als Vorbild für Millionen von Fans sie in ihren Liedern umschwärmt? Die Romantik vom Club der lebenden Dichter, welche FOMO an die Vergangenheit schieben, sich für etwas Besonderes halten und ohne Ende Nostalgiegefühle spüren, ist in allen Titeln von THE TORTURED POETS DEPARTMENT spürbar, ohne dass das lyrische Ich unsympathisch herüberkommt. Bekannte Namen wie Patti Smith und das Chelsea Hotel fallen während TayTay so singt und nachdenklich wirkt wie Lana Del Rey. Sowohl Swift als auch Del Rey verwenden für ihre bedeutungsschweren Strophen, die zumeist toxischen Beziehungs- und Trennungsschmerz abhandeln, ihr mit Melancholie angefülltes Tieftonregister. Selten bricht Swift dann in typische Popkonventionen aus, weil sie geneigten Hörern einen eingängigen Singsang-Refrain bietet wie in der tragenden Single FORTNIGHT mit Post Malone, dem stampfenden MY BOY ONLY BREAKS HIS FAVORITE TOYS (was für ein Titelname, tatsächlich Anspieltipp!) und GUILTY AS SIN, das harmonietechnisch ein bisschen was von Harry Styles‘ Hit AS IT WAS hat. FLORIDA!!! ist wegen des Beitrags von Florence + the Machine etwas ganz Besonderes, weil es eigentlich eher nach Florence als nach Taylor klingt und den Exoten auf TTPD darstellt, nur eben in sehr gut.
    Selten hat eine Künstlerin so viel mehr zu berichten wie Taylor Swift mit ihrer Special Edition von TTPD, die den Untertitel THE ANTHOLOGY trägt. Die Kennzahlen haben es in sich. Genau genommen hat man es mit dem Material für 2 Alben zu tun. 31 verschiedene Lieder plus 4 alternative Akustikversionen bereits vorhandener Nummern, also keine Remixe, keine Verschandlungen bekannter und heißgeliebter Songs, keine Mogelpackung, kein Angebot alten Weins in neuen Schläuchen… Taylor Swift hat hier ein besonderes Paket geschnürt und vom altbewährten Jack Antonoff produktionstechnisch veredeln lassen. Ach, der Herr arbeitet nebenbei bemerkt auch für Lana und Florence. Allein THE PROPHECY und CASSANDRA rechtfertigen schon den Kauf des auf den ersten Blick nicht gerade günstigen 4-LP-Sets in beige-halbtransparenter Vinylfarbe mit gelegentlichen schwarzen Sprenkeln im einmal aufklappbaren Gatefold mit einem etwa 12 Zoll großen Artprint, der auf das dünnste Papier dieser Welt gedruckt wurde. Bei knapp 2,5 Stunden gibt es jedoch fürchterlich viel (Gutes) zu entdecken.
    Meine Produktempfehlungen
    • Chemtrails Over The Country Club Lana Del Rey
      Chemtrails Over The Country Club (LP)
    Bass Persuades

    Miley
    Bass Persuades (LP)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    20.09.2026
    Klang:
    3 von 5
    Musik:
    4 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Different Miley? BASS PERSUADES macht ihr "schwieriges Trio" komplett

    Für ihr 10. Studioalbum hat sich der ehemalige Disneystar Miley Cyrus allerlei Veränderungen unterzogen. Sie wechselt die Plattenfirma und legt ihren Nachnamen ab. Woran sie hingegen weiterhin festhält, ist Maxx Morando. Er ist nicht bloß ihr Verlobter, sondern ist seit ihrem Album ENDLESS SUMMER VACATION, einem Konzeptalbum über das Bewahren der Selbstachtung in einer toxischen Liebesbeziehung, engster Vertrauter, was die Kreation und Vision ihrer Musik betrifft.
    Irgendwie passt alles zusammen und irgendwie nicht. BASS PERSUADES reiht sich als Dritter in das „schwierige Trio“ von Mileys letzten Alben ein. Die Leadsingles sind allesamt von den Massen gefeiert worden, ob nun FLOWERS von ENDLESS SUMMER VACATION oder das stark am ABBA-Nostalgie-Discoschuppengefühl zehrende END OF THE WORLD ihres Opus Magnum SOMETHING BEAUTIFUL. Bei BASS PERSUADES ist es der dem Album gebende Titel, der als eine Art Nachhall des New Wave von Blondie mit sinnlichen Sprechteilen sofort zündet. Der Rest? Eher schwierig. Bis auf den düsteren Underground-Clubsound von INNOCENT WAYS und die ergreifende Ballade ORBIT will in den ersten Runden nicht viel bei mir persönlich hängenbleiben. Bei SOMETHING BEAUTIFUL gab es zumindest WALK OF FAME als ins Hier und Jetzt gebrachte 80er-Gay-Disco-Hymne und Zeichen für Hedonismus und sich selber richtig zu fühlen in Verbindung mit EVERY GIRL YOU EVER LOVED mit gesprochenen Einschüben von Supermodel Naomi Campbell. BASS PERSUADES ist diesmal wirklich viel mehr „artsy“ als die beiden als nicht gleich zugänglich geltenden Vorgänger.
    Trotzdem kann man sich das Album warm hören. LET’S GET MARRIED verströmt seichte Soulvibes im Stil von Prince, REDLIGHTS kramt wieder diesen nostalgischen Schunkel-Discocharme von END OF THE WORLD hervor, während sich AFTERMATH zu einem Banger entwickelt.
    Was ich persönlich bei Miley Cyrus‘ Werken seit ENDLESS SUMMER VACATION gelernt habe, ist die Tatsache, dass man Mileys Alben länger auf sich wirken lassen muss, da sie bewusst mit der Erwartungshaltung ihrer Fans und der Kritiker spielt, sie geradezu auf die Probe stellt. Das macht sie zum sympathischen Underdog mit rotziger Stimme, die ebenso einzigartig und fesselnd bleibt. Eins aber vorweg: Der abschließende Remix von BASS PERSUADES bleibt unnötiges Füllmaterial, das die Möglichkeit genommen hat, den Bonustrack SMILE, der nur auf ausgewählten CD- und Vinylpressungen zu verzeichnen ist, als Uptemposchätzchen in die reguläre Titelliste des Studioalbums aufzunehmen. Der Klang ist – wie gehabt – bewusst komprimiert, mitunter auch noisy-krachend (DIFFERENT RELIGION, vom Text her ganz Miley: ich erklärte dich zu meinem Gott, nun wechsle ich aber die Religion) und spielt mit überzogenen Bässen (INNOCENT WAYS); dennoch sitzt die Tiefe im ästhetischen Herzstück des Albums, nämlich BASS PERSUADES. Wäre schlimm, wenn man nicht getreu des Titels arbeiten würde, denn der Bass weiß auf jeden Fall schon mit Substanz zu überzeugen.
    Meine Produktempfehlungen
    • Something Beautiful Miley Cyrus
      Something Beautiful (LP)
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      Madame X (CD)
    Confessions On A Dance Floor (Limited Edition) (Silver Vinyl)

    Madonna
    Confessions On A Dance Floor (Limited Edition) (Silver Vinyl) (LP)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    19.09.2026
    Klang:
    3 von 5
    Musik:
    5 von 5
    Pressqualität:
    3 von 5

    Hat jemand auf der Tanzfläche feucht durchgewischt? Klanglich leider nicht so pralle wie erwartet

    Madonnas erste Geständnisse von 2005 könnte man so erklären, dass sie und ihr Produzent Stuart Price prägnante Schlüsselelemente aus Melodien jener Künstler entlehnt haben, welche popgeschichtlich das beste Futter für die Tanzflächen dieser Welt geliefert haben; diese wurden wiederum in einen neuen Kontext gesetzt. Alles wirkt so bekannt wie ein Freund aus Kindheitstagen, dessen Namen man vergessen hat, an den man sich dennoch ab und an gerne erinnert: ABBA (HUNG UP stellvertretend für GIMME! GIMME! GIMME!), die Pet Shop Boys (SORRY für IT'S A SIN, JUMP für WEST END GIRLS), Donna Summer (FUTURE LOVERS für I FEEL LOVE), Cher (FORBIDDEN LOVE für den weltraummäßigen Autotune, den Cher mit BELIEVE salonfähig gemacht hat), Ofra Haza (ISAAC für IM NIN'ALU, gewürzt mit den Madonna-typischen "Mmmms" im Refrain aus SECRET und FROZEN) und Depeche Mode (LIKE IT OR NOT für PERSONAL JESUS). Das Wohlig-Bekannte von damals bettet Madonna in ihren neuen Vibe ein, bei welchem sie der Welt an ihren Erfahrungen teilhaben lässt, die sie zum weltweiten Megastar gemacht haben. Die Leere, die sich einstellen kann, wenn man durch den Ruhm ganz oben angekommen ist und das normale Leben dafür opfert (HOW HIGH); dass die Gesellschaft es gerne sieht, Madonna mit Dreck zu bewerfen und zu kritisieren, weil es bequemer in allgemeine (misogyne) Konventionen passt. Madonna wäre aber nicht Madonna, wenn sie sich davon unterkriegen lassen würde (LIKE IT OR NOT als erster Anspieltipp, er gibt die Essenz wieder, die Madonnas künstlerisches Dasein ist). Zwischendurch treten einige ihrer größten bzw. geläufigsten Hits in Erscheinung: HUNG UP, SORRY, JUMP und GET TOGETHER. CONFESSIONS ON A DANCE FLOOR ist also ein Album, das sich perfekt zum Durchhören (und -tanzen) eignet, da es keine Hänger hat und quasi einmal kurz die Geschichte des Dance-Pop durchdekliniert. Der nahtlose Nonstop-Dance-Mix, der im ursprünglichen Erscheinungsjahr 2005 einzig für die CD konzipiert wurde, bietet sich daher seit jeher an, um das Homogene des Albums, welches es wie aus einem Guss wirken lässt, stärker herauszukitzeln. Zum 20. Jubiläum erscheint diese Art des Albums nun erstmals auf zwei silber-grauen Schallplatten. Der Mix unterscheidet sich übrigens von jenem, der 2024 exklusiv für das pinke Doppelvinyl in Argentinien angefertigt wurde. Die Seitenenden "faden" nicht aus, sondern haben die konkreten Enden, die man von der gewöhnlichen LP-Ausgabe, auch in pinker Vinylfarbe, aus kennt.
    Hat jemand auf der Tanzfläche feucht durchgewischt? Anders kann ich es mir nicht erklären, weshalb Madonnas 2005er CONFESSIONS so verwaschen klingen. Das Instrumental von GET TOGETHER wirkt total breiig, bei SORRY kommt ein nerviges Schnarren in der Stimme der Popqueen hinzu. Das kennt man leider nur zu gut, denn die reguläre Pressung, auf der alle 12 Titel ihren Anfang und ihr Ende haben, bricht leider ihre limitierten Klanginformationen ebenfalls auf das absolut Wesentliche herunter ohne an Tiefe und Bass zu gewinnen. Bei Dance-Pop eigentlich unverzeihlich! Man gewinnt schnell den Eindruck, dass es bei den CONFESSIONS nur verlustbehaftete Aufnahmen gibt, denn: Remastert ist hier rein gar nix! Wenigstens handelt es sich nicht um Etikettenschwindel, denn der Sticker gibt nur an, man hätte den Nonstop-Dance-Mix für die Analogvariante adaptiert. Mein Tipp: Unbedingt vor dem ersten Auflegen beide LPs einer Wäsche unterziehen, ansonsten knackt und poppt es an zahlreichen Stellen unangenehm! Im Vergleich zur pinken Variante weist die silbern schimmernde Version vermutlich wegen ihres Glanzes ein stärker wahrnehmbares Hintergrundgeräusch auf. Die Innenhüllen sind dafür gefüttert, was bei meinem pinken Exemplar, das ich im Jahr 2008 gekauft habe, nicht der Fall ist - also zumindest in diesem Punkt eine Verbesserung. Wer die reguläre Fassung von CONFESSIONS schon besitzt, kann sich die silberne Variante eigentlich schenken. Alle anderen können ohne Bedenken zugreifen, da die Übergänge zwischen den Liedern das Gesamtkonzept von Tanz mit Hand und Fuß am besten verinnerlicht.
    Meine Produktempfehlungen
    • Confessions On A Dance Floor (Limited Edition) (Pink Vinyl) Madonna
      Confessions On A Dance Floor (Limited Edition) (Pink Vinyl) (LP)
    • Discography: The Complete Singles Collection (2023 Remaster) Pet Shop Boys
      Discography: The Complete Singles Collection (2023 Remaster) (LP)
    Aquarium (Limited Edition) (Light Blue Vinyl)

    Aqua
    Aquarium (Limited Edition) (Light Blue Vinyl) (LP)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    13.09.2026
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    5 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Das 90er-Gefühl von Techno und Technik, konserviert auf einer blauen Schallplatte

    1997 wurde man dafür belächelt, wenn man die erste CD von Aqua im Haushalt hatte (obwohl ziemlich viele Haushalte sie gehabt haben müssen). Der so eindimensionale Euro-Pop von AQUARIUM mit den Boombox-Anleihen der Vengaboys und „Rap-Reminiszenzen“ im Stil DJ Bobos ist aber sehr gut gealtert. Heute sind Aqua Kult, nicht zuletzt wegen des Welthits BARBIE GIRL, der in standardisierten 90er-Playlists zwangsweise auftauchen muss. So oberflächlich wie die Welt in BARBIE GIRL beschrieben wird, ist sie letztlich nämlich nicht. „Life in plastic, it’s phantastic!“ Die vier Köpfe, die ihre Melodien selber komponieren und die Texte ebenfalls alleine schreiben, nehmen in ihrer Persiflage einer oberflächlichen Gesellschaft vorweg, die sich immer mehr ins Smartphone mit seinen Social-Media-Apps flüchtet, obwohl es dieses damals noch gar nicht gab (der Beeper war’s damals, wenngleich nicht ansatzweise so funktionell wie heutige Handys). Dazu diesen Sound des skandinavischen Pops aus Dänemark, der viel von N*SYNC, den Backstreet Boys und Britney Spears vorwegnimmt. AQUARIUM ist aus der Retrospektive betrachtet revolutionär wegen all der Welthits, die noch von anderen Künstlern kommen werden und so sehr auf die europäische Club-, House- und Techno-Szene schielen.
    Neben BARBIE GIRL bietet AQUARIUM etwas im Stil von Lady Gaga durch MY OH MY, weil da dieser unnachahmliche synthetische Dropbeat verwendet wird, den man auch in ihren Fanfavouriten SCHE**E hören kann. Dann hat man noch die Uptempotracks DOCTOR JONES und LOLLIPOP und schon ist man mental wieder umgeben von Klemmbausteinen, arg böse verstreut auf dem Teppich, wo niemand sie bemerkt, damit man sich so richtig schön die nackte Sohle verletzt, und den Tupperware-Partys von Mama, bei der sich Papa und das Kind im Kinderzimmer verstecken mussten, damit Mutti mit ihren Freundinnen ungestört tratschen durfte. Pop lebt natürlich auch von seinen melodramatischen Balladen wie GOOD MORNING SUNSHINE, bei der man an große Gefühlsmomente von La Bouche erinnert wird. Alles eben 90er, ein Bildungsauftrag. Welches Album verströmt dieses hyperventilierende Lebensgefühl der 90er, als Technik und Techno so rasant auf dem Vormarsch waren? Aquas AQUARIUM dürfte ein legitimer Anwärter auf den Tron der Charts um dieses Lebensgefühl sein.
    Dass da viel unter der Oberfläche schlummert und die Produktion trotz allgemeiner Mittneunzigerverhältnisse, als die Produzenten immer mehr aufs Digitale setzten und Tonaufnahmen für spätere damals undenkbare Analogauswertungen gewissen Limits ausgesetzt sind, äußerst druckvoll und dynamisch daherkommt. Auch aus der Sicht des Masterings macht AQUARIUM also Spaß. Die Pressqualität der blauen Scheibe made in Germany, deren Farbschattierung so perfekt jenes Blau des Covers trifft, ist perfekt plan, sodass der Tonabnehmer immer sauber auf die erste Rille trifft und nichts hörbar unsauber überspringt. Bei HEAT OF THE NIGHT tritt ein leichtes Schnarren in der Stimme der Sängerin Lene auf, aber das hält sich vergleichsweise noch in Grenzen. Eine Klapphülle braucht es meines Erachtens bei einer einzigen LP eh nicht, deshalb hat man’s hier gar nicht erst versucht. Die ungefütterte Innenhülle trägt alle Songtexte (und ein pixeliges Foto der Band). Mehr braucht es bei einem Album von gut einer Dreiviertelstunde Spielzeit nicht.
    Meine Produktempfehlungen
    • Greatest Hits La Bouche
      Greatest Hits (CD)
    • ...Baby One More Time (Limited Edition) (Pink Vinyl) Britney Spears
      ...Baby One More Time (Limited Edition) (Pink Vinyl) (LP)
    Ein klarer Tag

    Carys Davies
    Ein klarer Tag (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    28.08.2026

    So herrlich unaufgeregt, wie Liebe in mehreren Facetten geschildert wird

    Der Roman EIN KLARER TAG von Cary Davies hat mich durch sein künstlerisches Aquarell auf dem Cover angesprochen: Die Rückansicht eines Mannes auf einem Felsvorsprung... irgendwie wirkt er traurig und einsam, genauso wie Ivar auf einer schottischen Halbinsel im Jahr 1843. Er weiß nicht, dass er als letzter Inselbewohner bald von einem Pfarrer von dem einzigen Zuhause, das er je gekannt hat, vertrieben werden soll. Das Land soll anders genutzt werden, damit der Gutsbesitzer wieder Profit machen kann.
    Was wiederum der Pfarrer John, dessen Frau Mary sehr unglücklich wegen seiner Mission ist, zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen kann, ist, dass er und Ivar sich nahe kommen werden...
    Carys Davies, die Autorin von EIN KLARER TAG, schafft es, das Unbeschriebene beschrieben wirken zu lassen. Einige (Schlüssel-)Szenen und Sachverhalte, die aus der Vergangenheit der Charaktere geschildert werden, lassen Spekulationen zu, was passiert sein könnte und lassen einen gewissen Spielraum zu, was die Motive eines jeden im Roman sind, welche sie antreiben. Die Charaktere sprechen wenig im direkten Dialog miteinander. Die Geschichte schreitet zum größten Teil durch die Gedankengänge der Charaktere voran.
    Im Verlauf wird immer stärker auf die (eher platonische) Beziehung zwischen Mary und John eingegangen, welche aber trotzdem von viel Liebe zwischen den Eheleuten zeugt. Liebe kann in vielen Arten existieren. Die Autorin schildert uns durch das Dreicksgespann Mary und John bzw. John und Ivar mehrere Gang- bzw. Lesarten von Liebe, was EIN KLARER TAG sehr menschlich wirken lässt. Eigentlich lebt der Roman nur vom Zwischenmenschlichen. Obwohl der geschichtliche Kontext von 1843 zwischen Lesenden und John, Ivar und Mary steckt, schafft die Autorin es meisterlich, den Inhalt alltäglich wirken zu lassen, so als könnte er einem selbst oder einer Person aus dem Umfeld widerfahren. Ist dies nicht vielleicht schon geschehen?
    Eines noch: Der Roman umfasst gute 220 Seiten bei einer angenehm großen Schrift. Durch den leicht verständlichen und unaufgeregten Schreibstil von Davies lässt sich das Buch schnell durchschmökern.
    X

    Kylie Minogue
    X (LP)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    16.08.2026
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    4 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Erfolgreich ein Kreuz gesetzt: Die letzte Kylie-LP, die noch im Plattenregal gefehlt hat

    Kylie setzt ein Kreuz. X ist immer jenes Studioalbum in ihrer Karriere, dass mit ihrem erfolgreichen Kampf gegen den Brustkrebs verbunden ist. Vielleicht sind die Erinnerungen an diese Zeit zu schmerzhaft für sie, um X zum 20. Jahrestag anständig mit Bonustracks aufzuwerten… oder sie hat als vielbeschäftigter Weltstar, der kürzlich das ersehnte Duett mit Madonna veröffentlicht hat, schlichtweg keine Zeit für ihre „Boombox“, die X ist, gehabt.
    Mit zwei Ausnahmen, die für eine gewisse Inkonsistenz des Konzeptes verantwortlich zu zeichnen sind, ist das Werk von 2007 äußerst elektronisch. 2 HEARTS als lauter und rockiger Appetizer auf die kommende Kylie-Ära, die voll von Erwartungen an ein Indie-Projekt à la IMPOSSIBLE PRINCESS II waren und am Ende nicht erfüllt wurden, und ALL I SEE mit seinen bauchigen Hip-Hop-Beats als Nachhall des US-orientierten R&B-Vorgängers BODY LANGUAGE, durchbrechen den Fluss zwar, nichtsdestotrotz sind selbst diese Tracks perfekt durchproduziert. Unter anderem hat Produzent und DJ Calvin Harris am Mischpult gesessen. Die Single IN MY ARMS geht auf seine Kappe.
    Auch wenn X nicht wie aus einem Guss klingt, so enthält es doch auch zwei der stärksten Kylie-Deep-Cuts und ewige Favoriten ihrer beinharten Fans: LIKE A DRUG mit seiner Hommage an den wabernden 80s-Synthieteppich von Visages FADE TO GREY und die schillernd-hochelektrisierende Uptempo-Ballade THE ONE, deren Intro an die Vertonung des Sekundenzeigers einer riesigen Uhr erinnert und für deren reichhaltige Melodie wohl Kraftwerk Pate gestanden haben muss.
    Deshalb war es bis eben noch undenkbar, dass X nie die Analogbehandlung erhalten hat. LIKE A DRUG und THE ONE müssen auf einer Schallplatte genossen werden. Warner hat sich – wie bei vorangegangen First-Time-on-Vinyl-VÖs der kleinen Australierin – nicht lumpen lassen und X so erstrahlen lassen wie es sich gehört. Ich hatte schon Sorge, weil THE ONE an siebter Stelle der Titelliste steht und den schwierigen, eng-rilligen Bereich am Ende der A-Seite schließt. Aber selbst den Track kann man laut aufdrehen, ohne dass er schnarrt oder sonstigen audiotechnischen Schwierigkeiten entgegensteht. Alle Elemente können glasklar verortet werden und zeigen das unglaubliche Potential, welches X auf (vorliegend topfebener) Platte immer hatte. Da reicht tatsächlich auch der Schnitt auf einer Einzel-LP, die in einem luxuriösen Klappcover mit wunderschönen Fotos des Covershootings bedruckt ist. Sowohl die Pappe der Innenhülle als auch jene des Gatefolds sind hochlackveredelt. Von den 4 neuen Wiederveröffentlichungen, die alle bitter nötig waren (LIGHT YEARS erschien 2018 in einer Auflage von nur 1.000 oder 1.500 Exemplaren auf Platte), ist trotzdem X für mich „the one“… die eine – 5 Sterne.
    Younger You (From The »Hannah Montana 20th Anniversary Special«) (Limited Edition) (Clear Vinyl)

    Miley Cyrus
    Younger You (From The »Hannah Montana 20th Anniversary Special«) (Limited Edition) (Clear Vinyl) (SIN)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    09.08.2026
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    5 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Im Gespräch mit dem jüngeren Ich... und wie sehr man solch einen Wunsch nachvollziehen kann

    Für ihre aktuelle Single YOUNGER YOU taucht Miley Cyrus nochmals in die Welt des Country-Pops ein, in die Welt ihrer Wurzeln. Ihr Vater Billy Rae Cyrus ist in den USA ein gefeierter Countrystar, weswegen dieses Genre das erste war, mit dem die Künstlerin in Berührung gekommen ist. Für mich persönlich ist Miley Cyrus einer der bedeutungsvollsten Musik-Acts der Neuzeit, auch wenn ihr letztes Album SOMETHING BEAUTIFUL – und dessen herausfordernder Artpop – nicht den kommerziellen Erfolg verbuchen konnte, den man nach dem Welthit FLOWERS erwartet hätte.
    Miley hat einfach so viel zu sagen. YOUNGER YOU, als Tribut zu 20 Jahren der Disney-Show HANNAH MONTANA aufgezogen, in welcher Cyrus schon in Kindheitstagen weltberühmt wurde, handelt von einem imaginären Gespräch mit ihrem jüngeren Ich. Sie berät sie aus der heutigen Zeit: Verliere auf deinem Weg zum Superstardasein nicht deine Bodenhaftung, melde dich bei deinen Eltern, sie vermissen dich. Hört sich fast so an, als würde sie melancholisch über Fehler nachdenken, die sie als Teenager gemacht hat und durch die Erfahrungen im Leben heute anders handeln wollen. Da ist das karge Gewand der akustischen Gitarrenballade eine berechtigte Untermalung um die Macht von Mileys Gefühlen Ausdruck zu verleihen. YOUNGER YOU wirkt unglaublich authentisch. Man kann sich gut ins lyrische Ich hineinversetzen und wer weiß… viele von uns blicken auch gerne gen Vergangenheit und würden seinem früheren Ich raten, andere Wege einzuschlagen, einige Beziehungen zu verstärken oder andere erst gar nicht aufkeimen zu lassen, weil der Schmerz daraus sie viel kosten wird. Letztlich ist aber auch jede schlechte Erfahrung eine gute, weil man durch sie reifen kann. Man kann das Lied ganz einfach auf so viele Situationen münzen.
    Die wunderschöne, kurzweilige Ballade hat man auf kristallklares, scheinbar vollkommen unbehandeltes Vinyl gepresst. Press- und Klangqualität fallen deswegen tadellos aus. Das ist der Besonderheit dieses Stückes, das nur zwischen zwei Albumären veröffentlicht wurde und keiner weiteren Promo als der des TV-Specials zu 20 Jahren HANNAH MONTANA dient, vollkommen angemessen. Die 7“ verfügt über eine Innenhülle, auf der das vergrößerte Gesicht vom Cover in silberschimmernden Grautönen in Erscheinung tritt – edel! Auf der B-Seite trällert Miley das Lied im Duett mit der Countrysängerin Lainey Wilson, die ein riesiger HANNAH MONTANA-Fan ist; Wilson hat Cyrus in Kindheitstagen öfter imitiert. Die Version mit ihr gefällt mir fast schon mehr, da der Duettcharakter den Dialog mit dem früheren Ich mehr vergegenwärtigt. Außerdem passt Wilsons Stimmfarbe perfekt zum schroffen Charme von Mileys unnachahmlichen Timbre.
    Meine Produktempfehlungen
    • Something Beautiful Miley Cyrus
      Something Beautiful (LP)
    The Devil Wears Prada 2

    Filmmusik / Soundtracks
    The Devil Wears Prada 2 (LP)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    08.08.2026
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    5 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Shape of Women: Toll zusammengestellte Mischung aus Retro-Soul und Hollywood-Pop

    Die einzig von weiblichen Künstlerinnen getragene Filmmusik von DER TEUFEL TRÄGT PRADA 2 ist ein modischer, 13 Stücke umfassender Zusammenstoß von Retro-Soul, wie ihn einst Amy Winehouse gemacht hat (Sienna Spiro, Raye), mit Hochglanz-Pop von Sängerinnen, deren Produktionen so teuer wirken wie ganz exklusive Markenklamotten aus dem KaDeWe (Dua Lipa, Miley Cyrus). Drei entweder tanzbare oder balladeske Neukompositionen von Lady Gaga, die speziell für den Film angefertigt wurden, sollen zum Hype des Soundtracks beitragen, dessen Tonträger sonst eigentlich nur Bekanntes und Altbewährtes vereint (die Beigaben von Raye und Dua Lipa sind z. B. schon 2 Jahre alt). Den (Designer-)Schuh, dass der Soundtrack zu PRADA 2 insbesondere wegen gefühlvollen Songs wie SHAPE OF A WOMAN und GLAMOROUS LIFE sowie dem Ballroom-Pop von RUNWAY auf sich aufmerksam macht, darf sich Gaga gerne anziehen. Gaga-Fans kaufen die Platte gerne, sind doch ihre 3 Songs auf keinem anderen Tonträger ihrer Mother Monster zu finden und eine künstliche Verlängerung zu ihrem letzten Studioalbum MAYHEM, bei dessen Ära man noch nicht wahrhaben will, dass sie zu Ende ist. Ansonsten ist es schön zu hören, dass WALK OF FAME von Miley Cyrus inkludiert ist und das Lied dadurch eine Art von späterer Gerechtigkeit widerfährt. Mit gezielter Promo wäre die tanzbare Synthienummer mit melodischen Elementen, die an Bronski Beat erinnern (gerade die Falsettstimme der Duettpartnerin Brittany Howard), sicher ein großer Hit für die oftmals unterschätzte Künstlerin Miley Cyrus geworden.
    Nach kurzer Zeit ist man bei der musikalischen Untermalung zum 2. PRADA-Film mit Meryl Streep und Anne Hathaway am Ende der zweiten Plattenseite gelangt. Im Grunde ist DER TEUFEL TRÄGT PRADA 2 eine gut kompilierte Spotify-Playlist mit etwa einem Viertel an neuem Material, welches ganz besonders Lady-Gaga-Fans in Verzückung versetzt (wobei die beiden ruhigen Nummern unabhängig von der Künstlerin äußerst schön und ästhetisch sind).
    Nicht nur den Film und dessen Musik hat man blockbustermäßig für die Massen aufgebaut, auch bei der Verwirklichung auf Platte hat man sich ein Bein herausgerissen, um viele Interessenten abzuholen. Die 3 Auflagen als jeweils schwarzes, rotes und blaues Vinyl sind per se nicht versiegelt, sondern befinden sich in einer klarsichtigen Japan-Hülle, einem Kuvert, der sich an einem Klebestreifen öffnen und wieder schließen lässt. Das Cover ist als Klapphülle mit einigen Bildern aus dem Film im Inneren ausgestattet. Ich persönlich finde es immer dekadent, wenn die Vinylvariante eines Albums nur aus einem einzigen Tonträger besteht, aber als sogenanntes Gatefold mit 2 Kartonärmeln für ebenso viele Platten konzipiert wurde. Die Platte steckt in einer ungefütterten Innenhülle, welche optisch aber perfekt zum Cover abgestimmt ist. Die blaue Variante sieht wunderschön aus. Ich würde das Vinyl als royalblau bezeichnen, königlich wie Meryl Streep in den PRADA-Filmen. Unter Störungen durch oberflächlichen Schmutz leidet weder das blaue noch das schwarze Vinyl, wobei meine schwarze Variante leicht gebogen ist. Sie läuft dennoch tadellos durch und anders als beim blauen Vinyl bleibt die Tonqualität bis zum Ende jeder Seite glasklar. Die blaue LP wird ab der Mitte von Mileys WALK OF FAME sumpfig und verliert dadurch viel an Feinheiten im Klangbild. Muss diesmal wirklich am Einfärben liegen, wobei ja selbst klassisch-schwarzes Vinyl genau genommen auch das Ergebnis einer nachträglichen Verfärbung des eigentlichen klaren PVCs ist. Die schwarze LP klingt in meinen Ohren besser, daher geht meine Empfehlung ans Klassische raus.
    Meine Produktempfehlungen
    • Radical Optimism (Curacao Blue Vinyl) Dua Lipa
      Radical Optimism (Curacao Blue Vinyl) (LP)
    Confessions II (Extended Version) (140g) (Limited Edition) (Translucent Pink Vinyl)

    Madonna
    Confessions II (Extended Version) (140g) (Limited Edition) (Translucent Pink Vinyl) (LP)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    24.07.2026
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    5 von 5
    Pressqualität:
    4 von 5

    Tanzfläche als Schwelle, um den Blick der Medien darauf zu lenken, was diese Frau alles geleistet hat

    Die gesellschaftliche Sicht auf Madonna, welche auf Altersdiskriminierung und Misogynie gefußt hat, scheint sich gewandelt zu haben. Hat man sich jetzt bewusst dazu entschieden, Madonna die eigene Vision von sich selbst zu gönnen, ohne ihr ständig eintrichtern zu wollen (und damit allen anderen Frauen auch) "in Würde altern" zu müssen, unsexuell aufzutreten oder am besten gar nicht mehr aufzutreten? BRING YOUR LOVE mit Sabrina Carpenter als Vorabsingle hat dieses Thema zum Gegenstand und dürfte somit als der Dreh- und Angelpunkt von Madonnas neuen Geständnissen gedeutet werden.
    Sie hat Redebedarf. Madonnas teils philosophische Ansichten, die als gesprochene Intros der einzelnen Stücke dienen, sind der Leim, der CONFESSIONS II zusammenhält und viel zum nahtlosen Eindruck des "Continious Mix" beitragen, bei dem wie bei der CD-Version von CONFESSIONS ON A DANCE FLOOR die Titel ineinander übergehen (und natürlich auch, dass wieder Stuart Price, der auch schon die Pet Shop Boys, Kylie Minogue und Take That mit eingängigen Melodien und hypnotischen Soundflächen belieferte, hinter den Reglern stand und erneut ein homogenes Meisterwerk im Stil des erstens CONFESSIONS geschaffen hat).
    Tanzmusik sei oberflächlich? Nein, sie dient vielmehr als Projektionsfläche um Sprache in Bewegungen zu übersetzen, so heißt es zu Beginn von ONE STEP AWAY, einem glänzenden Stück Europop, das so treibend wie eine Fahrt auf dem Fahrrad ist und welches Kraftwerk als Techno-Pop-Stückchen gut auf ihrem Album TOUR DE FRANCE vertragen hätten. Nebenbei ist man nur einen Schritt von Freiheit entfernt, einem anderen Leben, das viel lebenswerter als die derzeitige Lage, in der man sich befindet, erscheint.
    Scheinbar sollte CONFESSIONS II im Zuge der nunmehr auf Eis gelegten Verfilmung von Madonnas Leben mit Julie Garner aus INVENTING ANNA in der Hauptrolle veröffentlicht werden und die Werbetrommel für Autobiografisches der Popqueen rühren, da Madonna viele lebensprägende Beziehungen aufarbeitet. Es geht um ihre Anfänge in New York auf dem Weg ein Megastar zu werden (DANCETERIA mit MUSIC-Vibes in der Melodie), das Auf und Ab in ihrer ersten Ehe mit Schauspieler Sean Penn (BIZARRE, EDM pur mit einer Synthesizerkomposition wie SWEET DREAMS von Eurythmics), das belastete Verhältnis zu ihrer verstorbenen Stiefmutter Joan (BETRAYAL), das Auswirken des Rampenlichtes auf ihre Tochter Lourdes (THE TEST) und - last but not least - das zerrüttete Band zu ihrem Bruder Christopher, welcher mittlerweile ebenfalls tot ist und zu FRAGILE, der wohl traurigsten und bei Weitem berührendsten Ballade in Madonnas Karriere (Anspieltipp!) geführt hat. Eigentlich wird es mal wieder Zeit für ein zweites Balladenalbum, vielleicht unter dem Titel SOMETHING II REMEMBER?
    CONFESSIONS II mögen viele Kritiker als die Rückkehr zu Madonnas Höchstform bewerten. Diese Rückkehr bedeutet aber gleichzeitig etwas anderes, denn ihr 15. Longplayer markiert Madonnas Wiedergeburt bei Warner Music, wo sie von 1982 bis 2012 unter Vertrag stand. Diese "Rückkehr zur Form" lässt sich Warner gut bezahlen und haut einfach mal im großen Swiftie-Stil etliche Editionen von CONFESSIONS II raus, um die Die-Hard-Fans zu bezirzen. Ich selber besitze bis dato 19 (!) Versionen von CONFESSIONS II, bei welcher ich mich über eine Edition besonders ärgere: die Deluxe auf pinkem Vinyl! Sie enthält 4 zusätzliche Titel, u. a. LOVE SENSATION, den süchtig machenden French-House-Pop im Stil von Daft Punk, Mojo und Stardust (MUSIC SOUNDS BETTER WITH YOU) und mein 2. Anspieltipp. Die Nummer tritt nicht bloß in einer gekürzten, sondern auch in einer rohen Fassung in Erscheinung, die wie eine dumpfe Demo ohne Feinschliff klingt. Die wunderschöne Bridge, die mit den Worten "Love's the reason why..." eingeleitet wird, muss ohne die synthetischen Strings auskommen, was dem Europopstück viel an Schönheit raubt. Außerdem fehlt der wirklich passende "Talk about, talk about..."-Übergang von BRING YOUR LOVE zur neuen Singleauskopplung DANCETERIA, weil die Carpenter-Collabo die erste Seite beendet und Ms neuester Geniestreich die zweite eröffnet. Bei der sog. "Abridged Version" auf CD und Vinyl (12-Track-Variante ohne 4 Bonustracks) ist der Übergang vorhanden, da auf der Einzel-LP inmitten der A-Seite zu hören ist.
    Das einzig Wahre ist für mich als ausgesprochener Analog-Purist diesmal tatsächlich die Deluxe-CD und das Streaming, weil dort der "Continious Mix" so funktioniert wie er soll und man aufgrund der Kapazität einer Plattenseite keine Edits in Kauf nehmen muss (in Punkto LOVE SENSATION, aber auch bei EVERYTHING im Intro).
    Bei der Deluxe lagern die zwei transparent-pinken LPs, deren Oberfläche ab und an kleine Störungen aufweist, übrigens in gefütterten schwarzen Innenhüllen mit Labelaussparung, bei der 12-Track nur in einer aus einfachem Papier, dafür bedruckt mit einer Graustufenversion des Titelbilds der Deluxe. Die Posterbeigaben sind inhaltlich identisch, will heißen, dass auch die Deluxe nur 12 Liedtexte parat hält (bei SCHOOL fehlen übrigens ganze Passagen).
    Nach 3 Wochen Dauerbeschallung zählt CONFESSIONS II jetzt schon zu meinen liebsten Madonna-Alben und hat daher die 5 Sterne ohne Wenn und Aber verdient. Die pinke 2-LP-Ausgabe versemmelt die Endwertung durch ihre schwache Version von LOVE SENSATION einfach. Auf Vinyl kann man es nur so hören - schade!
    Meine Produktempfehlungen
    • Confessions II (Premium Edition + Bonus Tracks) Madonna
      Confessions II (Premium Edition + Bonus Tracks) (CD)
    • Aphrodite Kylie Minogue
      Aphrodite (LP)
    • Yes (remastered 2017) (180g) Pet Shop Boys
      Yes (remastered 2017) (180g) (LP)
    • Progress Take That
      Progress (CD)
    Joanne (140g) (Limited Edition) (Pink Marble Vinyl)

    Lady Gaga
    Joanne (140g) (Limited Edition) (Pink Marble Vinyl) (LP)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.07.2026
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    5 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Die erste Gaga-Platte, die weniger gaga ist

    Vor 10 Jahren hat sich bei Lady Gaga ein Karriereknick eingestellt. Mit ihrem Album JOANNE wollte sie authentischer denn je sein und als echte Künstlerin wahrgenommen werden. Sie widmete den Longplayer ihrer an Krebs verstorbenen Tante und blieb erstmals vordergründig im Metier des Akustik- und Indie-Pops. Sie überraschte damit kräftig, ließ doch die Vorabsingle PERFECT ILLUSION noch vermuten, dass sie auf JOANNE dem treibenden Dance-Pop treu bleibt. Alles kam anders, die persönliche Platte floppte. Trotzdem trieb sie die neue Ausrichtung zum Mainstream und ihrem bis dato größtem Erfolg. Bei A STAR IS BORN sah man Lady Gaga zum ersten Mal als Hauptdarstellerin in einem Blockbuster, die dazugehörige Filmmusik im ebenso hochstrahlenden Format, bei dem sie plötzlich auch Hausfrauen aller Altersklassen, Heteromänner und viele andere für sie ungewohnte Käuferschichten erschlossen hat. Ihre Fans, die sog. Little Monsters, fragten sich häufig, was aus ihrer schillernden Gallionsfigur der LGBTQ+ geworden ist, welche in ihren Upbeat-Nummern zu mehr Toleranz und Akzeptanz aufgerufen und die Frauenrechte in den Fokus gerückt hat. Die Little Monsters sind zu hart mit ihr ins Gericht gegangen, denn rückblickend hat JOANNE Fanfavoriten wie die gefühlvolle Ballade MILLION REASONS und das wunderbare Duett HEY GIRL mit der wunderbaren Florence Welch zu bieten. Beide Stücke waren sogar Teil von ihrem gefeierten MAYHEM BALL, der begleitenden Tour ihres Albums MAYHEM, bei dem sich irgendwie alle von ihren Fans abgeholt fühlten und Gaga eine Art Revue ihres breiten Spektrums an künstlerischen Fertigkeiten ablieferte. JOANNE war für die zusätzlichen Facetten in ihrem Schaffen die Saat, etwas Mutiges, weil als reines Gaga-Studioalbum vermarktet und nicht bloß als Seitenprojekt wie beispielsweise jene zwei Alben mit Swing-Legende Tony Bennett oder dem eigenständigen Album zur Comicverfilmung von JOKER. Wer JOANNE damals nicht verstanden hat, der könnte sich jetzt nach 10 Jahren damit angefreundet haben.
    Die "Pink Marbled Edition" bietet demnach Anlass genug, sich nochmals ausgiebig mit JOANNE zu beschäftigen. Laut Sticker auf der Rückseite aus französischen Presswerken stammend, unterscheidet sich diese Variante farblich von den beiden zuvor veröffentlichten, unter Sammlern sehr gesuchten farbigen LP-Versionen in ihren pinken Farbgebungen. Die Marmorierung gab es zuvor nicht. Der fliederartige Farbton greift nicht wirklich den pinken Cowgirl-Hut von Gagas Konterfei auf dem Cover aus, sieht aber dennoch wunderschön und besonders, so wie eine Orchidee aus. Die Klapphülle und die dickwandigen Innenhüllen, die aussehen wie Tagebucheintragungen und mit den Liedtexten sowie privaten Fotos aus Gagas Kindheit ausstaffiert wurden, gibt es auch bei der standardisierten Variante auf schwarzem Vinyl. Wären die Innenhüllen gefüttert gewesen, das Paket hätte nicht perfekter sein können. Die Abmischung unterscheidet sich übrigens nicht vom Original. Ab und an könnte man kleinere Kompressionen bemerken, wie zum Beispiel in der ersten Strophe des rockigen DIAMOND HEART, deren Ursprung höchstwahrscheinlich digitaler Natur ist. Wenn Lana Del Rey für ihre Aufnahmen schon zum iPhone greift, weshalb sollte sich eine Lady Gaga nicht ähnlicher Hilfsmittel bedienen? Am Ende wirkt das Klangbild trotzdem aufgeräumt und hat Highlightzeichnungen wie die in den Vordergrund gerückten Stimmen in HEY GIRL, die sehr präsente Akustikgitarre in MILLION REASONS und der plötzliche Lautstärkeanstieg nach der ersten Strophe in PERFECT ILLUSION - das alles bei makelloser Pressqualität! Für mich persönlich aktuell die beste, weil schönste Form dieses Ausnahmealbum der Gaga zu hören, wo es erstmals weniger gaga zugeht.
    Meine Produktempfehlungen
    • Harlequin (Red Vinyl) Lady Gaga
      Harlequin (Red Vinyl) (LP)
    • Madame X (Limited Edition) (Rainbow Picture Disc) Madonna
      Madame X (Limited Edition) (Rainbow Picture Disc) (LP)
    • Something Beautiful Miley Cyrus
      Something Beautiful (LP)
    This Music May Contain Hope (Yellow Vinyl)

    Raye
    This Music May Contain Hope (Yellow Vinyl) (LP)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.07.2026
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    5 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Ein Alleinstellungsmerkmal in sich: Mach dich bereit auf die Reise nach dir selbst!

    Auf einmal war sie da, oben in den Charts, ohne dass wir wussten, wie sehr wir sie gebraucht haben! RAYE mischt die Popwelt mit ihrer ganz eigensinnigen Herangehensweise beim Veröffentlichen von Musik auf. THIS MUSIC MAY CONTAIN HOPE. ist ein perfekt durchdachtes Konzept, das eine intrinsische Reise bewirken will… zumindest bei all jenen mit depressiver Grundstimmung, die schon einmal über psychische Hilfe nachgedacht haben. Der Albumtitel ist dabei so genial, weil absolut festsitzend wie der Inhalt der Platte. Im Konjunktiv zu sprechen, dass die Musik von RAYE durchaus Hoffnung verströmen KÖNNTE, ist ein Zeichen für innere Unsicherheit, für Selbstzweifel…, dass das innere Gleichgewicht erst noch zu finden ist. Durch die cineastische Erzählweise von RAYE, welche den Zuhörer von der ersten Sekunde an in den Bann zieht, beginnt man automatisch mit der Suche nach dem eigenen Ich. Gesprochene Intros und Outros in „Sophisticated British English“, so clever wie sympathisch und daher so unglaublich zugänglich, und ein entrückt-verrücktes Genrehopping zwischen R&B, 50s-Jukebox-Soul, Klassik (in Zusammenarbeit mit keinem Geringeren als Filmmusiklegende Hans Zimmer!), Musical, House und Pop, machen THIS MUSIC MAY CONTAIN HOPE. zur sprichwörtlichen Achterbahnfahrt der Gefühle. Über Probleme mit dem Aussehen wird lamentiert und über alte Flammen abgelästert, was man durchaus als guten Standard für ein tiefergehendes Popalbum ansehen könnte, richtig? Dann wird es aber noch einen Tick härter, da RAYE auch sexuelle Übergriffe, die sie am Anfang ihrer Karriere erdulden musste, anspricht (CLICK CLACK SYMPHONY.). Wenn man einmal bedenkt, dass der überfröhlich instrumentierte, mich an 1 THING von Amerie erinnernde Hit WHERE IS MY HUSBAND! als Appetizer gedient hat, um auf RAYE aufmerksam zu machen, so unverständlich erscheint es, dass das Stück eingebunden ist in solch harten Tobak. Finden wir das schlimm? Auf gar keinen Fall, denn RAYE hat so viel zu bieten neben Liedern, die auch Massen schnell begeistern können. Aktuell ist sie durch ihren unberechenbaren Sound ein Alleinstellungsmerkmal in sich, auch wenn Vergleiche mit Amy Winehouse gerade durch ihre Zusammenarbeit mit Mark Ronson an dem wunderschönen Stück SUZANNE, das leider nicht auf die vorliegende LP genommen wurde, nicht weit her sind (höre auch HAPPIER TIMES AHEAD.). RAYE ist schlichtweg eine waschechte Musikerin, die schon im Kindesalter mehrere Instrumente beherrscht, mit der Schreibe eigener Liedtexte begonnen und scheinbar nichts anderes als das in ihrem noch jungen Leben getan hat. Meine persönlichen Anspieltipps: die epische Ballade I KNOW YOU’RE HURTING., so gefühlvoll und authentisch im Vortrag wie David Bowie in WORD ON A WING, das housige LIFE BOAT und die mit Witz gespickten I HATE THE WAY I LOOK TODAY. sowie GOODBYE, HENRY! mit Al Green. This music may be the Anwärter auf das Album des Jahres 2026 (Madonna?)!
    Um der Besonderheit des musikalischen Inhaltes Ausdruck zu verleihen, stecken die beiden grellen, maisgelben LPs in einer Klapphülle, die auf dem wolkenverhangenen Cover ein ausgestanztes Rechteck aufweist. Der stark bewölkte Himmel besitzt nämlich ein Fenster, das einen Teil der ersten Innenhülle freigibt, auf welcher der Albumtitel notiert wurde… ein hübsches Gimmick! Weiter geht die außerordentliche Gestaltung im Inneren, denn auf einer Innenseite des Gatefolds hat man einen Schlitz eingelassen, in welchem eine dickere Broschüre steckt. Sie enthält alle Liedtexte und ist aufgemacht wie der Begleitband eines Blockbusters. Die LPs selber klingen trotz Farbigkeit richtig gut, obwohl sie zum Ende jeder Seite ein wenig unsauberer werden, was den Klang angeht. Ansonsten steckt in THIS MUSIC MAY CONTAIN HOPE. neben der Hoffnung genügend Dynamik für ein Popalbum, das eigentlich gar keins sein will.
    Übrigens soll sich die LP inhaltlich in einigen Feinheiten vom Streaming unterscheiden. Schallplatten müssen immer mit genügend Vorlauf in Auftrag gegeben werden, damit sie rechtzeitig zur Veröffentlichung aus der Pressung kommen. RAYE hat nach Auftragsvergabe einige Melodien leicht abgeändert, wohl auch bei WHERE IS MY HUSBAND!. Ich persönlich kann keinen Unterschied ausmachen, wodurch die Änderungen eher marginal und im Bereich einer durch und durch auf Perfektion getriebenen Künstlerin liegen muss. Vielleicht ist auch die Mutter im Presswerk abgeändert worden? Mein Exemplar entstammt auf jeden Fall nicht aus dem ersten Lauf, da das Album nach dem anfänglichen Hype, das es ausgelöst hat, mehrere Wochen vergriffen war und erst neu produziert werden musste.
    Meine Produktempfehlungen
    • Back To Black Amy Winehouse
      Back To Black (LP)
    Doll Domination

    The Pussycat Dolls
    Doll Domination (LP)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    28.06.2026
    Klang:
    3 von 5
    Musik:
    4 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    I hate this part right here... telling you to not buy this record

    DOLL DOMINATION ist ein weiteres mit Hits gespicktes Popalbum der tanzenden Girlgroup The Pussycat Dolls um Frontfrau Nicole Scherzinger, welcher von allen Mitgliedern der Band am meisten Beachtung durch die Medien geschenkt wird.
    Anders als beim Debüt PSD ist die Dichte an bekannten Singleauskopplungen nicht ganz so hoch, wenngleich gerade die folgenden Titel zu den größten Pussycat-Dolls-Evergreens zählen: WHEN I GROW UP, I HATE THIS PART und HUSH HUSH, letztere Auskopplung leider nicht in der Singleversion mit dem I WILL SURVIVE-Einschub, sondern in einer entschleunigten Balladenversion - auch schön, aber der Variante mit dem Gloria-Gaynor-Sample, die man außerhalb vom Album DOLL DOMINATION kennenlernen durfte, doch deutlich unterlegen.
    Klanglich ist der Longplayer leider auch nicht das Gelbe vom Ei. Obwohl auf 2 schwarze LPs geschnitten, bleibt gut die Hälfte jeder der insgesamt 4 Seiten leer. Wie schon beim Vorgänger PCD wirkt das Volumen des Liedgutes stark zurückgenommen. Man muss den Regler immer mehr nach rechts drehen, damit etwas beim Zuhörer ankommt. Obwohl die Musik im R&B-Fundament angesiedelt ist, bleibt DOLL DOMINATION sehr flach und kann überhaupt nicht mit jenem Bass-Oomph überzeugen, welchen man von einer dick auftragenden Nullerproduktion im komprimierten Loudness-Gewand erwartet. Alles sehr schade. Die Songtexte fehlen wieder, ein Gatefold zum Aufklappen hat Universal auch nicht spendiert. Für eine erstmalige Verwirklichung als Schallplatte wirkt das heißblütige Folgewerk der Pussycat Dolls wie blutleere Stangenware in ihren Feinheiten - von mir keine Kaufempfehlung trotz guter Millenialmusik zum Tanzen und Mitsingen.
    Pop Girl Era (LP1: Marble Orange Vinyl/LP2: Marble Purple Vinyl)

    Pop Sampler
    Pop Girl Era (LP1: Marble Orange Vinyl/LP2: Marble Purple Vinyl) (LP)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    18.06.2026
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    4 von 5
    Pressqualität:
    4 von 5

    Exklusive Extendeds von Sabrina und Dua, bislang nur hier zu finden!

    Was bei solchen Zusammenstellungen wie THE POP GIRL ERA aus dem Jahr 2025 um sogenannte „Main Pop Girls“, die besonders seit den letzten Jahren die vorderen Ränge der Charts beherrschen, auffällig bleibt, ist die völlige Abwesenheit der erfolgreichsten weiblichen Künstlerin der Gegenwart. Taylor Swift ist sozusagen das „Main Main Pop Girl“, welches ihr Kulturgut einzig bei ihr selber lässt. Da hätten die Schaffenden um THE POP GIRL ERA noch so hohe Lizenzgebühren entrichten können – Taylor hätte bestimmt trotzdem nee gesagt.
    Bis auf die unvermeidbare Abwesenheit des Swiftie-Kultes (nun, Rihanna und Charli XCX hätte man auch noch bedenken können) hat man das Thema ansonsten ganz gut getroffen. Sabrina Carpenter und Dua Lipa sind sogar in „Extended Versionen“ zu hören, verlängerte Fassungen ihrer Hits ESPRESSO und HOUDINI, die es bislang auf keiner anderen Schallplatte zu kaufen gibt. HOUDINI enthält sogar mehr Gesang von Dua Lipa in der zweiten Strophe. Wenn man also vom Sammelfieber um die eine oder andere Sängerin befallen ist, kommt man um die farbige Doppel-LP der POP GIRL ERA nicht herum, zumal sie noch so viel mehr zu bieten hat und beinahe schon neugeschichtlich nacherzählt, welche Künstlerinnen ab den Nullerjahren die „Main Pop Girls“ waren (bzw. teilweise immer noch sind, Lady Gaga mehr, Katy Perry weniger). Dabei werden Genres wie Hip Hop (Doechii) genauso beachtet wie plötzliche TikTok-Trends (Zara Larsson) und Offensichtliches (Olivia Rodrigo) mit Ungewöhnlichem (Lana Del Rey) vermischt. Im Falle von Lana Del Rey hat Universal Music DEALER zur Repräsentation ihrer klanglichen Welt ausgewählt, ein Stück, in dem die moderne Stil- und Popikone noch nicht einmal viel singt, sondern einen Großteil ihrem männlichen Duettpartner überlässt. Männer in der POP GIRL ERA? Die Zusammenstellung ist so abwechslungsreich wie überraschend in dem, was sie anzubieten hat.
    Einziges Manko der beiden Platten, bei der eine in einem marmorierten Pink und die andere in einem Fliederton in Erscheinung tritt, ist ihr Hang zur schnellen statischen Aufladung, welche zu gelegentlichem Knistern und kleinen Bibs und Bops während der Wiedergabe führt – und das trotz mitgelieferten antistatischen Innenhüllen. Möglicherweise hat es etwas mit der Dichte des Papiers zu tun oder so… Freuen darf man sich noch auf einige bunte Bilder der Sängerinnen, Ikonen und Diven im Innen der Klapphülle.
    Meine Produktempfehlungen
    • Short n'Sweet (Deluxe Edition mit 5 Bonus Tracks) (Blue Vinyl) Sabrina Carpenter
      Short n'Sweet (Deluxe Edition mit 5 Bonus Tracks) (Blue Vinyl) (LP)
    • Radical Optimism (Curacao Blue Vinyl) Dua Lipa
      Radical Optimism (Curacao Blue Vinyl) (LP)
    Low

    Reinhard Kleist
    Low (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    07.06.2026

    Sprunghafte Biographie in lebendigen Zeichungen - "from station to station" in anders

    Ich finde, dass David Bowie einer der eindrucksvollsten Künstler war, die es je gegeben hat. Da spricht nicht bloß der Superfan aus mir. Es geht beim Beleuchten von Bowies Schaffen nie vordergründig um seine Musik. Sie ist vielfältig und vielschichtig, klar. Kein Album klingt wie das vorangegangene, ja. Viel wichtiger als diesen Fakten ist die engmaschige Verbindung zu einer Persönlichkeit, die nicht einmal wahr sein muss und eigentlich nur das ist, was er uns gewährt zu zeigen. Es ist vor allem das, wofür diese krasse Persönlichkeit steht. Alle von Bowies kreierten Alter Egos, sei es Major Tom, Ziggy Stardust oder der Thin White Duke, sind davon getrieben, nie auf der Stelle stehen zu bleiben, dabei immer seinem Bauchgefühl zu vertrauen und sich weder von den Konventionen der Gesellschaft noch von irgendjemand anderem treiben zu lassen. Er ist für sich allein verantwortlich, bis er auf die Liebe seines Lebens – das Model Iman – trifft.
    LOW – DAVID BOWIE’S BERLIN YEARS ist bereits der zweite Graphic Novel des talentierten Illustrators Reinhard Kleist, den er nach STARMAN aus dem Jahr 2021 vorlegt. Die zum Gegenstand gemachte kreative Schaffensperiode Bowies zwischen 1976 bis 1980 ist sowas wie eine sinnbildliche Leitfigur für die größte Beziehung, die man im Leben führen kann – die mit sich selbst. Die Erzählstruktur ist bei diesem Unterfangen ungewöhnlich und damit ziemlich reizvoll angelegt. Bowie als Erzähler aus dem Off lässt seine Gedanken springen, nicht immer „from station to station“, sondern schachtelweise in nicht chronologischer Reihenfolge, wie es gerade passt. Unter anderem wird (kurz) meiner persönlich liebsten Langspielplatte STATION TO STATION bedacht, die der ehemalige Starman von L. A. nach Berlin getrieben hat, um sich aus dem selbstzerstörerischen Drogensumpf zu befreien und sich letztendlich zu erden, das aber nicht zu Beginn des comicähnlichen Graphic Novel, wie man es vielleicht vermuten würde. Selbst eingeschworene Fans, die jedes seiner 25+ Alben im Plattenregal zu stehen haben, können nicht voraussehen, was Kleist als Nächstes in bunten Bildern und Sprechblasen abhandeln wird. Natürlich wird die Entstehung von Bowies größter Rockballade HEROES beleuchtet, aber auch seine Affäre mit Romy Haag, einer Showkoryphäe Berlins, wird nicht ausgelassen. Iggy Pop kommt vor und noch viele weitere Wegbegleiter und Randfiguren (die Flippers?!). Es gibt einfach wahnsinnig viel zu entdecken. Reinhard Kleists dynamische und schlicht wunderschöne Zeichnungen aller Helden der Geschichte tun ihr Übriges, um das gut 160 Seiten starke Graphic Novel nicht mehr aus der Hand legen zu wollen. Ob noch weitere Bände folgen werden von LET’S DANCE bis zu BLACKSTAR? Es ist jedenfalls wünschenswert.
    Meine Produktempfehlungen
    • Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years Reinhard Kleist
      Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years (Buch)
    • Station To Station (2016 remastered) (180g) David Bowie
      Station To Station (2016 remastered) (180g) (LP)
    PCD (20th Anniversary) (Limited Edition) (Lava Lamp Pink Vinyl) (in Deutschland & Österreich exklusiv für jpc!)

    The Pussycat Dolls
    PCD (20th Anniversary) (Limited Edition) (Lava Lamp Pink Vinyl) (in Deutschland & Österreich exklusiv für jpc!) (LP)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    18.05.2026
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    5 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    "Fun like me": Hochenergetisches Debütalbum zum Durchtanzen, DON'T CHA leider nur als "Clean Version"

    Man wird nicht viele A-Seiten von Popalben hören, die so voll von Hits ist wie jene von PCD, dem Debütalbum der Girlband Pussycat Dolls um Zugpferd Nicole Scherzinger, welches 2005 nur auf CD erschienen ist. Es sind 6 Titel an der Zahl, allesamt erfolgreiche Auskopplungen, die heute noch einen Stellenwert für die Allgemeinheit haben: DON'T CHA, I DON'T NEED A MAN, der orientalisch angehauchte Stripsong BUTTONS (Anspieltipp), welcher durch den Sample in SPORTS CAR von Tate McRae vor einem Jahr aufs Neue entdeckt wurde, STICKWITU, BEEP mit will.i.am von den Black Eyed Peas, WAIT A MINUTE mit Timbaland. Auf der B-Seite verstecken sich reizvolle Hybride aus Coversongs und neu Dazugedichtetem. So verwurschtelt man Donna Summers HOT STUFF, Soft Cells TAINTED LOVE und Michael Bublés FEELIN' SO GOOD, mischt urbanen R&B, der so typisch für die Nullerjahre ist, mit Akustischem und ausgewählten Big-Band-Momenten, die zeigen, dass Scherzinger und Co. nicht nur die Optik in Form von gut durchgetimeten Choreografien bedienen können, sondern auch noch fähige Sängerinnen sind. PCD ist also ein Sammelsurium von 12 Titeln zum Durchtanzen und Mitträllern, sowohl für alteingesessene Millennials als auch für Gen-Z-Anhänger auf Entdeckertour.
    Bei der marmorierten, auf babypinkfarbenem Vinyl gepressten Version von PCD handelt es sich um die amerikanische "Clean Version", welche ohne Kraftausdrücke auskommen muss. Eine von Nicole Scherzinger gesungene Liedzeile in DON'T CHA mit dem bitterbösem F-Wort, eigentlich absolut ikonisch im Pussycat-Dolls-Universum, wird durch ein laszives Stöhnen ersetzt. Dass man 20 Jahre von PCD und die großräumige Verfügbarkeit des Albums auf Vinyl mit einem aufgesetzten Maulkorb feiern muss, gerade auch hier in Europa, wirkt unangebracht, wobei man zugeben muss, dass die "Clean Version" mit Busta Rhymes seit jeher auch hier im Umlauf und daher bekannt ist.
    Dabei kann man die sehr plastisch "bauchige" Abmischung als wirklich beachtenswert sehen. Obwohl sie von Hause aus schon viel Druck hat, gibt es beispielsweise bei der Midtempoballade STICKWITU Highlightzeichnungen in Form von plötzlichen Lautstärkeanstiegen. Trotzdem klingen die Aufnahmen teilweise etwas verlustbehaftet, beispielsweise am Anfang von STICKWITU oder wenn der Refrain von BUTTONS einsetzt, was wahrscheinlich mit dem von Hause aus sehr lautem Mastering zusammenhängt und den komprimierten Instrumentalen an sich (auch gut zu hören in BITE THE DUST). 2005, als Timbaland seine Hochzeit hatte, haben die Produzenten stark auf Lautheit gesetzt und alle Komponenten ihrer Produktion auf eine Lautstärke gesetzt, sodass viele feine Frequenzen aus dem Klangbild herausgefallen sind. Die Kombination der künstlich nach oben gezogenen Dynamik mit der basslastigen Grundstimmung von PCD kaschiert viel, sodass die angesprochenen Kompressionen zur Nebensache werden und kaum ins Gewicht fallen. Eine bedruckte Innenhülle ohne Fütterung liegt der einfachen Kastentasche noch bei. Mehr zu hören (und sehen) gibt es in der Universal-Music-exklusiven Doppel-LP auf rotem Vinyl, untergebracht in einer ansehnlichen Klapphülle.
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    • Tasty (Limited Edition) (Red & Black Splatter Vinyl) Kelis
      Tasty (Limited Edition) (Red & Black Splatter Vinyl) (LP)
    • Loose Nelly Furtado
      Loose (LP)
    The Annie Lennox Collection

    Annie Lennox
    The Annie Lennox Collection (LP)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.05.2026
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    5 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Die ikonische Macht der Eurythmics mag Annie Lennox nur oberflächlich gesehen überschatten - künstlerisch aber nicht

    Was für eine beeindruckende Werkschau die ANNIE LENNOX COLLECTION doch ist! Bekannt geworden an der Seite von Dave Stewart als die Stimme des kultigen Synthie-Duos Eurythmics, fallen ihre Solotitel mitunter hinten über, was völlig unverständlich ist. Die Midtempoballade PRECIOUS mit seinem wabernden Synthieteppich, der hörbar in den 90ern gewoben wurde, berührt durch den Vortrag mit dieser unnachahmlichen Stimme, welche man aus Hunderten sofort wiedererkennen würde. Diese derbe Note, die so tief sitzt, dass sie als androgyn durchgehen dürfte, damit aber gleichzeitig zarte Höhen erreicht, besitzt eine ganz eigene fast schon mystische Macht, welche die Künstlerin so faszinierend macht. Bis auf die Coverversionen ihres 2. Albums MEDUSA schreibt sie fast alles selbst, was man irgendwie auch merkt. Wenn Annie Lennox WHY im besten NOTHING COMPARES 2 U-Stil einer Sinéad O'Connor anklagt, geht das ins Mark, während vielleicht zwei oder drei Keyboardtasten gedrückt gehalten werden um diesen ganz bestimmten Sound zu erreichen, der uns heutzutage so nostalgisch stimmt, weil man ihn in den 90ern verortet. Annie Lennox mag ihre große Karriere Anfang der 80er gestartet haben und mit zahlreichen Hits wie SWEET DREAMS, HERE COMES THE RAIN AGAIN und MIRACLE OF LOVE an der Mache von melodischen Evergreens für die Ewigkeit beteiligt gewesen sein. Große künstlerische Bedeutung erlangte sie meines Erachtens aber erst, als sie Musik fernab ihres Eurythmics-Partners Dave Stewart ab 1992 kreierte und sich regelrecht emanzipierte, zu einer eigenen Stimme wurde. Großer (Geheim-)tipp: Annies Frauenhymne SING, bei welcher auch Superstar Madonna am Mikrofon zu hören ist, obwohl sie in der Titelliste nicht aufgeführt wird.
    Vor einem Jahr hat man sich noch dumm und dämlich bezahlt, wenn man THE ANNIE LENNOX COLLECTION, die ursprünglich im Jahr 2009 gepresst wurde, seiner Plattensammlung einverleiben wollte. 2025 war damit Schluss, als Sony beschlossen hat, eine 1:1-Replika des kostspieligen Originals mit dem gleichen Master auf den Markt zu bringen. Die Platte mag sich schnell statisch aufladen - eine Reinigung mit antistatischer Flüssigkeit schafft Abhilfe gegen das hauseigene Knacken. Vermutlich haben die bedruckten Papierinnenhüllen, auf denen nicht nur Fotos von Annie Lennox' Musikvideoshootings zu sehen sind, sondern auch die Liedtexte aller 14 Titel nebst persönlicher Anekdoten der Künstlerin zu den einzelnen Liedern abgedruckt wurden, eine bestimmte Dichte, die statische Aufladung begünstigt. Hat man sich dieses Problems erst angenommen, kann man sich an der schönen Abmischung erfreuen. Das Klopfgeräusch zu Beginn von LOVE SONG FOR A VAMPIRE klingt so real, dass man denken könnte, ein Nachbar hämmert gegen die Wand, weil man die ANNIE LENNOX COLLECTION bis auf Anschlag hört. Bei 3-4 Songs pro schwarzer Plattenseite hat das Klangbild so viel Platz bekommen, dass es sich anständig entfalten kann und man tatsächlich die Musik nur laut genießen sollte. Wenn man übrigens unsicher ist, ob die Nadel mal wieder gesäubert werden muss, sollte man einmal für diese Zwecke COLD gegenhören. Annies Gesang ist darin so fisselig angelegt, dass Schmutz sich sofort in Schnarren äußert.
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    Jennifer Lopez
    J.Lo (25th Anniversary) (LP)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    08.05.2026
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    4 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Vorgefertigter Darkchild-Pop der 2000er mit gewisser Hitdichte

    Allmählich hat sich der Wirbel um Jennifer Lopez nach möglichen Verstrickungen in der P.-Diddy-Affäre und ihrem letzten desaströsen Album-Rollout mit abgesagter Welttournee gelegt. Dass es sich bei der ach so auf dem Boden gebliebenen J.Lo um eine Inszenierung handelt, konnte man vielleicht schon bei den Hits ihres nach ihr betitelten 2. Albums LOVE DON'T COST A THING und I'M REAL erahnen, ihren Hymnen der Selbstbestimmung, die Lopez nicht einmal selber geschrieben hat. Sie kommen inhaltlich wie eine Beschönigung der harten Realität gleich, es mit einer echten Diva samt Allüren zu tun zu haben statt einem sich als bescheiden ausgebenden Engel, der aus der armen Bronx stammt. Die zahlreichen Augenzeugenberichte, die nach und nach in den letzten 2 Jahren die Runde auf Social Media machten, bestätigten diese Annahme dann endgültig.
    Ab diesem Punkt konnte sie, ähnlich wie ihre Kollegin Katy Perry, machen, was sie wollte: Alles, was sie anpackte, wurde harsch kritisiert, sodass es irgendwann einfach im Trend gewesen ist, J.Lo zu haten. Irgendwann erreichte der Hass abstruse Ausmaße. Man gelangte an einen Punkt, an dem man ihr die musikalischen Erfolge absprach, mit denen sie weltweite Berühmtheit erlang. Das hat J.Lo doch gar nicht gesungen, J.Lo kann gar nicht singen, J.Los Musik war immer schon belanglos... Eigentlich kritisiert man damit doch weniger J.Lo und eher das Gebärden ihrer Hitmacher, allen voran den Produzenten Rodney "Darkchild" Jerkins, der u. a. mit Größen wie Michael Jackson, Toni Braxton und Brandy zusammenarbeitete. Dass Darkchilds Musik wie aus dem Baukasten zusammengesetzt wirkt und nach einem bestimmten Schema F aufgebaut ist, stimmt schon. Damit könnte man gleichfalls den Output aller zuvor genannten Interpreten kritisieren.
    Wo man zweifelsohne mitgehen kann, ist der fast schon aggressiv häufige Einsatz damals modischer MIDI-Samples aus dem Computer, beispielsweise das konservierte Geräusch eines Sternenschauers, der auf dem gesamten J.LO-Album, exemplarisch in der halbakustischen Ballade SECRETLY, bis zum Erbrechen eingesetzt wurde und aus heutiger Sicht hausbacken und kitschig wirkt. Dass Lopez die Refrains ihres ikonischen Latin-Pop-Tracks AIN'T IT FUNNY und jenen der Single I'M GONNA BE ALRIGHT (Anspieltipp) nicht eingesungen hat, dürfte man 2001 bereits vernommen haben, wenn man nicht total taub ist. Übrigens singt Toni Braxton im Refrain zu HE WASN'T MAN ENOUGH auch nicht die Hauptstimme. Das ist ja nicht schlimm, bildet dies das Einheitsbild einer Darkchild-Produktion und den damaligen Moment des Mainstreams ab. Hört man sowas, befremdliche MIDI-Samples oder einfach nur den gesprochenen Namen "Darkchild" im Intro, dann wurde ein ganz bestimmter Sound erzielt, der typisch für die 2000er ist. Das ist eben vorgefertigte Popmusik wie sie im Buche steht, Musik, die nur eine ansprechende Projektionsfläche sucht. Das war eben La Lopez. Im Fall von J.LO bleiben Hits für die Ewigkeit hängen, denn gerade um LOVE DON'T COST A THING führt auch nach 25 Jahren kein Weg vorbei... und na ja, sich die dazugehörige Doppel-LP zu gönnen, ist doch jetzt auch nicht verkehrt, zumal 2024 lange vorbei ist und man J.Lo langsam wieder toll finden darf...
    Die schwarzen Scheiben sind jedenfalls richtig gut gepresst worden und klingen bei bis zu 5 Tracks pro Seite auch anständig tiefgründig im R&B-lastigen Bassbereich. Die Ausgabe selber ist eher puristisch: keine Klapphülle, keine gefütterten Innenhüllen und bis auf ein 2. Foto der Sängerin/Schauspielerin auf der Rückseite keine weiteren Aufnahmen von ihr. Die Liedtexte hat Sony in sauberen Textblöcken auf den Innenhüllen arrangieren lassen. Für den stolzen Preis von etwa 33 Euro zum Zeitpunkt der VÖ vielleicht etwas viel für relativ wenig. Wer es aber noch luxuriöser und tiefer in die Tasche greifen möchte, kann zum goldenen Doppelvinyl mit neuem Coverartwork greifen, das in ein paar Monaten erscheinen und eine Handvoll mehr Bonustracks bieten wird.
    Meine Produktempfehlungen
    • The Heat Toni Braxton
      The Heat (LP)
    The Heat

    Toni Braxton
    The Heat (LP)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    16.04.2026
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    5 von 5
    Pressqualität:
    4 von 5

    Eine große Stimme, von findigen Produzenten richtig in Szene gesetzt: Nach mehr als 25 Jahren endlich zum Normalpreis erhältlich

    Toni Braxton, die Sängerin mit der dunklen Stimmfarbe, welche wie beispielsweise Sade so klingt, als würde ein Mann singen, macht auf ihrem dritten Studioalbum THE HEAT genau dort weiter, wo ihr Hitalbum SECRETS aufgehört hat. Rodney Jerkins produziert die erste Single HE WASN'T MAN ENOUGH (2. Anspieltipp), ein Abgesang an einen Verflossenen, der einfach nicht Manns genug für Tonis lyrisches Ich war. Der Funk und Soul passt perfekt in die Zeit Anfang der 2000er, wo Michael Jackson mit YOU ROCK MY WORLD seinen letzten großen Hit hatte, der zufällig auch maßgeblich von Jerkins' Kreativität beeinflusst ist, weil er melodische Parallelen zu HE WASN'T MAN ENOUGH aufweist.
    Braxton lässt also emanzipierten Uptempo-R&B mit Hip-Hop-Elementen und großen Balladenmomenten vermengen, in denen ihre große besondere Stimme gefühlvoll glänzen kann und welche wieder von Obersoftie-Songschreiberin Diane Warren ins rechte Licht gerückt wird. Der vom Latin-Pop beeinflusste Herzschmerz in SPANISH GUITAR ist quasi das UN-BREAK MY HEART von THE HEAT, nur in kitschiger (sie will von ihrem Liebhaber wie ein Lied auf seiner Gitarre gespielt werden...), aber einfach wunderschön und mein persönlicher 1. Anspieltipp. Im Vorfeld besaß ich von der Singleauskopplung eine Doppel-12", auf dem die vorliegende Albumversion auch zu hören war, aber mit solch einem Schnarren durch ungenügendes Mastering für Analogverhältnisse, dass ich positiv überrascht war, wie gut die Aufnahme auf der 2026er Wiederveröffentlichung von THE HEAT klingt. Generell wirken die zwei LPs äußerst ausgewogen in ihrer Abmischung, weil sie bei 3 Titeln pro Plattenseite viel Luft zum Atmen zwischen den nicht zu eng stehenden Rillen haben. Um meine Pressung könnte es dennoch besser bestellt sein. Bei meinem Exemplar eiert die B-Seite ein wenig. Außerdem fehlt dort das Label, und die ungefütterte Innenhülle, in der die erste schwarze Platte steckt, war vom Werk aus durchlöchert. Ich habe mir mehrere Kritiken zu dieser Doppel-LP angesehen und ich scheine wohl ein unglücklicher Einzelfall zu sein, weswegen ich bei der Pressqualität nur einen Stern abziehe. Übrigens lagern beide Platten inklusive Inner-Sleeves, wie die Neuauflage von SECRETS auch, in einer Einfachhülle, die zwar nicht zum Aufklappen ist, aber dafür genügend Stauraum bietet.
    Bis vor Kurzem war das Original von THE HEAT aus dem Jahr 2000 preislich nicht mehr erschwinglich und bewegte sich auf dem Sammlermarkt bei durchschnittlich 200 Euro. Endlich hat Sony erkannt, dass Nachfrage bei den Klassikern von Toni Braxton gegeben ist und die Fans mit Re-Issues der ersten 3 Alben beglückt. SECRETS und THE HEAT habe ich mir gekauft und kann für beide eine ordentliche Aufarbeitung bescheinigen. Gerade die HEAT klingt richtig gut - 5 Sterne.
    Meine Produktempfehlungen
    • Secrets Toni Braxton
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      Invincible (CD)
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      The Best Of Sade (180g) (LP)
    Gilmore Girls (O.S.T.) (Blue/White Splatter Vinyl)

    Sam Phillips
    Gilmore Girls (O.S.T.) (Blue/White Splatter Vinyl) (LP)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    02.04.2026
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    4 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Der einzigartige GG-Score, angereichert mit dem für die Serie signifikanten Summen... aber wo ist denn Carole King hin?

    Die von Sam Phillips komponierte Kollektion enthält den Score der GILMORE GIRLS, der im Hintergrund und Abspann von 7 Jahren der US-Serie gelaufen ist. Leider hat man auf die Zugabe des kultigen Titelsongs WHERE YOU LEAD? von Carole King verzichtet, was die Feierlichkeiten rund um 25 Jahre GILMORE GIRLS ein wenig trübt. Was ist eine Serie aus den Nullerjahren schon ohne Titellied? Eine Netflix-Serie von heute - ein Stern Abzug.
    Nichtsdestotrotz ist es schön, endlich die chillige Hintergrundmusik ohne Unterbrechungen, sprich ohne die hitzigen Dialoge des sympathischen Mutter-Tochter-Duos zwischendurch, anhören zu können. Ein bisschen gesungen wird ja auch - bzw. ein bisschen gesummt. Entweder liebt man die "La, La, La"-Sequenzen, die zwischen die Akustikgitarrenstücke gestreut werden, oder man findet sie nervig. Einige der gesummten Instrumentalstücke fanden auch Verwendung in den dynamischen Menütafeln der GILMORE GIRLS-DVDs, auf denen das "La, La, La"-Geträller in Endlosschleife zu hören ist, wenn man keinen Menüpunkt ausgewählt hat. Wir Fans lieben diesen besonderen und so signifikanten Score natürlich, weswegen man sich die Musik wahlweise auf himmelblau gesprenkeltes, kaffeebraunes oder herbstoranges Vinyl ins Haus holen kann, abhängig davon, wo man die Platte kauft. Jpc hat das blaue Vinyl, das einen schönen optischen Effekt macht, wenn es sich auf dem Plattenteller dreht.
    Ein bisschen unaufgeregt sind die Feierlichkeiten um die Hülle: kein Klappcover - dafür aber mit leicht gummiertem Finish, das sich wie Samt anfühlt - eine klarsichtig-stabile Innentasche zum Schutz der Platte - die sich glücklicherweise nicht so leicht knicken lässt, wenn man sie wieder in das Cover verfrachtet - und ein 4seitiger Einleger mit wenigen Bildern und ein paar Danksagungen, bei meinem Exemplar mit zusätzlichen Schmutzspuren, weil das Ding vermutlich beim Einpacken auf den dreckigen Boden gefallen ist - ziemlich "bare to the bones" für den stolzen Preis von durchschnittlich 39 Euro zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Dafür ist das Teil perfekt gepresst und klanglich optimal austariert.
    Gran Turismo (180g)

    The Cardigans
    Gran Turismo (180g) (LP)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    25.03.2026
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    4 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Wieder eine lohnenswerte Neuauflage einer einst seltenen Cardigans-LP

    GRAN TURISMO von den Cardigans, kurz vor der Jahrtausendwende veröffentlicht, hat seinen ganz eigenen Drive, deshalb wohl auch der treibende Albumtitel. MY FAVOURITE GAME ist das bekannteste Lied auf der LP und entfaltet sein melodisches Potenzial mit dem prägnanten E-Gitarrenmotiv besonders auf langen Autofahrten.
    Anders als FIRST BAND ON THE MOON von 1996 - mit dem größten Hit der Cardigans LOVEFOOL als Herzstück des Albums - wirkt GRAN TURISMO weniger wie softer Pop, der leichte Psychedelic-Anleihen der 60er verströmt, sondern viel aufgeräumter und etwas härter. MY FAVOURITE GAME sticht dabei eindeutig hervor. Zum Schluss lässt das 2minütige Instrumentalstück NIL nochmal kurz aufhorchen, welches GRAN TURISMO zu einem ruhigen und würdevollen Abschluss bringt. Schön, dass die Cardigans nicht immer gleich klingen und auch mal rockigere Gefilde erschließen. Als Gesamtkonzept mag ich persönlich das besondere "Flower-Power-Feeling" auf FIRST BAND ON THE MOON etwas lieber als das recht geradlinige GRAN TURISMO. Die Ecken und Kanten sucht man auf dem vorliegenden Album schon vergebens.
    Der LP muss man aber zugute halten, dass sie phantastisch klingt. Die Wiederveröffentlichung basiert auf einer Kampagne aus dem Jahr 2019, als das Label stockholm records im Vertrieb von Universal Music verschiedene Alben der Cardigans als Schallplatte wieder verfügbar gemacht hat. Das schwarze, haptisch sehr schön anmutende Vinyl mit seinen schweren 180 Gramm dröhnt ordentlich in den Tiefen, ohne dabei die zuckrige Stimme von Nina Persson zu überlagern. Der Longplayer steckt in einer luxuriösen Klapphülle (luxuriös deshalb, da es geradezu hedonistisch ist, eine Einzelplatte im Gatefold auszuliefern). Bei der bedruckten Innenhülle hätte man mehr geben können, weil sie ungefüttert ist und so einer idealen Lagerung des schwarzen Goldes entgegensteht. Dennoch ist auch die Verwirklichung dieses Cardigans-Album ihr Geld wert - 4 Sterne.
    Meine Produktempfehlungen
    • First Band On The Moon (180g) The Cardigans
      First Band On The Moon (180g) (LP)
    No Angel (25th Anniversary) (Limited Edition) (Red Marble Vinyl)

    Dido
    No Angel (25th Anniversary) (Limited Edition) (Red Marble Vinyl) (LP)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    07.03.2026
    Klang:
    3 von 5
    Musik:
    4 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Die Liebe hat Sony nur in der Verpackung zum Ausdruck gebracht, aber nicht im Inhalt

    Was habe ich mich gefreut, als Didos Dreampop zum Vorbestellen angekündigt wurde. Endlich kann ich NO ANGEL meiner Plattensammlung einverleiben! Zuvor veröffentlichte Auflagen wurden liebhabermäßig in kleinen Stückzahlen gehalten, weswegen man sich dumm und dämlich bezahlt hat, eine dieser schnell ausverkauften Versionen (mit dem Originalcover) zu ergattern. Seit Kurzem kann man NO ANGEL von 1999 erstmals regulär auf Schallplatte kaufen.
    Es handelt sich dabei um eine typische Produktion von zwischen der Jahrtausendwende: Didos Stimme ist zentral und dadurch sehr schön akzentuiert in der restlichen Klanglandschaft, welche leider aus einem Instrumentenmix besteht, dessen Abmischung klare Grenzen aufzeigt. Die Dynamik, die drin gewesen wäre (man denke an die emotional stimmende Herzschmerzballade HERE WITH ME mit dem plötzlichen Lautstärkeanstieg, wenn die zweite Strophe einsetzt), ist komplett auf Flachheit getrimmt und um schöne Details geschröpft. THANK YOU klingt beispielsweise so, als hätte man es in der notbedürftigen Standardbitrate einer MP3 ans Ende der ersten Plattenseite gesetzt. Wahrscheinlich ist NO ANGEL eines der traurigen Überbleibsel einer Zeit, in der verstärkt auf digitale Ergüsse gesetzt wurde. Weil die Pressqualität der rot-schwarzen Vinyl stimmt, geht's am Ende noch gerade so in Ordnung, aber NO ANGEL hat bei rund 25 Minuten pro Plattenseite und der deshalb zwangsweise sehr leisen und schwachbrüstigen Ausrichtung keine Chance gehabt, seine musikalische Brillianz auszudrücken - alles bleibt durchschnittlich. Ein Doppelvinyl hätte diesem äußerst erfolgreichen Album durchaus gut getan, warum also nur auf eine Platte schneiden, wenn das Teil damals so krass viele Einheiten umgesetzt hat? Ach ja, das spezielle Cover, welches sich in der Mitte des Titelbilds aufklappen lässt (man siehe auch das Innere unter dem Schuber von Taylor Swifts aktueller Platte LIFE OF A SHOWGIRL), hat zu viel Budget in Anspruch genommen... und die Lyrics auf der ungefütterten Innenhülle abzudrucken wohl auch. Äußerlich ist NO ANGEL daher kaum zu beanstanden, wenngleich ich mir persönlich noch eine Variante gewünscht hätte, die mit dem Originalcover meiner 27 Jahre alten CD ausgestattet ist. Letztendlich ist das ein Luxusproblem angesichts der doch bloß mäßigen Abmischung - drei Sterne. Obwohl die Musik top ist, wird diese Dido nicht so oft auf dem Plattendreher landen. Kein besonderes Analogerlebnis, hier tut's auch die CD. Hoffentlich passiert so etwas nicht schon wieder, wenn ihr anderes Hitalbum LIFE FOR RENT mit dem Evergreen WHITE FLAG (erstmalig offiziell!) als Platte auf den Markt gebracht wird.
    Happiness (15th Anniversary)

    Hurts
    Happiness (15th Anniversary) (LP)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    19.02.2026
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    5 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Der moderne Klassiker endlich auch auf klassisch-schwarzem Doppelvinyl

    Die Deluxe-Ausgabe zum 15. Geburtstag von Hurts' Debütalbum HAPPINESS hätte es verdient gehabt, bereits 2011 zu erscheinen, als die CD mit fast identischem Inhalt mit u. a. dem etwas anderen Weihnachtssong ALL I WANT FOR CHRISTMAS IS NEW YEAR'S DAY auf den Markt kam. Es ist so, als würde die Doppel-LP von HAPPINESS die einzig wahre Möglichkeit sein, das Album in seiner vollen Pracht zu hören. Als 2-LP-Set ist das 2010 ursprünglich als Einzelplatte in Auftrag gegebene Vinyl ausstaffierter im Bassbereich und macht gerade auf klassisch-schwarzem Material Sinn, da HAPPINESS seit seiner Veröffentlichung schon als Klassiker gehandelt wird - und dazu auch noch die zahlreichen Pressfehler ausbleiben, die bei der vorangegangenen, zugebenermaßen hübschen Picture-Disc-Variante an der Tagesordnung waren.
    Im Jahr 2010 sind Hurts so etwas wie die Pet Shop Boys auf Kuschelkurs, was ihre ersten Gehversuche im Musikbusiness betrifft. Synth-Pop mit viel Gefühl, HAPPINESS ist in etwa sowas wie eine aktualisierte Ausgabe von BEHAVIOUR, dem Pet-Shop-Boys-Meisterwerk von 1990. Der Nachfolger EXILE war dagegen schon viel amerikanisierter und für den Weltmarkt konzipiert. Teils klangen sie darauf wie Rihanna. Beim Erstling HAPPINESS ist noch alles anders. Der gefühlvolle Balladenanteil mit Großtaten wie BLOOD, TEARS AND GOLD, STAY, ILLUMINATED, dem sich gemächlich aufbauende EVELYN (Anspieltipp), THE WATER, UNSPOKEN und DEVOTION mit dem gesanglichen Überraschungsgast Kylie Minogue schlägt stärker aus als die Synth-Pop-Nummern im Uptempo-Gewand wie ihre erste Single WONDERFUL LIFE, SUNDAY und BETTER THAN LOVE. Im Gesamtkontext hat die nachdenkliche Glückseligkeit von HAPPINESS immer funktioniert und ist 15 Jahre später noch so frisch wie eh und je.
    Schade, dass der Remix von WONDERFUL LIFE unseres deutschen DJ-Exports Purple Disco Machine kein Bestandteil der neuen Version von HAPPINESS geworden ist (warum eigentlich nicht?), denn der taugt was und gehört mittlerweile zu den regen Vertretern im alltäglichen Radioprogramm. Hurts' Cover von Kylies CONFIDE IN ME konnte man damals noch auf der Deluxe-CD hören, hier fehlt ihre eigene Fassung, die fast schon tieftraurige Apokalypse-Vibes verströmt. Die-Hard-Fans von HAPPINESS könnten die Liste wünschenswerter Beigaben noch endlos weiterführen. Unterm Strich schließt Sony hiermit eine Lücke und erfüllt den Herzenswunsch all jener, die eines der besten Debütalben aller Zeiten ihrer Plattensammlung einverleiben wollen.
    Meine Produktempfehlungen
    • Behaviour (2018 Remastered) (180g) Pet Shop Boys
      Behaviour (2018 Remastered) (180g) (LP)
    On The Radio: Greatest Hits Expanded

    Donna Summer
    On The Radio: Greatest Hits Expanded (LP)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    08.02.2026
    Klang:
    5 von 5
    Musik:
    5 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Disco ist das italienische Wort für Schallplatte

    Es hat lange gedauert, bis ein Querschnitt von Donna Summers Karriere auf Schallplatte erschienen ist, der auch ihren 80er-Hit SHE WORKS HARD FOR THE MONEY und ihre Zeit mit Stock Aitken Waterman berücksichtigt (wunderbar erkennbar am schrulligen, aber deshalb nicht minder reizvollen I DON’T WANNA GET HURT, das sich wie ein kitschiger Abklatsch von Kylie Minogues HAND ON YOUR HEART anhört, natürlich inklusive der im Refrain ins Tiefe verzerrten Stimme). Beim Kauf sollte man aber unbedingt darauf achten, ob sich auf den zwei LPs von ON THE RADIO: GREATEST HITS ganze 24 Singles oder nur 18 befinden. Derzeit wird das Album nämlich auch in einer farbigen Konfiguration auf pinkem bzw. lilafarbenem Vinyl im Vertrieb von Universal Music angeboten, das o. g. Titel nicht enthält, dafür aber mit einer verlängerten Version des Singlehits ON THE RADIO ausgestattet ist. Daher sollte man unbedingt einen Blick auf die Produktinfo werfen und auf den Zusatz EXPANDED achten, bevor man ON THE RADIO im Vertrieb von kauft. Sollte die Herstellerinfo dann auch noch den Vertrieb H’Art offenbaren, ist man auf dem richtigen Dampfer, was die richtige Fülle an Material rund um Donna Summers Schaffen betrifft.
    Ihre Zeit mit Giorgio Moroder an den Reglern wird jedoch in jeder Fassung von ON THE RADIO rege bedacht, worauf es hauptsächlich ankommt. Ihre das Genre Disco definierenden Klassiker LOVE TO LOVE YOU BABY und I FEEL LOVE sind in ihren (sehr) kurzen Single-Versionen enthalten, jene Lieder, die zu den am meisten in der Musikgeschichte gesampleten zählen. Ganz große Namen wie Beyoncé, TLC, Madonna, Kylie Minogue und die Pet Shop Boys haben sich diese Kompositionen schon einverleibt, um Eigenes zu kreieren. Das beweist den nicht abbrechenden Einfluss der Disco-Ikone auf das sich ständig verändernde Popgeschehen. Diesbezüglich hat sich Rüppelrapper Kanye West durch seine nicht tolerierbaren Skandale der Neuzeit eine Abfuhr bei den Nachlassverwaltern von Donna Summer abgeholt. Take That durften das, was Kanye West nicht durfte: Mit ihrem Cover zu Summers COULD IT BE MAGIC gelang der Boyband Anfang der 90er nebenbei auch noch einer ihrer ersten Kassenschlager. Donna Summer ist allgegenwärtig – und bleibt trotz ihres frühen Todes unvergessen!
    ON THE RADIO auf zwei schwarzen Platten zollt ihr ordentlich Tribut bei einer perfekten Pressung und einer Klangqualität, bei der nichts zu beanstanden ist. Obwohl das farbige Pendant mit nur 18 Singles auf der gleichen Anzahl an Tonträgern vermutlich mehr Luft zum Atmen zwischen den Rillen hat, so klingt das schwarze Doppel auch äußerst anständig, weil dynamisch und in seinen klanglichen Ebenen sauber voneinander differenziert. Die Hülle kann man aufklappen und offenbart im Inneren eine Großaufnahme von Donna Summer samt abgedruckter Unterschrift. Auf den ungefütterten Innenhüllen präsentiert man die Singlecover der 24 Nummern in sauber aufgeführter Kacheloptik... alles schick, ohne allzu sehr auf den Knopf des „Übererhaschens“ drücken zu wollen.
    Number Ones (Red Vinyl)

    Michael Jackson
    Number Ones (Red Vinyl) (LP)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    05.02.2026
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    4 von 5
    Pressqualität:
    4 von 5

    Die perfekte Einstiegsdroge in die Welt des King of Pop, darüber hinaus wunderhübsch anzusehen

    Zugebenermaßen nerven die zahlreichen Kürzungen seit der CD-Veröffentlichung von Michael Jacksons NUMBER ONES im Jahr 2003. Gerade charakteristische Intros (THRILLER) und Outros (kriminell: der wunderschöne Abgang von YOU ARE NOT ALONE fehlt) fielen der Schere zum Opfer. Dafür wurde nunmehr das katastrophale Loudness-Mastering verschlimmbessert und wirkt wesentlich milder als jenes der CD, die meistens eh im güntigen Budget-Angebot zu finden war, seitdem MJ im Jahr 2009 überraschend verstorben ist. Die Erstpressungen von 1979 aufwärts werden aber immer besser klingen als das Destillat der NUMBER ONES. So fehlen beispielsweise Elemente des reichen Synthieteppichs in THRILLER, was wahrscheinlich auf die Abmischung von 2003 zurückzuführen ist, in der von Hause aus klanglich viel verloren gegangen ist. Die Vermutung liegt nahe, da einige der Edits speziell für die NUMBER ONES vorgenommen worden sind. Generell wirkt das Mastering sehr klinisch, steril und digital und lässt die Dynamik der Originale in ihren zumeist längeren Fassungen vermissen.
    Dennoch hat man thematisch gesehen wohl eines der allumfassendsten Best ofs des King of Pop vorliegen in seiner künstlerisch spannendsten Periode, und zwar von den Studioalben OFF THE WALL bis INVINCIBLE, und das auch noch in willkommener chronologischen Reihenfolge. Warum sich damals WHO IS IT nicht die Pole Position sichern konnte und daher leider fehlt, darf dabei gerne hinterfragt werden. Ich behaupte jetzt einfach, dass das Essentielle des Essentiellen des ewigen Popkönigs vorhanden ist, wobei NUMBER ONES als Einstiegsdroge gefährlich ist: Sollte man noch nicht viel von MJ in der Plattensammlung haben, wird man sicher nach mehr von ihm schreien... dann sollte man sich bitte unbedingt DANGEROUS (mit WHO IS IT) und BAD in seiner unangetasteten Erstpressung von 1987 mit dem zusätzlichen Sprachintro in I JUST CAN'T STOP LOVING YOU und den Atemgeräuschen in SMOOTH CRIMINAL sichern!
    Die "Solid Red Pressing" macht auf jeden Fall optisch viel her. Wie der Aufkleber auf der Einschweißfolie bereits ankündigt, handelt es sich um eine deckende Vinylfarbe und nichts Durchscheinendes, was ja gerade so angesagt zu sein scheint. Das farbige Material ist etwas anfällig gegenüber akustischen Oberflächengeräuschen, was ich im geringen Maße für mein Exemplar bestätigen kann. Jedoch halten sich die Knistergeräusche in einem vertretbaren Rahmen. Die NUMBER ONES mit ihrer Weniger-ist-mehr-Gestaltung ist insbesondere etwas fürs Auge und MJ-Sammler. Im Inneren der Klapphülle kehren zwei weitere Schwarzweißfotografien des King of Pop auf, die zu ihrer Zeit als Alternativcover der CD-Veröffentlichung hergehalten haben. Die roten Platten stecken in bedruckten gefütterten (!) Hüllen (Wo gibt's denn sowas, dass sie gleichzeitig bedruckt UND gefüttert sind?!), die klar strukturiert Produktionsnotizen zu den einzelnen Titeln parat halten.
    Inhaltlich brauchen MJ-Sammler das Ganze nicht unbedingt, es sei denn, man tut sich damit schwer, die 12" der damals neuen Ballade ONE MORE CHANCE aufzutreiben, welche damals nur der NUMBER ONES vorbehalten gewesen ist. Wer aber erstmal nach einem gut gebündelten Gesamteindruck vom Schaffen des Ausnahmekünstlers sucht oder einfach nur ein hübsches Souvenir, welches die Verbundenheit zu MJ ausdrücken soll, der wird mit NUMBER ONES (relativ) glücklich werden.
    Hot Pink (Pink Vinyl)

    Doja Cat
    Hot Pink (Pink Vinyl) (LP)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    01.02.2026
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    4 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5

    Die Brücke zwischen Hip Hop und Pop lautet neuerdings auf den Namen Doja Cat

    HOT PINK von Rapperin/Sängerin Doja Cat aus dem Jahr 2019 ist ein typisches zweites Album. Für gewöhnlich sind Nachfolger verschrien, den Vorgänger nicht toppen zu können, gerade kommerziell gesehen. Darum scheint HOT PINK um einen radiofreundlichen Hit aus der skandinavischen Hitschmiede herum gebaut zu sein. Dr. Luke, mittlerweile durch die Anklage von Kesha in Verruf geraten, hat SAY SO kreiert, ein Song, der als Blaupause für Sabrina Carpenters ESPRESSO angesehen werden kann, weil er eine ähnliche Produktion aufweist. Man könnte SAY SO auch unter "Doja Cat feat. Doja Cat a/k/a herself" führen, denn so gut, wie sie singen kann, so gut kann sie auch rappen. Ähnliche Titel wie SAY SO sucht man auf HOT PINK allerdings vergeblich. TALK DIRTY und das Darkwave-Arrangement von ADDICTION (nach SAY SO der 2. Anspieltipp) gehen noch in die gleiche Kategorie des Hip Pops, die den Zuhörern gefallen könnten, die es genau auf den Sound von SAY SO anlegen.
    Der Rest? Statt Hip POP gibt es Hip HOP satt, sehr generisch, ein bisschen wie Albumtitel von The Weeknd seines Albums AFTER HOURS, das mit BLINDING LIGHTS den einen Riesenhit abgeworfen hat (auch wieder made in Stockholm).
    Dennoch ist Doja Cats HOT PINK ein interessantes Hörvergnügen, da sie im Kern Rapperin ist, es dabei aber gleichzeitig schafft, die Brücke zum Mainstream zu schlagen durch ihr starkes Singlematerial. Die Vergleiche zu Nicki Minaj liegen da natürlich nicht fern, da auch sie durch Sachen wie STARSHIPS viel Aufmerksamkeit fern der Rapszene generieren kann.
    Auf Vinyl macht das Album viel Spaß. Unkenrufen zu einer schlechten Qualität, welche öfterorts im Netz bescheinigt wird, ist meine Pressung absolut makellos (vielleicht, weil es sich um eine spätere Charge handelt?). Die Bässe sind voll und rund und tönen sauber um Doja Cats beeindruckende (und manchmal auch durch Autotune verstärkte Stimme wie in SHINE) herum. Das Einzige, was man bemängeln könnte, ist die minimale Inner-Groove-Distortion während des 6. und 12. Titels, weil sie sich am Ende jeder Plattenseite befinden und seicht zum Schnarren neigen. Das hat man jedoch schon viel stärker vernehmen müssen.
    Die pinke Farbgebung der nicht aufklappbaren Hülle hat man auf dem Tonträger fortgesetzt, deren Farbton das Farbschema perfekt ergänzt. Die billige Papierinnenhülle setzt dem Ganzen einen kleinen Dämpfer, der auf beiden Seiten bedruckte Beileger, der nicht ganz so groß wie die Hülle ist, weiß hingegen ein wenig zu entschädigen, trägt er alle 12 Liedtexte von HOT PINK.
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    1 bis 25 von 148 Rezensionen
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