Düster, spannend und erschreckend
Ein Mann wird auf grausame Weise ermordet. Kurz darauf wird eine junge Mutter in einem Einkaufszentrum gefoltert und erschossen. Gleichzeitig verbreitet sich eine gefährliche neue Droge, die weitere Todesopfer fordert. Ronja Jentzsch, die Leiterin einer grenzüberschreitenden Ermittlungseinheit, übernimmt die Ermittlungen und sie versucht herauszufinden, ob diese Verbrechen miteinander zusammenhängen.
"Weißer Rausch" von Anu Ojala ist der Auftakt der Lappland-Trilogie rund um die Kommissarin Ronja Jentzsch von der finnischen Polizei. Sie leitet die finnisch-schwedische RYR-Ermittlungsgruppe in der Hafenstadt Kemi.
Ein brutaler Mord mit einer Nagelpistole und ein Raubüberfall mit zwei Schwerverletzten führen Ronja und ihr Team in einen Fall, bei dem es offenbar auch um Drogenkriminalität geht. Nach und nach kommen weitere Verbrechen und erschreckende Hintergründe ans Licht. Besonders die Kinder, die in diesem Fall eine Rolle spielen, haben mir leidgetan. Sie scheinen kaum eine Chance auf ein normales und behütetes Leben zu haben. Das fand ich teilweise wirklich erschreckend.
Gut gefallen haben mir vor allem die Figuren. Ronja ist eine interessante Ermittlerin, die neben ihrer Polizeiarbeit auch ihre demenzkranke Mutter versorgt, abwechselnd mit ihrem Bruder. Allerdings habe ich sehr kritisch gesehen, dass sie ihre Mutter während der Arbeit allein zu Hause lässt und einschließt. Für mich war das keine gute Lösung und hat mich stellenweise sehr beschäftigt.
Auch Kristian Manninen fand ich interessant. Der junge Zollbeamte und Familienvater steckt in einer toxischen Beziehung und wird von seiner Frau misshandelt. Auch seine kleine Tochter Laura leidet darunter. Besonders traurig fand ich, wie schwer es Kristian fällt, Hilfe anzunehmen. Seine Geschichte zeigt ein Thema, über das meiner Meinung nach noch viel zu wenig gesprochen wird, nämlich häusliche Gewalt gegen Männer.
Mein Lieblingscharakter war allerdings Janne, Ronjas Ermittlungspartner. Seine trockene und sarkastische Art hat mir richtig gut gefallen. Ronja selbst ist ähnlich, wodurch die beiden im Dienst manchmal ziemlich emotionslos wirken. Ich mochte diese Art aber sehr. Ein bisschen schwarzer Humor hilft vermutlich dabei, den Polizeialltag überhaupt auszuhalten.
Im Mittelpunkt steht ganz klar die Polizeiarbeit, die sehr detailliert beschrieben wird. Dadurch bekommt man einen guten Einblick in die Ermittlungen. Gleichzeitig werden wichtige Themen wie Drogenkriminalität, häusliche Gewalt und das Versagen des Systems angesprochen.
Auch der Schreibstil hat mir gefallen. Das Buch ist verständlich geschrieben, fesselnd und vor allem temporeich. Die Kälte Lapplands ist zwar spürbar, allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Landschaft und das Setting insgesamt etwas lebendiger beschrieben werden. Abgesehen von der Kälte hatte ich nicht immer das Gefühl, wirklich in Lappland zu sein.
Fazit: Insgesamt hat mir der Auftakt gut gefallen. Besonders die Figuren haben mich neugierig auf die weiteren Bände gemacht. Es gibt einige schwere und erschreckende Themen, aber gleichzeitig bleibt die Geschichte spannend und gut lesbar. Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen, denn ich bin gespannt, wie es mit Ronja, Janne und den anderen Figuren weitergeht.