Aufregende Mischung aus Debütantinnen-Drama und Fae-Fantasy
England und London werden im ausgehenden 19. Jahrhundert wie die letzten 400 Jahre auch von der grausamen Fae-Königin Moryen regiert. Zum normalen Prozedere gehört es für Debütantinnen, mit der grausamen Herrscherin einen Handel zu schließen. Doch die Beseitigung von Makeln oder die Erlangung von Reichtümern hat ihren Preis. In diesem Jahr ist es an Ivy, einen sogenannten Rose Bargain zu verhandeln. Ihre Familie hat durch das Verschwinden und Wiederauftauchen ihrer Schwester sämtliches Ansehen verloren und droht zu verarmen. Da kommt die Ankündigung des Kronprinzen Bram, nun ebenfalls eine Ehefrau wählen zu wollen, als letzte Rettung gerade recht. Doch das Wetteifern um die Gunst des Prinzen mit anderen heiratswilligen jungen Damen wird wegen der grausamen Lektionen der Königin schnell zu einem tödlichen Kampf, den Ivy unbedingt für sich entscheiden muss. Doch da ist auch noch der allzu menschliche Bruder des Prinzen, der Ivys Sieg ebenso braucht. Zwischen Rebellion und Herzklopfen könnte Ivy alles verlieren.
Die Leseprobe von The Rose Bargain hat mich sehr schnell gefesselt und ich wollte unbedingt weiterlesen. Als ich das Buch dann in Händen hielt, hab ich es nicht bereut. Die Gestaltung des Buches ist gefährlich schön und die Dornenranken sind ein guter Hinweis auf die Gefahren, denen sich Ivy aussetzen muss. Der Farbschnitt ist ebenfalls todschick und greift ebenfalls das Rosenthema auf. Die Geschichte von Ivy beginnt an einem Punkt, an dem sie wenig Hoffnung auf eine einigermaßen gute Zukunft hat. Sie ist auf der Suche nach ihrer Verschwundenen Schwester, die das Ansehen der Familie Benton schwer beschädigt hat. Dass Ivy eine gute Partie machen könnte, ist damit ausgeschlossen. Auch das Wiederauftauchen macht es nicht besser. Ivy möchte jedoch unbedingt wissen, was ihrer Schwester geschehen ist und ihre einzige Möglichkeit ist der Handel mit der Fae-Königin. Die Figur der Ivy Benton hat mir imponiert. Sie ist keine absolut selbstsicher Person, hat wie jeder normale Mensch ihre Zweifel und Ängste. Vor allem aber mochte ich, dass sie seit Kindertagen an alte Geschichten über die Anderswelt glaubt und sich in ihnen verlieren kann. Die Fae-Königin und ihr Auftauchen vor Jahrhunderten gab mir Rätsel auf. Gleichzeitig ist sie immer noch so grausam wie damals, gibt sich aber betont freundlich. Mit ihr möchte ich sicher keinen Handel abschließen müssen. Die beiden Prinzen hingegen lassen sich schwer einschätzen und es ist nicht sofort klar, wer nun Ivys Herz gewinnt.
Ivy bestreitet den Wettbewerb auch nicht allein, anfangs sind es sehr viele junge Damen, die sich auf das Spiel um die Gunst des Kronprinzen einlassen. Doch sehr schnell erkennt man, dass man der Fae-Königin nicht trauen sollte und ihre Worte sehr stark hinterfragen muss. Die im Finale übriggebliebenen jungen Frauen sind sehr unterschiedlich und obwohl die Fassade freundlich ist, sind sie allesamt Konkurrentinnen, die ihre eigenen Gründe für die Teilnahme am Auswahlverfahren haben. Diese nach und nach zu erfahren, fand ich spannend. Überhaupt ist vieles unklar, jeder hat Geheimnisse, deren Aufdeckung gefährlich werden kann. Die Autorin baut immer wieder Kapitel ein, die von der Ich-Erzählerin Ivy zu einer der anderen Damen wechseln und ihr Innerstes nach außen kehren und so wichtige Details aufdecken. Überhaupt sind sie allesamt schlagfertiger und gerissener als ich es erwartet hatte. Sehr reizvoll ist auch Ivys Hin- und Hergerissensein zwischen den beiden Prinzen. Für mich erfrischend gab es keinen oder einen sehr dezenten Spice-Level, wie es für die Regency-Zeit angemessen ist. Die Mischung aus dieser Zeit mit ihren Bällen und Konventionen, mit denen hin und wieder gebrochen werden muss und den mystisch-magischen Fae-Elementen machte diese Geschichte für mich zu einem großen Lesevergnügen, bei dem ich sehr gespannt auf die Fortsetzung bin, denn Vieles erscheint mir am Ende ausweglos, aber da wird sich die Autorin sicher - wie auch in diesem Band - tolle Twists überlegen. 5 Sterne