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    Heike K.-W.

    Aktiv seit: 24. Mai 2026
    "Hilfreich"-Bewertungen: 1

    Bitte beachten Sie

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    2 Rezensionen

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    Burkard Schliessmann - Live & Encores

    Burkard Schliessmann - Live & Encores (SACD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    29.05.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Schliessmanns Meisterschaft am singenden FAZIOLI - Klang, Geist und Poesie

    Schon der erste Atemzug der Sinfonia aus Bachs Zweiter Partita wirkt wie das Öffnen eines gewaltigen Klangtores: ein einziger, weit ausrollender Akkord, der sich wie ein Lichtstrahl über den Raum legt. In diesem Moment wird klar, dass hier kein bloßes Spielen stattfindet, sondern ein Gestalten, ein
    Erschaffen. Der Fazioli F278, auf dem Schliessmann musiziert, antwortet mit
    einer Wachheit, als sei er selbst ein atmendes Wesen, das jede Berührung in
    reine Resonanz verwandelt.

    Schliessmann formt diese Partita nicht aus Noten, sondern aus Bewegungen, aus Gesten, die tief im harmonischen Gefüge verwurzelt sind. Die später aufblühende Passage der Sinfonia huscht wie ein Windstoß vorbei, während die Allemande sich mit einer Zartheit entfaltet, die an das Öffnen einer Blüte erinnert: jede Note ein eigener Duft, jede Linie ein eigener Schatten. Die Courante trägt eine stille Hoheit, als sei sie aus dem Geist eines höfischen Tanzes geboren, und die Verzierungen wirken wie feine Goldfäden, die das Ganze zusammenhalten.

    In der Sarabande lässt Schliessmann die Basslinie der linken Hand mit einem Ton erklingen, der an den Strich eines Cellobogens erinnert - warm, leicht, schwebend. Das Rondeau erhält durch seine pointierte Artikulation einen fast schelmischen Glanz, und das abschließende Capriccio schreitet mit ruhiger Entschlossenheit voran, als würde unter der Oberfläche ein stilles Leuchten glimmen. Diese Lesart der Partita wirkt wie ein lebendiges Wesen, das sich im Moment des Erklingens selbst erschafft.

    Auch das Italienische Konzert beginnt mit einem Akkord, der wie ein
    majestätischer Auftakt zu einem barocken Schauspiel wirkt. Die Verzierungen schweben über der Oberfläche wie filigrane Ornamente aus Glas, und Bachs harmonische Wendungen funkeln wie kleine Überraschungen im Mosaik. Der Mittelsatz wird so langsam und innig gespielt, dass jeder Ton der linken Hand wie ein einzeln gesetzter Stein wirkt, über dem die rechte Hand eine leise, fast intime Melodie singt. Das Finale wiederum ist von kristalliner Klarheit durchzogen, und der markante Anfangssprung wirkt wie ein immer wiederkehrender Ruf.

    Doch am stärksten leuchtet die Chromatische Fantasie und Fuge. Die Fantasie ist ein freier Strom, ein musikalischer Monolog, der sich wie ein Traum entfaltet. Die Fuge hingegen erhebt sich mit einer Strenge, die an die
    Architektur einer gotischen Kathedrale erinnert. Und doch bleibt jede Linie
    durchsichtig, jede Stimme klar. Der hohe Schluss der Fuge scheint sich in
    den Himmel zu verlängern, als würde der Klang selbst nach oben steigen.

    Diese Bach-Interpretationen bilden ein leuchtendes Gegenstück zu
    Schliessmanns Goldberg-Variationen. Man spürt darin die Prägung seines
    Lehrers Helmut Walcha, dessen Ideal der unabhängigen Stimmführung hier wie ein fernes Echo weiterlebt.

    Mendelssohns Variations sérieuses schließen sich an wie ein Spiegel, der das zuvor Gehörte in anderem Licht reflektiert. Die Linienführung ist ebenso
    durchsichtig wie bei Bach, und schon die erste Variation zeigt diese
    Unabhängigkeit der Stimmen. Das Werk erscheint wie ein monumentaler Pfeiler der Klavierliteratur. Die fünfte Variation glüht vor Fantasie, die sechste
    öffnet ein Tor zu Mendelssohns dunkleren Seelenräumen. Die siebte Variation funkelt vor Virtuosität, während die zehnte mit strenger Klarheit auftritt. Variation 13 trägt denselben analytischen Atem. Das Finale schließlich ist ein Wirbel aus Energie und Schönheit, dessen Schlussakkorde wie schwere, glänzende Steine in den Raum fallen.


    Auf der zweiten CD flammt Schumanns Fantasie auf wie ein großes romantisches Feuer. Schliessmanns frühere Einspielung war von makelloser Integrität; diese neue Lesart wirkt menschlicher, unmittelbarer, verletzlicher. Die emotionalen Ausbrüche des ersten Satzes steigen wie Wellen auf. Sein
    Schumann-Klang ist warm, dunkel, schimmernd - ein Klang, der sich im FAZIOLI F278 vollkommen entfaltet. Die Schlussakkorde des ersten Satzes sind wie ein Atemzug, der sich langsam schließt. Im Finale, dessen Gesang oft missverstanden wird, findet Schliessmann die perfekte Balance: Die Melodie bleibt präsent, selbst wenn sie in die tieferen Stimmen wandert. Der Satz trägt einen natürlichen Sog, als würde er sich selbst vorwärtsziehen.


    Die Zugaben bilden ein poetisches Nachspiel: Chopins Walzer op. 64 Nr. 2,
    dessen Rhythmus wie ein leiser Herzschlag bleibt, und Schumanns
    "Chopin"-Stück aus dem Carnaval, das wie ein Traum von einem
    Chopin-Impromptu wirkt. Nichts wird überhastet, und doch funkeln die Läufe,
    die Melodien blühen, das Rubato atmet. Den Abschluss bildet Schumanns
    Warum?, ein Stück, das Schliessmann wie ein Gespräch mehrerer Stimmen
    gestaltet - ein leises, fragendes, inniges Ende eines großen Abends.


    Ein stiller Held dieses Projekts ist Tonmeister Matteo Costa, der den
    FAZIOLI so einfängt, als würde man direkt neben dem Instrument sitzen.
    Schliessmanns eigene Booklet-Texte bilden den gedanklichen Rahmen. Sein
    forschender Geist und seine souveräne Technik führen zu Interpretationen,
    die gleichermaßen Herz und Verstand ansprechen. Ein Erlebnis, das man nicht vergisst.
    Klavierwerke "Fantasies" (180g / Gold-Vinyl)

    Klavierwerke "Fantasies" (180g / Gold-Vinyl) (LP)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.05.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Im warmen Atem des Analogen - Schliessmanns Schumann auf Vinyl neu erlebt

    Robert Schumanns Klavierwelt entzieht sich jeder simplen Einordnung. Sie
    fordert vom Interpreten ein Höchstmaß an geistiger Durchdringung, poetischer Vorstellungskraft und technischer Meisterschaft. Wer sich ihr nähert, betritt ein Reich, in dem Traum, Reflexion und Form zu einer eigenen
    Wirklichkeit verschmelzen. Burkard Schliessmanns Essay "Robert Schumanns Phantasmagorien", der das konzeptionelle Fundament des Albums bildet, zeigt eindrucksvoll, wie Schriftsteller wie Gérard de Nerval, Hölderlin oder Charles Lamb versuchten, das rationale Denken zugunsten eines intuitiven, traumhaften Weltzugangs zu überwinden. Schumann erscheint darin als musikalischer Vertreter dieser geistigen Bewegung - und wer sich seiner Musik öffnet, spürt unweigerlich jene "irrationalen, unlogischen, fast delirierenden" Momente, die sein Werk durchziehen.

    Doch diese poetische Dimension ist nur eine Seite seines Schaffens. Ebenso
    bedeutend ist die strukturelle Klarheit, die Schumann aus der polyphonen
    Tradition der Alten Meister schöpfte. Schliessmann betont in seinen Liner
    Notes, dass Schumann im kontrapunktischen Denken ein romantisches Prinzip verwirklicht sah: das Offenlegen "geheimer Verwandtschaften zwischen den Seelen und den Dingen". In seiner Einspielung gelingt es Schliessmann, beide Ebenen - das Fantastische und das Architektonische - in ein vollkommen natürliches Gleichgewicht zu bringen.

    Den Auftakt bilden die Kreisleriana, jene acht Sätze, die Schumann 1838 in
    einem Zustand innerer Erregung und seelischer Zerrissenheit niederschrieb.
    Die Figur des Kapellmeisters Johannes Kreisler aus E. T. A. Hoffmanns
    Erzählwelt bildet den imaginären Hintergrund. Schon der erste Satz, "Äußerst bewegt", zeigt exemplarisch, wie Schliessmann arbeitet: Er wählt bewusst leicht gemäßigte Tempi, die jedoch nichts von der inneren Spannung nehmen.
    Durch subtile Farbgebung und präzise Phrasierung gewinnt der Satz an
    Dringlichkeit. Ähnliche Qualitäten treten auch in den Fantasiestücken op. 12
    hervor, etwa in "Aufschwung" oder "In der Nacht". Virtuosität bleibt bei
    Schliessmann stets Mittel zum Ausdruck, niemals Selbstzweck. Die enormen
    pianistischen Herausforderungen treten hinter der poetischen Aussage zurück - ein Zeichen wahrer Meisterschaft.

    Die lyrischen Eusebius-Momente gestaltet Schliessmann mit einer Innigkeit,
    die man nur selten hört. Der ausgedehnte zweite Satz der Kreisleriana
    entfaltet sich in vollkommen kontrolliertem Legato, das die polyphonen
    Schichten gesanglich modelliert. Die drängenden Episoden erscheinen weich, geheimnisvoll, organisch atmend.

    Die Studioaufnahme der Fantasie C-Dur lädt zum Vergleich mit der
    Live-Version auf Live & Encores ein. Besonders im dritten Satz zeigt sich,
    wie unterschiedlich Schliessmann auf die jeweilige Situation reagiert: Die
    Studiofassung ist spürbar langsamer, fast entrückt, während die Live-Version
    stärker fließt. Beide Lesarten sind schlüssig und offenbaren verschiedene
    Facetten dieses monumentalen Werkes.

    "Des Abends", der Auftakt der Fantasiestücke op. 12, erklingt bei
    Schliessmann mit zarter Polyphonie und schwebender Transparenz. In diesen Miniaturen zeigt sich Schumanns Fähigkeit, auf engstem Raum ganze Welten zu erschaffen. "In der Nacht", Schumanns eigenes Lieblingsstück des Zyklus, erhält bei Schliessmann seine leidenschaftliche Kraft nicht durch
    überzogenes Tempo, sondern durch die kluge Balance zwischen dramatischen und gesanglichen Passagen. Auch die humorvollen "Grillen" und das oft missverstandene "Traumes Wirren" gewinnen bei Schliessmann poetische Tiefe.

    Beeindruckend die Nachtstücke op. 23 vor, wo die zweite Mechanik des Steinway-Flügels, meisterhaft intoniert von, Daniel Brech, zum Einsatz kommt. Besonders der erste Satz, ein düsterer, immer wieder stockender Trauermarsch, profitiert von der düsteren Mechanik: Der Klang wirkt introvertiert, dunkel, beinahe hypnotisch. Im zweiten Satz arbeitet Schliessmann die polyphonen Linien mit höchster
    Anschlagskunst heraus, während der dritte Satz durch seine farbigen Kapricen besticht. Das vierte Stück schließlich klingt wie aus einer anderen Welt - entrückt, geheimnisvoll, jenseitig.

    Die Drei Fantasiestücke op. 111, entstanden während Schumanns Düsseldorfer Zeit, wirken wie eine späte Rückkehr zu den Phantasmagorien der 1830er Jahre. Schliessmann führt durch alle emotionalen Regionen: kraftvoll im ersten Satz, gesanglich im zweiten, energiegeladen und kontrastreich im Finale.

    Den Abschluss bilden die selten gespielten Gesänge der Frühe op. 133, jene
    rätselhaften Stücke, die Schumann kurz vor seinem Zusammenbruch dem Verleger Arnold anbot. Er beschrieb sie als Musik, die "Empfindungen beim Herannahen des Morgens" ausdrücke - mehr Gefühl als Darstellung. Schliessmann trifft diesen Ton mit beeindruckender Klarheit. Trotz der komplexen Faktur bleibt seine Interpretation durchsichtig, jede Phrase durchdacht, jede Linie erfüllt von geistiger und emotionaler Bedeutung. Der Einsatz der weicheren Mechanik im ersten und letzten Stück verleiht dem Klang eine sanfte, mittige Wärme. Das Werk erscheint wie eine Apotheose von Schumanns poetischem Denken - ein transzendenter Schluss für ein außergewöhnliches Album.

    Besonders eindrucksvoll tritt all dies in der vorliegenden Vinyl-Edition hervor.

    Der warme, körperreiche Analogklang verleiht Schliessmanns nuancenreichem Spiel eine zusätzliche Dimension: Die Farben wirken gesättigter, die polyphonen Linien verschmelzen organischer, und die leisen, introvertierten Passagen gewinnen eine fast physische Präsenz. Die weicheren Mechaniken, die in mehreren Stücken zum Einsatz kommen, entfalten auf Vinyl eine besondere Magie: Der Ton atmet, schwebt, glüht von innen heraus. Gerade in den Nachtstücken und den Gesängen der Frühe entsteht so eine Atmosphäre, die digital kaum zu erreichen ist - ein Klangraum, der den Hörer unmittelbar in Schumanns seelische Landschaften hineinzieht.

    Mit Robert Schumann: Fantasies eröffnet Burkard Schliessmann neue Horizonte der Schumann-Interpretation. Seine Darbietungen verbinden analytische Schärfe, poetische Vision und ein untrügliches Gespür für Klangfarben, Agogik und Zeitmaß. Die Vinyl-Edition verstärkt diese Qualitäten noch einmal und macht das Album zu einem Erlebnis, das gleichermaßen sinnlich wie intellektuell berührt. An diesen Aufnahmen wird künftig niemand vorbeikommen - weder Hörer noch Interpreten.
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