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    Herbert Seidel

    Aktiv seit: 23. Mai 2026
    "Hilfreich"-Bewertungen: 2

    Bitte beachten Sie

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    3 Rezensionen

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    Burkard Schliessmann - Live & Encores

    Burkard Schliessmann - Live & Encores (SACD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    25.05.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Im Strom der Klänge: Ein Pianist - LIVE - zwischen Inspiration und Resonanz

    Schliessmann beschreibt sein Verhältnis zum Publikum mit bemerkenswerter Offenheit: Er spüre, so sagt er, die Aufmerksamkeit jedes einzelnen Zuhörers, deren Wärme und Intensität, und gebe diese Energie an den gesamten Saal zurück. Dieses Wechselspiel aus Konzentration und Resonanz gleiche einem elektrischen Strom, der zwischen Künstler und Hörern fließe. Mit diesem Geist präsentiert er ein Programm, das ihm persönlich besonders nahesteht.

    Die Aufnahme entstand vom 3. bis 5. April 2023 im Fazioli Concert Hall im italienischen Sacile. Neben den außergewöhnlichen Interpretationen beeindruckt die technische Umsetzung: Das Programm liegt in modernster Dolby‑Atmos‑Klangqualität vor. Die hybride Multikanal‑SACD erscheint als edles zweiteiliges Box‑Set mit einem 60‑seitigen Booklet. Aufgrund kleinerer Produktionsverzögerungen ist die physische Ausgabe derzeit knapp, doch das Programm ist bereits als Download verfügbar – ebenso das umfangreiche Booklet.

    Dieses Booklet enthält einen ausführlichen, sorgfältig formulierten Essay Schliessmanns, jeweils rund 20 Seiten in Englisch, Deutsch und Französisch. Er gewährt tiefe Einblicke in die Denkweise eines Künstlers, der Musik nicht nur spielt, sondern durchdringt. Die Produktionsqualität des Labels Divine Art ist in den letzten Jahren ohnehin bemerkenswert, doch die Veröffentlichungen mit Schliessmann setzen neue Maßstäbe: vom hochauflösenden Klang über die klangliche Balance bis hin zur Gestaltung des Booklets, der Fotografien und Texte. Es ist schwer vorstellbar, dass ein Künstler sich eine perfektere Präsentation wünschen könnte.

    Besonders hervorzuheben sind die brillanten Sätze und Abschnitte in Werken von Bach, Mendelssohn und Schumann. Schliessmann verliert nie den melodischen Faden; jede Linie ist geformt, dynamisch nuanciert und musikalisch durchdacht. Während man dies in langsamen Sätzen erwartet, ist es eine Offenbarung, wenn dieselbe Sorgfalt in virtuosen, technisch anspruchsvollen Passagen erscheint. Beispiele hierfür sind das Capriccio der Bach‑Partita, der dritte Satz des Italienischen Konzerts, Mendelssohns Variationen Nr. 16 und 17 sowie der zweite Satz von Schumanns Fantasie. Viele junge Pianisten neigen dazu, solche Sätze in größtmöglichem Tempo zu spielen, um technische Brillanz zu demonstrieren. Schliessmann hingegen – frei von jeglichen technischen Grenzen – sucht und findet die melodischen Linien und hält die Virtuosität im Dienst der Musik.

    Ein wesentlicher Grund, weshalb dieses Programm auch nach vielen Durchgängen fesselt, liegt in Schliessmanns rhythmischer Vitalität. Bachs Fantasie etwa verbindet rasante Passagen mit ruhigeren Akkordfolgen; selbst in den verlangsamten Momenten bleibt der Puls spürbar. Der langsame Satz des Italienischen Konzerts kann leicht an Spannung verlieren, wenn er zu gedehnt gespielt wird. Mit Bachs reichhaltiger Ornamentik im zweiten Teil entstehen zusätzliche rhythmische Herausforderungen. Schliessmanns Interpretation auf dieser Aufnahme ist in ihrer Geschlossenheit und Ausdruckskraft schlicht ideal. Ähnlich zwingend wirkt der lange Spannungsbogen im dritten Satz von Schumanns Fantasie – ein musikalisches Bekenntnis an Clara. Die rhythmische Entwicklung führt unweigerlich zum Höhepunkt, der hier mit großer emotionaler Wucht und innerer Logik erreicht wird.

    Die Bach‑Werke gehören seit Langem zu Schliessmanns Repertoire; frühere Einspielungen (Divine Art SACD 25751) zeigten bereits seine Überzeugung, dass der moderne Konzertflügel mit all seinen Möglichkeiten genutzt werden muss, wenn man Bach darauf spielt. Seine Verzierungen sind stets stilvoll und organisch eingebettet. Er betont zudem, dass die aktuellen Interpretationen das Ergebnis eines lebenslangen Reifungsprozesses sind. Die hier vorliegenden Darbietungen spiegeln diese Entwicklung eindrucksvoll wider. Da seine kommende Schumann‑Aufnahme nach dieser Session entstanden ist, darf man mit Spannung auf weitere außergewöhnliche Einspielungen warten.

    Eine höhere Empfehlung lässt sich kaum formulieren. Die Aufnahme steht bereits auf meiner persönlichen Jahres‑Favoritenliste – und wird mich sicher noch lange begleiten.
    Italienisches Konzert BWV 971

    Italienisches Konzert BWV 971 (SACD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    25.05.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Schliessmanns Bach: Respekt, Freiheit und Klangfantasie

    Bei aller beeindruckenden Breite und Tiefe seines Wissens in Musik, Kunst, Literatur und Philosophie im Allgemeinen – und seiner außergewöhnlichen Gelehrsamkeit im Hinblick auf Bachs Werk im Besonderen – ist Burkard Schliessmann im Innersten ein bekennender Romantiker. Diese Grundhaltung prägt auch sein Spiel. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass man übertriebene Schlussverzögerungen, eigenwillige Tempomodifikationen, rhythmische Unruhe oder unregelmäßige Phrasierungen zu hören bekäme. Schliessmann kennt Bach zu gut und begegnet ihm mit zu großem Respekt, um seine Lesart der Partituren durch stilfremde Manierismen zu verfälschen.

    Sein „romantischer“ Ansatz – wenn man ihn so nennen möchte – zeigt sich vielmehr in seiner Überzeugung, dass man, sobald man sich für die Interpretation Bachs auf dem modernen Konzertflügel entscheidet, dies mit voller Konsequenz tun muss. Nicht im Stil des Cembalos zu spielen, sondern die klanglichen und dynamischen Möglichkeiten des Flügels bewusst auszuschöpfen. Interessanterweise entspricht dies genau meiner eigenen Haltung: Ich habe mehrfach in Rezensionen betont, dass die überzeugendsten Bach-Interpreten auf dem Klavier – etwa Angela Hewitt, András Schiff, Murray Perahia oder Craig Sheppard – nicht versuchen, einen Cembaloklang zu imitieren, sondern das Instrument in seiner Eigenart und Ausdruckskraft annehmen.

    Man höre etwa Schliessmanns spielerisches Gegeneinandersetzen der Stimmen im Rondeaux der c-Moll-Partita, das die Fähigkeit des Klaviers nutzt, einzelne Töne hervorzuheben und andere zu verschatten – ein echtes chiaroscuro. Dieses Stück und das anschließende Capriccio, mit dem die Partita endet, gehören zu Bachs ausgelassenster, beinahe schelmischer Musik. Schliessmanns Interpretation bringt einen unweigerlich zum Schmunzeln.

    Ähnliches gilt für den ersten Satz des Italienischen Konzerts. Man achte nur auf die Wendung, die er Bachs rhythmischer Variante in den Takten 37–38 gibt, nachdem die vorausgehenden Takte 35–36 in gleichmäßigen Sechzehnteln verlaufen. Dieser Moment entzückt mich jedes Mal aufs Neue. Wir neigen dazu, Bach als ernsten, strengen Geist unter weißer Perücke zu sehen – doch wer Musik wie diese schreiben konnte, besaß zweifellos Humor und ein feines Gespür für das Derbe und Witzige. Schliessmann versteht das, und es prägt sein ungemein sensibles Spiel.

    Doch nicht alles in diesen Werken ist heiter. Der klagende zweite Satz des Italienischen Konzerts – eine Arie in allem außer dem Namen – und die schmerzlich anmutende a-Moll-Fuge erhalten von Schliessmann eine eindringliche Tiefe des Ausdrucks. Und dann ist da natürlich die große Chromatische Fantasie und Fuge, ein Solitär in Bachs Œuvre, der jedoch klar im stylus phantasticus von Frescobaldi und anderen Tastenmeistern des 17. Jahrhunderts wurzelt.

    Gerade dieses Werk höre ich persönlich am liebsten auf dem Cembalo. Das mindert Schliessmanns Interpretation keineswegs – sie ist ebenso erhellend wie alles andere, was er spielt. Doch das charakteristische „Rasseln“ des Cembalos und das hörbare Zurückfallen der Springer – Effekte, die der moderne Flügel durch seine Mechanik vollständig eliminiert – verleihen dem Stück eine besondere Atmosphäre und Exzentrik.

    Wie dem auch sei: Schliessmanns Chromatische Fantasie und Fuge gehört zu den kühnsten und eindrucksvollsten Darbietungen auf dem Klavier, die ich kenne. Ein grandioses Bach-Recital insgesamt – und in einer SACD-Aufnahme, die den Flügel mit dreidimensionaler Präsenz in den Hörraum projiziert, die Tastatur von links nach rechts und die volle Länge seines Steinway-Konzertflügels von vorne nach hinten plastisch abbildet. Eine uneingeschränkte Empfehlung.
    Klavierwerke "Fantasies" (180g / Gold-Vinyl)

    Klavierwerke "Fantasies" (180g / Gold-Vinyl) (LP)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.05.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Pressqualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Schumann in Gold: Schliessmanns Deluxe‑LP‑Set als interpretatorischer Höhepunkt

    Die Edition erscheint nun als dreifach aufgelegtes, schwergewichtiges Gold-Audiophile-LP-Set in einer Deluxe-Pressung, veröffentlicht am 15. Mai 2026. Nachdem die ursprüngliche Ausgabe sowohl auf SACD als auch in Dolby Atmos vorlag, erweitert die LP-Version das audiophile Spektrum um eine weitere Facette – zumal die Schallplatte derzeit eine bemerkenswerte Renaissance erlebt.

    Aufgenommen wurde das Album in den Berliner Teldex Studios unter der Produktion von Julian Schwenkner und der Tonregie von Jupp Wegner. Insgesamt kamen vierzehn Mikrofone zum Einsatz, um jede Nuance von Schliessmanns Spiel einzufangen; die LP-Pressung zielt zugleich auf eine ausgeprägt analoge Wärme. Das Set präsentiert sich zudem mit einem völlig neuen, farbintensiveren Cover, das sich deutlich vom mahagonigetönten Konzertfoto der SACD-Box unterscheidet.

    Interpretatorisch offenbart sich eine Fülle feinster Abstufungen. Schliessmanns Zugang ist zutiefst persönlich, und je intensiver man hört, desto mehr Schichten treten hervor. Voraussetzung ist, die eigenen Hörgewohnheiten beiseitezulegen: Schliessmann ist hörbar mit einem freien, unvoreingenommenen Blick zur Partitur zurückgekehrt – und ebenso sollten wir hören. Die Klangqualität des Flügels ist herausragend, insbesondere die Bassdefinition. Ein Beispiel bietet das zweite Stück der Fantasiestücke op. 12, in dem Schliessmann eine Leidenschaft entfaltet, die an Argerichs legendäres Concertgebouw-Livekonzert der späten 1970er Jahre (EMI) erinnert.

    „Warum?“, das dritte Stück des Zyklus und Inbegriff romantischer Traumverlorenheit, erklingt hier in einer der eindrucksvollsten Interpretationen überhaupt – und in dieser klanglichen Tiefe wirkt es geradezu enthüllend. Da dies eine zusammenfassende Besprechung ist, sei die erste LP nur kurz erwähnt: Kreisleriana und die Fantasie C-Dur verlangen nicht nur dem Interpreten, sondern auch dem Instrument alles ab – ein Umstand, der zugleich das Können des Klaviertechnikers Daniel Brech bezeugt.

    Die besondere Klangfülle der dreifachen Heavyweight-Pressung erweist sich vor allem für die dritte LP (Seiten E und F) als ideal. Für mich bildet dieser Abschnitt den Kern des gesamten Sets. Nacht und Morgendämmerung prägen diesen Teil: Die Nachtstücke op. 23 faszinieren durch Lichtstrahlen, die immer wieder von dunklen Gedanken überlagert werden. Die Bedeutung der Stücke op. 111 ist enorm – und Schliessmanns Interpretation trägt dieser Bedeutung in jeder Phrase Rechnung.

    Doch erneut möchte ich eindringlich auf die Gesänge der Frühe op. 133 verweisen: Musik, die von Licht durchzogen ist. Sie sollten als Ausgangspunkt dienen, um sich tiefer in Schumanns späte Werke vorzuwagen – eine entrückte, eigenwillige, aber unendlich faszinierende und berührende Welt. Schliessmanns Klangkultur, seine interpretatorische Tiefe und die präzise Setzung der Akkorde sind entscheidend für den Erfolg dieser Darbietung: Wenn technisch alles vollkommen intakt ist, bleibt nichts, was von der Interpretation ablenkt. Schliessmann weiß das – und er nutzt es.

    Das Entfalten des zweiten Stücks ist hypnotisch, ebenso die Kontraste, die es durchziehen. Op. 133 markiert Schliessmanns bislang größten interpretatorischen Höhepunkt – und es in einer derart luxuriösen audiophilen Präsentation zu erleben, ist ein Privileg.
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