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    Maria_Berlin

    Aktiv seit: 23. Mai 2026
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    3 Rezensionen

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    Unerwünschte Töchter.

    Miriam Carbe
    Unerwünschte Töchter. (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    31.05.2026

    Zeitreise durch ein Jahrhundert

    In ihrem Debütroman „Unerwünschte Töchter“ erzählt Miriam Carbe die Geschichte ihrer eigenen Familie, angefangen mit ihrer Urgroßmutter Margarethe, Großmutter Marianne, Mutter Monika und über sich selbst – Miriam -.

    Die vier Frauen lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Sie stammen aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, die Männer und Väter fallen in den Weltkriegen. Zum schlimmsten Zerwürfnis kommt es nach der Übersiedlung in den Westen, als die hochintelligente, labile Enkelin Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringen will. Die Autorin selbst ist dieses Kind. Der Skandal ihrer Geburt und später auch ihre Kindheit waren von einem rassistischen Denken grundiert, in dem der Rassenwahn des Nationalsozialismus noch nachklang.

    Urgroßmutter Margarethe ließ sich 1912 in Dresden einen Schrank anfertigen der heute nach dem Tod ihrer Mutter Monika bei ihr in ihrem Arbeitszimmer steht. Nicht nur den Schrank hat Miriam geerbt sondern auch ein Konvolut von Tagebüchern und Notizen aus drei Generationen. Der älteste Eintrag stammt von 1908 - sie schrieben über ihr eigenes Leben und auch übereinander.

    Nach dem Tod ihrer Mutter Monika fühlte es sich für Miriam wie eine Verpflichtung an, ihre Familiengeschichte nach den Aufzeichnungen der Frauen, chronologisch zu erfassen und niederzuschreiben. Es ist eine persönliche Geschichte abgerundet mit fiktionalen Elementen, aber auch sehr geprägt vom zeitgeschichtlichen Hintergrund.

    Diese vier Frauen waren die „Unerwünschten Töchter“, deren Geburt ihren Müttern aus unterschiedlichen Gründen, äußerst ungelegen kam.

    Fazit:
    Gewünscht hätte ich mir einen Stammbaum, mit den Namen und den dazugehörigen Kosename, denn der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Zeiten und Perspektiven, war nicht immer eindeutig und überschaubar. Im Anhang gibt es ein Inhaltsverzeichnis über die Kapitel zwar mit Überschrift aber kein Datum/Jahr. Der Schreibstil ist sehr ruhig erzählt und an manchen Stellen etwas zu detailliert, was einzelne Abschnitte, sehr in die Länge zieht. Wer sich gerne mit ausführlichen und generationsübergreifenden Familiengeschichten beschäftigt, dem empfehle ich gerne diesen Debütroman.


    Die Riesinnen

    Hannah Häffner
    Die Riesinnen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    24.05.2026

    Das Drei-Generationen-Porträt

    Die Riesinnen, das sind die Riessberger Frauen, Liese, Cora und Eva mit den Kupferwollehaaren, drei Generationen einer Familie. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Eigenwillig, stark und unbequem stellen sie sich gegen Erwartungen von außen. Das macht sie zu Außenseiterinnen in dem kleinen fiktiven Schwarzwalddorf Wittenmoos.

    In den 60-er Jahren heiratet Liese den Metzgersohn Bernhard, der sehnsüchtig auf einen Erben wartet. Währenddessen spart Liese jeden Pfennig, den sie abzweigen kann, denn sie will fort. Erst als sie schwanger wird und ihre Tochter Cora auf die Welt kommt, kennt sie ihren Platz. Sie liebt ihr Kind über alles aber Bernhard ist enttäuscht über den fehlenden Stammhalter und lässt seine Wut, Cora spüren. Für Bernhards plötzlichen Unfalltod, kann Liese keine Trauer empfinden.

    Jetzt sitzt Liese mit den Schulden für das Haus da und weiß nicht, wie sie sich und ihr Kind, ernähren soll. Sie fordert von ihren Schwiegereltern die Metzgerei, obwohl sie nicht mal weiß, ob sie das kann. Unerbittlich und mit starker Willenskraft, erobert sie sich ihre Metzgerei und schuftet bis zum Umfallen. Für Liebe und Freundschaften hat sie keine Zeit, sie kennt nur ihre Pflichten und die Fürsorge für ihre Tochter Cora.

    Je älter Cora wird, rebelliert sie gegen die Enge im Dorf. Sie will die weite Welt sehen und etwas erleben. Ihre Mutter Liese legt ihr keine Steine in den Weg und lässt sie ziehen. Schwanger kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück und muss lernen, dass Heimkehr keine Niederlage ist.

    Und Coras Tochter, Eva, zieht in die Ferne zum Studieren, doch ihren richtigen Platz hat sie noch nicht gefunden bis es ihr wie Schuppen von den Augen fällt, dass es ja der Wald ist, denn sie so sehr liebt. Sie kehrt zurück in ihre Heimat und ihrem geliebten Wald.

    Das Ende hat mich ein wenig überrascht, denn plötzlich redet Liese ganz nebenbei über lange verschwiegene Geheimnisse, die Eva aus ihrer Sicht ins rechte Licht rückt es aber vorzieht, die Vergangenheit ruhen zu lassen.

    Fazit:
    Mit „Die Riesinnen“ erzählt Hannah Häffner die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60-er Jahren bis in unsere Zeit spannt. Der Schreibstil ist flüssig aber leise und erzählt über die Sehnsucht nach Freiheit und Wurzeln, über Mütter und Töchter und über die Kraft der Natur. Einige Entwicklungen waren für mich nachvollziehbar, andere eher weniger. Was mir besonders gefehlt hat, war die Tiefe der einzelnen Figuren, denn ich wäre ihnen gerne noch nähergekommen.
    The Artist

    Lucy Steeds
    The Artist (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.05.2026

    Atmosphärisch wunderbar erzählt

    Schon alleine das wünderschöne Cover von "The Artist: Die Farben des Lichts“ hat mich neugierig auf dieses Debüt von Lucy Steeds gemacht und ich wurde nicht enttäuscht.

    Atmosphärisch und in einer wunderschönen Sprache, erzählt Lucy Steeds die mitreißende Geschichte einer begabten jungen Malerin, die sich, allen Widerständen zum Trotz, Zutritt zur Kunstwelt verschafft. Eine Geschichte wie ein mehrschichtiges Gemälde: sinnlich erfahrbar, voller Düfte, Farben, Tiefe, Licht und Schatten.

    Im Mittelpunkt steht ein altes abgelegenes Landhaus in der französischen Provinz und seiner Bewohner, der weltberühmte Maler Édouard Tartuffe und seine Nichte Ettie bis der noch völlig unbekannte Journalist Joseph Adelaide, eines Tages mit einer Einladung für ein Interview vor der Tür steht. Nur Édouard Tartuffe, der sich seit Jahren der Öffentlichkeit entzieht, weiß nichts von einer Einladung. Ettie rettet die Situation: „Das hier ist dein Junge mit Orange“ und Tartuffe bietet Joseph einen Handel an, wenn er ihm Modell sitzt, darf er bis zur Fertigstellung des Gemäldes im Landhaus wohnen, seine Arbeit beobachten und darüber schreiben.

    Joseph lässt sich auf diesen Handel ein doch schnell merkt er, dass er keine Ahnung vom Landleben hat, denn alles ist fremd und ungewohnt für ihn. Die Launen von Tartuffe, sind schwer zu ertragen aber Joseph erkennt bald, dass das größte Rätsel jedoch nicht der »Meister des Lichts« ist, sondern Tartuffes Nichte. Ettie kocht, putzt, wäscht Pinsel und erträgt Tartuffes Launen mit unergründlicher Hingabe. Doch etwas brodelt in ihr. Joseph fühlt sich immer mehr zu ihr hingezogen, doch er versteht ihre Worte nicht: Sieh mich – so wie ich bin.

    Und langsam aus wechselnder und fesselnder Perspektive zwischen Ettie und Joseph, kommt Schicht für Schicht wie in einem Gemälde, ihr Geheimnis ans Licht ...

    Der Prolog beginnt mit dem Jahr 1957 in London, die Geschichte selbst handelt aus dem Jahr 1920 in Saint-Auguste-de-Provence und endet zum Schluss wieder im Jahr 1957 in London.

    Fazit:
    Der Autorin ist es hervorragend gelungen, eine atmosphärisch dichte und fesselnde Geschichte über eine begabte junge Malerin, die sich, allen Widerständen zum Trotz, Zutritt zur Kunstwelt verschafft, zu erzählen. Die Charaktereigenschaften und Entwicklung der Protagonisten, sind ausgesprochen gelungen und spannend, ausgearbeitet. Der flüssige Schreibstil unterstreicht die emotionalen Momente und lässt auch die traurigen Ereignisse deutlich fühlbar werden. Jede Zeile war für mich spannend und lesenswert.
    Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!
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