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    Anna.Lysis

    Aktiv seit: 22. April 2026
    "Hilfreich"-Bewertungen: 0

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    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    12 Rezensionen

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    Der Club der Unbeugsamen

    Kathryn Stockett
    Der Club der Unbeugsamen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    27.05.2026

    Zwischen Anpassung und Widerstand

    „Der Club der Unbeugsamen“ spielt 1933 in Mississippi. Kathryn Stockett erzählt abwechselnd von der elfjährigen Meg, die im Waisenhaus lebt, und von Birdie, die ihre wohlhabende Schwester Frances um Hilfe für ihre Familie bitten will. Aus dem geplanten kurzen Besuch bei Frances wird jedoch schon bald weit mehr.

    Die ersten Seiten wirkten noch etwas sperrig, doch schon nach kurzer Zeit hat mich die Geschichte völlig mitgerissen. Kathryn Stockett gelingt es erneut, eine so dichte Atmosphäre zu schaffen, dass man vollkommen in Zeit und Ort der Handlung eintaucht. Während des Lesens habe ich mich mehrfach gefragt, wie die Autorin das schafft – eine richtige Antwort habe ich darauf nicht gefunden. Die Geschichte entwickelt einfach einen enormen Sog.

    Im Mittelpunkt des Romans stehen klar die Frauenfiguren. Birdie, Meg und die Frauen um sie herum wirken lebendig und vielschichtig, und obwohl Männer durchaus eine Rolle spielen, sind es vor allem die Frauen, die Entscheidungen treffen und die Handlung prägen. Trotz aller gesellschaftlichen und persönlichen Einschränkungen versuchen sie, ihren eigenen Weg zu gehen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Dabei zeichnet Stockett eindrucksvoll das Lebensgefühl der damaligen Zeit nach: Vieles wird scheinbar klaglos hingenommen, doch unter der Oberfläche steckt oft Widerstandskraft, Stolz und der Wille, das eigene Leben nicht völlig vom Schicksal bestimmen zu lassen. Gerade diese heute fast fremd wirkende, lakonische Haltung verleiht dem Roman seinen besonderen Reiz.

    An manchen Stellen wirkte die Handlung zwar etwas unglaubwürdig, insgesamt hat mich das beim Lesen aber kaum gestört. „Der Club der Unbeugsamen“ ist ein atmosphärischer und emotionaler Roman mit starken Frauenfiguren, den ich kaum aus der Hand legen konnte.
    Prada - Sie träumte von Mode und fand die Liebe

    Susanne von Berg
    Prada - Sie träumte von Mode und fand die Liebe (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    25.05.2026

    Ein Roman zum Eintauchen und Wohlfühlen

    In „Prada - Sie träumte von Mode und fand die Liebe“ erzählt Susanne von Berg die Geschichte der jungen Schneiderin Sophia, die 1913 aus einem Bergdorf nach Mailand reist, um ihren Traum von einer Karriere in der Modewelt zu verwirklichen. Dort findet sie Arbeit bei den Brüdern Mario und Martino Prada und trägt mit ihren Entwürfen dazu bei, dass sich das kleine Lederwarengeschäft zunehmend einen Namen macht.

    Besonders gefallen hat mir die atmosphärische Darstellung des historischen Mailands und der gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Arm und Reich, Adel und einfacher Bevölkerung. Das Buch liest sich sehr flüssig und hat mich von Anfang an gefesselt – ich habe es fast in einem Rutsch gelesen.

    Auch wenn manche Entwicklungen etwas glatt wirken und vieles erstaunlich gut für Sophia läuft, macht genau das einen Teil des Reizes des Romans aus. „Prada“ liest sich stellenweise wie ein Wohlfühlroman, der dazu einlädt, einfach in die Geschichte einzutauchen und sich von ihr mitnehmen zu lassen.

    Da der Roman nur teilweise auf tatsächlichen Ereignissen basiert, hätte ich mir ein kurzes Nachwort gewünscht, das etwas genauer darauf eingeht, welche Elemente historisch belegt und welche fiktional sind. Darüber konnte ich letztlich aber gut hinwegsehen, weil mich die Geschichte insgesamt sehr gut unterhalten hat.

    Wer historische Unterhaltungsromane mit Mode, Liebe und einer starken Hauptfigur mag, wird mit „Prada“ schöne Lesestunden verbringen.
    Das Geheimnis des Geigenbauers

    Evie Woods
    Das Geheimnis des Geigenbauers (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    25.05.2026

    Eine Geige voller Geheimnisse

    In „Das Geheimnis des Geigenbauers“ erzählt Evie Woods von Devlin, der seiner Freundin ein besonderes Geschenk machen möchte und deshalb am Flughafen ein Fundstück kauft: eine Geige. Kurz darauf erfährt er, dass genau dieses Instrument aus einem Auktionshaus gestohlen wurde. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Geschichtslehrer Walter und der Gutachterin Gabrielle versucht er herauszufinden, woher die geheimnisvolle Geige stammt und wer sie gebaut hat. Währenddessen setzt die Auftraggeberin des Diebstahls alles daran, das Instrument zurückzubekommen.

    Parallel dazu führt eine zweite Erzählebene zurück zu den Ursprüngen der Geige. Die beiden Handlungsstränge laufen dabei eher nebeneinander her und werden vor allem durch die Geige miteinander verbunden, die auf die Menschen, die mit ihr in Berührung kommen, eine besondere, kaum erklärbare Anziehungskraft ausübt.

    Besonders interessant fand ich die Erzählweise: Während die Gegenwartshandlung in der dritten Person erzählt wird, bekommt die Vergangenheitsebene eine sehr ungewöhnliche Perspektive, die dem Roman eine deutlich phantastischere Note verleiht. Damit hatte ich im Vorfeld nicht gerechnet, weshalb ich etwas Zeit gebraucht habe, um mich darauf einzulassen.

    Insgesamt entwickelt sich eine spannende Mischung aus Geheimnisroman, Detektivgeschichte und leichtem Krimi, die mich trotz meiner kleinen Vorbehalte sehr gut unterhalten hat. Vor allem die geheimnisvolle Atmosphäre und die Idee, die Geschichte einer Geige über viele Jahrzehnte hinweg zu erzählen, haben dafür gesorgt, dass mich das Buch bis zum Schluss gefesselt hat.
    Tal der Schwalben

    Seraina Kobler
    Tal der Schwalben (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.05.2026

    Heimkehr in eine veränderte Welt

    In "Tal der Schwalben" nimmt Seraina Kobler die Leser:innen mit in die Schweiz der nahen Zukunft. Die Städte sind zur "Metropolitane" zusammengewachsen, die Berge sind Sperrgebiet, da dort der Strom erzeugt wird. Viele Menschen haben ihre Dörfer verlassen – so auch Alesch, der Jahre später als Wissenschaftler nach Pradetta zurückkehrt. Angelockt von geheimnisvollen Nachrichten und seltsamen Wetterphänomenen reist er im Auftrag der Stromfirma zurück in seine alte Heimat.

    Seraina Kobler erzählt nüchtern und unaufgeregt vor dem Hintergrund einer wenig verlockenden Zukunft. Dabei entwirft sie eine spannende Geschichte, die von den Umständen lebt, ohne diese auf unangenehme Weise in den Vordergrund zu stellen. Auch die Figuren und Schauplätze sind überzeugend gezeichnet: Alesch und die Menschen in Pradetta wirken greifbar und glaubwürdig, und die beschriebenen Orte sind sehr gut vorstellbar.

    Obwohl die Welt des Romans dystopische Züge trägt, wirkt die Geschichte nie bedrückend oder übermäßig düster. Gerade die ruhige, präzise Erzählweise schafft eine besondere Atmosphäre, die den Blick stärker auf die Menschen und ihre Entscheidungen richtet.

    Das Buch hat mich von Anfang an sehr gefesselt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Für mich ist "Tal der Schwalben" eine eindrückliche, spannende Geschichte, die noch lange nachwirkt.
    Die unbekannte Sally Hemings

    Barbara Chase-Riboud
    Die unbekannte Sally Hemings (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    20.05.2026

    Eine Frau im Schatten der Geschichte

    „Die unbekannte Sally Hemings“ von Barbara Chase-Riboud erzählt die Geschichte von Sally Hemings, der Sklavin und langjährigen Geliebten von Thomas Jefferson, und gibt einer historischen Figur eine eigene Stimme und Identität zurück. Der Roman basiert auf historischen Fakten und zeichnet zugleich ein eindringliches Bild seiner Zeit.

    Barbara Chase-Riboud schreibt sehr detailreich und eindrucksvoll. Besonders gelungen ist die spürbare historische Genauigkeit des Romans. Gleichzeitig verlangt das Buch Aufmerksamkeit beim Lesen, da die familiären und gesellschaftlichen Verflechtungen stellenweise komplex sind. Gerade zu Beginn fiel es mir deshalb teilweise schwer, den Überblick zu behalten. Hinzu kommt, dass die Erzählperspektive für mich nicht durchgehend klar war und die Sichtweisen teilweise sehr fließend ineinander übergingen.

    Trotzdem entwickelt der Roman eine große Intensität und macht Sally Hemings als Figur greifbar. Eindrucksvoll ist dabei, wie die Autorin sie nicht nur als historische Nebenfigur zeigt, sondern ihre eigene Geschichte und Persönlichkeit in den Mittelpunkt rückt.

    „Die unbekannte Sally Hemings“ ist ein anspruchsvoller und historisch faszinierender Roman, der sich intensiv mit Macht, Abhängigkeit und Identität auseinandersetzt.
    Sommerküche Blitzrezepte

    Christian Henze
    Sommerküche Blitzrezepte (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.05.2026

    Abwechslungsreich und alltagstauglich

    „Sommerküche Blitzrezepte“ von Christian Henze macht seinem Titel alle Ehre: Ohne langes Vorgeplänkel geht es direkt mit den Rezepten los. Das Buch ist übersichtlich in verschiedene Kapitel wie Snacks, Fleisch- und Fischgerichte, Salate, Pasta oder Desserts gegliedert und bietet viele abwechslungsreiche Ideen für die schnelle Sommerküche.

    Besonders gelungen ist die Gestaltung des Kochbuchs. Zu jedem Rezept gibt es ein ansprechendes Foto, das Lust aufs Nachkochen macht. Positiv hervorzuheben sind außerdem die angegebenen Zubereitungszeiten sowie die Kennzeichnungen für vegetarische, vegane, glutenfreie oder andere spezielle Ernährungsformen.

    Die Rezepte selbst wirken alltagstauglich und nicht zu kompliziert. Weniger überzeugt hat mich allerdings die Darstellung der Zubereitung. Die einzelnen Arbeitsschritte werden lediglich durch Punkte getrennt und nicht zusätzlich durch Absätze oder Zwischenüberschriften strukturiert. Dadurch wirkt der Text stellenweise etwas unübersichtlich und lässt sich nicht so leicht überfliegen. Auch die farbig hervorgehobenen Zutaten lenken beim Lesen eher ab, als dass sie Orientierung bieten.

    Insgesamt bietet „Sommerküche Blitzrezepte“ viele ansprechende Ideen für die warme Jahreszeit und punktet vor allem durch die schöne Gestaltung und die unkomplizierten Rezepte. Kleine Schwächen gibt es bei der Übersichtlichkeit der Zubereitungsbeschreibungen.
    Griechische Inselküche

    Carolina Doriti
    Griechische Inselküche (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    15.05.2026

    Mehr als nur klassische Griechenlandküche

    „Griechische Inselküche“ von Carolina Doriti lädt zu einer kulinarischen Reise durch die griechische Inselwelt ein und verbindet mediterrane Küche mit alltagstauglichen Rezepten und viel Atmosphäre.

    Das Buch bietet eine abwechslungsreiche Mischung aus klassischen Gerichten, kleinen Mezze, Fisch- und Gemüsegerichten sowie süßen Rezepten. Die Kapitel reichen von Frühstück & Brunch über kleine Speisen zum Teilen, Fisch & Meeresfrüchte, Fleisch, Getreide & Hülsenfrüchte bis hin zu Salaten, Süßem und Extras. Dadurch beschränkt sich das Buch nicht nur auf klassische Hauptgerichte, sondern zeigt die griechische Küche in ihrer ganzen Vielfalt. Dabei steht eine authentisch wirkende, mediterrane Küche im Vordergrund, die Lust auf Sommer und Urlaub macht.

    Besonders gelungen ist zudem die optische Gestaltung. Zu jedem Rezept gibt es ein ansprechendes Foto, das viel Atmosphäre vermittelt und sofort Lust darauf macht, einzelne Gerichte auszuprobieren. Gleichzeitig sind die Rezepte übersichtlich aufgebaut und gut nachvollziehbar beschrieben.

    Positiv fällt zudem auf, dass das Buch nicht nur eine reine Rezeptsammlung sein möchte, sondern auch ein Gefühl für die griechische Inselküche und ihre Zutaten vermittelt. Dadurch entsteht beim Lesen fast ein wenig Reisestimmung.

    Die Gerichte wirken insgesamt zugänglich und gut umsetzbar, ohne beliebig zu werden. Viele Rezepte eignen sich gut für den Alltag, andere eher für entspannte Abende mit Gästen oder sommerliche Wochenenden.

    Insgesamt ist „Griechische Inselküche“ ein stimmungsvolles Kochbuch, das weniger durch spektakuläre Effekte als vielmehr durch Atmosphäre, Zugänglichkeit und die Freude an der mediterranen Küche überzeugt.
    Das, was da ist

    Konrad Staisch
    Das, was da ist (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    05.05.2026

    Denkanstöße und klare Haltung

    „Das, was da ist“ von Konrad Staisch richtet den Blick auf den Wert bereits vorhandener Materialien. Statt Neues zu kaufen, geht es darum, Bestehendes weiterzuverwenden – praktisch und als Haltung.

    Das Buch verbindet persönliche Beobachtungen mit grundsätzlichen Überlegungen zu Konsum und Ressourcen. Kapitel 3 widmet sich Materialien und Werkzeugen, Kapitel 4 enthält konkrete Anleitungen für Projekte. Die übrigen Kapitel sind stärker einordnend und reflektierend.

    Gestalterisch setzt das Buch überwiegend auf einfache Zeichnungen und Schrittfolgen, die an einen comicartigen Stil erinnern. Die textlastigeren Kapitel sind entsprechend zurückhaltender umgesetzt.

    Die Grundidee des Buches ist in sich schlüssig und gut nachvollziehbar. Für mich wirkte sie jedoch stellenweise sehr weit gedacht. Ich hatte eher alltagsnahe Upcycling-Ideen erwartet, während hier ein für mich ungewohnter Umgang mit teils bereits entsorgten Materialien im Mittelpunkt steht.

    Gerade darin liegt sicher auch die Stärke des Buches: Es führt den Ansatz konsequent zu Ende und regt zum Nachdenken an. Gleichzeitig blieb es für mich persönlich auf Distanz, weil ich mich mit dieser Herangehensweise nicht wirklich identifizieren konnte.

    Insgesamt ist „Das, was da ist“ ein Sachbuch mit klarer Haltung, das interessante Denkanstöße liefert – auch wenn es mich nicht vollständig abgeholt hat.
    Statt aus dem Fenster zu schauen

    Anna Katharina Scheidemantel
    Statt aus dem Fenster zu schauen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    22.04.2026

    Gelungene Mischung aus Abenteuer und Selbstfindung

    In „Statt aus dem Fenster zu schauen“ erzählt Anna Katharina Scheidemantel von Sophie, die aus Langeweile während eines Praktikums im Internet stöbert und ein spottbilliges Haus in Ostdeutschland kauft. Damit nicht genug: Sie fährt spontan von München dorthin und beginnt mit der Renovierung.

    Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. An mancher Stelle habe ich mich gefragt, wie realistisch die Handlung ist, doch das war schnell nebensächlich. Einfach ausbrechen aus dem täglichen Trott, etwas vermeintlich Unvernünftiges wagen, entgegen allen Konventionen und Erwartungen – ein verlockender Gedanke.

    Der Erzählstil ist leicht und sehr lebendig, sodass man sich schnell mitten in Sophies Abenteuer wiederfindet. Mit all ihren Zweifeln, ihrer Begeisterung, ihrer Hoffnung und ihrer Unsicherheit sucht sich Sophie ihren Platz in der ostdeutschen Provinz – Schritt für Schritt, Tag für Tag. Die Autorin zeichnet sie als liebenswerte, sympathische Person, der man wünscht, dass sie ihren Weg zu sich selbst und ihrem Glück findet.

    Besonders gefallen hat mir die Mischung aus Abenteuer, Selbstfindung und dem ganz eigenen Charme eines solchen Neuanfangs. Sophies Entscheidung wirkt zunächst verrückt, aber genau darin liegt auch der Reiz der Geschichte.

    Ein unterhaltsames und inspirierendes Buch für alle, die manchmal davon träumen, ihr Leben komplett auf den Kopf zu stellen – oder einfach einmal gerne richtig unvernünftig wären.
    Nicht

    Dror Mishani
    Nicht (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    22.04.2026

    Wächst im Kopf

    In „Nicht“ erzählt Dror Mishani von Eli, der nach dem Tod seiner Frau versucht, wieder Halt zu finden. Als er Lia begegnet, scheint sich eine neue Möglichkeit zu eröffnen – doch ein Ereignis und eine folgenschwere Entscheidung setzen eine Entwicklung in Gang, die zunehmend an Spannung gewinnt und das fragile Gleichgewicht ins Wanken bringt.

    Der Titel wirkt zunächst unscheinbar, entfaltet im Verlauf des Buchs jedoch eine große Bedeutung. Es geht um das, was nicht gesagt, nicht getan wird oder nicht sein darf – um die vielen Formen des „Nicht“, die den Roman prägen.

    Erzählt wird Elis Geschichte in der Du-Form, die zunächst gewöhnungsbedürftig ist und eine gewisse Distanz und Neutralität erzeugt. Das trägt auch dazu bei, dass der Roman nicht leicht zugänglich ist. Die Erzählweise ist ruhig und wirkt stellenweise etwas langatmig, zugleich aber auch fesselnd.

    Gerade diese vermeintlichen Längen erweisen sich im Nachhinein als stimmig. Die Geschichte braucht genau dieses Tempo, um ihre Wirkung zu entfalten.

    Während des Lesens habe ich mich immer wieder dabei ertappt, dass ich keine klare Antwort auf die Frage hatte, wie mir das Buch gefällt. Gegen Ende wusste ich es dann ganz genau: sehr gut. Man könnte sagen: Das Buch wächst im Kopf, auch über das Lesen hinaus.
    Einatmen. Ausatmen.

    Maxim Leo
    Einatmen. Ausatmen. (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    22.04.2026

    Sehr unterhaltsam

    Marlene Buchholz ist fachlich über jeden Zweifel erhaben – doch soziale Kompetenz fehlt ihr völlig. Als Vorgesetzte ist sie entsprechend eine Katastrophe – zumindest für ihre Mitarbeiter:innen. Keine guten Voraussetzungen, um Vorstandsvorsitzende des Aviola-Konzerns zu werden. Deshalb soll sie ein Coaching besuchen. Da ihr keine andere Wahl bleibt, fährt sie zu einem Schloss in Brandenburg, wo sich die Academy von Alex Grow – einem der besten Coaches Deutschlands – befindet.

    Maxim Leo hat mich bereits mit "Wir werden jung sein" begeistert, deshalb war ich sehr gespannt auf "Einatmen. Ausatmen.". Auch hier erzählt er mit viel trockenem Humor und einem guten Blick für menschliche Schwächen. Der Roman liest sich sehr flott und hat mich von der ersten Seite an gepackt – ich habe ihn fast in einem Rutsch durchgelesen.

    Marlene ist bewusst etwas überzeichnet dargestellt – und genau das braucht die Geschichte auch. Zwar folgt die Handlung stellenweise einem vertrauten Muster rund um Coaching, Erwartungen und zwischenmenschliche Situationen, in denen Marlene gefordert wird. Trotzdem funktioniert das überraschend gut. Nur manchmal hätte ich mir gewünscht, dass einige Entwicklungen etwas mehr Raum bekommen.

    Dennoch ist "Einatmen. Ausatmen." ein sehr unterhaltsamer Roman über Selbstoptimierung, Karriere und die Erwartungen, die wir an uns selbst und andere stellen. Ich habe das Buch sehr gern gelesen.
    Grüne Welle

    Esther Schüttpelz
    Grüne Welle (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    22.04.2026

    Scheinbar ziellos

    Nach einem Kinobesuch mit der Freundin fährt die Frau los. Eine Umleitung zwingt sie, den gewohnten Weg zu verlassen. Plötzlich findet sie sich auf einer unbekannten Straße. Sie fährt immer weiter und nimmt sich vor, an der nächsten roten Ampel zu wenden.

    In "Grüne Welle" beschreibt Esther Schüttpelz wie die Frau scheinbar ziellos durch die Nacht fährt, sich dabei immer weiter von ihrem Mann entfernt und gleichzeitig sich selbst immer näher kommt. Die Figuren bleiben namenlos, ebenso die Orte. Gerade diese Reduktion verleiht dem Roman eine starke Allgemeingültigkeit. Die Frau steht für viele andere Frauen an einem beliebigen Ort - für Frauen, die in einer Beziehung leben, aus der sie sich lösen müssten.

    Der Stil ist eindringlich und zugleich distanziert. In der dritten Person erzählt, wirkt der Roman über weite Strecken wie ein inneres Selbstgespräch, das sich während der Fahrt immer weiter verdichtet. Diese konsequent durchgehaltene Perspektive erzeugt eine Sogwirkung, die lange nachhallt.

    Mich hat diese stille, konzentrierte Erzählweise sehr beeindruckt. „Grüne Welle“ ist ein dichter Roman über Bewegung, Stillstand und das vorsichtige Ausloten von Möglichkeiten.
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