Zwischen Anpassung und Widerstand
„Der Club der Unbeugsamen“ spielt 1933 in Mississippi. Kathryn Stockett erzählt abwechselnd von der elfjährigen Meg, die im Waisenhaus lebt, und von Birdie, die ihre wohlhabende Schwester Frances um Hilfe für ihre Familie bitten will. Aus dem geplanten kurzen Besuch bei Frances wird jedoch schon bald weit mehr.
Die ersten Seiten wirkten noch etwas sperrig, doch schon nach kurzer Zeit hat mich die Geschichte völlig mitgerissen. Kathryn Stockett gelingt es erneut, eine so dichte Atmosphäre zu schaffen, dass man vollkommen in Zeit und Ort der Handlung eintaucht. Während des Lesens habe ich mich mehrfach gefragt, wie die Autorin das schafft – eine richtige Antwort habe ich darauf nicht gefunden. Die Geschichte entwickelt einfach einen enormen Sog.
Im Mittelpunkt des Romans stehen klar die Frauenfiguren. Birdie, Meg und die Frauen um sie herum wirken lebendig und vielschichtig, und obwohl Männer durchaus eine Rolle spielen, sind es vor allem die Frauen, die Entscheidungen treffen und die Handlung prägen. Trotz aller gesellschaftlichen und persönlichen Einschränkungen versuchen sie, ihren eigenen Weg zu gehen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Dabei zeichnet Stockett eindrucksvoll das Lebensgefühl der damaligen Zeit nach: Vieles wird scheinbar klaglos hingenommen, doch unter der Oberfläche steckt oft Widerstandskraft, Stolz und der Wille, das eigene Leben nicht völlig vom Schicksal bestimmen zu lassen. Gerade diese heute fast fremd wirkende, lakonische Haltung verleiht dem Roman seinen besonderen Reiz.
An manchen Stellen wirkte die Handlung zwar etwas unglaubwürdig, insgesamt hat mich das beim Lesen aber kaum gestört. „Der Club der Unbeugsamen“ ist ein atmosphärischer und emotionaler Roman mit starken Frauenfiguren, den ich kaum aus der Hand legen konnte.