Ein Geisterschimmel im Watt
Die Flut strömt heran und aus dem endlos wirkenden Wattenmeer werden winzige Sandinseln, die vom Meer umschlossen sind. Und innerhalb von wenigen Minuten sind auch diese verschwunden.
Das endlos wirkende, junge Glück von Annett, Linn und Johan versank ebenfalls innerhalb von wenigen Minuten. Mutter und Tochter blieben allein zurück - damals vor 20 Jahren. Wie die beiden Frauen heute zueinander stehen und neu zueinander finden, was vom Schrecken übrig ist und ob sie ihr Schicksal aufarbeiten konnten, erfahren wir im Roman „Halbinsel“.
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Dieses Buch ist eine Ode an meine Mama, auch wenn uns zum Glück ein Schicksalsschlag erspart geblieben ist. Doch wir haben gemeinsam eine schlimme Krankheit durchstehen müssen - sich anschließend frei und unbefangen zu entwickeln, ist wohl fast nicht möglich.
Die liebevolle Art von Annett, die für ihre Tochter alles tut, hat mich unglaublich bewegt. Es sind die kleinen Dinge: sich auch als erwachsene Frauen noch aneinander kuscheln, im Krankenhausbett neben der Tochter schlafen, noch immer das Kind in der erwachsenen Tochter sehen und dieser unbändige Stolz auf das Wesen, das aus dem Kind geworden ist.
Obwohl die Thematik des Buchs im ersten Moment sehr schwer wiegt, übernimmt der Alltag das Zepter des Romans. Zum einen bringt das diese wundervolle Leichtigkeit mit sich, die ich auch in Kristine Bilkaus Roman „Nebenan“ so mochte. Zum anderen macht es aber auch deutlich, wie sehr wir auch die kleinen Dinge schätzen dürfen: ein Mosaik aus alten Fliesen legen, die Veranda mit eine Lichterkette schmücken, sich trauen, allein schwimmen zu gehen.
Wie Magnete finden die beiden Frauen zueinander, als das Leben erneut ins Wanken gerät. Das ist für mich einfach nur herzerwärmend. Auch wenn beide Fehler machen, ist es so ergreifend zu verfolgen, wie sie daran wachsen - und größer und schöner erblühen, als je zuvor. Große Leseempfehlung für einen Roman, mit dem ich mich sehr gut identifizieren konnte. Ich wünschte, die Buchseiten hätten nie geendet.