Originelle Form, konventioneller Inhalt
Die postmoderne Versuchsanordnung des Romans ist reizvoll. Der Kniff der Geschichte, dass die zwei Hauptfiguren sich gegenseitig als Buchcharaktere wahrnehmen und übereinander lesen, ist originell. Die hervorgehobene Meta-Ebene und der Rahmen erinnern an andere Bücher, die mit der Form spielen, beispielsweise Italo Calvinos "Wenn ein Reisender in einer Wintersnacht". Und am Anfang überwiegt der Reiz dieser Idee, man liest, weil man wissen möchte, wie die Geschichten miteinander verwoben sind, man wartet auf den nächsten Übergang. Doch mit der Zeit nutzt sich die Idee ab, und der Versuchsaufbau wird repetitiv. Man stellt fest, dass hinter der flott erzählten Geschichte nicht viel ist. Die Figuren sind bemüht schrullig, bekommen aber keine Tiefe, und die Handlungsstränge bleiben oberflächlich und klischeebeladen und fügen sich zu einem abgeschmackten Mafiaplot zusammen. Am Ende bleiben von der Lektüre nicht mehr ein paar Schmunzler und gehobene Unterhaltung. Oder um es anders auszudrücken: Die Grundidee elektrisiert - je länger der Roman andauert, desto mehr schaltet er jedoch in den Stromsparmodus.