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    Kerstin1975 Top 25 Rezensent

    Aktiv seit: 08. August 2013
    "Hilfreich"-Bewertungen: 298

    Bitte beachten Sie

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    751 Rezensionen

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    Die Schwartau-Schwestern - Die Süße des Lebens

    Romy Herold
    Die Schwartau-Schwestern - Die Süße des Lebens (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    27.05.2026

    Detailverliebt an den falschen Stellen – leicht, aber nicht wirklich anspruchsvoll.

    Buchinhalt:

    Rostock im ausgehenden 19. Jahrhundert: Die Unternehmerfamilie Fromm zieht um nach Schwartau, wo eine Chemiefabrik entstehen soll – doch die beiden Schwestern Emma und Tilde haben anderen Träume. Ihre Erdbeermarmelade ist ein Traum und sie soll zukünftig im großen Stil produziert und unter die Leute gebracht werden. Diese Plan ist der Grundstock für die heute noch bekannte Marmeladenmarke Schwartau...


    Persönlicher Eindruck:

    Wer kennt sie nicht, die berühmte Schwartau-Konfitüre? Doch wie kam es dazu, warum ist die Marke bis heute etabliert und wer zeichnet verantwortlich für die Gründung dieses Unternehmens? Es waren zwei Schwestern, Tilde und Emma Fromm, beide aus einer bereits etablierten Rostocker Unternehmerfamilie.

    Während der Bruder mit Bohnerwachs bereits erfolgreicher Geschäftsmann ist, sind die beiden Schwestern im Grunde noch gefangen zwischen dem allgemeinen Frauenbild ihrer Zeit und der neuen Moderne. Ihre Erdbeermarmelade ist ein Gedicht und so kommt es dazu, dass diese ein neuer Geschäftszweig der Fromm-Familie sein wird. In Schwartau gründen Emma und Tilde ihr neues Unternehmen und von da an ist die Schwartau-Konfitüre auf dem Markt.

    Der Schreibstil des Romans liest sich eingängig und leicht, man taucht als Leser ein in die Welt zur Jahrhundertwende und in das Leben der Figuren. Es ist ein Familienroman mit den dementsprechenden Banden, zahlreiche Personen geben sich die Klinke in die Hand und dennoch bleibt die Art der Erzählung locker und leicht. Was mich mit der Zeit etwas gestört hat, war die unglaubliche Detailverliebtheit. Jedes Essen, jede noch so unwichtige Kleinigkeit wird in aller Ausführlichkeit beschrieben und es wundert einen als Leser nicht, dass am Ende über 500 Seiten zusammenkommen. Weniger wäre hier mehr gewesen, auch um die Spannung in der Geschichte aufrecht zu erhalten.

    Ein zweites Manko: die teilweise hölzernen Figuren, denen es an Gefühl und Emotion im Auftritt und ihrer Handlung fehlt. Tragische Ereignisse werden in wenigen Worten abgehandelt und bleiben somit lediglich Randerscheinung, als hätten die Figuren rein gar nichts damit zu tun. Wenn ich eine historische Familiengeschichte lese, möchte ich mitleiden und mitfiebern und genau das erschwerte mir diese Geschichte. Während wie gesagt Nichtigkeiten in allen Details ausgebreitet wurden fehlte es an den wichtigen Stellen an Detail und Tiefe, so richtig funktioniert hat das Ganze also nicht nd die Handlung kam ins Plätschern. Nicht gut, auch wenn das Buch leicht zu lesen ist.

    Es ist nicht die erste Romanbiografie von Romy Herold (ein Pseudonym), doch wie schon beim Marzipanschlösschen ist mir die Geschichte an vielen Stellen einfach zu seicht, wohingegen wichtige Passagen zu schnell abgehandelt werden. Insgesamt eine nette Geschichte, aber nichts was längerfristig nachhallt – allenfalls ein leichter Roman für den Sommer, für zwischendurch. Das geht eindeutig besser, trotz den schönen und ins Auge fallenden Covers!
    Bis ans Meer

    Peggy Patzschke
    Bis ans Meer (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    15.05.2026

    Verworrene Zeitsprünge, keine stringente Handlung: nicht überzeugend aus vielerlei Gründen

    Buchinhalt:

    Schlesien, 1945: Frieda wird mit ihren beiden Kindern aus ihrem Zuhause vertrieben – auf der Flucht vor der Roten Armee und im Angesicht von Hunger und den Schrecken des Krieges hält sie nur der Gedanke an ihren Mann Karl aufrecht. Doch Karl ist an der Front – und wie soll er seine Familie jemals wiederfinden?

    Die Erinnerungen ihrer Mutter und Großmutter beschäftigen in der Gegenwart die Enkelin, die gerne wüsste, warum die beiden zeitlebens ein gestörtes Verhältnis zu Vertrauen und Bindung sogar innerhalb der eigenen Familie haben. Wird die Aufarbeitung der drammatischen Vergangenheit gelingen?


    Persönlicher Eindruck:

    Bis ans Meer ist beileibe nicht mein erster Roman, den ich zum Thema Flucht und Vertreibung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten gelesen habe. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Leider konnte das Buch diese nicht erfüllen.

    Gründe dafür gibt’s genug. Zum einen springt die Autorin scheinbar wahl- und ziellos durch drei Epochen, die Zeitsprünge verwirren den Leser und es wird bis zum Schluss nicht klar, welchem Plan das Ganze folgt. Es beginnt in der Gegenwart mit der namenlosen Enkelin, die im Zuge ihrer eigenen gescheiterten Beziehung Halt sucht in der Geschichte von Mutter und Großmutter. Daneben reist der Leser immer wieder in die Zeit zwischen den Weltkriegen, um die Beziehung zwischen den Großeltern Frieda und Karl zu ergründen, nur um im Hauptteil der Handlung die dramatische Flucht und Schicksalsgeschichte von Frieda und ihrer Tochter Erika hautnah mitzuerleben. Dabei nimmt die Erzählung kein Blatt vor den Mund, ist teilweise sehr brutal (Achtung, Triggerwarnung: Vergewaltigung und Fehlgeburt in allen Details!) und bringt dem Leser dadurch das Grauen derer nahe, die 1945 ihre alte Heimat für immer zurücklassen mussten.

    Was mich massiv beim Lesen störte, waren die zahlreichen Handlungsbrocken, die dem Leser von Beginn bis zum Ende hingeworfen, dann aber nie wieder aufgenommen und weitergedacht werden. Das hatte für mich zunehmend den Eindruck, dass die Autorin zwar viele Ideen hatte, diese aber nicht zu nutzen wusste. Auch wurden Probleme und Schwierigkeiten an einigen Stellen sehr plump und kurzerhand „gelöst“, obwohl sie Potential für eine vielschichtige weitere Verarbeitung gehabt hätten.

    Es geht hauptsächlich um Emotionen, die Handlung und der Alltag der Figuren an sich ist weniger wichtig. Natürlich bezweckt der Roman eine tiefer gehende Beschäftigung mit der Vergangenheitsbewältigung, hatte daneben aber auch Passagen, die handlungsmäßig absolut nichtssagend waren (die Gegenwartshandlung). Drama und Schicksal aber auch Kitsch und konstruierte Szenen wechseln sich ab, bleiben meiner Meinung nach aber nicht lange im Gedächtnis und hallen bei mir ganz sicher nicht nach. Vieles wirkt auch unglaubhaft, obwohl der Roman auf wahren Begebenheiten fußen soll.

    Begeisterung konnte auf den rund 450 Seiten bei mir keine aufkommen, beim Lesen überwog zähes Durchhalten. Eine Empfehlung kann ich daher nicht aussprechen, für mich war der Roman eine bittere Enttäuschung.
    Yesteryear

    Caro Claire Burke
    Yesteryear (Buch)

    1 von 5 Sterne Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    08.05.2026

    Was für ein Flop!

    Buchinhalt:

    Natalie lebt auf einer Farm im ländlichen Amerika – sie betreibt mit ihrem Mann Caleb eine Farm und inszeniert sich selbst im Internet als sogenannte „Tradwife“, eine Frau in klassischem Rollenbild als perfekte Hausfrau und Mutter. Doch hinter der perfekten Fassade ist die Wahrheit eine ganz andere. Eines Tages wacht Natalie auf und muss feststellen, dass sie wie auch immer plötzlich im 19. Jahrhundert gelandet ist und eine Farm ohne die Annehmlichkeiten der modernen Welt zu führen hat....


    Persönlicher Eindruck:

    Das Buch präsentierte sich mir aufgrund der Verlagsvorschau als eine interessante und spannende Mischung aus Gegenwartsroman, historischem Roman und wie auch immer gearteter Zeitreise, so dass ich überzeugt war, es auf jeden Fall lesen zu müssen. Leider wurde ich schnell ernüchtert, denn die Geschichte ist überhaupt nicht das, was ich mir darunter vorgestellt hatte.

    Insgesamt verfügt der Roman über drei Zeitlinien, mit Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft der Hauptfigur, die als „Tradwife“ und Influencerin den schönen Schein des perfekten Familien- und Landlebens in einem traditionellen Rollenbild zeigt. Hinter der Fassade der perfekten Hausfrau und Mutter ist Natalie eine knallharte Geschäftsfrau, ihr Mann Caleb eher naiv und gutgläubig und meines Erachtens überhaupt nicht für das propagierte Landleben geschaffen.

    Ich fand den Roman sehr zäh und ermüdend, die Lektüre gestaltete sich anstrengend und auf langen Strecken tat sich überhaupt nichts Handlungsrelevantes – vor allem im Gegenwartsteil. Man muss schon sehr stark sein, nicht nach einer Weile quer zu lesen (obwohl man sicher auch dann nichts verpasst hätte).

    Natürlich ist die Idee an sich gut und hätte Potential, aber vieles ist an den Haaren herbei gezogen und auch inhaltlich schlichtweg falsch. Natalie und ihre Familie soll anscheinend der Glaubensgemeinschaft der Amischen angehören, doch statt eines Lebens ohne Elektrizität und moderne Medien ist Natalie gefühlt rund um die Uhr im Netz (gut, sie hat Angestellte und eine Produzentin für ihr Format), dennoch passt das Ganze überhaupt nicht zum Lebensstil, christlicher Überzeugung und Gemeindeleben der Amisch – hier hat sich die Autorin offensichtlich überhaupt nicht informiert und erzählt somit einfach Mumpitz.

    Allenfalls der historische Teil im 19. Jahrhundert bietet ein bisschen Interessantes, wobei auch hier der Rundumschlag der Autorin gegen alles, was auch nur in die Nähe einer Lebensweise nach traditionellem Rollenbild entspricht, auf jeder Seite sichtbar wird.

    Ich persönlich kann den Wunsch einer Frau nach einem Leben als Hausfrau und Mutter ohne berufliche Selbstverwirklichung absolut nicht verteufeln: es sollte jedem selbst überlassen bleiben. Was mir an Natalie nicht gefallen hat, ist ihre abgebrühte, unsympathische Art. Im Grunde war der „schöne Schein“ der rote Faden des Romans, doch Spannung und mitreißende Wendungen suchte ich vergeblich. Für mich war das Buch ein Flop, den ich nicht empfehlen kann, die Zeit ist auf jeden Fall anderweitig besser genutzt!
    Ein unerwarteter Antrag

    Jody Hedlund
    Ein unerwarteter Antrag (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    30.04.2026

    Arrangierte Ehe im 19. Jahrhundert: wenig christliches, viel Romanze

    Buchinhalt:

    St. Louis, 1849: Enya Shanahan wurde schwanger von ihrem Mann sitzen gelassen – ein Skandal für die wohlhabende Familie. Flugs wird ein Heiratsvermittler engagiert, der auch recht schnell die Lösung präsentiert: der Dampfschiffkapitän Sullivan soll es richten und Enya ehelichen. Was alle nicht wissen: auch Sullivan hat Geheimnisse, die besser nicht ans Licht kommen....


    Persönlicher Eindruck:

    Im zweiten Band ihrer vierteiligen Reihe „Der Heiratsvermittler von St. Louis“ steht nun Enya Shanahan im Mittelpunkt der Handlung. Der Rote Faden, um den sich die Geschichte dreht, ist eine arrangierte Ehe, wie sie im 19. Jahrhundert sehr häufig an der Tagesordnung stand. Doch bei Enya ist das Ganze etwas spezieller, denn Enya ist schwanger und wurde vom Kindsvater sitzen gelassen.

    Die zweite Hauptfigur ist der Dampfschiffkapitän Sullivan O'Brien, ausgesuchter Kandidat und „Lösung“ für Enyas Problem. Doch auch Sullivan verheimlicht Dinge vor der Gesellschaft: er versteckt Sklaven auf einem Schiff und verhilft diesen zur Flucht. Ob das also gut geht?

    Insgesamt kann der Band auch ohne Vorwissen aus „Eine unmögliche Braut“ gelesen und verstanden werden. Mir hat damals der erste Teil nicht sonderlich gut gefallen und ich war gespannt, wie sich die Reie wohl entwickeln würde. Generell hat man es als Leser mit einer eher leichten Liebesgeschichte zu tun, die einen nicht sonderlich fordert und im Gegensatz zu manch anderem Werk der Autorin recht einfach gestrickt ist. Dennoch fand ich den vorliegenden Band besser und es ist eine Tendenz nach oben erkennbar.

    Der christliche Aspekt ist sehr sparsam in das Leben der Figuren eingeflochten. Man kann erkennen, dass der Fokus auf der (zum teil auch körperlichen) Anziehung und Beziehung der beiden Hauptfiguren zueinander liegt und somit war ich dann wiederum überrascht, weil ich derlei von Frau Hedlund nicht wirklich gewöhnt bin. Vielleicht ist „Der Heiratsvermittler von St. Louis“ dann doch eher eine Reihe, die mehr auf dem Liebesromansektor punkten möchte – so wirklich packen konnte mich das Ganze dann doch nicht.

    Besser gefallen hätte mir ein tiefer gehender Einblick in die Sklavenbefreiung und die Zustände in den Südstaaten, die Liebelei hätte man auch kürzer fassen können.

    Mein Fazit: wer einen christlichen historischen Roman mit Tiefe und Stoff zum Nachdenken sucht, ist in anderen Reihen der Autorin eher daheim – hier im Buch spielt die christliche Thematik dann doch eine untergeordnete Rolle. Es ist eher ein leichter Roman für zwischendurch und wird auch schnell wieder aus dem Gedächtnis des Lesers verschwunden sein.
    Das Lied der Segel

    Amy Jasmin Ritter
    Das Lied der Segel (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    30.04.2026

    Spannend mit Abenteuer und christlichem Tiefgang

    Buchinhalt:

    England, 1863: Pfarrerstochter Lily-Anne wurde von ihrem Geliebten schwanger sitzen gelassen und flieht vor Scham um ihren Ruf von zu Hause. In Liverpool trifft sie auf den Piraten Jack Cole, mit dem sie eine Zweckehe eingeht – doch auch Jack hat ein schweres Bündel zu tragen und seine Vergangenheit lastet auf ihm. Werden die beiden mit Gottes Hilfe einen Neuanfang wagen können, der Hoffnung gibt auf eine zweite Chance?


    Persönlicher Eindruck:

    Obwohl der Schreibstil wie schon im Debütband „Hinter dem Schleier“ erst mal gewöhnungsbedürftig und etwas holperig war (viele Ortswechsel machen es dem Leser nicht gerade leicht, schnell in die Handlung hinein zu finden) hatte ich ach einiger Zeit einen guten Einblick in das Leben Mitte des 19. Jahrhunderts: zwei sehr gegensätzliche Hauptfiguren nehmen den Leser mit in eine wirklich abenteuerliche Geschichte. Wer Seefahrerromantik und Abenteuer liebt, kommt hier ganz sicher auf seine Kosten.

    Zum einen begleitet man als Leser Jack, einen Piraten, der inzwischen geläutert mit seinem alten Leben abschließen und Frieden schließen möchte, zum anderen die aus gutem Hause stammende Pfarrerstochter Lily-Anne, die um ihren guten Ruf ringt. Beide könnten konträrer nicht sein und so ergibt sich schon bald ein Spannungsgefüge, das den Leser an die Seiten fesselt.

    Im christlichen Kontext des Romans geht es um Sünde und Verfehlung einerseits, aber auch um Gottvertrauen und Neuanfang, Vergebung und dem buchstäblichen Wunder.

    Jack ist ein Bad Boy, nicht gerade ein Sympathieträger, aber vielleicht gerade wegen seiner Ecken und Kanten interessant und nicht 08/15. Er ist eben ein Pirat und das abenteuerliche Element der Geschichte. Gleichzeitig ist er ein Beispiel, dass es nie zu spät ist, alte Strukturen zu durchbrechen und neu anzufangen.

    Insgesamt fand ich den Stil gerade zu Beginn holprig und hätte mir mehr Fluss gewünscht. Ich hatte sogar einige Male die Befürchtung, dass die Autorin den Roten Faden aus den Augen verliert. Da es sich um eine Dilogie handelt, ist die Geschichte inhaltlich auch nicht abgeschlossen sondern findet ihre Fortsetzung in einem zweiten Band. Möglicherweise hätte man einiges auch gestraffter erzählen und somit allen in einem Einzelband unterbringen können, doch ich bin gespannt, ob mich Teil 2 noch einmal neu überrascht.

    Insgesamt fand ich die Piratengeschichte sehr gelungen, da ich Piratenfilme und Romane in diese Richtung recht gerne mag, die Liebesgeschichte ist noch ausbaufähig. Alles in allem solide 3,5 Sterne, mit noch Potential nach oben – man kann sich auf jeden Fall noch überraschen lassen!
    50 cozy Karten zum Ausmalen - Liebe Grüße

    50 cozy Karten zum Ausmalen - Liebe Grüße (Div.)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    24.04.2026

    Grußkarten ähnlich der "Malbücher für Erwachsene" aber mit einigen inhaltlichen Abstrichen, leider.

    Buchinhalt:

    Das Set enthält 50 einteilige, als Grußkarten verwendbare Karten zum Selbstausmalen ähnlich der „Malbücher für Erwachsene“ mit schwarzem Aufdruck auf weißem Hintergrund. Die Motive sind recht kleinteilig und umfassen Bilder für verschiedene Anlässe wie Geburtstage, Urlaub, Weihnachten, Ostern und Hochzeit.


    Persönlicher Eindruck:

    Insgesamt macht das Kartenset, das in einer hübschen, stabilen Pappbox kommt, einen wertigen und guten Eindruck. Das Papier ist haptisch hochwertig und die Motive größtenteils ansprechend, die Ecken sind abgerundet und die Motivauswahl groß. Die Bilder sind relativ kleinteilig und sprechen daher auch Erwachsene an, es ist kein Kinderset, was ich sehr positiv bewerte.

    Eine kleine Auswahl der Motive: Blumen, Vögel, Landschaften, Heißluftballone, Kränze und Sträuße, Weihnachtliches und Ostermotive, Valentinstag, Hochzeit, Alltägliches.

    Während mir die Blumen und Tiermotive sehr gut gefallen haben, sprachen mich rund 30 % des Sets überhaupt nicht an und das ist auch bei einem Kaufpreis von lediglich 8 € noch eine ganze Menge. Die Sprüche sind ausschließlich in englischer Sprache und gerade bei einer Karte für eine Hochzeit erwarte ich ehrlich gesagt mehr als nur eine einteilige Pappkarte zum Selbstausmalen. Somit findet die ein oder andere Karte garantiert nie eine Verwendung, vor allem ist mir nicht verständlich, warum man keine deutschen Texte abdruckt.

    Ein weiterer Kritikpunkt, den man vor dem Kauf aber wissen sollte: die Rückseiten. Es handelt sich nicht um herkömmliche Postkarten, da die Karten auf der Rückseite weder Adressfeld noch Beschriftungsfeld aufweisen sondern nur wenig Raum für eine Grußbotschaft bieten. Wahrscheinlich soll man sie persönlich überreichen – das ist aber in meinen Augen nicht der Sinn einer Gruß-/ Postkarte. Hier gehört dringend nachgebessert.

    Als Ausmalmotive ganz nett und sicher auch entspannend und achtsamkeitsfördernd, aber sehr dem persönlichen Geschmack unterworfen. Möglicherweise krankt das Set gerade an dem Anspruch, möglichst viele Anlässe abdecken zu sollen, aber strikt nach Thema getrennt fände ich die Aufteilung wesentlich gelungener (z.B. Blumen, Tiere, Feiertage).

    Mein Fazit: mittelmäßige Begeisterung, aber mit nur zu zwei Dritteln ansprechender Motive für mich persönlich leider zu wenig. Möglicherweise hätte mich ein anderes Kartenset aus dieser Reihe mehr angesprochen.
    Die Farbensammlerin

    Anne Seiler
    Die Farbensammlerin (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    13.04.2026

    Spannender Einblick in die Gesellschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert und in die Künstlerszene um 1900.

    Buchinhalt:

    Worpswede im ausgehenden 19. Jahrhundert: Die 20jährige Johanna kommt aus einfachen Verhältnissen. Ihre Gefühle und Träume drückt sie in Bildern aus, ihre große Leidenschaft ist das Malen – doch der Vater hat andere Pläne mit ihr. Statt einen reichen Hoferben zu heiraten flieht Johanna schließlich in eine Künstlerkolonie....


    Persönlicher Eindruck:

    Im Grunde hat mir die Reise ins 19. Jahrhundert ganz gut gefallen, das Gesellschaftsbild ist klar definiert und die Autorin schafft es vortrefflich, eine Charakterstudie des damaligen Lebens – gerade der Menschen aus einfach Verhältnissen – zu vermitteln. Auch wenn ich bislang noch nichts über die Künstlerkolonie im Worpswede des ausgehenden 19. Jahrhunderts gehört oder gelesen habe, bekam ich als Leser einen recht guten Eindruck.

    Hauptfigur der Geschichte ist die 20jährige Johanna, Tochter eines Werftarbeiters. Entgegen der Gepflogenheiten ihrer Zeit hat Johanna Träume und Wünsche, die sich nicht gerade mit dem decken, was man von einer Frau zur damaligen Zeit erwartete. Der Vater sieht seine Tochter lediglich als Ehefrau eines Hoferbens, doch Johanna lebt für die Farben: die Malerei ist ihre Leidenschaft und so nimmt es nicht wunder, dass die sich der geplanten Hochzeit entzieht und zu Gleichgesinnten in eben die genannte Künstlerkolonie flüchtet....

    Es ist ein Roman über eine starke junge Frau, die sich gegen den Trend ihrer Zeit stellt und an ihren Träumen festhält. Das ist an für sich nichts Neues, so kann auch Autorin Seiler das Rad hier nicht neu erfinden. Dennoch habe ich die Geschichte gerne gelesen und gerade auch durch historisch verbürgte Personen wie Rainer Maria Rilke oder Ottto Modersohn (die anderen sagten mir ehrlich gesagt nichts) erzeugt die Geschichte eine gewisse historische Tiefe.

    Der Sprachstil selbst ist relativ einfach gehalten und auch die obligatorische Liebesgeschichte kommt in der Handlung vor. Ich persönlich würde das Buch eher bei den historischen Liebesromanen als bei den historischen Romanen im Allgemeinen einordnen. Es ist eine nette Geschichte für zwischendurch, aber kein Pageturner, der einem ewig im Gedächtnis bleibt.

    ein Fazit: Wer Romane über starke Frauenfiguren, die sich gegen die Konventionen ihrer Zeit auflehnen, schätzt, liegt hier vermutlich goldrichtig.
    Der Sommer, als wir die Weltherrschaft übernahmen

    Rieke Patwardhan
    Der Sommer, als wir die Weltherrschaft übernahmen (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    22.03.2026

    Langweilig, nichts besonderes - zudem reichlich realitätsferne Beschreibung der politischen Thematik. Keine Empfehlung.

    Buchinhalt:

    Es sind Sommerferien, die Kinder Fili, Karo und Jeps werden zur Tante auf eine Nordseeinsel geschickt. Tante Flora ist dort Bürgermeisterin, ihr neustes Projekt: eine autofreie Insel. Dazu hat sie bereits drei Esel gekauft, denn Eselskarren sollen zukünftig die Autos ersetzen, der Umwelt zuliebe – leider erfährt sie hierbei ziemlichen Gegenwind vom Gemeinderat, allen voran von ihrem Nachbarn, dem Werkstattbesitzer Böcki. Als Tante Flora schließlich verunfallt und ins Krankenhaus muss, nehmen die Kinder die Sache in die Hand....


    Persönlicher Eindruck:

    Was zunächst wie eine lustige Feriengeschichte anmutet, beginnt auch recht eingängig und auch die Eselsgeschichte liest sich nett und lustig: Henriette, Hassan und Herbert sind selbstverständlich stur und machen ihr eigenes Ding. Genauso die Kinder: in der Abwesenheit der Tante nehmen sie quasi das Heft („die Weltherrschaft“) auf der Insel in die Hand.

    Dann ist da aber noch das politische Thema. Hier zeigt sich, dass das Buch viel will, aber leider nicht halten kann. Die Beschreibung, was ein Gemeinderat und eine Bürgermeisterin tun, wird absolut realitätsfern geschildert. Man trifft sich im Hinterzimmer der Kneipe, wohlweislich nur die Gegner des Eselsprojektes, und beschließt schnell, solang die Bürgermeisterin in der Klinik weilt – sorry, aber das ist an den Haaren herbei gezogen. Die Autorin will das politische Thema, dann soll sie es aber auch richtig darstellen. Gemeinderat und Bürgermeister (Stadtverwaltung) sind zwei getrennte Parteien, Beschlüsse werden in gemeinsamen Sitzungen aller Räte getroffen und Demokratie heißt nun mal: die Mehrheit entscheidet. Selbst bei einem Kinderbuch erwarte ich eine wirklichkeitsgetreue Wiedergabe.

    Was zudem wenig mit der Realität zu tun hat, ist das Verhalten der Eltern, die die Kinder nicht holen, als klar ist, dass sie da plötzlich völlig ohne Tante und dadurch ohne Aufsicht auf der Insel weilen. Das Buch wird ab einem Lesealter von 10 Jahren empfohlen. Ich frage mich: welches Vorbild wird hier vermittelt?

    Letztendlich hätte die Feriengeschichte mit den Eseln und den Freundschaften, die sich auf der Insel entwickeln, auch prima komplett ohne die politische Komponente funktioniert, die dadurch inhaltlich gar keine sonderlich große Rolle spielt, obwohl sie so im Vordergrund steht. Dennoch fand ich das Ganze eher langweilig, gefesselt hat es mich nicht. Lange im Gedächtnis wird es auch nicht bleiben.

    Die Illustrationen haben mir überhaupt nicht gefallen, auch wenn sie das Gelesene untermalen sollen – die Zeichnungen sind eindimensional und hölzern, die Köpfe lassen oft nicht mal erkennen, ob es sich um Männlein oder Weiblein handelt und sehen aus, wie von einem Kind gemalt. Bei einer professionellen Zeichnerin erwarte ich eindeutig mehr Talent und Können.

    Für mich war das Buch eine große Enttäuschung, eine Leseempfehlung kann ich nicht aussprechen. Die 16 € sind besser woanders investiert, hier lohnt sich der Kauf in meinen Augen nicht.
    Uns trägt die Hoffnung

    Sylvia B. Barron
    Uns trägt die Hoffnung (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.03.2026

    Teils starker freikirchlicher Touch - weniger wäre mehr gewesen. Historische Handlung gut.

    Buchinhalt:

    Dresden 1942: der Feuersturm zerstört die Stadt, dadurch auch die Schokoladenformen-Fabrik der Kaisers. Die 19-jährige Lotte und ihre Mutter werden ausgebombt und suchen verzweifelt nach einer Bleibe, vom Schicksal ihrer Angehörigen wissen sie zunächst nichts. Als der Krieg verloren ist und die Rote Armee in Dresden einmarschiert, haben die Bewohner stark unter den marodierenden Russen zu leiden – einer jedoch scheint anders zu sein: der Leutnant Alexei Petrov. Die Begegnung mit Lotte wird der beginn einer zarten Romanze, denn nicht nur Lotte ist gläubig sondern auch Alexei auf der Suche nach Gott....


    Persönlicher Eindruck:

    Im zweiten Teil ihrer Dresden-Trilogie um die Unternehmerfamilie Kaiser steht nun Lotte im Mittelpunkt der Handlung, die Tochter von Frieda und Hermann. Kriegszerstörung, Hunger und Leid prägen den Alltag der Menschen und als Ausgebombte stehen nun auch die ehemals betuchten Kaisers auf der Straße.

    Parallel dazu entspinnt sich ein zweiter Handlungsstrang um den russischen Offizier Alexei Petrov, der anders als seine Truppe nichts von Vergewaltigung der deutschen Bevölkerung hält. Durch die Bibel eines gefallenen Kameraden hat er zum christlichen Glauben gefunden bzw. befindet sich derzeit auf einer Sinnsuche – und nach Gott. Immer wieder beeinflussten Bibelstellen sein tun und Handeln und diese gemeinsame Basis ist auch Grundlage für die Romanze, die sich nach und nach zwischen ihm und Lotte ergibt.

    Insgesamt empfand ich auf historischer Ebene den Roman sehr moderat, trotz Triggerwarnung (was hat diese hinten im Glossar zu suchen – sie gehört nach vorne ins Buch) beschreibt Barron die Zustände im zu Ende gehenden Dritten Reich sehr geschönt und lässt größere Grausamkeiten, die gerade in der russischen Besatzungszone vorkamen, absichtlich weg.

    Was mir zunehmend nicht gefallen hat, ist der starte freikirchliche Touch. Mich nimmt es einerseits nicht wunder, da Barron selber einer Freikirche angehört, doch die Passagen um Max, der in der von den Nationalsozialisten verbotenen Elim-Gemeinde predigt (wohlgemerkt: hier kann jeder predigen, einen Pfarrer scheint es nicht zu geben) hatten in meinen Augen keine größere Bedeutung für die Handlung. Auch die zunehmend wirren Zeitsprünge im zweiten Teil hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht.

    Der christliche Aspekt handelt von Vergebung und Gottvertrauen, hier wäre weniger fast mehr gewesen, hätte man sich auf Lotte und auf Alexei konzentriert – die beiden bringen den religiösen Teil sehr gut rüber.

    Insgesamt dennoch ein sehr lesenswerter Roman, für den man nicht zwingend Teil 1 zum Verständnis braucht. Der historische Teil war stimmig und mitreißend, so dass ich mich auf Teil 3, der dann nach dem Krieg in der neu gegründeten DDR spielt, schon freue.
    Broiler, Wimpel, Westpaket

    Torsten Harmsen
    Broiler, Wimpel, Westpaket (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.03.2026

    Ostalgie pur - Erinnerungen an eine ostdeutsche Kindheit. Liebevoll und mit Humor erzählt

    Buchinhalt:

    In 55 kurzen Kapiteln – jedes einem anderen typischen Gegenstand gewidmet – erzählt der Autor von seiner Kindheit im Osten der Republik, als die Mauer noch stand. Es sind Dinge wie der Recorder aus Bakelit, das obligatorische Grillhähnchen, „Broiler“ genannt oder auch unbeschwerte Spielnachmittage rund um die Teppichklopfstange im Hof, aber auch Fahnenappelle bei den Jungpionieren und das geheimnisvolle Westpaket, das ihn als Kind und Jugendlichen prägten. Liebevoll erzählt und mit einem Hauch Wehmut – aber mit erstaunlichen Parallelen in das Leben im Westen.


    Persönlicher Eindruck:

    Wie lebte man so im Osten der Republik, vor dem Fall der Mauer, in der ehemaligen DDR? Inzwischen gibt’s eine ganze Generation, die diese nur noch aus Erzählungen kennt und nichts anderes erlebt hat, als ein vereintes Deutschland. Doch wie war sie so, die Kindheit im Osten? Was hatte man dort, was anders war, als hier im Westen? Autor Harmsen geht der Sache auf den Grund und kramt in seinen Kindheitserinnerungen.

    Das Buch ist unterteilt in 55 kurze Kapitel, die sich alle einem anderen Gegenstand widmen, der den kleinen Torsten Harmsen einst prägte – angefangen vom Kindergartentäschchen (Stullentasche genannt) über spätere Dinge wie Pioniertuch, Schulmilch oder Zündeln im Garten bis hin zu Dingen wie dem ersten Kassettenrecorder oder der ersten Zigarette.

    Harmsens Erzählstil ist liebevoll und kurzweilig, man liest die Anekdoten gerne und kann nicht damit aufhören. Trotz aller Negativseiten eines Lebens im Sozialismus empfand er seine Kindheit als behütet und gleichzeitig abenteuerlich, er vermisste im Grunde nichts, auch wenn seine Familie nach eigener Aussage keine Westverwandten hatte und somit das eigene Westpaket für ihn gar nie kam. Was man hatte, genügte einem, der Rest wurde mit handwerklichem Geschick und Findigkeit wieder wett gemacht.

    Was mich dabei erstaunte: viele der genannten Dinge gab es in Ost und West gleichermaßen. Wir haben bis heute eine Teppichklopfstange hinter dem Haus, auch wenn sie heute für andere Zwecke verwendet wird. Kassetten drehten auch wir mit dem Bleistift wieder rein, wenn sich mal Bandsalat gebildet hatte und die von Harmsen als amerikanisch beschriebenen Mustang-Jeans stammen bis heute nicht aus den USA sondern aus dem süddeutschen Künzelsau. Ganz so unterschiedlich waren die Kindheiten also nicht – auch ich (ein Westkind) hatte eine solche „Stullentasche“, die zwar anders hieß, aber den gleichen Zweck erfüllte und genauso um den Hals hängend getragen wurde.

    Insgesamt eine liebenswerte und kurzweilige Lektüre, die man nicht mehr aus der Hand legen möchte und bei der ich bedauere, dass sie nur rund 200 Seiten umfasst. Von mir eine verdiente Leseempfehlung mit 5 Sternen!
    Tiere und Pflanzen lebensgroß

    Daniela Strauß
    Tiere und Pflanzen lebensgroß (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    06.03.2026

    Hervorragender Naturführer für die ganze Familie - sehr empfehlenswert!

    Buchinhalt:

    Tiere und Pflanzen in der einheimischen Natur kennen lernen und bestimmen: mit diesem tollen Naturführer für die ganze Familie kein Problem! Nach Jahreszeiten gegliedert bietet das Buch eine Fülle von Informationen über die heimische Fauna und Flora und besticht durch rund 100 Fotos in nahezu Lebensgröße. Basteltipps und Mitmachideen für Familien mit Kindern runden das Buch ab. Bonus: eine KOSMOS-App mit 37 Tierstimmen zum Download.


    Persönlicher Eindruck:

    Vorab: dies ist nicht der erste Naturführer, den ich aus dem KOSMOS-Verlag besitze. Dennoch sticht er aus der Masse heraus, da er damit wirbt, Tier und Pflanze in Lebensgröße abzubilden. Das gelingt auch in den meisten Fällen, wobei goße Tiere wie Luchs oder Fuchs leider nicht auftauchen und der Schwerpunkt eher auf den einheimischen Vögeln liegt.

    Gut gefallen haben mir die brillanten Fotos, die Bestimmung und Wiedererkennen leicht machen und auch (kleineren) Kindern einen Wiedererkennungswert bieten. Einziger Kritikpunkt am „Lebensgroß-Konzept“: es trifft leider nicht immer zu. Gerade Igel, Florfliege und Ringeltaube sind viel zu groß abgebildet und verzerren das Naturerlebnis. Da es sehr auffällig ist, hätte ein Korrektorat dies merken müssen.

    Wie auch immer: mich stört es nicht weiter, da ich um die tatsächliche Größe besagter Tiere weiß und finde das Verhältnis von Text zu Bild stimmig und einladend. Gut gemacht sind auch die kleinen Infoboxen und Details beispielsweise zu Blättern oder der Anatomie von Insekten – gerade kleine Naturforscher werden daran eine Freude haben.

    Zum Glück ist das Buch anspruchsvoll gehalten und kein „Kinderbuch“, auch wenn es zahlreiche Mitmach-Ideen und Basteltipps gerade für Familien gibt. Diese halten sich aber zahlenmäßig in Grenzen und schmälern nicht das Leseerlebnis von Erwachsenen. Ein Pluspunkt zumindest für meinen Geschmack.

    Mit 20 € liegt das Buch eher im oberen Preissegment, besticht aber mit einem hochwertigen Hardcover und abwischbarer, beschichteter Oberfläche, dicken Seiten und ansprechender Haptik. Das Format ist mittelgroß und liegt gut in der Hand, kann auch ggf. im Rucksack mit in die Natur genommen werden und ist somit ein treuer Begleiter, der fundierte Sachinformationen mit DIY und Naturschutz gekonnt miteinander verknüpft.

    Mein Fazit: eine sehr empfehlenswerte Investition, wenn man von kleineren Mängeln wie den nicht immer passenden Größenverhältnissen bei einigen Tieren absieht.

    Ein Naturerlebnis für die ganze Familie!
    Von Kränzen und Körben

    Ulrike Schmidt
    Von Kränzen und Körben (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    22.02.2026

    Erstklassiges Anleitungsbuch für alle Freunde der Floristik - mit zeitlos schönen Ideen. Absolute Empfehlung!

    Buchinhalt:

    Kreativ durchs Jahr: 77 floristisch hochwertige DIY-Projekte warten darauf, entdeckt zu werden: Nach Jahreszeiten gegliedert präsentieren sich stimmungsvolle Kränze, Tischgestecke und Windlichter mit den Gaben der Natur. Jedes Projekt verfügt über eine bebilderte und ausführliche Anleitung, so dass auch dem floristischen Laien ein ästhetisches Erfolgserlebnis sicher ist. Mit großem Serviceteil zum Trocknen von Blüten und unterschiedlichen Dekorationstechniken.


    Persönlicher Eindruck:

    Dieses erstklassige Anleitungsbuch hat mich von A bis Z voll überzeugt: mit 77 DIY-Ideen zur floristischen Dekoration aus der Feder von Autorin Ulrike Schmidt wendet es sich an alle, die gerne mit Blumen und anderen Materialien aus der Natur arbeiten. Neben einigen Basismaterialien, die einfach zu bekommen sind, werden sonst nur Dinge benötigt, die der eigene Garten oder ein Spaziergang durch Wald und Flur hergeben: Blumen, Reisig und Äste, Samen und Moos – mehr braucht es nicht, um hochwertige Dekoobjekte im Landhausstil selbst herzustellen.

    Die einzelnen Projekte verfügen über eine gut verständliche und bebilderte Anleitung, die auch eine Materialliste einschließt. Mit einfachem Basis-Werkzeug und ein bisschen Blick für die Ästhetik in der Natur gelingt dem Leser auf alle Fälle eine Umsetzung – jede Anleitung kann zudem einfach abgewandelt und an das eigene Material angepasst werden.

    Sehr gut harmoniert das Verhältnis von Text zu Bild, die Fotos sind brillant und teilweise ganzseitig, so dass ein guter Eindruck entsteht von dem, was die Autorin vermitteln will.

    Die Dekorationen sind den Jahreszeiten entsprechend gegliedert und machen aus dem Buch einen Begleiter für das ganze Jahr, in den man immer wieder gerne hineinschaut und sich von ihm inspirieren lässt.

    Der Serviceteil hinten im Buch gibt zudem Aufschluss über die von der Autorin bevorzugten Pflanzen, verschiedene Dekorationstechniken wie das Frosten mit flüssigem Kerzenwachs, Sammeln und Trocknen von Blumen oder zum Colorieren von unterschiedlichen Materialien. Hinzu kommen kleine im Buch verteilte Tipps und Tricks, die bei jeder der Anleitungen hilfreiche Unterstützung geben und den Leser zum Beispiel beim Stecken und Arrangieren von unterschiedlichen Blumen unterstützen.

    Mir hat das Buch sehr gefallen, es spielt im Genre der Kreativ- und Floristikbücher in erster Reihe mit und ist mit 16,90 € vergleichsweise günstig, für die Fülle, die man als Leser bekommt. Eine absolute Empfehlung für alle, die gerne mit Naturmaterialien arbeiten und hochwertige floristische Arrangements schätzen.

    Ein Schatz in jedem DIY-Regal!
    Die Erfinderin der Freiheit

    Elke Becker
    Die Erfinderin der Freiheit (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    19.02.2026

    Weiblicher Erfindergeist zur Jahrhundertwende - in eine 08/15-Story verpackt.

    Buchinhalt:

    Dresden zur Jahrhundertwende um 1900: Christine arbeitet als Therapeutin in einem Sanatorium und sieht sich zahlreichen Patientinnen gegenüber, die aufgrund ihrer eng geschnürten Korsetts reihenweise in Ohnmacht fallen. Aus diesem Grund tüftelt sie an einem neuartigen Leibchen und erfindet schließlich den modernen Büstenhalter. Zunächst ist das neue Kleidungsstück umstritten, doch die Klinik unterstützt Christine und die Aufträge werden immer mehr. Zusammen mit ihren Freundinnen vertreibt sie ihre Erfindung auch auf dem Dresdner Weihnachtsmarkt....


    Persönlicher Eindruck:

    Die Jahrhundertwende um 1900 ist geprägt von neuartigen Erfindungen, Weltausstellungen und einer neuen Aufbruchsstimmung. Dennoch halten sich alte Zöpfe hartnäckig, wie z. B. die geschnürte Wespentaille. Dass es durch die neuartige Erfindung der Dresdnerin Christine Hardt auch Frauen möglich ist, sich freier zu fühlen und besser atmen zu können, überzeugt zunächst nur wenige – zu eingefahren sind alte Strukturen. Dennoch gibt die junge Frau nicht auf und hält an ihrer Überzeugung und ihren Ideen fest.

    Was hier klingt wie ein Roman um starke Erfinderinnen, soll so leider nur zum Teil in Erfüllung gehen. Während die Erfindung des Büstenhalters zumindest auf deutschem Boden der Christine Hardt zugeschrieben wird und auch ihre Freundin Amalie Bentz gleichzeitig ihren neuartigen Melitta-Kaffeefilter erfindet, wird schnell klar: es handelt sich bei diesem Roman leider auch wieder nur um einen historischen Liebesroman, dessen Beziehungskisten bald den spannenden Erfinderinnen-Plot unangenehm dominieren.

    Jede der weiblichen Figuren (es sind insgesamt fünf Stück) angelt sich nach und nach einen Mann. Die Liebesgeschichten sind nett gemacht aber leider nichts Besonderes, der Roman folgt hier einem 08/15-Schema und reiht sich ein in eine auf historisch getrimmte Dutzendware. Schade, denn das Thema Erfindung und gerade die auf dem Klappentext propagierte Einführung des BHs in den Alltag verkommt mehr und mehr zu einer Randerscheinung.

    Die historische Einordnung kann ich nicht wirklich einschätzen, ich bin überfragt, ob die BH-Erfinderin und die Melitta-Erfinderin in der Realität überhaupt Kontakt hatten oder ob das Ganze nur Fiktion und künstlerische Freiheit der Autorin ist. Das Nachwort jedenfalls gibt darüber nichts preis und wer Wert legt auf historische Genauigkeit, wird hier möglicherweise auch enttäuscht werden.

    Der Roman liest sich gut und eingängig, ist leicht und man muss nicht viel denken. Einzig ein Namensverzeichnis hätte ihm gut zu Gesicht gestanden, denn aufgrund gerade der Fülle an Frauenfiguren kommt der Leser leicht durcheinander.

    Insgesamt sollte man keine allzu großen Erwartungen haben an die Geschichte, denn etwas bahnbrechend Neues oder besonderes ist sie nicht. Es ist einfach eine nette Lektüre für zwischendurch, die aber auch schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwunden sein wird.
    NaturWERKSTATT Family

    Dorothea Hamm
    NaturWERKSTATT Family (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    19.02.2026

    50 Ideen zum Basteln mit Naturmaterialien für Kinder und Erwachsene

    Buchinhalt:

    50 Bastelideen mit Materialien aus der Natur richten sich vorwiegend an Familien mit Kindern: die Kreativprojekte sind nach Jahreszeiten gegliedert und vereinen Spiel, Bewegung an der frischen Luft und familiäres Miteinander mit Feinmotorik und künstlerischer Gestaltung. Der Clou: alle Materialien können bei einem Feld- oder Waldspaziergang selbst gesammelt werden und verwandeln sich zuhause in kleine Kunstwerke.


    Persönlicher Eindruck:

    Wer das vierteljährlich erscheinende Magazin NaturWerkstatt aus dem BLOOM'S-Verlag kennt, weiß um die ausführlichen und floristisch hochwertigen Kreativprojekte für Erwachsene, die aus Funden aus der Natur Kränze, Dekorationen und Gestecke entstehen lassen. In dieser Tradition ist nun „NaturWerkstatt Family“ erschienen, eine Buchausgabe, die sich vorwiegend an Familien mit Kindern richtet und deren Anleitungen auch von kleinen Naturkünstlern ausgeführt werden können.

    Dabei sind die insgesamt 50 Bastelideen mit Naturmaterialien nach den Jahreszeiten gegliedert. Schwebende Zwiebelpflanzen oder blumige Traumfänger im Frühling wechseln sich ab mit Blumenkränzen und natürlichen Schmuckstücken im Sommer, ästhetischen Windlichtern oder niedlichen Anhängern aus den Früchten des Herbstes bis hin zu stimmungsvollen Weihnachtsdekorationen im Landhausstil.

    Allen Ideen ist gemeinsam: sie sind gut bebildert. Materiallisten und Schritt-für-Schritt-Anleitungen machen es leicht, die einzelnen Dekorationen nachzuarbeiten und der einfache bis moderate Schwierigkeitsgrad überfordert auch die junge Zielgruppe nicht.

    Gut gefallen hat mir das harmonische Verhältnis von Text zu Bild, die Seiten sind nicht überfrachtet und machen Lust, selbst kreativ zu werden. Man braucht auch kaum Basismaterial wie Schnur, kleine Nägel oder Klebstoff, alles Weitere kann in der Natur gesammelt werden. Zudem fördert diese Art des Bastelns die Bewegung und den Aufenthalt in der Natur, das Gemeinschaftsgefühl und das soziale Miteinander – die Anleitungen eigenen sich neben der eigenen Familie auch prima für Kindergärten, den Hort oder die Jungschargruppe.

    Alles in allem ein rundum gelungenes Buch im bewährt fundierten Stil, den man von BLOOM'S gewöhnt ist und eine absolute Leseempfehlung, die sich angenehm aus der Masse der Kreativbücher heraushebt.
    Wo ist denn da der Unterschied?

    Wo ist denn da der Unterschied? (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    15.02.2026

    Inhaltlich enttäuschend: Vergleichsbegriffe teilweise unpassend und nicht erklärungsbedürftig.

    Buchinhalt:

    150 Begriffspaare aus Themengebieten wie Natur, Weltraum, Tierwelt, Pflanzen, Essen, Geschichte und vielen weiteren werden einander gegenübergestellt und deren Unterschiede erklärt. Als Kinderlexikon ab 8 Jahren bietet das Buch eine scheinbare Bandbreite an Wissensfragen, die schlau machen (sollen) – bunt und vielfältig aufbereitet und in hochwertiger Hardcoverausführung.


    Persönlicher Inhalt:

    Dieses bunte und vielfältige Kindersachbuch richtet sich an eine Zielgruppe ab 8 Jahren (2. bzw. 3. Grundschulklasse). Das Prinzip: zwei Begriffe werden einander gegenübergestellt, die scheinbare „Begriffszwillinge“ sind, wie Alligator und Krokodil, Stern und Sonne, Gestein und Fossil. Kleine Begriffskästen erklären das Notwendigste und so eignet sich das Buch hervorragend zum Stöbern und Verweilen. Es ist kein Buch, das man in einer bestimmten Reihenfolge lesen müsste.

    Die haptische Gestaltung ist sehr gut, das Buch ist großformatig und hochwertig in der Verarbeitung, die Bilder bunt und detailliert. Herausgeber ist die DUDEN-Redaktion, was an sich schon ein Qualitätsmerkmal sein sollte – auch ein Kriterium für mich, nach diesem Buch zu greifen.

    Ein Großteil der im Buch befindlichen Begriffspaare sind auch zusammengehörende oder zumindest zusammenpassende Begriffe wie Wespe und Biene. Vor allem in den Themengebieten Weltraum und Tiere fand ich die Erklärungen spannend und lehrreich. Leider zieht sich dieser positive Ersteindruck nicht durch das gesamte Buch. Viele Begriffspaare sind keine solchen und die beiden verglichenen Dinge passen überhaupt nicht zusammen oder sind so banal, dass ich mich frage: muss man das einem 8Jährigen tatsächlich erklären? Beispiel: was ist der Unterschied zwischen Zwillingen und Drillingen (respektive Vierlingen und Fünflingen)? Was unterscheidet Fluss und See?

    Ein Kind ab 8 Jahren hatte in der Grundschule mindestens zwei Jahre Heimat- und Sachunterricht und dürfte normalerweise von der Hälfte dieses Buches absolut gelangweilt sein. Hinzu kommt: die Lebenswirklichkeit des Alltages wird hier komplett ausgeklammert. Ein Kapitel wie „Alltag“ gibt es nicht – was also ist der Unterschied zwischen Drogerie und Reformhaus? Zwischen Bäckerei und Backshop? Zwischen Kindergarten und Kinderkrippe? Zwischen Supermarkt und Discounter? Hier hätte man ansetzen können, weil das ist die Lebensrealität eines Schulkindes!

    Ich bin ehrlich gesagt enttäuscht und hatte mir weit mehr versprochen. Ein Leser aus der Zielgruppe ab 8 Jahren dürfte in der heutigen digitalen Gegenwart nicht so doof sein, wie es dieses Kindersachbuch suggeriert – und wenn es wirklich so ist und das Kind den Unterschied zwischen Einrad und Fahrrad nicht kennt, dann befürchte ich, wird auch dieses Buch nicht mehr helfen.

    Fazit: Enttäuschender Gesamteindruck und inhaltlich teilweise dermaßen banal – dafür würde ich keine 24 € ausgeben wollen!
    Das Haus in Charlottenburg

    Beate Sauer
    Das Haus in Charlottenburg (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.02.2026

    Spannender Roman um die Zustände in den Arbeitervierteln zur Kaiserzeit - lesenswert!

    Buchinhalt:

    Berlin gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Die Wohnsituation der Arbeiterfamilien in der Millionenstadt ist prekär, Mietskasernen prägen das Stadtbild der Elendsviertel. Mitten darin die junge Schneiderin Elise und ihre Familie. Aus ihrem alten Zuhause vertrieben fristen sie ein elendes Dasein, doch Widerspruch gegen die Obrigkeit ist verpönt und auch verboten. Als Elise den Architekten Johann kennen lernt, scheint sich das Blatt zu wenden – Johann und sein Freund, der Arzt Louis, wollen ein Genossenschaftshaus bauen, in dem menschenwürdiges Leben auch für die unteren Schichten möglich ist. Doch sie haben die Rechnung nicht mit der kaltherzigen Baronin Leonora gemacht.....


    Persönlicher Eindruck:

    Deutschland zur Kaiserzeit ist Schauplatz dieses spannenden historischen Romans. In Berlin wachsen die Mietskasernen im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung, Spekulanten und Immobilienhaie verdienen sich am Elend der Arbeiter eine goldene Nase. In dieser Gemengelage leben Elise und ihre Familie, ständig in Angst, ihr Vermieter könnte sie an die Luft setzen. Trotzdem hat Elise Träume, an denen sie festhält: eine Ausbildung im Modeatelier Rosenbaum, wo die oberen Zehntausend ihre Kleidung nähen lassen, eine bessere Wohnung für sich und ihre Lieben.

    Autorin Sauer beschreibt die historischen Begebenheiten nachvollziehbar und bildhaft, als Leser taucht man schon nach wenigen Seiten in die Welt kurz vor der Jahrhundertwende ein. Villen und Elendsviertel liegen nahe beieinander und man fiebert und leidet sofort mit den Figuren mit.

    Als mit Architekt Johann und Arzt Louis zwei Männer in Elises Leben treten, entspinnt sich zur historischen Geschichte auch eine zarte Romanze, die den historischen Teil aber nie dominiert und sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt. Zudem spielen Intrigen und unlautere Machenschaften zunehmend eine Rolle, denn Zentrum der Geschichte soll schließlich das Genossenschaftshaus sein, das die beiden Männer bauen wollen. Zum Verdruss der adligen Immobilienspekulantin Leonora, die nichts unversucht lässt, ihren eigenen Vorteil geltend zu machen – und dabei sogar über Leichen geht.

    Mir hat die Geschichte, die übrigens in einem Band abgeschlossen und kein Teil einer Reihe ist, sehr gefallen. Hatte ich einmal mit Lesen angefangen, fiel es mir sehr schwer, das Buch wieder beiseite zu legen. Der Spannungsbogen steigert sich kontinuierlich und mündet gegen Ende in einem fulminanten Showdown, der alles bisherige noch einmal in Frage stellt. Auch die Nebenhandlungen um Elises Geschwister oder die Handlungsfäden, die das Leben der einfachen Bevölkerung thematisieren, die katastrophalen Lebensumstände der Ärmsten, machen ein rundes Bild von den Zuständen und vom Denken in dieser Zeit.

    Der Schluss ist angenehm stimmig, wenn auch in einigen Teilen etwas schnell, doch das soll kein großer Kritikpunkt sein – es ist eben ein Einzelband. Interessant ist auch das Nachwort, in dem die Autorin Wirklichkeit und Fiktion einander gegenüber stellt.

    Alles in allem ein spannender und mitreißender Roman aus der deutschen Kaiserzeit, den ich uneingeschränkt weiter empfehlen kann!
    Sag, wo mag die Erbin sein?

    Karen Witemeyer
    Sag, wo mag die Erbin sein? (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    04.02.2026

    Ein Lesehighlight - mit einigen Schwächen. Dennoch ein typischer "Witemeyer". Hat mir sehr gefallen!

    Buchinhalt:

    Texas, 1896: Scarlett Radcliffe ist einzige Erbin eines Familienunternehmens – doch bis das Kind volljährig ist, ist ihr brutaler Onkel der Vormund. Dieser zögert nicht, nach Scarletts Leben zu trachten, so dass das Mädchen fortan bei ihrer Großmutter in den Wäldern versteckt wird, wo sie als Letty Hood aufwächst und eine unbeschwerte Jugend verlebt. Kurz vor ihrem 21. Geburtstag erhält der Pinkerton-Detektiv Philip Carmichael den Auftrag, Letty zu ihrer Mutter zurückzubringen – mit ungeahnten Folgen....


    Persönlicher Eindruck:

    Karen Witemmeyer ist immer ein Garant für spannende Geschichten aus der Zeit des Wilden Westens, von Farmen und Ranches, von Cowboys und hier eben von den Pinkerton-Detektiven. So nimmt es nicht Wunder, dass mich auch dieser Roman nicht losgelassen hat und ich ihn in zwei Nächsten nahezu verschlugen habe.

    Es geht um Scarlett, genannt Letty, die versteckt in den Wäldern von Texas ihren 21. Geburtstag abwartet, um dann ein Testament zu unterschreiben, das ihrem Onkel den Zugriff auf das Firmenvermögen der Familie verwehrt – doch viel lieber streift Letty mit ihrem Wolfshund und ihrem Pferd durch die Wälder. Pinkerton-Detektiv Philip Carmichael hat den Auftrag, Letty nach Houston zu bringen und die Reise der beiden gestaltet sich zunehmend schwer – auf Lettys Kopf ist ein Kopfgeld ausgesetzt und kein Geringerer als ihr Onkel trachtet nach Lettys Leben.

    Ein Roman wie ein Film! Ein durchgängiger Spannungsbogen nimmt den Leser mit in die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in die Weiten von Texas. Letty und Philip, aber auch die anderen Figuren, sind sehr gut ausgearbeitet und haben Profil. Anders der gefürchtete Onkel – dieser ist eher eine graue Eminenz, die wie ein Damoklesschwert über allem schwebt und bleibt die ganze Geschichte lang weitgehend im Dunklen.

    Der christliche Aspekt des Romans ist deutlich aber unaufdringlich in die Handlung eingewoben und behandelt Themen wie Gottvertrauen und Nächstenliebe. Die glaubhafte Frömmigkeit der Figuren gibt ein gutes Bild von ihrer Einstellung zum Leben und die sachte eingestreuten Bibelzitate untermauern diese. Natürlich entspinnt sich zwischen den beiden Hauptfiguren eine zarte Romanze, die in einem Happy End mündet – das werde ich wohl nicht zu viel verraten.

    Dennoch hat der Roman einige Schwächen, die das Lesevergnügen zwar nicht trüben, dennoch aber nicht unerwähnt bleiben sollen. Das vorliegende Buch ist das dritte in der Texas Ever After-Serie und basiert auf einer modernen Interpretation des Märchens Rotkäppchen. Natürlich sind Parallelen dann gewollt, wirken aber oft künstlich. So zum Beispiel Lettys roter Kapuzenumhang, der in meinen Augen reichlich deplatziert wirkt, wenn man auf der Flucht nicht auffallen möchte oder auch die Märchenassoziation „Hood“ (Red Riding Hood) , „Drake“ (Onkel = der Drache) oder die durch Dornenhecken abgeschirmte „Burg“ eben dieses Onkels: das wirkt alles ein bisschen zu sehr aufgesetzt. Zudem gesundet Philip viel zu schnell wieder von seinem Schüttelfrost und auch die Witwe, die die beiden in ihrer Hütte übernachten lässt, ist ein bisschen arg viel Zufall. Am meisten gestört hat mich aber die Sammlung mittelalterlicher Geräte in der „Burg“ des Onkels. In den USA gab es kein Mittelalter wie in der Alten Welt, die Guillotine und die erwähnten Ritterrüstungen passen zwar zur Märchenkulisse, sind aber wenig glaubhaft insofern, dass Drake Ratcliffe diese alle mit dem Schiff in die Neue Welt hätte schaffen müssen – das halte ich im 19. Jahrhundert doch zu unglaubwürdig.

    Insgesamt ist der Roman aber eine Leseempfehlung, die nicht sehr unter seinen Schwächen leidet und auf jeden Fall bei all denen punktet, die historische Romane abseits des Mainstreams und mit christlichen Grundtönen zu schätzen wissen!
    Mein Seepferdchenhof 1. Wilde Flosse, großes Herz

    Kathrin Lena Orso
    Mein Seepferdchenhof 1. Wilde Flosse, großes Herz (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    25.01.2026

    Niediches Pferdeabenteuer unter Wasser - mit bezaubernden Bildern.

    Buchinhalt:

    Das Meermädchen Elli ist traurig: wegen einer Verletzung muss sie einen Gips tragen und kann nicht mit ihrem Wasserballteam zum Turnier. Auch ihre beste Freundin Mona wendet sich von ihr ab. Elli begleitet ihren Klassenkameraden Maris auf den Seepferdehof seiner Familie, wo sie Stormi kennenlernt, ein traumatisiertes Rennseepferdchen, das niemanden an sich ran lässt. Durch Ellis behutsame Art fasst Stormi Vertrauen und lässt Elli schließlich sogar auf seinem Rücken reiten. Ein unbeschreibliches Gefühl! Doch was ist, wenn Stormis Besitzer ihn wieder zurück holen will...?


    Persönlicher Eindruck:

    Mein Seepferdchenhof ist eine neue Kinderbuchreihe für kleine Leser ab 6 Jahren, begeistert aber auch ältere und erwachsene Leser durch die bezaubernden Illustrationen und die warmherzige, liebevolle Geschichte.

    Neu daran ist, dass die beliebte Reiterhofthematik, die vor allem bei kleinen Leserinnen der Zielgruppe seit Jahrzehnten ungebrochen beliebt ist, hier in eine Unterwasserwelt und zu den Meermenschen übertragen wurde. Hauptfigur ist die kleine Meerjungfrau Elli, die sofort Identifikationspotential beim Leser erzeugt. Denn Ellis Alltag im Meer erscheint gar nicht so fremdartig sondern ist dem, was die junge Leserschaft kennt, sehr ähnlich. Ellis Eltern betreiben einen Lebensmittelladen, Elli geht in die Schule, spielt im Wasserballteam und wünscht sich nichts sehnlicher, als ein eigenes Haustier.

    Die Freundschaft zu Maris, einem Jungen aus ihrer Klasse, und der Unfall, der sie zur Spielpause zwingt, bringt Elli schließlich auf den Seepferdchenhof und mit dem Pferdethema in Berührung. Hier steht nunmehr Stormi im Mittelpunkt, ein Rennseepferdchen, das das Vertrauen in die Meermenschen verloren hat, weil es von seinem Besitzer schlecht behandelt wurde.

    Themen wie Ablehnung und Ausgrenzung durch die beste Freundin, Tierliebe und natürlich Reiten und (See-)Pferde sind das große Thema, es geht aber auch um Verzeihen und Vertragen und vor allem natürlich Freundschaft, so dass sich die Lektüre thematisch mit den großen Fragen der jungen Zielgruppe befasst.

    Ein paar Dinge gingen mir einfach zu schnell, wie die Versöhnung mit Mona, bei der ich das Gefühl hatte, dass die Zurücksetzung von Elli als Freundin und deren Gefühle einfach zu schnell abgehandelt und nicht recht ernst genommen wurden. Auch fanden sich (was gerade bei Erstlesern problematisch ist) mehrere durch Bindestrich getrennte Komposita (zusammengesetzte Wörter) in den ersten Kapiteln, wobei die gültige Rechtschreibung dieses nur in der Leichten Sprache vorsieht (das Buch ist nicht in Leichter Sprache verfasst!). Doch das sind nur Kleinigkeiten, denn das Buch punktet eindeutig mit den niedlichen, bunten Bildern und der Pferdehofgeschichte, so dass sie in meiner Bewertung auch nicht weiter zum Tragen kommen.

    Eine absolute Empfehlung, nicht nur für pferdeverrückte Mädchen!
    Wo der Himmel uns berührt

    Tracie Peterson
    Wo der Himmel uns berührt (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.01.2026

    Warmherzige, zunehmend spannende Geschichte aus der späten Westernzeit. Empfehlenswert!

    Buchinhalt:

    New Mexico, USA um 1916: Nach dem Tod ihrer Eltern schlägt sich die junge Cassie alleine durch. Mit Näharbeiten verdient sie ihren Lebensunterhalt, doch ein Unfall zwingt sie zur Untätigkeit. Eine neue Aufgabe bringt Farbe in ihr Leben und mit Brandon trittt ein Mann in dieses, der ihr jeden Wunsch von der Augen abliest. Brandon arbeitet bei der Santa Fe Eisenbahngesellschaft, auf deren Gleise zunehmend Sabotageakte verübt werden. Man verdächtigt den Gangster Pancho Villa, doch mit der Zeit haben die Eisenbahner jemand ganz anderen auf dem Schirm – und Cassie gerät in Gefahr. Werden sie und Brandon schließlich doch noch zueinander finden? Geheimnisse aus der Vergangenheit machen dies nicht unbedingt einfacher....


    Persönlicher Eindruck:

    Der Roman, den ich als Spätwestern bezeichnen würde, hat mir wirklich gut gefallen – es ist, wie einen Film zu sehen, denn dieser läuft bei der Lektüre vor dem inneren Auge des Lesers ab. Peterson vermag es vortrefflich, Bilder und ein Setting lebendig zu machen, wie es sonst auch Karen Witemmeyer oder Jody Hedlund können.

    Hauptfigur ist Cassie, die Tochter eines Lokführers. Nach dem Tod der Eltern verdingt sie sich als Schneiderin und ist auch so sehr beliebt in dem kleinen Ort. Als sie stüzt und sich die Hand bricht, muss sie sich erst einmal von ihren Träumen verabschieden, erhält jedoch aus Kirchengemeinde und von den mexikanischen Bahnarbeitern unerwartete Hilfe, so dass sich die Gewitterwolken in ihrem Leben schnell wieder verziehen.

    Der männliche Gegenpart ist Brandon DuBarko, der einst wie ein Sohn für Cassies Vater war und diesem versprach, auf Cassie fortan aufzupassen. Eine zarte Romanze entspinnt sich, doch Brandon trägt schwer an einer Schuld aus der Vergangenheit....

    Die christliche Komponente der Geschichte ist dezent in das Leben der Figuren eingeflochten, sie erzählt von Schuld und Vergebung, von Nächstenliebe und von Erlösung. Alles in allem authentisch und unaufdringlich, aber klar in Worten und mit überzeugender Botschaft.

    Die Handlung der Geschichte ist relativ linear und ohne viele Rückblenden, im Verlauf der Handlung wird die Geschichte sehr spannend und der Spannungsbogen gesteigert. Man erfährt auch viel über die damalige Lebensweise am Vortag des Ersten Weltkrieges und dessen Einfluss auf die USA, wobei New Mexico noch immer in den Schuhen des Wilden Westens steckt und Viehdiebe, Eisenbahnüberfälle und Cowboys das Bild prägen.

    Insgesamt eine authentische, sehr lesenswerte Geschichte mit Niveau, fernab vom flachen Mainstream. Ein historischer Roman mit sympathischen, warmherzigen Figuren, die das beginnende 20. Jahrhundert lebendig werden lassen.

    Eine absolute Leseempfehlung!
    Eine vergessene Schuld

    Arne Jensen
    Eine vergessene Schuld (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    22.01.2026

    Langatmige, zähe Mischung aus historischem Stoff und Kriminalfall. Konnte mich leider nicht überzeugen.

    Buchinhalt:

    Auf den pensionierten Richter Heppner wird kurz vor einem TV-Auftritt ein Anschlag verübt. Polizei und BKA nehmen Ermittlungen auf, denn Heppner ist in der Szene kein Unbekannter – mit radikalen Äußerungen zum Thema Fahnenflucht und Kriegsdienstverweigerung ist er bereits schon öfter aufgefallen. Nach und nach werden Verbindungen zu einem Urteil von 1944 offenbar, bei dem zwei Deserteure wenige Tage nach Kriegsende noch zum Tode durch Erschießen verurteilt wurden....


    Persönlicher Eindruck:

    In einer Mischung aus historischem Roman aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und einem Gegenwartskrimi widmet sich Autor Jensen dem Thema Schuld, Kriegsdienstverweigerung und Fahnenflucht. Dabei begibt sich der Leser auf zwei Zeitsträngen einmal in die NS-Zeit, in der der halbjüdische Raimund Bach sich unerlaubt von der Truppe entfernt und mit Hilfe des holländischen Widerstandes lange Zeit versteckt sowie in die Gegenwart, in der der ehemalige Verfassungsrichter Heppner durch provokante Äußerungen Aktivisten und Ermittlungsbehörden gleichermaßen auf sich aufmerksam werden lässt.

    Zweifelsohne ist der historische Teil gut recherchiert und nimmt kein Blatt vor den Mund, was die Grausamkeiten des NS-Regimes, das Schicksal jüdischer Familien und die Situation des Soldaten als Individuum angeht. Mir persönlich gefiel die historische Erzählung recht gut und war für mich ein authentischer Einblick in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte.

    Die Gegenwartshandlung hingegen überzeugte mich nicht. Gerade in den Krimipassagen empfand ich den Schreibstil als extrem schwafelig und sich ergehend in zahllosen, für die Handlung völlig unerheblichen Details. Die Figuren blieben für mich bis zum Ende unnahbar und vage, auch wenn der verschrobene Kommissar, der ein bisschen aus der Zeit gefallen schien, Potential gehabt hätte, ein neuer Schimanski zu werden. Bei der Polizeipsychologin Jasina, eine aus Syrien geflohene Profilerin, störte mich, dass sie die für ihren Beruf nötige Distanz zu Verdächtigen und Zeugen im Laufe der Geschichte völlig vermissen ließ. Das ist so nicht glaubwürdig und hätte in der Realität den Abzug der besagten Person vom Fall zur Folge, während im Roman der fragwürdige Hauptzeuge bzw. das Opfer (Heppner) schließlich sogar noch aktiv in Jasinas persönliche Geschichte eingreift. Das ist reine Fiktion, tut mir leid.

    Völlig außer Frage steht für mich das Ende, das ich hier aus Spoilergründen selbstverständlich nicht verrate. Aber so viel: der Arm eines pensionierten Richters aus Deutschland reicht garantiert nicht bis in Assads autoritäres Regime. Das war für mich völlig an den Haaren herbei gezogen.

    Was mich am meisten gestört hat an dem Buch: es macht viel zu wenig den Unterschied zwischen Kriegsdienstverweigerung (kein Soldat zu werden) und Desertation (ein Soldat begeht im Nachhnein Fahnenflucht) deutlich. Denn in meinen Augen ist beides nicht dasselbe und gehört auch unterschiedlich bewertet. Die Passagen über Syrien und den Flüchtlingshintergrund von Jasina waren völlig ohne Belang für die Gesamthandlung und nur ein Beispiel dafür, dass die Geschichte auf viel zu vielen Hochzeiten tanzen wollte.

    Letztendlich blieb der Roman leider vollkommen hinter meinen Erwartungen zurück. Für mich fehlten Spannung, Spritzigkeit und Dynamik, der Plot war in meinen Augen zäh und driftete zu häufig in salbungsvolles Geschwafel ab. So war Eine vergessene Schuld für mich letztlich eher enttäuschend und wird wohl auch nicht länger im Gedächtnis haften bleiben.
    Pleiten, Pech und Papa

    Kristina Hortenbach
    Pleiten, Pech und Papa (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    17.01.2026

    Was zunächst lustig klingt, läuft sich leider schnell tot - lahme Gags und viel Gejammer

    Buchinhalt:

    Ein Hochwasser zwingt den Vater der Apothekerin Carmen, sich kurzfristig bei seiner Tochter einzumieten. Mit Sack und Pack steht Heinz vor Carmens Türe und bringt deren Leben - und sein eigenes – gehörig durcheinander. Denn der 83Jährige ist ein Schlitzohr und hat es faustdick hinter den Ohren. Über ein altes Telefonverzeichnis nimmt Heinz Kontakt zu Hilde auf, seiner Jugendliebe, die dann auch noch auf der Matte steht. Wird Heinz sein Zuhause zurückbekommen und auch bei Hilde eine zweite Chance?


    Persönlicher Eindruck:

    Was zunächst wie ein heiterer Familienroman klingt, macht auch zunächst richtig Spaß: der Papa, der in der (Hochwasser-)Not bei seiner Tochter und deren Lebensgefährten unterkommt und mit seinem Faible für Tiefkühlkost und Excel-Listen deren Leben gehörig durcheinander wirbelt, trifft per Zufall auf seine Jugendliebe. Wer wird da nicht neugierig?

    Papa Heinz ist ein heller Kopf, fühlt sich mit seinen 83 Jahren noch längst nicht zum alten Eisen gehörig und bringt so manch andere Meinung und frischen Wind in die zugegebenermaßen hochgestochene Beziehung zwischen Tochter Carmen und Frank, einem Psychologen. Heinz war mir sofort sympathisch, seine Ideen pfiffig und mit einem wahren Kern hinter all seinen Schrulligkeiten. Wer mir bis zum Schluss unsympathisch war: Carmen, die ältere der beiden Töchter.

    Während Paloma, die jüngere, trotz eigener Familie mit zwei anstrengenden Kindern selber anpackt auf der Hochwasserbaustelle, jammert Carmen tagein, tagaus über alles und jeden. Papa Heinz kann es ihr gar nicht recht machen – sie hat sich ihre Meinung doch schon längst gebildet und will ihn abschieben – sei es nun ins Altersheim oder auch der gutmütigen Hilde aufdrücken, die verwitwet in einem eigenen Häuschen lebt. Nur halt weit weg soll es sein, damit keiner auf die Idee käme, Carmen müsste für ihren Vater auch nur einen Finger rühren. Auch als Carmen ihren Job in der Apotheke kündigt und im Grunde keinerlei Verpflichtungen mehr hat, verwirklicht sie sich lieber beim Yogakurs ihrer Freundin, als mal tatkräftig in die Hände zu spucken und mit anzupacken.

    Natürlich ist vieles überspitzt dargestellt, wie Heinz' Bofrost-Faible oder auch der plötzliche Einzug von Hilde. Dieser scheint mir reichlich unglaubhaft, denn im Grunde sind Hilde und Heinz sich inzwischen völlig fremd und der Kontakt würde sich in der Realität so nicht gestalten. Leider laufen sich die Gags nach etwa der Hälfte tot und man hat als Leser das Gefühl, immer wieder das Gleiche in neuen Tassen aufgewärmt vorgesetzt zu bekommen.

    Was klingt, wie eine Mischung aus „Urlaub mit Papa“ von Dora Heldt (der hieß übrigens auch Heinz, ein Schelm, der Böses dabei denkt) und Sketchen von Dieter Hallervorden, ist ein relativ seichter Unterhaltungsroman, bei dem man nicht viel denken muss. Allerdings scheint vieles auch sehr aufgebauscht, denn vergleicht man die Dauerkrise aus dem Ahrtal der Realität mit Vater Heinz' abgesoffenem Keller, kann dieser nach zwei Wochen schon wieder bewohnt werden, also war wohl doch alles weniger schlimm, als gedacht.

    Letztendlich hat mich der Roman enttäuscht und auch zunehmend gelangweilt, witzig fand ich das Ganze nur zu Beginn. Leider konnte mich der Humor nicht längerfristig erreichen und so wird die Geschichte auch im Nu wieder aus dem Gedächtnis verwunden sein, leider.

    Zwischen den Welten

    Annie Betram
    Zwischen den Welten (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    10.01.2026

    Beeindruckende Fotos aber schlechtes Lektorat - schade bei der Qualität

    Buchinhalt:

    In beeindruckenden Bildern nimmt die Kunstfotografin Bertram den Leser mit zu sogenannten Lost Places, verfallenen Herrenhäusern, Palazzi, Villen, aufgegebenen Kliniken und Kirchen bis hin zu Industrieruinen, deren morbider Charme eingefangen wird und deren architektonische Details sie gekonnt in Szene setzt. Wer mag dort wohl einst gelebt haben? Was ging in den Menschen vor, die Patienten waren in den alten Psychiatrien? Natürlich ist ein gewisses Maß an Grusel erwünscht und beim Betrachten konkurrieren vergangene Schönheit und schauriges Element vor dem inneren Auge des Lesers.


    Persönlicher Eindruck:

    Dies ist nicht mein erstes Buch, das sich mit sogenannten „Lost Places“ beschäftigt. Umso mehr hat mich die hochwertige Aufmachung des Bildbandes beeindruckt, dem sich der Leser wahrlich nicht entziehen kann. Die Kunstfotografin Betram (ich habe leider nirgends einen Hinweis gefunden, ob nun autodidakt oder tatsächlich vom Fach) versteht, was sie tut. Auf den Bildern fängt sie die morbide Schönheit alter Villen und Herrenhäuser, verlassener Kirchen und Kliniken ein und gibt einen vagen Hinweis darauf, wie die Gebäude ursprünglich ausgesehen und in welcher Pracht sie teilweise erstrahlt sein müssen.

    Die Fotos sind hochwertig und professionell, keine Frage. Leider kann ich das vom Lektorat / Korrektorat nicht behaupten. Obwohl eine Frau Theobald als Lektorin genannt wurde, strotzt das Buch in den erläuternden Texten vor Schreibfehlern, grammatikalischen Fehlern und falsch geschriebenen Jahreszahlen. „Der Kampf des Erzengel Gabriels“ statt „Der Kampf des Erzengels Gabriel“, „Baalsaal“ (mehrfach!) statt „Ballsaal“, konsequent „1930ger Jahre“ statt „1930er Jahre“, von zahlreichen einfachen Tippfehlern ganz zu schweigen. Und auch wenn nach neuer Rechtschreibung von 1998 der Buchstabe ß an vielen Stellen zu einem Doppel-s wurde, gilt das noch lange nicht für überall. Letztendlich findet man den „Deppen-Apostroph (man verzeihe mir den Ausdruck) dann im Nachwort auch noch zwei Mal.

    Vor dem Veröffentlichen eines wirklich qualitativ so hochwertigen Werkes sollte einfach eine professionelle Endkontrolle erfolgen, das war hier offensichtlich nicht der Fall.

    Von der äußeren Aufmachung und der Qualität der Materialien ist der Bildband top und spielt ganz vorne mit, doch besagte Mängel trüben die Freude all derer, denen es mit spektakulären Fotos alleine nicht getan ist und die sich von Begleittexten einen Mehrwert erwarten.

    Insgesamt ist Italien bei dem Potpourri an verlassenen Orten am meisten vertreten, andere Orte in Europa oder besonders Deutschland eher spärlich.

    Mein Fazit: wer sich für Lost Places interessiert und auch über die Ländergrenzen Deutschlands hinaus verlassene Orte kennenlernen möchte und sehen möchte, wie die Natur sich teilweise den menschengemachten Raum zurück erobert, liegt hier sicher nicht falsch, sollte aber bei einem Kaufpreis von 20 € bereit sein, über gewisse Mängel hinweg zu sehen.
    Stille Nacht

    Titus Müller
    Stille Nacht (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.12.2025

    Schöne Erzählung rund um das bekannteste Weihnachtslied der Welt

    Buchinhalt:

    Stille Nacht, das wohl bekannteste Weihnachtslied der Welt, erklang 1818 zum ersten Mal. Der Verfasser ist der Pfarrer Joseph Mohr, der Komponist der Melodie Franz Gruber. Und das Lied sollte später in allen Teilen der Welt gespielt werden – bis heute. Doch wie ist Stille Nacht genau entstanden, wer war dieser Pfarrer? Dem geht diese Kurzerzählung nach.


    Persönlicher Eindruck:

    Das wohl bekannteste Weihnachtslied überhaupt hat seinen Ursprung in Österreich: Hilfspfarrer Mohr schrieb am Anfang des 19. Jahrhunderts ein Gedicht mit acht Strophen, das heute den Text stellt zur Melodie von Franz Gruber. Doch die meisten Menschen werden Mohr nicht kennen – wer war dieser Mann, der sich mit dem Lied bis heute unsterblich machte?

    Die Erzählung in ihrer Neuauflage (sie ist vor Jahren bereits in einem chroistlich geprägten Verlagshaus erstveröffentlicht worden) kommt als kleines Hardcover mit edlem Golddruck auf dem Cover daher. Mir hat die Geschichte gut gefallen, sie ist berührend und führt den Leser in die Zeit um 1818, nimmt ihn mit in das Leben des unscheinbaren Pfarrers. Die Erzählung ist kurz, aber gefühlvoll – ich wäre gerne noch viel detaillierter eingetaucht in diese historische Geschichte.

    Mohr ist ein Kümmerer, kein gewöhnlicher Pfarrer. Was er sagt, ist seine Überzeugung – und die Musik ist seine Leidenschaft. Dass er zusammen mit seinem Freund Gruber ein so berührendes Weihnachtslied in die Welt hinaus schickt, ist ihm erst bewusst, als es bei seiner Erstaufführung die Menschen bewegt. Und das bis heute – kein Weihnachtslied hat meines Erachtens diese Tiefe und allumfassende Fülle der Heiligen Nacht als solcher.

    In der vorliegenden Ausgabe eignet sich das Büchlein wunderbar auch als Geschenk zum Christfest oder auch als Mitbringsel zum Krankenbesuch in der Weihnachtszeit. Das Format ist kleiner als bei einem herkömmlichen Buch, liegt aber wunderbar in der Hand. Eine gute Idee, den Kurzroman neu aufzulegen – zumal in einem säkularen Verlag und dadurch wohl einer breiteren Leserschaft zugänglich als noch bei der Erstausgabe.
    Die Welt in unseren Händen

    Emily Walton
    Die Welt in unseren Händen (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    14.12.2025

    Teilweise unglaubhafte Ferienlagerromantik in durchweg linearer Handlung - dennoch nicht unspannend.

    Buchinhalt:

    England in den 1940er Jahren: um ihrem tristen Alltag zu entfliehen und um ihr Leben in ihre eigenen Hände nehmen zu können meldet sich die junge June bei der Frauenhilfsorganisation der englischen Luftstreitkräfte. Ohne größere Bildung und Kenntnis gelangt die junge Frau vom anfänglichen Ausbildungslager schließlich ins ferne Kairo, wo sie den Fotografen Ken kennen und lieben lernt....


    Persönlicher Eindruck:

    Autorin Walton verarbeitet die Erinnerungen ihrer eigenen Großmutter, die im zweiten Weltkrieg ebenfalls beim WAAF diente, in diesem halbbiografischen Roman. Hauptfigur June verkörpert dabei die Großmutter, dennoch ist auch viel Fiktion dabei. Man taucht als Leser ein in einen keineswegs unspannenden historischen Roman, der eine rein lineare Handlung aufweist – etwaige Nebenhandlungsstränge oder andere Perspektiven gibt es keine und so ist die Lektüre sehr einfach gestrickt und liest sich mehr als leicht.

    June stammt aus einem ärmlichen Viertel Londons, die Mutter ist früh gestorben, der Vater ist Alkoholiker. June muss schon sehr früh als Haushaltshilfe arbeiten, wird vom Vater ausgebeutet und flieht schließlich in den Dienst der Royal Air Force, wo sie sich für die Frauenhilfsorganisation freiwillig meldet. Der Drill ist hart, doch June findet schnell Freundinnen.

    Der Großteil des Romans spielt sich also beim Militär ab und obwohl June keinerlei Bildung hat (ein nicht zu Ende gebrachter Schreibmaschinenkurs ist alles, was sie mitbringt) beißt sie sich durch. Gerade hier finde ich manches relativ unglaubhaft, denn auch bei dem Männermangel, verursacht durch den Krieg, werden die britischen Streitkräfte keine ungebildeten Personen an die Stellen geschickt haben, an denen sich June alsbald wiederfindet.

    Die Autorin verkauft June als relativen Tausendsassa, diese lernt im Nullkommanichts sogar Autos zu reparieren und im fernen Kairo findet sich das unbedarfte Mädchen schneller zurecht, als man es für möglich halten sollte.

    Keine Frage, der Plot, in dem es darum geht, als Frau einen eigenen Weg zu gehen, ist spannend und man klebt förmlich an den Seiten. Dennoch kommen mir die Erinnerungen der Großmutter der Autorin, die ja die Basis der Erzählung bilden, reichlich glorifiziert und geschönt vor. Das Kriegsgeschehen ist überall nur Randerscheinung und Kulisse, wirklich Bomben fallen und Kugeln pfeifen hört June weder in England noch im Nahen Osten.

    Die Liebesgeschichte, in der die Geschichte mündet, ist intensiv aber von kurzer Dauer, die Wende am Schluss fand ich zu schnell abgehandelt und June fühlt sich davon überhaupt nicht berührt. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber gerade hier hätte ich mir etwas mehr Emotion von der Hauptfigur gewünscht.

    Was am Ende aus June wird, als der Krieg aus ist, erfährt man nicht, allerdings ist auch der Klappentext fehlerhaft. Das „letzte Wiedersehen“ suggeriert den Tod der Großmutter, diese stirbt aber nicht und das Ende ist relativ offen.

    Alles in allem fand ich die Ferienlagerromantik, die die Autorin im Leben ihrer Romanfigur bei den Streitkräften beschreibt, wenig authentisch, denn man hat das Gefühl, hier ist ein Mädchen bei den Pfadfindern und nicht beim Militär – June ist für den WAAF nur ein unbedeutendes Rädchen im Getriebe und nicht die patente Schlüsselfigur, als die sie hier hochstilisiert wird, tut mir leid.
    Biome der Meere

    Juliana Aschwanden-Vilaça
    Biome der Meere (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    13.12.2025

    Schön illustriertes Naturbuch über die Lebensräume in und an den Meeren. Gefällt mir sehr gut!

    Buchinhalt:

    Unsere Meere sind voller unterschiedlicher Lebensräume – Säugetiere und Fische, Wirbeltiere und Wirbellose geben sich darin ein Stelldichein und viele sind uns bis heute völlig unbekannt. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Ökosystemen ist fließend, so dass man nicht nur das Leben unter der Oberfläche betrachten darf sondern auch die Küsten und oberirdischen Lebensräume mit einbezogen werden. Es gibt viel zu entdecken!


    Persönlicher Eindruck:

    Biome sind Lebensräume, die sich aus Ökosystemen zusammensetzen. Mir war ehrlich gesagt der Begriff „Biom“ vorher gänzlich unbekannt, so dass ich ihn erst googeln musste. Aber ob man jetzt von Lebensräumen spricht oder von Biomen, ist im Grunde nebensächlich – das Buch ist eine farbenprächtige Sammlung des Lebens in und an den Ozeanen dieser Erde.

    Es ist ein illustriertes Naturbuch, kein Bildband mit Fotos. Gerade das macht dieses Buch so einzigartig: die harmonische Farbgestaltung zeigt, wie bunt und vielfältig die Natur doch ist und wie vielfältig das Leben unter und über dem Wasser ist. Die Bilder sind großartig und laden kleine und große Leser immer wieder zum Schmökern ein, wirken nie überladen und lenken den Blick des Lesers immer auf das Wesentliche.

    Verlagsseitig ist das Buch ab 10 Jahren empfohlen und somit ein Kindersachbuch, wohingegen ich das Buch ebenso für eine erwachsene Leserschaft sehen würde. Gegen die reine Altersempfehlung spricht vielleicht genau der Titel: kein Zehnjähriger wird mit dem Begriff „Biom“ etwas anfangen können und es bedarf bei der jungen Zielgruppe dann doch einiges an Erklärung.

    Sehr schön ist, dass der Text, obwohl fundiert und sehr lehrreich, die Illustrationen nicht überlagert und in den Hintergrund rückt. Dieses Buch lebt von den Bildern, dennoch hätte ich mir an manchen Stellen einen etwas größeren Kontrast zwischen Text und Hintergrundfarbe gewünscht.

    Kritisieren muss ich leider das Material des Covers. Es ist edel und schön anzusehen, fühlt sich auch haptisch angenehm an. Jedoch hat das Cover keinerlei Schutzschicht und wird gerade in Kinderhänden schnell an Kanten und Ecken abgeschabt aussehen. Mit 27 € gehört das Buch ins höhere Preissegment und da enttäuscht mich die empfindliche Oberfläche durchaus. Die Seitten hingegen haben eine angenehme und langlebige Dicke.

    Inhaltlich ist das Buch top, eine absolute Buchempfehlung für alle Naturliebhaber ungeachtet des Lesealters – denn ich wette, kaum ein Leser hat vorher schon alle vorgestellten Tiere und deren Habitat gekannt.

    Fazit: Mit einigen kleinen Abstrichen ein gelungenes Buch, das mit seinem Inhalt und den schönen Illustrationen auf alle Fälle punktet!
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