Ein Fall voller Rätsel
Was für eine brillante Idee, die Aufklärung eines spannenden Kriminalfalls in die Hände zweier engagierter Polizeischüler zu legen! Schon dieser ungewöhnliche Ansatz hat mich neugierig gemacht – und ich wurde nicht enttäuscht. Denn wenn zwei junge Ermittler nicht nur einem Täter auf der Spur sind, sondern gleichzeitig um ihre eigene berufliche Zukunft kämpfen, ist Spannung praktisch vorprogrammiert.
Mila Elias und Tom Wolf haben es in der letzten Phase ihrer Ausbildung geschafft, der Abteilung für Kapitaldelikte zugeteilt zu werden. Beide sind fest entschlossen, ihr Bestes zu geben, um dauerhaft in diesem Team bleiben zu können. Dabei ist ihnen durchaus bewusst, dass sie miteinander konkurrieren. Jeder möchte sich beweisen und zeigen, dass er für diese anspruchsvolle Aufgabe geeignet ist. Vertrauen? Fehlanzeige! Der ständige Konkurrenzkampf macht ihre Zusammenarbeit nicht gerade einfacher und sorgt für zusätzliche Spannung.
Der neueste Fall kommt da gerade recht: Bei der Auflösung des Haushalts ihres verstorbenen Vaters macht eine Frau eine schreckliche Entdeckung. In einer Tiefkühltruhe stößt sie auf die sterblichen Überreste mehrerer Frauen. Doch wer sind die Toten, und was ist ihnen zugestoßen?
Die Identifizierung gestaltet sich schwierig. Bald zeigt sich jedoch eine Gemeinsamkeit: Alle Opfer waren Prostituierte. Auch eine Schülerin, die bereits vor Jahren spurlos verschwunden ist, scheint mit dem Fall in Verbindung zu stehen. Doch es gibt ein Problem: Der mutmaßliche Täter ist längst tot. Damit scheint der Fall eigentlich so gut wie abgeschlossen.
Doch Mila gibt sich damit nicht zufrieden. Ihr grenzenloser Ehrgeiz lässt sie nicht los, und so beginnt sie, auf eigene Faust weiterzuermitteln. Ist der Fall wirklich so eindeutig, wie es zunächst scheint? Oder verbirgt sich hinter den bisherigen Erkenntnissen eine Wahrheit, die noch niemand erkannt hat?
Besonders fasziniert hat mich, wie authentisch und nachvollziehbar die Ermittlungsarbeit geschildert wird. Ich habe einen interessanten Einblick in die Abläufe bei der Aufklärung eines solchen Verbrechens bekommen. Gleichzeitig begleiten wir Mila und Tom bei ihren ersten Erfahrungen in der Abteilung für Kapitaldelikte. Ihre Unsicherheiten, ihr Ehrgeiz und ihr Wunsch, sich zu beweisen, machen die beiden zu interessanten Figuren.
Sehr gut gefallen hat mir auch der unentwegte Konkurrenzkampf zwischen den beiden. Sie müssen zusammenarbeiten, können einander aber kaum vertrauen, weil jeder um seinen Platz im Team kämpft. Diese Konstellation verleiht der Geschichte eine besondere Dynamik.
Eine weitere spannende Figur ist der pensionierte Kommissar Herbert Wittkowski. Der alte Ermittler hat den ungeklärten Fall der verschwundenen Schülerin nie vergessen und beschließt, sich in die aktuellen Ermittlungen einzumischen. Dabei zeigt sich, dass die beiden jungen Polizeischüler gerade von ihm einiges lernen können – vielleicht sogar mehr, als von ihren eigenen Vorgesetzten.
Der Krimi ist fesselnd geschrieben und hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Obwohl der Fall zunächst beinahe aufgeklärt scheint, steigt die Spannung von Kapitel zu Kapitel. Immer neue Erkenntnisse werfen Fragen auf und lassen Zweifel an den bisherigen Schlussfolgerungen aufkommen.
Besonders gelungen fand ich, dass ich bis zum Schluss keine wirkliche Ahnung hatte, wie sich alles auflösen würde. Genau das macht für mich einen richtig guten Krimi aus: Man rätselt mit, stellt eigene Vermutungen an und wird am Ende doch noch überrascht.
Mein Fazit: Ein packender Kriminalroman mit einer originellen Ausgangsidee, interessanten Charakteren und einer durchgehend steigenden Spannungskurve. Die Kombination aus einem rätselhaften Fall, zwei ehrgeizigen Polizeischülern und einem erfahrenen Ermittler, der nicht locker lässt, hat mich absolut überzeugt.
Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne!