Geht es auch anders?
Mehr und mehr entdecken die Plattenproduzenten und Dirigenten, dass Operetten-Komponisten mehr – oder: auch anders – Musik schreiben konnten als „nur“ flotte, leichte Muse. Das gilt eben auch für Franz von Suppe, den man ja eindeutig in die Operettenwelt Wiens verorten würde. cpo setzt nun Dirigent Ernst Theis und die Staatsmusiker aus Frankfurt/O. in Gang, um beim guten Suppe die andere Seite der Komponistenmedaille zu entdecken. Da wäre nämlich die 1859 komponierte, gut halbstündige Fantasia Sinfonica. In den traditionellen vier Sätze angelegt und in der typischen romantischen Tonsprache der Zeit geschrieben, ist nicht recht einsichtig, warum es eine „Fantasia“ sein soll. Für mich eine klassische Sinfonieform. Die cpo-Aufnahme ist keine Premiere. Fast zeitgleich nahm Dirigent Rudner mit den Wiener Tonkünstlern das Stück auf NAXOS auf. Auch die Aufnahme liegt mir vor. Sie unterscheiden sich nicht viel. Theis hat vielleicht den etwas festeren Zugriff und spart eine Minute. Andererseits hat die Naxos-Aufnahme weniger Hall. Das ist besser. Auch das „Beiprogramm“ bei NAXOS gefällt mir eher, weil doch u.a. auf Operettenstücke zurückgegriffen wird. cpo hängt da die 12 Spanischen Tänze an, bei denen ich mich frage, was daran „spanisch“ sein soll?! Da klingt sogar ein Bolero mehr nach Wien als nach Andalusien. Vom Hocker hauen einen die Stücke nicht. Das klingt alles schön, wird alles toll gespielt und ist gut aufgenommen. Doch mehr als einen gehobenen Unterhaltungswert messe ich diesen Suppe-Stücken nicht bei. Dann doch lieber seine Wiener Operetten-Seite!